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Verpackungsdruck | Die neue Nummer zwei der Welt im Markt der Druckmaschinenhersteller startet zur Drupa durch. Im Werk Radebeul lüftete der Vorstandsvorsitzende der König & Bauer AG (KBA), Claus Bolza-Schünemann, mit welchen Innovationen die Würzburger künftig in umkämpften Märkten bestehen wollen. Vor allem im Bereich Bogenoffset wartet KBA mit Neuerungen auf.

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Verpackungsdruck | Die neue Nummer zwei der Welt im Markt der Druckmaschinenhersteller startet zur Drupa durch. Im Werk Radebeul lüftete der Vorstandsvorsitzende der König & Bauer AG (KBA), Claus Bolza-Schünemann, mit welchen Innovationen die Würzburger künftig in umkämpften Märkten bestehen wollen. Vor allem im Bereich Bogenoffset wartet KBA mit Neuerungen auf.

Doch blicken wir zunächst zurück: Noch vor zehn Jahren ist die Druckmaschinenbranche ein Vorzeigesegment der deutschen Exportwirtschaft. Aus Heidelberg kommt der Weltmarktführer, aus Offenbach die Zwei und im Unterfränkischen ist die dritte weltweit bedeutende Kraft zu Hause. Es folgt die große Krise. Gedruckte Medien werden durch elektronische ersetzt, chinesische Wettbewerber treten in den Markt ein, der Preiskampf unter den Konkurrenten ist ruinös. Die drei Großen der Druckbranche bieten vergleichbare Produkte an, bauen sowie verkaufen immer produktivere Maschinen („Eine neue ersetzt zwei alte“, O-Ton Bolza-Schünemann) und lassen quasi ohne Rücksicht auf das Marktwachstum ihre Kunden mit Überkapazitäten allein.

Dem Anschein nach hat KBA dieses Jahrzehnt des Niederganges noch am besten gemeistert. Das Familienunternehmen aus Würzburg ist anders als die Konkurrenten aus Deutschland schon immer schlank aufgestellt. Geld vernichtende Strukturen kennt KBA nicht. In der Krise reagiert das Unternehmen schnell, reduziert Kapazitäten, setzt auf eine tiefe Eigenfertigung, mehr Nischengeschäft und den Einstieg in den Digitaldruck. „Als einziger der drei großen deutschen Druckmaschinenbauer hat KBA den Wandel aus eigener Kraft bewältigt und ebenfalls als einziger 2009, 2010 und 2011 positive Vorsteuerergebnisse erzielt“, sagt Bolza-Schünemann und schränkt sogleich ein: „Diese Ergebnisse sind allerdings für die Finanzierung der erforderlichen Investitionen und Innovationen nicht ausreichend, weshalb wir weiter an der Optimierung der Strukturen und Prozesse, des heute schon sehr breiten und modernen Produktportfolios und der Vertriebsorganisation arbeiten werden“. So sei KBA in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem chinesischen Partner, um neben den importierten Hightech-Anlagen aus Deutschland technisch weniger aufwendige Bogenoffsetmaschinen für diesen Riesenmarkt vor Ort zu produzieren. Bolza-Schünemann betonte, dass KBA an seiner Innovationsorientierung festhalten werde, denn der Verzicht auf technischen Fortschritt würde nach seiner Meinung die Probleme der Druckbranche im Online-Zeitalter eher vergrößern als lösen.

Mit der Vorstellung der weitgehend automatisierten neuen Großformat-Baureihe Rapida 145 anhand einer Sechsfarben-Anlage für den Verpackungsdruck und einer Achtfarben-Wendemaschine für den Akzidenz- und Magazindruck möchte KBA seine technische Vorreiterrolle als Marktführer in der Jumbo-Klasse unterstreichen. Ein Beispiel für Synergieeffekte zwischen Offset- und Digitaldruck ist die Inkjet-Druckeinheit in der neuen Rapida 105-Mittelformat-Generation. Auf dem 3.500 m² großen Messestand in Düsseldorf in Halle 16, Stand-Nr. C 47, werden die KBA-Experten viele weitere Neu- und Weiterentwicklungen im Bogenoffset, Digitaldruck und Rollenoffset zeigen.

Neue Rapida 145 setzt neue Benchmarks im Großformat
Für den Bogenoffset kündigte der für dieses Segment zuständige Marketingleiter Jürgen Veil neue Maschinengenerationen und wegweisende Verfahrensinnovationen in allen Formatklassen an. Als Marktführer definiere KBA zur drupa neue Benchmarks im Großformat. Die neueste Rapida-Jumbo-Generation wird ihre offizielle Marktpremiere in Form einer höher gesetzten Sechsfarben-Rapida 145 mit neuem Lackturm, dreifacher Auslageverlängerung und automatisierter Stapellogistik haben. Die maximale Produktionsgeschwindigkeit der Rapida 145 (Format: 105 x 145 cm) liegt im Schöndruck mit High-Speed-Paket bei 17.000 Bogen/h und im Schön- und Widerdruck mit der neuen Dreitrommel-Wendung bei 15.000 Bogen/h. Viele Automatisie-rungsbausteine des Rüstzeitweltmeisters Rapida 106 stehen nun auch im neuen Großformat zur Verfügung, so Veil. Die Rapida 145 ist auf der Messe mit der ziehmarkenfreien Anlage DriveTronic SIS und mit DriveTronic SPC-Einzelantrieben für den schnellen simultanen Druckplattenwechsel ausgestattet. Das parallel zum Plattenwechsel mögliche simultane Waschen von Walzen-, Gummi- und Druckzylinder mit CleanTronic Synchro (zwei Waschbalken), ein neues Programm für das extrem schnelle Farbwerk-Waschen (CleanTronic ReInk) und weitere simultane Rüstprozesse tragen zu der wesentlich höheren Nettoproduktivität bei. Dies gilt z. B. für den neuen Lackturm mit simultanem Lackformwechsel (DriveTronic SFC) und für die von nur einem Bediener schnell zu wechselnden Rasterwalzen-Sleeves (AniSleeve). Die hohe Druckleistung von 17.000 Bogen/h wird durch die vom Leitstand voreinstellbare neue AirTronic-Auslage mit oben liegender Venturi-Bogenführung und dynamischer Bogenbremse sowie einer neuen Rakelkammer im Lackturm (HighFlow Chamber) erst möglich.

Der Verzicht auf Fortschritt vergrößert die Probleme der Druckbranche im Online-Zeitalter eher.

Das eigentliche Highlight ist aber die Vorstellung einer Hybrid-Anlage Offset/Inkjet gewesen. Die fünf Off-set-Druckwerke und der Lackturm werden durch eine Inkjet-Druckeinheit mit zwei Delta 105iUV-Systemen von Atlantic Zeiser für personalisierte Eindrucke und Codierungen ergänzt. Dank einer neuen Bogenfixierung auf einem Saugzylinder (AirTronic Drum) unter den Inkjet-Köpfen ist dies ohne Korridore und Niederhalter bisher am Markt nur bei den KBA Rapidas (105 und 106) möglich. Das Bogenende hebt bei dieser einzigartigen Lösung nicht ab und Inkjet-Systeme können mit einer Distanz von nur 1 mm zum Druckbogen installiert werden. UV-LED-Trockner ermöglichen die schnelle Trocknung der Tinte.

Es gibt diverse Anwendungsmöglichkeiten für Inkjet-Systeme in Bogenmaschinen. Sie reichen von der Bogenmarkierung für die Qualitätsüberwachung mit dem Tintenstrahldrucker alphaJET-tempo von KBA-Metronic bis hin zu Codierungen für den Markenschutz (Strich-, QR-, Zahlencodes oder Kombinationen). Anwendungsfelder können Sicherheitsdrucke, Verpackungen, Etiketten, Lotteriescheine oder die industrielle Produktkennzeichnung sein. Bis zu acht Inkjet-Köpfe von Atlantic Zeiser können in einem Druckwerk der Rapida 105 oder 106 untergebracht werden.

Die High-Speed-Graustufendrucker eignen sich auch für lackierte, laminierte, glänzende und nichtsaugende Materialien. Ein MiniController ermöglicht das Systemhandling für Kennzeichnungs-, Inspektions- und Qualitätssicherungsprozesse. Für die Verifizierung variabler Daten und die Qualitätskontrolle steht ein Hochgeschwindigkeits-Kamerasystem zur Verfügung. Eine interessante Option für Verpackungsdrucker ist die Nutzenmarkierung bei der Inline-Bogeninspektion mit KBA QualiTronic MarkPlus. Als fehlerhaft inspizierte Nutzen auf einem Druckbogen können in der Weiterverarbeitung, z. B. in der Faltschach-telklebemaschine, automatisch ausgeschleust werden. Weitere Inline-Verfahren im Bereich der Veredelung können dank der KBA AirTronic Drum ebenfalls integriert werden.

  • Auf der drupa produziert eine 12-Werke-Rapida 106 mit Lack vor und nach der Wendung für die Veredelung der Bogenvorder- und -rückseite.

Unternehmen

KBA Koenig & Bauer AG Werk Radebeul

Friedrich-List-Str. 47
01445 Radebeul
Deutschland

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