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Fakuma Nachbericht | Nach den beiden Messen der Superlativen, K 2010 und interpack, fiel das Innovationsfeuerwerk auf der Fakuma in Friedrichshafen naturgemäß etwas zurückhaltender aus.

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Fakuma Nachbericht | Nach den beiden Messen der Superlativen, K 2010 und interpack, fiel das Innovationsfeuerwerk auf der Fakuma in Friedrichshafen naturgemäß etwas zurückhaltender aus. Doch wer genau hinschaute, konnte bei dem einen oder anderen Aussteller Interessantes für die Verpackungsbranche entdecken.

Wie auch bei der K 2010 und der interpack lag die Investitionsbereitschaft der Messebesucher immer noch auf einem überraschend hohen Niveau. Zahlreiche Äußerungen von Ausstellern wie „Wir haben noch nie sofort so viele Aufträge bekommen“, oder „Diese Messe verlief für uns geradezu spektakulär, sie war für uns wohl die beste von allen“, bis hin zu „Wir haben hier sogar Orders erhalten, die im Vorfeld gar nicht abgesprochen waren“, zeigen, dass der wirtschaftliche Aufschwung und der Nachholbedarf seit Ende 2010 weiter anhält.

Auch der Veranstalter hat allen Grund zur Freude. Die Messe feiert in diesem Jahr ihr 30jähriges Jubiläum. In diesen drei Jahrzehnten wuchs die Fakuma von 4.000 auf 85.000 m2, von 60 auf 1.670 Aussteller, von drei auf 34 Ausstellerländer und von rund 4.000 auf 44.823 Fachbesucher. Diese konnten an einigen Messeständen die Herstellung von Kunststoffverpackungen live miterleben. So zeigte der Spritzgießmaschinenhersteller Arburg eine In-mould-labeling-Anlage, die Eimer mit Henkel fertigte. Gespritzt wurden die Eimer auf einem Allrounder 720 H mit 3.200 kN Schließkraft und einer Spritzeinheit der Größe 2100. Der Anwendung entsprechend verfügte die Maschine über eine spezielle Verpackungsausstattung. Um kurze Zykluszeiten zu realisieren, wurde die Spritzeinheit für den Hochleistungsbereich ausgelegt. Eine verlängerte 70-mm-Schnecke sorgt dabei für entsprechend hohe Plastifizierung. Das Exponat arbeitet mit einem 2+2-fach-Werkzeug und produziert pro Zyklus jeweils zwei Eimer und zwei Henkel. Das Gesamtgewicht beider Artikel liegt bei 62 g, der Materialdurchsatz bei rund 50 kg/h. Die In-mould-labeling-Anlage nimmt die Label auf, legt sie ins Werkzeug ein, entnimmt die Spritzteile aus der beweglichen Werkzeugseite, montiert die Henkel und legt die fertigen Eimer auf einem Förderband ab. Von der Aufnahme der Label bis zur Ablage der fertigen Eimer auf dem Förderband vergehen dabei nur 4,85 s.

Schnelllaufende Verpackungsanwendung
Eine weitere In-mould-labeling-Anwendung aus dem Verpackungssektor präsentierte die Firma Erkoc Plastik & Kalip San mit einem hybriden Allrounder 570 H. Für eine solche schnelllaufende Verpackungsanwendung sind die hybriden Hochleistungsmaschinen der Baureihe Hidrive (H) von Arburg besonders geeignet. Die Allrounder H decken einen Schließkraftbereich von 600 bis 5.000 kN ab und stehen für eine hohe Produktionsleistung bei gleichzeitig kurzen Zyklen und reduziertem Energieverbrauch. Die Baureihe bringt bewährte elektrische und hydraulische Komponenten aus dem modularen Baukastensystem zusammen.

Ein Höchstmaß an Integration konnten die Besucher bei dem Exponat der ENGEL AUSTRIA GmbH in Augenschein nehmen. Im Zwei-Komponenten-Spritzguss und mit In-mould-labeling wurden in Dünnwandtechnik Deckel für einen neu entwickelten Eiscremebehälter gefertigt. Zum Einsatz kamen dafür eine vollelektrische e-motion 740H310W/180 T combi Maschine. Vollelektrische Spritzgießmaschinen sollen laut ENGEL in der Verpackungsindustrie zunehmend an Bedeutung gewinnen, vor allem im Bereich der Hochleistungs- und Schnelllaufanwendungen. Zykluszeiten von unter 5 s und Einspritzgeschwindigkeiten von 450 mm pro Sekunde sind inzwischen realisierbar – eine Leistungsklasse, die bislang energieintensiven Akku-Maschinen vorbehalten war.

Die Schweizer Netstal-Maschinen AG präsentierte ein hochwertiges Verschlussdesign auf der Spritzgießmaschine ELION 2800 mit der neuen hybriden Antriebstechnologie. Die Getränkeverschlüsse PCO 1881 wurden bei einem Zyklus von 3,5 s mit einem 72-fach-Werkzeug hergestellt. Mit der Präsentation will Netstal der steigenden Nachfrage nach Materialeinsparung und Prozesseffizienz sowie Senkung der Herstellkosten seitens der Kunden gerecht werden. Durch die deutliche Reduktion des Gewichts der Verschlusskappen zeigt das Unternehmen, wie der Einsatz einer hochwertigen Spritzgießmaschine gepaart mit effizienten Prozessverfahren zu einer wirtschaftlicheren Fertigung führt – unter anderem einer Einsparung von mehreren Tausend Tonnen Rohmaterial pro Jahr über den gesamten Markt. Hierbei spiegelt sich auch das Verfahrens- und Prozess-Know-how von Netstal wider, da es gelungen ist, das Gewicht des Getränkeverschlusses PCO 1881 seit der Markteinführung im Jahre 2008 von ursprünglich 2,45 auf 2,3 g für kohlensäurehaltige Softdrinks und bis auf 1,8 g für stille Wasser zu senken.

Zusammen mit Netstal haben Werkzeugbauer Glaroform AG und Ilsemann Automation daran gearbeitet, bestehende Verpackungen mit Barriereeigenschaften durch eine hochwertige, wiederverschließbare Kunststoffverbundlösungen zu ersetzen. Dazu wurde eine Substitution als Mehrschichten-Barriereverbund entwickelt. Netstal zeigte auf dem Stand von Ilsemann eine Kostprobe der kürzlich entwickelten Anwendung aus dem Bereich „funktionelle Kunststoffverpackungen“, hergestellt auf der ELION 500. Beim produzierten Formteil handelt es sich um einen Behälter, bei dem eine Barrierefolie von zwei Seiten mit einer Kunststoffschicht hinterspritzt wird. Durch diesen spezifischen Aufbau des sogenannten Mehrschichten-Barriereverbunds wird erreicht, dass die Barrierefolie einerseits vor Beschädigungen von aussen geschützt ist und andererseits nicht mit dem zu verpackenden Lebensmittel in Berührung kommt.

Eine zufriedenstellende, positive Bilanz zog auch die KIEFEL GmbH am Ende der Messe. Die gezeigte Neuentwicklung, die Stapelstation Best, soll in Verbindung mit der Becherformanlage Thermorunner KTR 4 Speed beim Fachpublikum großen Anklang gefunden haben. Die Thermorunner sind für die Großserienfertigung von Deckeln, Trink- und Jogurtbechern ausgelegt.

Auf dem Messestand von SONOTRONIC lenkte das neue einseitig gelagerte Ultraschall-Rollnahtmodul die Aufmerksamkeit der Besucher aus der Verpackungstechnikbranche auf sich. Das Ultraschall-Rollnahtmodul hat das Unternehmen speziell zur nahtlosen Verschweißung von Folien und Vliesen entwickelt. Durch den schlupffreien Parallelantrieb durch Sonotrode und Ambossrad ist es möglich, partikelfreie Verschweißungen bis zu einer Foliendicke von ca. 15 Mikrometer durchzuführen.

  • Bestehende Verpackungen mit Barriereeigenschaften lassen sich durch hochwertige, wiederverschließbare Kunststoffverbundlösungen ersetzen. (Foto: Netstal)
  • Von der Aufnahme der Label bis zur Ablage der fertigen Eimer mit Henkel auf dem  Förderband vergehen nur 4,85 s.  (Foto: Messe Friedrichshafen)
  • Im Zwei-Komponenten-Spritzguss und mit In-mould-labeling wurden in Dünnwand- technik Deckel für einen neu entwickelten Eiscremebehälter gefertigt. (Foto: Engel)
  • Der Eimer mit Henkel und Label wird in einem Arbeitsschritt auf einem Werkzeug hergestellt. (Foto: Arburg)

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P. E. Schall GmbH & Co. KG Messeunternehmen

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