-

Persönliche Eigenschaften sind gefragt | Wo Menschen zusammenarbeiten, finden Kontakt, Austausch und Dialog statt. Ob diese gelingen, bestimmt maßgeblich die Ausstattung der Akteure mit sozialer Kompetenz. Kommunikative Kompetenz, Selbstbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, analytisches Denken, Vertrauenswürdigkeit, Selbstdisziplin, Neugierde, Konfliktfähigkeit, Durchsetzungsvermögen.

Anzeige

Persönliche Eigenschaften sind gefragt | Wo Menschen zusammenarbeiten, finden Kontakt, Austausch und Dialog statt. Ob diese gelingen, bestimmt maßgeblich die Ausstattung der Akteure mit sozialer Kompetenz. Kommunikative Kompetenz, Selbstbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, analytisches Denken, Vertrauenswürdigkeit, Selbstdisziplin, Neugierde, Konfliktfähigkeit, Durchsetzungsvermögen.

Der Begriff „Soft Skills“ umfasst die Elemente jener diffusen Begabung, die nötig ist, um den Kontakt mit anderen erfolgreich zu meistern. „Unter Soft Skills verstehen wir alle persönlichen Eigenschaften, Einstellungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die dazu beitragen, die zwischenmenschliche Arbeit positiv zu beeinflussen und den Kontakt zu Geschäftspartnern und Kollegen so professionell, kompetent und empathisch wie möglich zu gestalten“, erklärt Peter David Schaade, geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Widex Hörgeräte GmbH. Die fachliche Qualifikation sei nicht alles – die Persönlichkeit und die damit verbundenen Soft Skills seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machten den guten Ruf bei den Kunden und damit den Erfolg des Unternehmens aus. „Aufgaben sind mittlerweile so komplex, dass sie nur noch in Zusammenarbeit mit anderen Menschen zu bewältigen sind – je ausgeprägter die soziale Kompetenz, desto reibungsloser der Projektfortschritt“, erklärt Rüdiger Bechstein, Vice President Corporate Human Resources bei der Alfred Kärcher GmbH & Co. KG in Winnenden. Ein reflektierter Umgang mit sich selbst sei Ausgangbasis für den gelungenen Kontakt mit anderen, hält Bechstein die Fähigkeit, in den Spiegel zu schauen für vital: „Feedback gibt Orientierung und eine hilfreiche Rückmeldung für die Entwicklung der eigenen Soft Skills“.

Arbeitsprozesse brauchen Kommunikation
Soziale Kompetenzen sind das Schmiermittel in der Zusammenarbeit. „Nur wenn Mitarbeiter ausreichend Kommunikationsfähigkeit aufweisen, kann der Arbeitsprozess weiterlaufen und ein Schritt, in den nächsten übergehen“, sagt Katja Reibold, Leiterin Grafik und Produktion bei der Eurotransport Media Verlags und Veranstaltungs-GmbH in Stuttgart. Achtsamkeit für angrenzende Bereiche und die Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, sei wesentliche Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf im Betrieb: „Man muss den Gesamtzusammenhang einer Aufgabe sehen, seinen Beitrag überdenken und gegebenenfalls anpassen – wenn das nicht passiert, wird Dynamik unmöglich“.

In unserer Zahlen dominierten Wirtschaftswelt findet das Konzept von Soft Skills wenig Raum. Im täglichen Unternehmensgeschehen bleibt die Verständigung über weiche Faktoren oft auf der Strecke. „Es gibt Manager, die glauben, ihnen fiele ein Zacken aus der Krone, wenn sie weiche Faktoren benennen und ihnen ähnliche Relevanz zuweisen, wie Zahlen, Daten oder Fakten“, sagt Rüdiger Hahn, Geschäftsführer der Winkler-Gruppe in Stuttgart. Er ist überzeugt, dass vielen Unternehmenschefs der Zeit- und Energieaufwand für die Beschäftigung mit der komplexen Materie einfach zu groß ist.

Auch das Management in kleinen Betrieben des Mittelstandes macht in der Regel einen Bogen um das Thema Soft Skills. Bei genauerem Betrachten erweist sich das als tief verwurzelter Pragmatismus. „Weiche Faktoren gehören zur Grundausstattung jedes erfolgreichen mittelständischen Unternehmens – das wird gemacht, ohne dass sich jemand mit irgendwelchen Beraterbegrifflichkeiten auseinandersetzt“, erklärt Thomas Schader, geschäftsführender Gesellschafter der Succeed GmbH aus Dieburg. Vertrauen sei im Mittelstand das grundlegende Geschäftsprinzip – und nur mit Soft Skills umsetzbar: „Gerade in kleinen Unternehmen existiert ein ausgeprägtes Gefühl für das Miteinander in der Belegschaft“. In Krisenszenarien begegnet der Sanierungsberater oft gravierenden Defiziten bei der Führungsfähigkeit des Unternehmers: „Oft können wir relativ schnell Verbesserungspotenziale generieren, wenn wir die Mitarbeiter einbinden“. Wo es um den Aufbau von Vertrauen gehe, böten weiche Faktoren den einzigen Ausgangspunkt für einen Neuanfang. Denn: „Die harten Fakten sprechen längst gegen den Unternehmer“.

Soft Skills sind wichtig für eine positive Unternehmenskultur
Wo das Thema Soft Skills vernachlässigt wird, gibt es keine positive Unternehmenskultur, es kommt zu Konflikten, schlechtes Klima und miese Stimmung prägen den Arbeitsalltag. Das Risiko von Burn-out und anderen Belastungserkrankungen steigt. Oder wie es Michaela Stach, Geschäftsführerin der Akademie für Moderation sowie des Beratungsunternehmens Soft Skill-Marketing in Allmersbach im Tal formuliert: „Wenn die weichen Faktoren der Führung im Argen liegen, sind Mitarbeiter nicht bereit, das Quäntchen mehr an Einsatz zu geben“. Dass Seminare und Workshops immer kompakter und Lernerfolge quasi über Nacht erwartet werden, findet Stach fatal: „Verhalten und Einstellungen ändern sich nur langsam – persönliche Entwicklung braucht Zeit“.

Bei der Entwicklung von Soft Skills setzen KMU-Chefs bevorzugt auf den persönlichen Dialog. „Als mittelständisches Unternehmen haben wir das Glück, der persönlichen Kommunikation noch viel Raum geben zu können: Wir sind nah an unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dran, führen regelmäßig Gespräche mit den direkten Vorgesetzten, mit Teammitgliedern, den Mitarbeitern selbst und beobachten im täglichen Miteinander das Verhalten“, sagt Unternehmenschef Schaade. Widex nutzt zusätzlich das Persönlichkeitsmodell Insights, um die Motivation und Einstellung seiner Mitarbeiter zu analysieren, zu bewerten und individuell zu fördern.

In unserer Zahlen dominierten Wirtschaftswelt findet das Konzept von Soft Skills wenig Raum.

Die weiche Seite des Erfolges eines Unternehmens rückt in den Fokus
Er liegt damit im Trend: Nicht zuletzt durch den Generationswechsel rückt in erfolgreichen Unternehmen des Mittelstands der systematische Blick auf weiche Faktoren in den Fokus. Dies bestätigt Tobias Augsten, geschäftsführender Gesellschafter von Weissman & Cie. in Nürnberg. Immer mehr kleine und mittlere Familienunternehmen verordneten sich per Balanced Scorecard die regelmäßige Beschäftigung mit der weichen Seite ihres Unternehmenserfolges. „Viele KMU-Unternehmer sind mental auf Umsatz und Ergebniszahlen fokussiert – doch gute Unternehmen wissen auch, dass es kritisch ist, wenn es bei Führung, Mitarbeitern oder Qualifikationen klemmt“, sagt der Unternehmensberater. Mit der Einführung eines Unternehmenscockpits disziplinierten sich Firmen selbst – und hielten die Aufmerksamkeit ihrer Führungsmannschaft langfristig auf dem Thema Soft Skills.

 

  • Foto: © ra2 studio - Fotolia.com