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Die Japan Pack gilt als bedeutende Messe der Verpackungsmaschinenindustrie in der Region Asien. Auf der alle zwei Jahre im Oktober auf dem internationalen Messegelände Big Sight in Tokio stattfindenden Industrieausstellung werden Technologien für immer effizientere und leistungsstärkere Verpackungsprozesse und Verpackungen präsentiert.
Ein Bericht von Joanne Hunter.

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Ähnlich wie bei der Pünktlichkeit ihrer Züge erwarten die Japaner bei maschinellen Prozessen und in der Verpackungstechnik absolute Perfektion. Auf der Japan Pack waren Technologien zu erleben, die die nächste Entwicklungsphase auf dem Weg zu diesem obersten Ziel einläuten. Die japanischen Maschinenbauer und -umrüster sind auch innovative Verpackungsdesigner und entwickeln gemeinsam mit Partnern Konzepte für den Markt. Deshalb hat es nicht überrascht, dass auf der Messe eine Vielzahl von neuen Verpackungskonzepten und verpackten Markenartikeln zu sehen war. Sie sollen als ideale Marketingmaßnahme das Interesse der fast 120.000 Messebesucher auf neue Verpackungsmaschinen lenken, mit denen diese Verpackungen zu realisieren sind. Zu den Highlights zählten „Neuheiten“ mit noch höheren Geschwindigkeiten, besserer Kontrolle, größerer Flexibilität und optimierter Rückverfolgbarkeit. Die Robotertechnik hat den Sprung von der Automobilindustrie in die Verpackungsanwendungen geschafft.

Foto: oxanaart - Fotolia

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Eine „Weltneuheit“ vom Flow-Wrap-Spezialisten Omori Machinery ist mit einer linearen Zuführtechnik ausgestattet, die Produkte unterschiedlicher Längen handhaben kann. Das als wartungsarme Alternative zum Mehrstrangzuführbetrieb angepriesene, Software-gesteuerte Transportband EP-7000X BXH vereinfacht die Zusammenführung von Elementen über einen festgelegten Abstand. Das ermöglicht die Platzierung unterschiedlicher Produkttypen auf demselben Transportband bei Geschwindigkeiten von bis zu 250 Umdrehungen pro Minute, sagt Jun Takizawa, Leiter der Abteilung International von Omori.

Das kontaktlose Rotationssystem S-5000X BX für die Ultraschallverschweißung, eine weitere Weltneuheit, soll auch bei Laufgeschwindigkeiten von bis zu 200 Packungen/Minute ein perfektes Erscheinungsbild der Folie garantieren. Darüber hinaus stellte Omori auch seine hffs S-7680 BXE für Blisterfolien und -kartons für die Pharmaindustrie vor, die mit einer Spitzengeschwindigkeit von 300 Umdrehungen pro Minute die bisher schnellste Anlage ihrer Art sein soll.

Einer der führenden japanischen Hersteller von Schlauchbeutelmaschinen demonstrierte die Vorteile der europäischen Prozessüberwachungs- und Dichtheitsprüfungstechnik. Engilico ist der weltweite exklusive Lizenzinhaber von Seal-Scope, einem an der Universität Leuven in Belgien entwickelten Verfahren, das von europäischen Lebensmittelproduzenten wie General Mills, Friesland-Campina oder Materne eingesetzt wird. Toyo Jidoki hat Seal-Scope auf einer Standard-TT-8D-Anlage für die komplexe Aufgabe der Befüllung eines Schlauchbeutels mit Luft und Flüssigkeit montiert, wie dies für den Standbodenbeutel „Air Hold Pouch“ erforderlich ist. Das Design des Beutels, dessen Griff durch eine zylindrische Luftsäule gebildet wird, ist eine gemeinsame Entwicklung von Toyo Jidoki und Toppan Printing. Jos Deschagt, Chief Operating Officer von Engilico, betont, dass sich die Sensitivität des Systems an der Qualitätspolitik des Nutzers anpassen lässt. Das trägt zur Ausschussverringerung bei und verhindert Chargenrückrufe. Anwendern zufolge waren so Produktionsanstiege zwischen einem Prozent und 50 Prozent möglich.

Die neue kostenverringernde, vertikale (VFFS) Schlauchbeutelmaschine von Totani zur Herstellung verschiedener Beutelausführungen wurde mit einem verbesserten Thomson Die Cut-System versehen, das die Folie senkrecht zum Folienstrom in Form schneidet. Bis zur Japan Pack gab es für dieses System zwei US-amerikanische Kunden sowie vier Abnehmer in Japan, aber bisher keinen Kunden in Europa.

Taisei Lamick hat in seiner Dangan-Serie verbesserte vertikale Schlauchbeutelmaschinen zur Herstellung von Beuteln für Flüssigkeiten und viskose Produkte für das Gaststättengewerbe und die Cateringbranche vorgestellt. Eine Dangan-Maschine, so die Aussage von Masaharu Yamaguchi, dem für das Auslandsgeschäft zuständigen Geschäftsführer von Dangan, kann von der Produktionsleistung her mit einer 10-12- Multifertigungslinie konkurrieren. Diese Lösung kommt in Japan gut an, wo bereits über 1.000 Maschinen verkauft werden konnten. In Amerika sind rund 40 Anlagen dieser Art in Betrieb.

Die neueste Modellgeneration G von Dangan bietet eine Vielzahl operativer Verbesserungen in Form einer kompakteren Maschine, die bis zu 30 Meter pro Minute oder 500 Beutel pro Minute schafft. Die völlig neue Dangan G2 verdoppelt die Produktionsleistung, indem sie vierseitig versiegelte Doppelpackungen für Shampoos und Pflegespülungen oder Senf und Ketchup in 10- bis 15 g-Einheiten bewältigt. Das Dangan-System unterscheidet sich von Maschinen der Konkurrenz durch eine kontinuierliche Befüllung ohne Stopp des Produktstroms zwischen den einzelnen Verschweißungen, was laut Yamaguchi zu mehr Produkt und weniger Luft im Beutelinnern beiträgt.

Taisei Lamick stellte auch den Ampule Cut (AP Cut)-Beutel vor, eine neuartige Verpackung, die die Firma unter Einsatz einer im eigenen Haus konzipierten, flüssigen Verpackungsfolie entwickelt hat. Der Beutel, der bereits von McDonalds in Hongkong eingesetzt wird, ist mit einer perforierten, leicht zu öffnenden Dosierecke ausgestattet, damit der Verbraucher saubere Finger behält.

Von der automotiven Fertigungslinie zur Verpackungsstraße

Operative Sicherheit, Produktintegrität und Präzision in einem Umfeld der Hochgeschwindigkeitsproduktion sind Prioritäten, die für die Verpackungsindustrie wie für Autohersteller gleichermaßen gelten. Der grüne kollaborierende Roboter von Fanuc wurde für den sicheren Betrieb direkt neben Menschen entwickelt und wartete auf seinen ersten Abnehmer aus dem Verpackungssektor. Der als völlig neue Roboterklasse bezeichnete CR-35iA wurde Mitte 2015 in der Automobilindustrie eingeführt, sagt Kasuo Hariki, Vice General Manager für den Auslandsvertrieb von Fanuc Robotern. Die Oberflächentextur ähnelt der Haut eines Elefanten und gibt auf Fingerdruck etwas nach. Im Falle einer Kollision sorgen der Kraftsensor und intelligente Sicherheitsfunktionen des Fanuc FS-15iA dafür, dass der Roboter seine Bewegungen sofort stoppt. So kann er sich ohne Sicherheitszäune frei im Werk bewegen.

Omori EP-7000X BXH, eine wartungsarme Alternative für den Mehrstrangzuführbetrieb. (Foto: Omori)
Kawashima Packaging Machinery präsentiert Live-Produktdemonstrationen mit flexiblen Beuteln und der Pop-Pack-Technologie. (Foto: Pop-Pack)
Toyo Jidoki hat Engilicos Seal-Scope für die Dichtheitsprüfung und Prozessüberwachung eingeführt. (Foto: Engilico)
Der grüne „freundliche“ Roboter von Fanuc hielt bei der Japan Pack Ausschau nach seinem ersten Einsatz in der Verpackungsindustrie. (Foto: Fanuc)
Der von Toyo Jidoki and Toppan Printing entwickelte Air Hold Pouch (Foto: Joanne Hunter)
Der leicht zu öffnende Ampule Cut-Beutel von Taisei Lamick für das Gaststättengewerbe und die Cateringbranche wurde für die Hochgeschwindigkeitsmaschinen von Dangan entwickelt. 
(Foto: Joanne Hunter)
Orihiro OnpackVH100 für Energie-Gels und Körperpflegeprodukte. (Foto: Joanne Hunter)
Gewichtssensortechnologie von Ishida im Einsatz auf einer CKD-Linie. (Foto: Joanne Hunter)
Neue Nahinfrarot (NRI)-Detektionstechnik von Ishida in einer Fertigungslinie, die mit dem IVIS-Prüf- und Erfassungssystem überwacht wird. (Foto: Joanne Hunter)

In der Automobilindustrie wird die Gewichtssensortechnologie bereits verwendet. Mit dem Gewichtskontrollsensor Imas-G von Ishida wird eine weitere intelligente Funktion für Pick-and-Place-Prozesse in Verpackungslinien realisiert. Diese von Ishida entwickelte Neuheit ist mit Robotern bedeutender OEM-Technologiefirmen kompatibel, sagt Kenji Nishizawa, Ishidas Direktionsassistent für Auslandsmarketing. Während der Messe wurde die Innovation in Kooperation mit Mitsubishi Electric vorgestellt. Die ebenfalls als Aussteller vertretene CKD demonstrierte diese Technik im Einsatz in einer Blisterverpackungsmaschine. Dabei war der Gewichtssensor von Ishida an einem elektrisch betriebenen CKD-Schalter für die Bewegungssteuerung angebracht. In diesem Fall wurde das Gewicht eines Radiergummis bei der Aufnahme gemessen. Lag das Gewicht im festgelegten Sollbereich, wurde das Produkt in die beabsichtigte Position befördert und dem entsprechenden Behälter zugeführt. Ansonsten landete es im Ausschussmagazin.

Im Frühjahr 2015 stellte Ishida als Bestandteil einer Lebensmittelverpackungslinie mit Prüf- und Erfassungssystem eine Nahinfrarot (NRI)-Technologie zur Entdeckung unzureichender Verschweißungsergebnisse vor. Diese Ishida Vision Inspection Technology (IVIS) wurde gemeinsam mit Hitachi entwickelt Mit diesem Instrument lässt sich kontinuierlich überprüfen, ob alle Maßnahmen zur Entdeckung von Fremdstoffen und zum Auswurf von der Norm abweichender Produkte ordnungsgemäß funktionieren. Im operativen Bereich erfassen Kameras die menschlichen Tätigkeiten und zeichnen diese auf. Ein Röntgeninspektionssystem und die Etikettieranlagen kommunizieren so mit dem Aufzeichnungsgerät, dass Seriennummern gelesen und jede Kontaminierung nachvollzogen werden kann. Bisher wurden fast alle Systeme im inländischen Markt verkauft, sagt Nishizawa.

Ein Jahr nach Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung der Ishida Group bei Nissin Electric wurden einige Nissin-Markenprodukte vorgestellt. Dazu zählte das NX3 Hybrid-Inspektionssystem, das Metalldetektor- und Röntgenfunktionen in einer einzigen Maschine vereint. Bei Spitzengeschwindigkeiten von 60 Metern pro Minute kann die Anlage nachweislich Fremdstoffe einer Größe von 5 x 5 mm und 2 mm Stärke sowie Kugellager mit einem Durchmesser von 0,5 mm erkennen. Die Märkte außerhalb Japans und der Region Asiens werden noch auf Nissin-Produkte warten müssen, da Nissin in den USA oder Europa, wo Ishida neben Asien und Japan präsent ist, noch nicht aktiv ist. In den nächsten zehn Jahren sollen Nissin-Produkte auch in Europa und Amerika zur Verfügung stehen. Nishizawa betont aber: „Das Nissin-Produktsortiment konkurriert mit Maschinen, die von einigen unserer Vertriebshändlern vertreten werden. Deshalb wird die Entscheidung der Unternehmensleitung über unseren Start sorgfältig erfolgen.“

Innovative Verpackungen

Pop-Pack, die erstmals bei der Tokyo Pack 2014 in Erscheinung getretene „Verpackung mit dem Knall”, ist mit einem neuen Prototyp-Design aufgetaucht und wurde mit einem „Innovation Award for Creative Technology“ ausgezeichnet, den man sich mit den Kooperationspartnern J-Film, Mitsubishi Plastics, Tokyo Foods Machinery/Multivac, OJI und Kawashima Packaging Machinery teilte, an dessen Messestand Demonstrationen mit flexiblen Gussbeuteln unter Einsatz der Pop-Pack-Technologie vorgestellt wurden. Das schwedische Unternehmen Flextrus, das sich auf die Herstellung von Verpackungen mit flexibler Barrieretechnik spezialisiert hat, hat den ersten Kooperationsvertrag in Europa mit Pop-Pack LLC, dem amerikanischen Entwickler von „Bubble in the Seal“-Technologien für wiederverschließbare Beutel und Einwegbeutel und frisch gebackenem Gewinner eines Packbridge Easy Open Award, abgeschlossen. Ein neuer Prototyp von Tokyo Foods Machinery ist eine weiße CPET-Garschale mit hochwertiger Barrierefolie, die für längere Haltbarkeit sorgt und 200°C verträgt. Sobald der Deckel für den Garvorgang entfernt wurde, sorgt die geriffelte Oberfläche für die Wärmezirkulation und lässt Öl aus dem Lebensmittel abtropfen. Vor Kurzem hat das Unternehmen in Japan auch eine Verpackung mit hermetischer Vakuumhaut vorgestellt, die aus einer Teijin Dupont-Folie besteht und sich in einem Heißluftbackofen verwenden lässt.

Orihiro, der Spezialist für keimfreie Längsläufer-Beutelabfüllungen, präsentierte die neue Onpack-VH100 zur Herstellung von Seitenfaltenbeuteln mit Anwendungen, wie beispielsweise Energie-Gels. Die Produkte können in regalgerechten Schalen angeboten werden. Der Beutel lässt sich aber auch für hängende Produkte perforieren, sagt Mark Tsuruta, Geschäftsführer bei Orihiro. Die Firma hat zudem mit Nippen Closures und Markenhersteller Meiji eine fertig konfektionierte, keimfreie Beutelausgussverpackung entwickelt. Diese Verpackung schützt den gesundheitlichen Nutzen haltbar gemachter proteinreicher Getränke und ermöglicht es kranken und gebrechlichen älteren Menschen, sich selbst zu ernähren. Diese Faktoren führten dazu, dass diese Firma zu einem der Preisgewinner im Good Packaging Contest 2015 zählte.

Die nächsten preisgekrönten Designs, die für ihre barrierefreie Technik, ihre technische Leistungsfähigkeit, ihre Zweckdienlichkeit und ihren Einfallsreichtum in unterschiedlichen Produktkategorien ausgezeichnet werden, werden vom 4. bis 7. Oktober 2016 bei der Tokyo Pack zu sehen sein, in deren Mittelpunkt das Verpackungsdesign steht.

 

Für Sie entscheidend
Freundlicher grüner Roboter sucht Arbeit in der Produktion
Auf der Japan Pack hat Fanuc einen grünen, „freundlichen“ Roboter für den Verpackungsmarkt vorgestellt, der die sichere Kollaboration von Robotern Seite an Seite mit Menschen ermöglicht. Jetzt wartet er auf seine ersten Einsätze im Verpackungsektor.

Der als völlig neue Roboterklasse kategorisierte CR-35iA wurde entwickelt, um den Einsatz von kollaborierenden Robotern voranzutreiben. Sein Debüt hatte er vor sechs Monaten in der Automobilindustrie, erläuterte Kasuo Hariki, Vice General Manager für den Auslandsvertrieb von Fanuc Robotern, gegenüber dem Magazin Packaging South Asia.

Auffällig ist – neben der markanten grünen Farbe – die lederartige Oberflächenstruktur. Diese Softtouch-„Haut” gibt auf leichten Fingerdruck etwas nach und fühlt sich eher wie eine Elefantenhaut als kaltes Metall an. Der mit dem Fanuc FS-15iA Kraftsensor und intelligenten Sicherheitsfunktionen ausgestattete grüne Roboter hat, so Fanuc, das
Sicherheitszertifikat speziell für den Einsatz direkt neben Menschen in der Fabrik erhalten. Bisher arbeiteten Roboter und Mensch aus Sicherheitsgründen meist durch Schutzzäune oder Absperrungen voneinander getrennt, sagte Haiki. Und er deutete an, dass der „freundliche“ Roboter von Fanuc der erste einer ganzen Familie von Robotern ist, die sich frei in der Fabrik bewegen können sollen.

Im Rahmen eines anderen Entwicklungsprojektes arbeitet Fanuc an der Erweiterung der Fähigkeit von Robotern, weiche und elastische Produkte zu handhaben. Das Ziel: Roboter, die Lebensmittelrohstoffe aufnehmen und platzieren und so sensitiv sind, dass sie unterschiedliche Formen und Größen, beispielsweise Eier, verarbeiten können.

Unternehmen

Japan Packaging Institute

Togeki Bldg. 4-11, Tsukiji
104 0045 Chuo-ku, Tokyo
Japan

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