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Spitzenreiter ist Kolophonium mit einem Preisanstieg von 400 Prozent in nur 18 Monaten. Aber andere Rohstoffe für die Herstellung von Druckfarben folgen auf den Plätzen. Speziell Harze aber auch Pigmente verursachen in der Lieferkette für Druckfarben enorme Probleme. Dies ist eine Folge der stark gestiegenen Lieferzeiten und der hohen Preise, erklärte der Europäische Druckfarbenverband EuPIA vergangene Woche in Brüssel.

Kolophonium ist ein extremes Beispiel für das gegenwärtige Marktgeschehen in der Lieferkette. Die Kosten dieses erneuerbaren Rohstoffes schwanken sehr stark, aktuelle Tagespreise liegen bei etwa 3000 US Dollar pro Tonne, und der Trend zeigt weiter nach oben. Zudem ist die Verfügbarkeit dieses Materials extrem knapp, da die Ernteerträge in China deutlich unter den langjährigen Mittelwerten liegen. Dasselbe gilt für Nitrocellulosebindemittel, die als Hauptbestandteil Baumwolle benötigen. Die Baumwollpreise sind wegen der durch die Überschwemmungen in Pakistan verursachten Ernteausfälle und generell schlechtere Ernten in anderen Teilen der Welt stark angestiegen.

Organische Pigmente für die Druckfarbenherstellung werden aus China und Indien bezogen. In diesen Ländern setzt die starke Inlandsnachfrage den für den Export verfügbaren Materialmengen deutliche Grenzen. Selbst Comodities wie Titandioxid oder Carbon Black zeigen als Folge von Anlagenschließungen und deutlichen Zuwächsen der Nachfrage mittlerweile Verknappungen. Die Druckfarbenhersteller berichten über ihren täglichen Kampf, die Rohstoffzufuhr zu sichern. Die Preise sind im laufenden Jahr um 10 bis 15 Prozent gestiegen, ein weiterer Anstieg um bis zu 15 Prozent wird für 2011 erwartet.

„Die globale Verfügbarkeit von Rohstoffen für die Druckfarbenherstellung bleibt auch weiterhin ein schwerwiegendes Problem für unsere Mitgliedsfirmen“, sagt Dr. Martin Kanert, Executive Manager von EuPIA. „Es gibt keinerlei klare Aussagen darüber, wie lange die Rohstoffverknappungen und die entsprechenden Materialzuteilungen dauern werden“, sagt er. Als Folge der Wirtschaftskrise 2008 hatten viele Rohstoffhersteller ihre Produktionskapazitäten deutlich heruntergefahren, Personal entlassen und Anlagen stillgelegt oder sogar komplett geschlossen. Die Lagerbestände wurden im Jahr 2009 deutlich reduziert, sodass beim Wiederanspringen der Nachfrage Ende 2009 und während des laufenden Jahres viele Rohstoffhersteller nicht in der Lage waren, die Bedürfnisse ihrer Kunden adäquat zu befriedigen.

Die Lieferung von Pigmenten wurde von den steigenden Umweltanforderungen und dadurch verursachten Kosten hart getroffen. „China und Indien haben strengere Umweltauflagen für die Produktion von Pigmenten angekündigt“, sagt Kanert. „Zudem hat das Energiesparprogramm in China viele Pigment- und Zwischenprodukthersteller deutlich getroffen. Schlussendlich stehen wir einer Situation gegenüber, in der die Druckfarbenhersteller nur einen sehr beschränkten Einfluss auf die Kosten und den Nachschub an Rohstoffen haben, die sie für die Herstellung ihrer Produkte brauchen.“

Neue technische Entwicklungen in anderen Industriezweigen wirken sich zu Ungunsten einer einfachen und reibungslosen Materialversorgung aus. Mineralöle, sog. Grundöle und verschiedene Lösemittel fallen dem Druck nach Optimierung der Raffinerieprozesse und der Notwendigkeit besserer Margen der entsprechenden Herstellerfirmen zum Opfer. Diese Grundchemikalien waren für die großen Ölkonzerne immer nur Nebenprodukte und wurden traditioneller Weise zu relativ niedrigen Margen verkauft. Viele der älteren Raffinerien, in denen diese Nebenprodukte anfielen, wurden geschlossen. „Und in modernen Raffinerien werden solche Nebenprodukte, die in kleinen Mengen für die Druckfarbenindustrie benötigt werden, nicht mehr hergestellt“, sagt Kanert.

Dies bedeutet, dass als Folge dieser Markt- und Lieferentwicklungen die Rohstoffkosten der Druckfarbenhersteller ohne jegliche Ausnahme unter einem starken Aufwärtstrend leiden. Am deutlichsten sind die Kostensteigerungen bei den Harzen, wo sie zwischen 10 und 400 Prozent betragen, gefolgt von Pigmenten mit Zuwächsen von 10 bis 40 Prozent.