-

Interview mit Vera Fritsche, VDMA:
Die interpack und der deutsche Verpackungsmaschinenbau sind nicht zu trennen und beide kontinuierlich auf der Erfolgsspur. Wir sprachen mit Vera Fritsche, VDMA Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen, im Vorfeld der Weltleitmesse über Situation, Märkte und Potenziale des deutschen Verpackungsmaschinenbaus.

Anzeige
„Der Fokus auf die Technologieführerschaft ist und bleibt einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des deutschen 
Verpackungsmaschinenbaus.“

Vera Fritsche, 
VDMA Fachverband Nahrungsmittelmaschinen 
und Verpackungsmaschinen

„Der Fokus auf die Technologieführerschaft ist und bleibt einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des deutschen
Verpackungsmaschinenbaus.“
Vera Fritsche,
VDMA Fachverband Nahrungsmittelmaschinen
und Verpackungsmaschinen

 


neue verpackung:
Wie steht der deutsche Verpackungsmaschinenbau im internationalen Vergleich im interpack-Jahr da?
Vera Fritsche: Der Verpackungsmaschinenbau zeigt sich zu Beginn des interpack-Jahres in einer guten Verfassung. Die Unternehmen sind gut in das neue Jahr gestartet und die Auftragsbücher sind zum Teil jetzt schon gut gefüllt.

Die deutschen Hersteller von Verpackungsmaschinen sind weiter weltweit führend. 2013 stellten die Unternehmen Maschinen und Anlagen im Wert von sechs Mrd. Euro her. Die Nachfrage aus dem Ausland ist der Motor der Branche. Über 80 Prozent der deutschen Produktion wird in mehr als 100 Länder weltweit geliefert und im vergangenen Jahr beliefen sich die Exporte auf 5,2 Mrd. Euro. Das sind knapp sieben Prozent mehr als im Vorjahr.

neue verpackung: Wo sind die großen Wachstumsregionen? Gibt es Verschiebungen?
Vera Fritsche: Wachstumsimpulse kommen zunehmend aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Diese bauen ihre Industrien auf beziehungsweise aus. Die Technisierung sowohl in Produktion wie auch Verpackung ist häufig noch auf einem niedrigen Niveau. Bevölkerungswachstum und eine wachsende Mittelschicht mit jungen, konsumfreudigen Menschen, die immer mehr Ansprüche an Qualität und Sicherheit von Nahrungsmitteln und Getränken stellen, lassen die Nachfrage nach modernen Verarbeitungs- und Verpackungsmaschinen steigen.

Weltweit wurden im vergangenen Jahr 742 Mio. Tonnen verpackte Nahrungsmittel verkauft. Knapp ein Drittel davon in Asien. Und bis 2017 soll der Absatz in Asien um 23 Prozent zulegen. Das gleiche Bild haben wir im Getränkebereich. Es verwundert daher nicht, dass Asien schon heute nach Europa die wichtigste Absatzregion für Verpackungsmaschinen aus deutscher Produktion ist. 2013 gingen Maschinen und Anlagen im Wert von 1,1 Mrd. in asiatische Länder. Dies entspricht 22 Prozent aller deutschen Exporte. 2003 lag der Anteil der Lieferungen nach Asien noch bei 15 Prozent. (474 Mio. Euro).

Nach wie vor wichtigste Absatzregion ist Europa. 2013 exportieren die deutschen Hersteller Maschinen und Anlagen im Wert von 2,3 Mrd. Euro, das entspricht einem Anteil an den Gesamtexporten von 44 Prozent. Vor 10 Jahren belief sich der Export in die Länder Europas auf 1,6 Mrd. – dies entsprach einem Anteil an den Gesamtexporten von 53 Prozent.

Dies zeigt deutlich, dass wir es mit einer Verschiebung der Absatzmärkte zu tun haben.

neue verpackung: Wie wichtig sind die nord- und südamerikanischen Märkte. Hat die USA noch eine Lokomotivfunktion?
Vera Fritsche: Bis 2009 war die USA unangefochten der wichtigste Einzelabsatzmarkt unter den Top 10. Seit 2010 wechseln sich China und die USA auf Platz eins beziehungsweise zwei ab, aber im vergangenen Jahr hat die USA wieder die Top-Position als wichtigster Einzelabsatzmarkt der deutschen Verpackungsmaschinenhersteller eingenommen. Die Nachfrage aus den USA hat angezogen und die Auslieferungen legten um 27 Prozent auf 586 Mio. Euro zu. Die amerikanische Nahrungsmittelindustrie ist auf Wachstumskurs, wozu auch die Nachfrage der kontinuierlich wachsenden Bevölkerung beiträgt.

In Südamerika ist Brasilien der wichtigste Einzelabsatzmarkt mit einem Auslieferungswert von 150 Mio. Euro. Die Exporte nach Brasilien gingen 2013 im Vergleich zum Vorjahr jedoch um vier Prozent zurück. Nach wie vor erschweren die Zölle Lieferungen nach Brasilien.

neue verpackung: Und was ist mit Osteuropa? Russland war einer der wichtigsten Abnehmerländer. Ist das noch so? Wirkt sich die  derzeitige politische Situation schon aus?
Vera Fritsche: Deutschland ist unangefochten der wichtigste Handelspartner Russlands für Verpackungsmaschinen und das Land ist weiterhin das wichtigste Absatzland für die deutschen Hersteller in Osteuropa. Russland ist unter den Top 10 Absatzländern nach wie vor auf Platz drei. Die deutschen Lieferungen konnten nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2009/2010 aber nicht mehr an das Lieferhoch von 2008 mit 431 Mio. Euro anknüpfen. Im letzten Jahr exportierte Deutschland Maschinen und Anlagen im Wert von 270 Mio. Euro nach Russland, 14 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die derzeitige politische Situation führt dazu, dass das bereits schwache Wachstum der russischen Wirtschaft sich noch weiter abschwächt. Seit Oktober 2013 hat der Rubel über 16 Prozent an Wert verloren. Dadurch werden importierte Maschinen und Anlagen für die russischen Einkäufer sehr teuer.

Die bisherigen Sanktionen, die sich gegen einzelne Personen richten, dürften sich nicht auf unsere Branche auswirken. Die aktuelle Politik beeinflusst die Rahmenbedingungen der russischen Wirtschaft. Die Geschäftsbeziehungen zwischen den deutschen Maschinenlieferanten und den russischen Endkunden laufen auf einer anderen Ebene. Wir gehen davon aus, dass diese Geschäftsbeziehungen nicht nachhaltig gestört werden, rechnen aber damit, dass aufgrund der währungsbedingten Verteuerung der Importe und der steigenden Kreditzinsen geplante Investitionen auf Eis gelegt oder verschoben werden.

neue verpackung: Man hört auch immer mehr von Afrika. Sie kommen ja gerade aus Südafrika…
Vera Fritsche: Afrika, insbesondere die Subsahara-Region, rückt zunehmend in den Fokus der Verpackungsmaschinenlieferanten. Die wirtschaftliche Entwicklung der Länder der Subsahara-Afrika Region ist seit Jahren positiv. In der Region leben mehr als 870 Mio. Menschen und auf dem afrikanischen Kontinent findet in den kommenden Jahren das größte Bevölkerungswachstum statt. Auch hier zieht es, wie in anderen Regionen der Welt, immer mehr Menschen in Städte und es bildet sich zunehmend eine Mittelschicht heraus. Dies lässt die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und sicheren Nahrungsmitteln und Getränken steigen.

In den Ländern Subsahara-Afrikas ist die Nahrungsmittel-verarbeitende Industrie unterschiedlich weit entwickelt. Vielfach werden die agrarischen Produkte nicht im Land weiterverarbeitet sondern gehen direkt in den Export. Dies soll sich aber ändern, denn man will zunehmend die Wertschöpfung im eigenen Land belassen. In Westafrika ist Nigeria das Land mit der am weitesten entwickelten Nahrungsmittel-verarbeitenden Industrie, in Ostafrika ist das Kenia. Südafrika wird als Eingangstor für die Märkte im südlichen Afrika immer wichtiger. Viele der in Südafrika produzierten Nahrungsmittel werden in die Anrainerländer exportiert.

Deutschland lieferte im vergangenen Jahr Verpackungsmaschinen im Wert von 283 Mio. Euro in die Subsahara-Afrika Region, ein Plus von drei Prozent gegenüber 2012.  Größtes Absatzland 2013 in Subsahara-Afrika war Südafrika mit einem Wert von 72 Mio. Euro, gefolgt von Nigeria mit 63 Mio. Euro. Unter den Top 10 der Region liegt Kenia mit neun Mio. Euro auf Platz zehn.

neue verpackung: Wie schaffen es kleinere Maschinenbauer, dass Sie eine Teilhabe am weltweiten Wachstum haben können?
Vera Fritsche: Der Verpackungsmaschinenbau besteht überwiegend aus klein- und mittelständischen Unternehmen. Diese arbeiten mit lokalen Händlern oder Handelsorganisationen zusammen, die über eine entsprechende Branchenkenntnis verfügen. Aber immer mehr Unternehmen gehen dazu über, einen eigenen Vertrieb in den für sie wichtigen Ländern zu installieren. Dieses vor Ort sein – ob mit eigenen Niederlassungen oder einer Vertretung  – ist einer der Erfolgsfaktoren des deutschen Verpackungsmaschinenbaus.

neue verpackung: Die interpack und der deutsche Verpackungsmaschinenbau sind nicht voneinander zu trennen und beide kontinuierlich auf der Erfolgsspur. Warum? Was macht die Attraktivität dieser Messe aus?
Vera Fritsche: Viele Maschinenhersteller richten ihre Innovationszyklen auf die interpack aus. Die Leitmesse ist für sie das Schaufenster der Branche, um hier ihre neusten Entwicklungen dem Fachpublikum zu präsentieren. Auf der interpack können Besucher damit hautnah Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Rohstoffverarbeitung über Verpackung bis hin zur Präsentation beim Endkunden erleben. Die interpack schafft es auch, die Welt nach Düsseldorf zu bringen. Für eine Branche, deren Motor der Export ist, ist das extrem wichtig.

neue verpackung: Das Thema „Save Food“ ist seit der vergangenen interpack nochmals bedeutender geworden. Welchen Beitrag leistet hier der Verpackungsmaschinenbau?
Vera Fritsche: Die Verpackung ist einer der wichtigsten Schlüssel, Lebensmittel vor dem Verlust zu schützen und so den Menschen einwandfrei zukommen zu lassen – egal ob in Schwellen- und Entwicklungsländern oder unseren modernen Industriegesellschaften. Doch ohne Maschinen keine verpackten Produkte. Verpackungsmaschinen „made in Germany“ decken die komplette Bandbreite ab: von einfach bis komplex. Je nach spezifischen Kundenbedürfnissen entwickeln die deutschen Hersteller individuelle Lösungen – unabhängig von Land und Region.

neue verpackung: Abschließende Frage: Was müssen die deutschen Verpackungsmaschinenbauer tun, um im Wettbewerb zu bestehen beziehungsweise weiterhin die führende Rolle spielen zu können?
Vera Fritsche: Forschung und Entwicklung haben im deutschen Verpackungsmaschinenbau einen sehr hohen Stellenwert, denn Innovationen sind immer noch eines der wichtigsten Differenzierungsmerkmale am Markt. Die deutschen Verpackungsmaschinenhersteller haben aufgrund hoher Investitionen und der systematischen Ausrichtung von Entwicklung und Vertrieb auf Kundenanforderungen sowie dem Einsatz neuster Technologie ihre internationale Führungsrolle ausgebaut. Der Fokus auf die Technologieführerschaft ist und bleibt daher einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des deutschen Verpackungsmaschinenbaus.

Unternehmen

VDMA e.V. Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen

Lyoner Str. 18
60528 Frankfurt
Deutschland

Zum Firmenprofil