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Welche Herausforderungen birgt das Thema Industrie 4.0? Die neue verpackung sprach mit Multivac-Geschäftsführer Guido Spix über dessen Bedeutung und welche technischen Lösungen das Unternehmen für die Verpackungsindustrie parat hält.

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„Vielen unserer Kunden sind die Chancen nicht bewusst, die Industrie 4.0 Unternehmen jeder Branche und Größe bietet.“ Guido Spix (li.), 
Geschäftsführer und CTO von Multivac (Foto: Multivac)

„Vielen unserer Kunden sind die Chancen nicht bewusst, die Industrie 4.0 Unternehmen jeder Branche und Größe bietet.“ Guido Spix (li.), Geschäftsführer und CTO von Multivac (Foto: Multivac)

neue verpackung: Industrie 4.0 ist ein viel diskutiertes Thema. Wie schätzen Sie die Bedeutung von Industrie 4.0 ein?
Guido Spix: Zunächst müssen wir das sehr breite Thema Industrie 4.0 etwas für unsere Kunden eingrenzen, weil unter diesem Begriff viele unterschiedliche Dinge verstanden werden. Abstrahiert geht es um das Zusammenführen von bekannter Informationstechnologie mit innovativen Produktionsanlagen zur Schaffung von neuen Produkten. Praktisch geht es uns im ersten Schritt darum, die Industrie-4.0-Lösungen, die Multivac schon entwickelt hat, zum Nutzen unserer Kunden und der Endverbraucher umzusetzen. Ein Beispiel dafür ist die Rückverfolgbarkeit (Track and Trace) im Produktionsprozess der Lebensmittelindustrie, auch bekannt unter dem Schlagwort „Farm to Fork“. Dabei können Multivac-Verpackungsmaschinen Produktdaten von Bauern und vorgelagerten Verarbeitungsprozessen übernehmen und den einzelnen Packungen zuweisen. Der Verbraucher findet diese Daten dann auf einem bedruckten Etikett. Weitere Details erhält er über einen QR-Code, der im Internet mit den abgespeicherten Daten des Produkts der einzelnen Packung verlinkt ist.

Es gibt viele technische Herausforderungen bei der Implementierung dieser Lösungen – auch im Bereich der Kennzeichnungstechnik. Denn es werden zum einen hohe Druckgeschwindigkeiten benötigt, zum anderen müssen große Mengen an Daten bearbeitet werden. Multivac hat schon einige solcher Anlagen an Kunden ausgeliefert. Verbraucher wissen diese Art der Rückverfolgbarkeit zu schätzen, weil sie von Qualität und Produktsicherheit profitieren.

neue verpackung: Gibt es unter Ihren Kunden Unternehmen bestimmter Branchen, die das Thema früher als andere umgesetzt haben?
Guido Spix: Beim Thema Rückverfolgbarkeit hat uns die Medizin- und Pharmaindustrie schon vor einigen Jahren gefordert. Verpackungen in dieser Industrie müssen, gesetzlich geregelt, individualisiert werden. Der Endkunde kann so eindeutig feststellen, dass er Produkte vom Originalhersteller erhält. Dazu sind viele Informationen aus dem Herstellungs- und Distributionsvorgang pro Packung verfügbar.

neue verpackung: Welche Herausforderungen ergeben sich für Multivac im Zusammenhang mit Industrie 4.0?
Guido Spix: Die Herausforderungen sind branchenübergreifend die gleichen. Ein ROI lässt sich nicht einfach in Monaten berechnen. Den vollen Nutzen kann man erst dann erzielen, wenn in der gesamten Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Endkunden die Verfügbarkeit von Ressourcen und Daten gewährleistet ist. Das erfordert ein Umdenken vieler Beteiligter. Themen wie „Big Data Handling“ aber auch Datensicherheit sind teilweise noch offen. Deshalb möchten wir mit technisch und kommerziell beherrschbaren Lösungen den Einstieg in Industrie 4.0 erleichtern.  

neue verpackung: Welche Industrie-4.0-Lösungen haben Sie im Angebot?
Guido Spix: Wir haben das Thema Industrie 4.0 frühzeitig aufgegriffen und bieten skalierbare Lösungen an, die den Verpackungsprozess effizienter und zugleich hoch flexibel gestalten. Mit der Multivac Line Control (MLC) bieten wir eine übergeordnete Steuerungseinheit an, die sämtliche Komponenten einer Verpackungslinie koordinieren kann. Sie gewährleistet zeitoptimierte, präzise, reproduzierbare und transparente Prozesse und ist leicht zu bedienen. Vielen unserer Kunden sind die Chancen nicht bewusst, die Industrie 4.0 Unternehmen jeder Branche und Größe bietet. Wir suchen proaktiv das Gespräch – und beobachten, wie das Interesse wächst.

neue verpackung: Welche Vorzüge bietet die MLC?
Guido Spix: Die MLC kann ganze Verpackungslinien in Echtzeit steuern und zu jedem Zeitpunkt Informationen über Zustand, Prozesswerte und Verbleib der Produkte und Verpackungen an übergeordnete Systeme weitergeben. Umgekehrt können Verpackungslinien Daten von übergeordneten Systemen erhalten. Mit der Auswertung dieser Daten können Unternehmen unter anderem ihren Materialeinsatz optimieren, ihre Materialbeschaffung auf Basis aktueller Daten koordinieren und Wartungsmaßnahmen frühzeitig und ohne beziehungsweise mit minimaler Beeinträchtigung der laufenden Produktion durchführen. Ganz im Sinne der Vernetzung von Prozessen, die zentraler Bestandteil in Industrie-4.0-Strategien ist, lässt sich die MLC an Manufacturing-Execution-Systeme zur Produktionssteuerung, an Enterprise-Resource-Planning-Programme sowie an Systeme zur Maschinen- und Betriebsdatenerfassung anbinden.

neue verpackung: Wie weit ist die Digitalisierung industrieller Prozesse generell in der produzierenden Industrie nach Ihrer Einschätzung bereits vorangeschritten?
Guido Spix: Wir wissen von der Automobilindustrie, dass Industrie-4.0-Ideen schon weiter in der Umsetzung fortgeschritten sind. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Anbietern der Informations- und Produktionstechnologien und deren Kunden sind dabei Basis des Erfolgs. Gerade in der Lebensmittelindustrie sehe ich durchaus noch Potenzial.

Unternehmen

Multivac Sepp Haggenmüller SE & Co.KG

Bahnhofstr. 4
87787 Wolfertschwenden
Deutschland

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