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Der Anfang des Jahres 2010 war zwar von einer leichten Erholung in der Branche gekennzeichnet. Zweifellos ist auch die Marktnachfrage gestiegen (insbesondere in Asien, wo die Wirtschaft Chinas im 1. Quartal 2010 um über 12 % gewachsen ist), doch hat der wirtschaftliche Aufschwung auf den Rohstoffmärkten zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage geführt. Auf die Wirtschaftskrise Ende 2008 folgte ein deutlicher Bestandsabbau in den meisten Rohstofflieferketten. In der Folge sind insbesondere die Kosten von Grundchemikalien seit Anfang 2009 stetig gestiegen. Alle Grundrohstoffe wie Benzol, Toluol, Ethylen und Propylen, auf welche die Druckfarbenindustrie angewiesen ist, unterliegen Preiserhöhungen im zweistelligen Bereich. Ein weiterer Faktor, der die Kosten für Rohstoffe in die Höhe treibt, sind eine Vielzahl von sog. „Force Majeur“ Fällen („höhere Gewalt“) bei Lieferanten und die Tatsache, dass sich wichtige Basisrohstofflieferanten von der Druckfarbenindustrie abwenden, wie Dow, das sich aus dem Bereich Vinylharz zurückzieht. Reduzierungen bei Kapazitäten haben Auswirkungen auf sämtliche Bereiche der Branche, wobei die Märkte für Verpackungen und Schmalbanddruckfarben ebenfalls von den weltweiten Engpässen bei Grundrohstoffen wie Acrylate oder Acrylharze, die aus Acrylsäure gewonnen werden, betroffen sind. Acrylsäure sieht sich einer weltweiten Knappheit gegenüber, die nach den Produktionszwischenfällen bei Dow und Arkema von Nordamerika ausging, jedoch inzwischen weltweit zu spüren ist. Die Engpässe haben China erreicht und vor kurzem gab BASF bekannt, dass es Kapazitäten abbauen wird. Viele Lieferanten lieferen derzeit nur gemäß Zuteilung und die Preise für Acrylate und Acrylsäure befinden sich in der Folge deutlich unter Aufwärtsdruck – letzthin ist dies auch auf die Preise für Styrol zurückzuführen, das als Co-Monomer in Styrolacrylharzen Anwendung findet, wobei diese Preise beinahe auf dem Rekordniveau von 2008 liegen. “ Während Acrylharze Grundrohstoffe für wasserlösliche Farben sind, kommen Acrylate eher in UV-Farben vor. Die oben beschriebenen Probleme erzeugen somit signifikante Schwierigkeiten in den Märkten für wasserlösliche und UV-basierte Verpackungs- und Etikettendruckfarben,“ erklärt Jens Zimmermann, Director Global Marketing Flint Group für Verpackungen & Schmalbahndruck. Des Weiteren sagt er: „Zu diesem Problem kommt noch hinzu, dass die Situation bei den Hauptrohstoffen für lösungsmittelhaltige Farben ebenfalls beunruhigend ist, da seit kurzem auch Lösungsmittel einem deutlichen Preisdruck ausgesetzt sind.“ Ein deutliches Beispiel hierfür ist Nitrocellulose, deren Preise durch Preissteigerungen bei Zellstoff, einem Grundrohstoff für NC, nach oben getrieben werden.“ Ausgehend von der bevorstehenden Situation bei Lösungsmitteln wird schnell klar, dass die meisten Pigmentzwischenstoffe ebenfalls Preissteigerungen erfahren werden, insbesondere Blau und Rot, wobei auch andere Stoffe wie TiO2 und zahlreiche Spezialchemikalien diesem Trend folgen werden.

Jan Paul van der Velde, Senior Vice President für Beschaffung und Mitglied der Unternehmensleitung bei Flint Group, erläutert: „Das hängt mit der Nachfrage und steigenden Rohölpreisen zusammen. Eine Reihe von Lösungsmitteln unterlag Zuteilungen, z.B. ist Vinyl sehr knapp geworden, nachdem sich Dow dazu entschlossen hatte, aus dieser Sparte auszusteigen. Die kürzliche Bekanntgabe von Wacker, derzufolge das Unternehmen eine Kapazitätserhöhung vornehmen möchte, wird nicht sofort Abhilfe schaffen, und Wacker hat bereits klargestellt, dass es einen „Preis über Marktniveau“ für seine Produkte verlangen wird.“  Jens Zimmermann stellt abschließend fest: „Wir sind uns bewusst, dass unsere Kunden momentan nicht gerade leichte Zeiten durchmachen, und viele Rohstoffe werden, wie auch Energie und Transport, weiterhin teurer werden. Wir bei Flint Group werden nicht von diesem Phänomen verschont bleiben, und auch wenn unser technisches Team ständig nach Möglichkeiten sucht, diese Auswirkungen zu lindern, sehen wir selbst uns trotz unserer permanenten Kostenbegrenzungsprogramme ebenfalls immensen Preissteigerungen gegenüber. Wir werden die Lage weiterhin aufmerksam beobachten und unsere Kunden über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten.“