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Unter dem Motto „10 Jahre Trendtag Glas. Was die Branche bewegt“ kamen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Vertreter und Entscheider aus Industrie und Handel beim Branchenevent des Aktionsforums Glasverpackung zusammen, um sich über die neuesten Entwicklungen und Trends in der Glas- und Lebensmittelbranche zu informieren. Zukunftstheorien über die gesellschaftliche Entwicklung und das Verzehrverhalten der Konsumenten, aktuelle Studien zum Thema Glas sowie zwei Beispiele aus der Praxis standen beim 10. Trendtag Glas im Fokus. Mit vielen neuen Informationen verließen die Teilnehmer das Alte Kesselhaus auf dem Areal Böhler am Abend.

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Buchautor und Zukunftsforscher Erik Händeler hielt die Keynote beim diesjährigen Trendtag Glas. (Foto: Aktionsforum Glasverpackung)

Buchautor und Zukunftsforscher Erik Händeler hielt die Keynote beim diesjährigen Trendtag Glas. (Foto: Aktionsforum Glasverpackung)

Mit dem Verlauf des Trendtags ist Dr. Johann Overath, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Glasindustrie e. V., sehr zufrieden: „Unser Jubiläums-Trendtag hat diesen Namen absolut verdient. Wir konnten hochkarätige Referenten bei ihren Vorträgen erleben, und das ein Mal mehr in einer einzigartigen Atmosphäre. Jedes Jahr machen sich viele Teilnehmer auf den Weg, um am Trendtag Glas teilzunehmen. Das zeigt: Unser Event ist für viele Entscheider aus Industrie und Handel ein fester Termin in der Branche.“

 

Sozialverhalten und Gesundheit als Wachstumsmotor

Die Keynote hielt in diesem Jahr Buchautor und Zukunftsforscher Erik Händeler mit seinem Vortrag „Geschichte der Zukunft“. Seine These: Die Wirtschaft hat sich schon immer in S-förmigen Zyklen weiterentwickelt. Und nicht die Knappheit von Geld war dabei Motor für große Einschnitte und Veränderungen, wie Händeler anhand historischer Entwicklungen anschaulich darlegte, sondern stets die Knappheit bestimmter Ressourcen und: zu hohe Kosten für die Wirtschaft, die man zu minimieren versuchte. Als Transportmittel knapp waren, wurde die Eisenbahn entwickelt. Als das Wissen der Menschheit immer weiter anstieg, wurden Möglichkeiten der Katalogisierung knapp und Computer wurden angewendet. Jede dieser Entwicklungen hatte dabei stets eine Steigerung von Wohlstand zur Folge. Laut Autor und Zukunftsforscher Händeler stehen wir kurz vor einer neuen Wende und Herausforderung. Die knappsten Güter der Zukunft sieht er im Sozialverhalten und der Gesundheit. Denn: Die Gesellschaft investiert viel in Humankapital und baut dieses kostenintensiv auf und immer weiter aus. Menschen müssen in Zukunft länger arbeiten, so sein Appell. Allerdings mit mehr Auszeiten, mehr Erholungsphasen und einer Reduktion von Arbeitszeit im höheren Alter. Damit sich diese Investitionen lohnen und rechnen. Erik Händeler fordert darum ein Umdenken hin zu einem präventiven Gesundheitssystem und einer besseren Arbeitskultur in Unternehmen. Aus seiner Sicht ist dies ebenfalls ein Weg aus Finanz- und Schuldenkrise.

 

Trends: Das Essverhalten der Zukunft analysiert 

„Wie is(s)t Deutschland 2030?“ – so lautet der Titel einer groß angelegten Nestlé-Zukunftsstudie, an der auch Professor Peter Wippermann, Trendforscher und Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste, mitgewirkt hat. Im Fokus der Studie und des Vortrags von Professor Wippermann standen verschiedene Zukunftsszenarien rund um das Ess- und Sozialverhalten der Deutschen. Wird Essen zum Beispiel der Weg zum Ziel einer besseren Welt? Die Weltbevölkerung wird in den nächsten Jahren immer weiter wachsen; immer mehr Menschen müssen versorgt werden. Ressourcenschonung ist ein wichtiger Faktor bei der Bewältigung dieser Herausforderung. Das ist machbar, indem jeder für sich selbst, seine Mitmenschen, aber auch den Planeten Verantwortung übernimmt. Um einiges kontroverser ging es bei dem Szenario zu, das besagt, dass Essen nur noch der Maximierung der Leistungsfähigkeit dient. Höchstleistungen sind gefragt; das maximal Mögliche soll aus der Ressource Körper herausgeholt werden. Eine Entwicklung, die sich über Superfood aktuell immer weiter auf den Markt drängt. Was die Studie bei diesen Szenarien nie aus dem Blick verliert, sind die Sichtweisen der Verbraucher: Gefällt ihnen diese Zukunftsvorstellung? Finden sie sie realistisch? So ordnete Professor Wippermann die Szenarien immer auch in den Kontext der Konsumenten ein.

 

Konsumstimmung: Mehrwert erlaubt Aufpreis

Günter Birnbaum vom Marktforschungsinstitut GfK stellte bei seinem Vortrag „Verbraucher – die Entstrukturierung des Einkaufs- und Konsumverhaltens“ den Verbraucher in den Mittelpunkt. Die Konsumstimmung in Deutschland, so sein klares Statement, bewege sich weiterhin auf einem hohen positiven Niveau. Der Wohlstand wächst und das, so Birnbaum, zeige sich an steigenden Ausgaben für Immobilien, Renovierungen oder auch Reisen. Gleichzeitig sinken aber die Ausgaben für Lebensmittel anteilig im Vergleich zu den Gesamtausgaben, wobei der Lebensmitteleinzelhandel insgesamt weiterhin ein Umsatzwachstum verzeichnen kann. Was bei den Konsumenten immer mehr steigt, ist das Qualitätsbewusstsein und damit ganz generell die Bedeutung des Mehrwerts eines Produktes für den Verbraucher. Dies gilt insbesondere für die heranwachsende Gruppe der „Millennials“. Ein Grund, warum zum Beispiel Discounter es immer schwerer auf dem Markt haben. Denn gerade diese Verbrauchergruppe ist bereit, mehr Geld für ihre Ernährung auszugeben. Das allerdings nur, wenn man ihnen einen für sie relevanten Mehrwert bietet bzw. ihre Bedürfnisse und Einstellungen bedient. Genau darin sieht Birnbaum die Herausforderung der Lebensmittelindustrie: nicht ausschließlich auf Mengenwachstum zu setzen, sondern über den Mehrwert eines Produktes zu differenzieren, um damit ein höheres Preisniveau zu erzielen. Neben dieser Verhaltensänderung trägt auch die Auflösung bisheriger Koch- und Essverhalten im Haushalt zu deutlichen Strukturveränderungen bei. Die Folge: Bisherige Hauptmahlzeiten werden durch den Verzehr zwischendurch (Snacking) oder Außer-Haus (Fast Casual Dining) ersetzt.

 

Kaufentscheidungen: Nicht bewusst, sondern unbewusst

Dr. Hans-Georg Häusel, Psychologe und Experte auf dem Gebiet der Hirnforschung und Founder und Senior Partner der Gruppe Nymphenburg, erläuterte in seinem Vortrag „Verpackungen, die das Hirn packen“, wie Entscheidungen – vor allem Kaufentscheidungen – im Kopf der Verbraucher ablaufen. Womit er die Trendtag-Teilnehmer dabei überraschte: Ca. 70 bis 80 Prozent aller Entscheidungen werden unbewusst getroffen, und die restlichen 20 bis 30 Prozent sind stark von Emotionen geprägt. Genau aus diesem Grund ist und sei es so wichtig, seine Zielgruppe und ihre Motive sehr genau zu kennen. Was ist der Antreiber für ihr Handeln und ihre unterbewussten Entscheidungen? Ist es Dominanz oder Stimulanz? Ist es Sicherheit oder Stress? Wie unterscheiden sich Frauen und Männer voneinander und warum ist das so? Das Fazit von Dr. Häusel: Die Trennung von Geld, um die es bei jedem Kauf geht, ist immer ein schmerzhafter Prozess. Jedes Unternehmen muss darum sehr genau schauen, welche Regionen im Gehirn es stimulieren und ansprechen will. Und seine Positionierung entsprechend ausrichten.

 

Glas: ein konkurrenzfähiges Verpackungsmaterial

Holger Rohn vom Wuppertal Institut, das Leitbilder, Strategien und Instrumente für Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung erforscht, nahm in seinem Vortrag „Glas – der nachhaltige Universalwerkstoff?“ die Themen Glas und Nachhaltigkeit unter die Lupe. Nachhaltigkeit einheitlich zu bemessen und zu bewerten, fällt schwer. Herr Rohn stellte daher ein Indikatoren-Set vor, mit dem sich Glasverpackungen sowie die gesamte Behälterglasbranche für verschiedene Nachhaltigkeitskriterien bewerten lassen. Der Vergleich mit anderen Verpackungsmaterialien zeigte, dass Glas ein konkurrenzfähiger Werkstoff ist und in Teilen vorteilhaft zu anderen Verpackungsmaterialien sein kann. Auf Branchenebene wurde deutlich, welchen Beitrag der Altglaseinsatz für die Rohstoffschonung leistet. Auch konnte dargestellt werden, dass die Behälterglasindustrie mit einer überwiegend regionalen Wertschöpfung einen wichtigen wirtschaftlichen Beitrag in Deutschland leistet.

 

true fruits: Vom Recycling zum Upcycling

In seinem Vortrag zog Nicolas Lecloux, Mitgründer und Geschäftsführer Marketing der true fruits GmbH, die Teilnehmer mit einem Beispiel aus der Praxis in seinen Bann. Bildstark und wortgewandt präsentierte er die Geschichte seines Unternehmens, das in diesem Jahr ebenfalls 10-jähriges Jubiläum feiert. Authentizität in der Kommunikation und in der Herstellung spielte für das Start-up eine große Rolle und diesem Grundsatz sind die drei Gründer bis heute treu geblieben. Dass diese Strategie bei Verbrauchern ankommt, zeigen die Umsatzzahlen, aber auch die Markentreue. Denn die Glasflaschen von true fruits sind mittlerweile Kult und für viele Verbraucher zu schade, um sie in den Altglascontainer zu werfen. Die vielen Ideen, wie true fruits-Fans die Flaschen weiter verwenden, inspirierte die Macher. Sie erweiterten ihr Sortiment um Non-Food-Upcycling-Artikel, wie Permanentverschlüsse, Ausgießer, Streuer oder ein Teesieb aus hochwertigem Edelstahl, die über den eigenen Online-Shop verkauft werden. So entsteht aus einer true fruits-Flasche mal ein Aufbewahrungsglas, mal ein Teeglas oder mal eine dekorative Ölflasche – eine andere Form von Nachhaltigkeit, die die Teilnehmer mit großem Applaus belohnten. Nicolas Lecloux dagegen ließ es sich nicht nehmen, sich zum Abschluss ganz true fruits like mit einem Gruppen-Selfie zu verabschieden.

 

Absolut Vodka: Anders differenziert, differenziert anders

Spannend war ebenfalls das zweite Praxisbeispiel, das Eric Näf, Director Packaging Development bei Absolut Vodka präsentierte. Er gab tiefe Einblicke in die Welt der Absolut Company, die ihren Sitz in Åhus, Schweden hat. Über 600.000 Flaschen werden dort pro Tag produziert und in mehr als 126 internationale Märkte verkauft. Was für Unternehmen und Marke von entscheidender Bedeutung ist: sich über das Produkt und die Verpackung zu differenzieren, da Vodka ein sehr reines Produkt ist, das sich nicht nur auf ausgewählte Zutaten oder eine bestimmte Geschichte berufen kann. Unangefochtenes Markensymbol für Absolut in der ganzen Welt ist darum die prägnante Flasche. Mit ihr spielt das Unternehmen und setzt immer wieder neue, sehr innovative Akzente. Mal ist es die paillettenbesetzte Flasche Masquerade, mal die bunte Unikat-Serie, bei der garantiert jede Flasche ein Einzelstück ist. Bei seinem Vortrag demonstrierte Eric Näf lebendig, wie vielseitig und kreativ Absolut mit dem Design der Flasche arbeitet. Und wie vielfältig die Gestaltungsmöglichkeiten sind. 

 

Nominiert: Produktinnovation in Glas

Wie auch in den letzten zwei Jahren wurden beim Trendtag Glas die Nominierten für die „Produktinnovation in Glas“ bekannt gegeben. Damit zeichnete das Aktionsforum Glasverpackung bereits zum dritten Mal besonders innovative Produkte aus, die in Glas verpackt sind. Dr. Ulrich Nehring, Geschäftsführer des Institut Nehring und Mitglied der Jury, präsentierte in diesem Jahr die drei besten Einreichungen in den neu definierten Kategorien „Kleine Unternehmen“ und „Mittlere und große Unternehmen“. Die Gewinner wurden im Anschluss an den Trendtag Glas beim Get-together gekürt: „Made for meat“ von Kühne und der „smoothie white, limited edition no. 6, ‚black edition’“ von true fruits machten in diesem Jahr das Rennen. Gleichzeitig waren auch die Teilnehmer gefragt, denn sie durften am Ende des Trendtags Glas den „Publikumsliebling 2016“ wählen. Auch hier konnte sich der „smoothie white, limited edition no. 6, ‚black edition’“ von true fruits durchsetzen – mit mehr als 50 Prozent der Stimmen.

Damit ging ein erfolgreicher Jubiläums-„Trendtag Glas“ zu Ende, der die Teilnehmer mit vielen neuen Informationen und Eindrücken entließ.

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Bundesverband Glasindustrie e.V. Fachgruppe Behälterglasindustrie

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