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Die Anuga FoodTec hat sich zu einer international führenden Fachmesse für Lebensmittel- und Getränketechnologie entwickelt. 1996 riefen die Messe Köln und die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) die Anuga FoodTec gemeinsam ins Leben. Unter dem Motto „One for all – all in one“ bildet die Anuga FoodTec die gesamte Herstellungskette ab, unterteilt in Food Processing, Food Packaging, Food Safety und Services & Solutions.

„Die Anuga FoodTec liefert der Lebensmittel- und Getränkeindustrie wichtige Antworten auf  Investitionsfragen und gibt gleichzeitig auch  fortschrittsweisende Impulse.“ Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes, Fachgebietsleiter Lebensmitteltechnologie, DLG e.V.

„Die Anuga FoodTec liefert der Lebensmittel- und Getränkeindustrie wichtige Antworten auf
Investitionsfragen und gibt gleichzeitig auch
fortschrittsweisende Impulse.“
Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes,
Fachgebietsleiter Lebensmitteltechnologie, DLG e.V.

 

Die siebte Auflage der Anuga FoodTec glänzt mit rekordverdächtigen Zahlen: Annähernd 1.500 (2012: 1.320) Aussteller werden in Köln erwartet. Die Fläche wächst abermals auf nun 121.000 m2 brutto und das, obwohl mit Tetra Pak das namhafte Zugpferd der Vergangenheit nur noch mit Tochterunternehmen vertreten sein wird. Dafür ist mit der KHS AG aus Dortmund aber ein Big Player der Abfüll- und Verpackungsbranche zurück und die Krones AG, Neutraubling, vergrößerst die Ausstellungsfläche abermals. Bedeutend aber ist in Summe das Wachstum im Segment der Fleischtechnolgie. Besonders in diesem Bereich entwickelt sich die Anuga FoodTec zu einer Leitmesse, wie aus dem Umfeld vieler Unternehmen zu hören war.

Zur Anuga FoodTec unterhielten wir uns mit Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes, Fachgebietsleiter Lebensmitteltechnologie bei der DLG e.V., Frankfurt am Main. Buckenhüskes, ein Impulsgeber der Lebensmitteltechnologie, kennt die Branche und die Anuga FoodTec wie kein Zweiter.

neue verpackung: Was erwarten Sie von der diesjährigen Anuga FoodTec?
Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes: Angesichts der vielfältigen Herausforderungen, denen sich die Lebensmittel- und Getränkeindustrie international gegenübersieht, wird es immer wichtiger, die weltweit verfügbaren technischen und technologischen Möglichkeiten sowie die verfügbaren Kräfte in Forschung und Entwicklung im Blick zu haben. Von der Anuga FoodTec 2015 erwarte ich nicht mehr und nicht weniger, als dass sie (wieder) die internationale Plattform darstellen wird, auf der die neuesten Innovationen aber auch bewährte Lösungsansätze für die gesamte Lebensmittel- und Getränkeindustrie präsentiert werden. Letztlich also die internationale Plattform, auf der vielfältige Lösungsansätze für die einzelnen Branchen, ein branchenübergreifender Technologietransfer, ein internationales Fachprogramm sowie die internationale Vernetzung mit den verschiedensten Fachleuten der internationalen Lebensmittel- und Getränkewirtschaft geboten werden.

neue verpackung: Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für die deutlich positive Entwicklung dieser Messe?
Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes: Man muss schon lange suchen, um eine Branche zu finden, die sich in einer Vielfalt präsentiert wie die Lebensmittelwirtschaft. Es gibt vielfältige branchenübergreifende Technologien, Herangehensweisen und Lösungsansätze. Denken Sie nur an den breiten Fächer von Fertiggerichten und anderen Convenience-Produkten oder an das zunehmende Angebot an Mixgetränken: Die Herstellung dieser Produkte zwingt förmlich zur branchenübergreifenden Zusammenarbeit, zum branchenübergreifenden Technologietransfer. Dem aber trug und trägt das Branchen- und Prozess-übergreifende Konzept der Anuga FoodTec Rechnung – hier liegt ihre besondere Stärke!

neue verpackung: Nachhaltigkeit spielt in der Lebensmittelproduktion eine immer bedeutendere Rolle. Was können neue Technologien an dieser Stelle bewirken?
Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes: Vor dem Hintergrund einer aktuell immer noch dramatisch steigenden Weltbevölkerung, dem rasant zunehmenden Bedarf an verarbeiteten Lebensmitteln vor allem in den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern, den abzusehenden Engpässen bei der Versorgung mit Wasser und Energie sowie den noch nicht abzusehenden Folgen der weltweiten Klimaveränderung treten die Themen Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz immer stärker in den Fokus verantwortlichen ökonomischen Handelns. Dies gilt ohne Einschränkungen auch für die Herstellung, Lagerung und den Transport von Lebensmitteln. Doch dürfen und wollen wir uns in diesem Zusammenhang nicht nur auf die Optimierung traditioneller Verfahren und Techniken beschränken. Das zunehmende Verständnis dessen, was während der Herstellung in einem Lebensmittel bis hinunter zur molekularen Basis geschieht sowie innovative Entwicklungen in Mathematik und Statistik, die uns ermöglichen, diese Vorgänge zu modellieren, versetzen uns in die Lage, traditionelle Verfahren und Prozesse im Sinne eines Re-Engineerings neu zu überdenken. Dabei kann so manches, was früher als unmöglich galt, plötzlich doch möglich werden und Technologien, die man sich früher im Lebensmittelbereich nicht vorstellen konnte, werden plötzlich interessant. Und nutzt man diese Möglichkeiten nicht nur punktuell, sondern konsequent entlang der Wertschöpfungskette der Herstellung eines Lebensmittels, so werden sich unübersehbare Möglichkeiten im Sinne der Nachhaltigkeit ergeben.

neue verpackung: Die DLG identifiziert Schlüsselprobleme in der Lebensmittelwissenschaft und -wirtschaft und versucht, Lösungen zu initiieren. Welche Rolle spielt für Sie in diesem Zusammenhang die Verpackungswirtschaft?
Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes: Es ist richtig, dass die DLG mithilfe ihres weit gespannten Netzwerkes zwischen Wissenschaft, Behörden, Beratung, Wirtschaft und Praxis Schlüsselprobleme im Bereich der Lebensmittel- und Getränketechnologie identifiziert und sich maßgeblich bei deren Lösung engagiert. Rückgrat der zugrundeliegenden fachlichen Arbeit der DLG sind Fachausschüsse und Arbeitskreise, welche zu wesentlichen Themen bestehen oder auch neu eingesetzt werden können. Auf einer seiner letzten Sitzungen hat sich der Fachausschuss Lebensmitteltechnologie mit dem Thema PET auseinandergesetzt. Vorträge zu unterschiedlichen Aspekten der Verpackung von Lebensmitteln sind zudem regelmäßiger Programmpunkt von DLG-Veranstaltungen.

neue verpackung: Wenn auf der einen Seite Welt-umspannende Giganten der Lebensmittelindustrie und des Handels auf kleine und mittlere Hersteller in der Lebensmittelherstellung treffen, ist dann überhaupt eine nachhaltige Produktion möglich?
Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes: Der gesamtheitliche interdisziplinäre Verbundgedanke zwischen Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft ist nicht größenabhängig oder gar regional begrenzt. Schlagworte wie „from Farm to Fork“ oder „vom Erzeuger zum Verbraucher“ sind zwar schon lange im Umlauf, doch fehlt es in vielen Situationen an der Umsetzung, was oftmals auch auf gegenseitiges Unverständnis zurückzuführen ist. Qualität, die nicht bereits im Rohstoff angelegt ist – und dies gilt gleichermaßen für Pflanzen wie auch für Tiere – kann im Verlauf der weiteren Verarbeitung nicht nachträglich zum handelbaren Fertigprodukt eingebracht werden. Sollen beispielweise bei der Verarbeitung möglichst schonende Verfahren eingesetzt und trotzdem entsprechende Haltbarkeitszeiten erreicht werden, so gilt uneingeschränkt, dass Hygiene bereits im Stall oder auf dem Feld beginnen muss.

neue verpackung: Welche Trends sehen Sie in der Lebensmitteltechnologie in den kommenden fünf bis zehn Jahren auf uns zukommen? Und welche Auswirkungen hat das auf Processing und Packaging?
Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes: Die Welt der Lebensmittel ist nicht zuletzt deshalb so ungemein interessant, da sich die Essgewohnheiten und bevorzugten Lebensmittel in den verschiedenen Ländern und Kulturkreisen unserer Erde wesentlich voneinander unterscheiden. So groß diese Unterschiede auch sind – und trotz Globalisierung auch künftig hoffentlich bleiben werden – so gibt es doch eine stetig wachsende Liste von Anforderungen und Trends, welche die Verbraucher bei ihren Lebensmitteln sowie bei deren Herstellung realisiert sehen möchten: Lebensmittelsicherheit, Sensorische Eigenschaften und Genuss, Gesundheit und Wellness, Convenience und Nachhaltigkeit und Ethik (einschließlich religiöse Anforderungen).

Vielen dieser Anforderungen und Trends kann mithilfe der modernen Lebensmittel- und Verpackungstechnologie entsprochen werden. Dabei zeigt die Anuga FoodTec 2015, dass alle diese Themen auch Triebkraft für Innovationen und Weiterentwicklungen sind. Sie macht aber auch deutlich, dass es keine triviale Aufgabe ist, allen diesen Forderungen gleichzeitig nachkommen zu wollen. Dies ist nur unter Anwendung des gesamten verfügbaren Lebensmitteltechnologischen Wissens und aller modernen technologischen und technischen Möglichkeiten der aktuellen Lebensmittel- und Verpackungstechnik möglich, so wie diese in ihrer immensen Breite auf der Anuga FoodTec 2015 präsentiert, erläutert und vorgeführt werden. Damit steht aber fest: Lebensmittel, die den Vorstellungen des modernen Verbrauchers entsprechen, sind heute absolute Hightec-Produkte, so paradox dies auch klingen mag!  

Während diese Entwicklungen bereits laufen oder ziemlich sicher sind, ist der Blick in die etwas fernere Zukunft wesentlich schwieriger. Dies nicht zuletzt deswegen, weil die Konsumenten nur schwierig einzuschätzen sind. Der Trend zur „Gesunden Ernährung“ ist sicherlich sehr robust, wobei hier das Thema der personalisierten Ernährung am Horizont steht. Wurde diese bis vor Kurzem unter anderem aus logistischen Gründen als kritisch angesehen, so lassen dies Entwicklungen, wie sie zum Beispiel unter dem Begriff Industrie 4.0 zusammengefasst werden, plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Wesentliches Merkmal dabei ist die Verschmelzung von Produktionstechnologien, Produkten und Internet. Ziel ist die intelligente Fabrik, die sich durch Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz und Ergonomie sowie die Einbeziehung von Kunden und Geschäftspartnern auszeichnet und sich selbst organisiert. Was Industrie 4.0 für die Lebensmittelproduktion bedeutet, ist noch nicht abzusehen, jedoch verspricht dies viel Neues für die Zukunft der Lebensmittelproduktion. Dabei kann der Traum von der Smart Factory auch mit einem Umbruch in den Produktionstechnologien verbunden sein. So lassen Entwicklungen wie die 3D-Drucker auch Lebensmittelhersteller über Themen wie die Losgröße 1 nachdenken.

Letztlich werden Veränderungen auf uns zukommen, die sich aus der Rohwarensituation ergeben. So sind beispielsweise mit dem Blick auf die Proteinversorgung neue Rohstoffquellen wie Insekten- oder mikrobielle Proteine in der Diskussion und Entwicklung. Bei pflanzlichen Produkten (zum Beispiel Salat) stehen in Japan die ersten „Pflanzenfabriken“, in welchen unter anderem Salat unter vollkommen abgeschirmten Bedingungen produziert wird. Das bringt beispielsweise ganz neue Aspekte für den Rohkostbereich mit sich. Und was das Fleisch betrifft, so laufen intensive Forschungen und Entwicklungen, um den künftigen weltweiten Bedarf auch decken zu können.

 

Anuga FoodTec auf einen Blick
vom 24. bis 27. März 2015 in Köln

  • Veranstalter: Koelnmesse GmbH und DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft)
  • Turnus: alle drei Jahre
  • Angebotsbereiche: Food Processing, Food Packaging, Food Safety, Food Ingredients und Services & Solutions
  • Öffnungszeiten: 9 bis 18 Uhr
  • Eintrittskarten im Vorverkauf (bis 23. März): Tageskarte: 25,- Euro, Zwei-Tage-Karte: 35,- Euro, Dauerkarte: 55,- Euro
  • Eintrittskarten ab 24. März: Tageskarte: 50,- Euro,Zwei-Tage-Karte: 60,- Euro, Dauerkarte: 90,- Euro
  • www.anugafoodtec.de

Unternehmen

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