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Produktpiraten sind pragmatisch: Gefälscht wird, was sich rechnet. Mit Onlineshops und Internetauktionen als weltweite 24/7-Vertriebskanäle profitiert auch die boomende Fälscherindustrie von Skaleneffekten, wie sinkenden Grenzkosten. Systemlösungen für Serialisierung und Track & Trace helfen Markenartiklern, sich gegen Produktpiraterie zu wehren.

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Für den Aufdruck der individuellen Seriennummer oder eines individuellen maschinenlesbaren Barcodes – wie etwa eines QR-Codes – installiert der Hersteller das Serialisierungsequipment im Regelfall am Ende der Verpackungslinie. (Foto: Mettler Toledo)

Für den Aufdruck der individuellen Seriennummer oder eines individuellen maschinenlesbaren Barcodes – wie etwa eines QR-Codes – installiert der Hersteller das Serialisierungsequipment im Regelfall am Ende der Verpackungslinie. (Foto: Mettler Toledo)

Pharma macht’s vor: Serialisierung und Track & Trace sollen im Kampf gegen Medikamentenfälschungen der Fälscherindustrie das Handwerk legen. So sieht die EU-Richtlinie 2011/62/EU bis Februar 2019 die Rückverfolgbarkeit jedes rezeptpflichtigen Arzneimittels auf Produktebene vor.

Für klassische Markenartikler lohnt sich der Blick auf den Weg, den die Pharmaindustrie beim Fälschungsschutz geht. Viele Rahmenbedingungen sind vergleichbar. Produktions- und Lieferketten haben sich in den letzten Jahren internationalisiert und verzweigt, Logistik- und Versandwege sind länger und mehrstufiger geworden, Vertriebskanäle unübersichtlicher. Das macht es für Fälscher und Produktpiraten einfacher, Falsifikate in den Markt zu schleusen.

Ziel: Transparenz auf Artikelebene

Während Hersteller hochwertiger und teurer Industriekomponenten Plagiatsangriffe vermehrt mit Embedded Security kontern, ist für viele Markenartikler die Absicherung der Supply Chain der wirtschaftlich vernünftigere und praktikablere Weg. Ziel dabei ist es, mit der Vergabe einer individuellen Seriennummer für jeden Artikel diesen eindeutig identifizierbar zu machen und über Track & Trace seine vollständige Ende-zu-Ende-Verfolgung zu ermöglichen. Ein Beschriftungssystem bringt hierzu die individuelle Seriennummer direkt an der Linie auf die Verpackung des Artikels auf, so wie es heute bereits mit der Markierung auf Chargenebene geschieht. Je nach individueller Festlegung im Unternehmen erhält auch jede weitere Aggregationsstufe, vom Bündel über den Versandkarton bis hin zur Palette, einen eindeutigen Code. Passiert das Erzeugnis einen relevanten Transaktionspunkt in der Versandkette, wird dieses Ereignis automatisch in einer unternehmensweiten Datenbank vermerkt. Alle Verpackungs- und Versandprozesse werden so rückverfolgbar, der Hersteller erhält über die Seriennummer eine individuelle Historie für jedes Produkt.

Systeme, wie die Datamatrix-Station XMV von Mettler Toledo PCE, bewältigen im Druck- und Verifizierungsprozess Geschwindigkeiten, die den Anforderungen auch schneller Verpackungslinien entsprechen. (Foto: Mettler Toledo)

Systeme, wie die Datamatrix-Station XMV von Mettler Toledo PCE, bewältigen im Druck- und Verifizierungsprozess Geschwindigkeiten, die den Anforderungen auch schneller Verpackungslinien entsprechen. (Foto: Mettler Toledo)

Original – vom Kunden verifiziert

Markenartikler haben es in der Hand, über das Instrument der Serialisierung die Produkthistorie bis zum Käufer als das letzte Glied in der Vertriebskette auszudehnen und die Verbraucher in die Bekämpfung der Produktpiraterie aktiv einzubinden. Auf der einfachsten Stufe wird der Kunde in die Lage versetzt, die Echtheit eines Produkts anhand eines QR-Codes selbst zu verifizieren – im Regelfall meist mittels einer Scan-App auf seinem Smartphone oder Tablet. Während der Kunde beim Kauf im Internet die Echtheitsprüfung nach Erhalt des Artikels vornimmt, kann er bei einem Einkauf im stationären Handel diese Prüfung bereits vor dem Gang zur Kasse durchführen. Die Serialisierung erlaubt es dem Käufer auch zu prüfen, ob es sich im Falle eines Originals um einen Grauimport mit möglicherweise abweichenden Produkteigenschaften oder regionalen Restriktionen hinsichtlich der Herstellergarantie handelt. Kunden können sich mit dem Scan-Check jederzeit Gewissheit über die Originalität des Produkts verschaffen, was das Vertrauen und die Bindung an die Marke stärkt. Der Markenartikler profitiert über die Falsifikatstests seiner Kunden von einem weltweiten 24/7-Frühwarnsystem. Sollte es zu Auffälligkeiten auf den Vertriebswegen oder an einzelnen Absatzstellen kommen, kann er schnell reagieren.

Eine seriennummerbasierte Falsifikatsprüfung seitens der Kunden verlängert die Track-&-Trace-Verfolgung bis ins letzte Glied der Distribution. Markenartikler initiieren damit ein Crowdsourcing für von Käufern rückgemeldete Daten, welches das Aufspüren von Fälschungen, falschen Seriennummern sowie Graumarktaktivitäten wie den Vertrieb über nicht autorisierte Distributionswege oder in für das Produkt nicht freigegebene Märkte wesentlich erleichtert. Markenartikler können mit diesem detaillierten Kenntnisstand nach dem Aufspüren von Unregelmäßigkeiten sehr gezielt in die Gegenoffensive gehen, um Fälschungen aus dem Verkehr zu ziehen und den Handel mit Graumarktware auszutrocknen. Seriennummern von Graumarktware können für Add-on-Services gesperrt und der Kunde darüber aufgeklärt werden, dass er Graumarktware erwarb. Vertragsbrüchig gewordene Vertriebspartner bekommen die Gelbe Karte gezeigt – mit dem Hinweis auf eine Kündigung der Vertriebspartnerschaft bei weiteren Verstößen. Die Strafverfolgungsbehörden werden eingeschaltet, um gefälschte Ware aus dem Verkehr zu ziehen. Sollten Fälscher Originalverpackungen nachgedruckt haben, fliegt der Schwindel über mehrfach oder am falschen Ort auftauchende Seriennummern rasch auf – im Idealfall inklusive der GPS-Daten. Die geografische Heat Map solchermaßen via Crowdsourcing aufgedeckter Fälschungen ist somit weit mehr als eine erste Orientierungsskizze für die Strafverfolgung. Darüber hinaus liefert das Crowdsourcing neben der Funktion der Falsifikationsprüfung wertvolle weitere Daten wie etwa die Umschlagdauer jedes einzelnen Artikels – Informationen, aus denen sich aggregiert Rückschlüsse für Vertriebs- und Logistikoptimierungen ableiten lassen.

Hersteller sensibler Produkte oder solcher mit sehr hohem Qualitätsanspruch erzielen per Track & Trace mehr Transparenz in ihren Herstellungs- und Logistikprozessen – und können ihren Markenruf besser schützen. (Foto: Mettler Toledo)

Hersteller sensibler Produkte oder solcher mit sehr hohem Qualitätsanspruch erzielen per Track & Trace mehr Transparenz in ihren Herstellungs- und Logistikprozessen – und können ihren Markenruf besser schützen. (Foto: Mettler Toledo)

Eine Ende-zu-Ende-Verfolgung auf Artikelebene eröffnet dem Markenartikler jedoch nicht nur mehr Möglichkeiten, Kunden wirksam vor dem Kauf von Plagiaten zu schützen. Serialisierung plus Track & Trace geben ihm auch ein Instrumentarium für mehr Verbraucherschutz an die Hand. Sollte aufgrund eines zu spät bemerkten Qualitätsmangels oder Serienfehlers ein Produktrückruf erforderlich werden, lässt sich dieser sehr präzise und produktgenau durchführen. So können registrierte Käufer gezielt benachrichtigt und informiert werden, welche weitere Schritte sie unternehmen sollen.

Technische Umsetzung

Für den Aufdruck der individuellen Seriennummer oder eines individuellen maschinenlesbaren Barcodes – wie etwa eines QR-Codes – installiert der Hersteller das Serialisierungsequipment im Regelfall am Ende der Verpackungslinie. Hier empfehlen sich platzsparende Komplettsysteme, die neben dem Aufdruck der

 „Markenartikler haben es in der Hand, über das Instrument der Serialisierung die Produkthistorie bis zum Käufer als das letzte Glied in der Vertriebskette auszudehnen und die Verbraucher in die Bekämpfung der Produktpiraterie aktiv einzubinden.“ Reinhold van Ackeren, Marketing & Product Management bei Mettler Toledo CI-Vision (Foto: Mettler Toledo)

„Markenartikler haben es in der Hand, über das Instrument der Serialisierung die Produkthistorie bis zum Käufer als das letzte Glied in der Vertriebskette auszudehnen und die Verbraucher in die Bekämpfung der Produktpiraterie aktiv einzubinden.“ Reinhold van Ackeren, Marketing & Product Management bei Mettler Toledo CI-Vision (Foto: Mettler Toledo)

Seriennummer beziehungsweise des maschinenlesbaren Codes auch die anschließende Verifizierung des Aufdrucks per Smart-Kamera übernehmen und die Daten an die Track-&-Trace-Datenbank übermitteln. Systeme, wie etwa die Datamatrix-Station XMV von Mettler Toledo PCE, bewältigen hier im Druck- und Verifizierungsprozess Geschwindigkeiten, die den Anforderungen auch schneller Verpackungslinien entsprechen. Sind für weitere Aggregationsstufen der Intralogistik ebenfalls individuelle Codes vorgesehen, werden auch dafür Einzelstationen angeboten oder Komponenten, mit denen bestehende Linien ohne zusätzlichen Platzverbrauch aufgerüstet werden können.

Unternehmen

Pharmacontrol Electronic GmbH

Gernsheimer Straße 2
64673 Zwingenberg
Deutschland

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