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Das internationale Ausstellungszentrum „Big Sight” öffnete im Oktober seine Türen für die Tokyo Pack und rund 170.000 Besucher aus Asien und vielen anderen Kontinenten informierten sich über den Stand der Verpackungstechnik.

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Unsere Korrespondentin Joanne Hunter entdeckte für die Leser der neuen verpackung zahlreiche  Neuheiten und Weiterentwicklungen  auf der Tokyo Pack. (Foto: Fotolia)

Unsere Korrespondentin Joanne Hunter entdeckte für die Leser der neuen verpackung zahlreiche Neuheiten und Weiterentwicklungen auf der Tokyo Pack. (Foto: Fotolia)

Die Tokyo Pack ist ein Schaufenster für Verpackungsdesign, Drucktechniken und Materialien, die auf die japanischen und asiatischen Märkte gebracht werden sollen. Sie ist somit auch erste Adresse für ausländische Unternehmen, die von dort aus neue Märkte erschließen und so ein Fenster zu einer anderen Welt öffnen möchten, was Business-to-Business, den Einzelhandel und das Kaufverhalten der Endverbraucher betrifft. Auf der Tokyo Pack kann man natürlich auch die Protagonisten der japanischen Verpackungstechnik kennenlernen.

Im Jahr 2015 übertraf der Absatz von Aseptikbeuteln alle bisherigen Verkaufszahlen, der Sektor boomte wie nie zuvor. Weil so viele Anbieter an diesem wachsenden Markt partizipieren möchten, müssen Newcomer mit einem deutlichen USP punkten, sonst haben sie keine Chance auf dem japanischen Markt.

Der schwedische Beutelhersteller Ecolean ist seit 2015 auf dem japanischen Markt vertreten und kann mit den Angeboten der japanischen Anbieter auf diesem wohl härtesten Testmarkt für Qualität durchaus mithalten. Deutliches Zeichen sind wachsende Aktivitäten des Unternehmens in Südostasien. Der gezeigte Beutel, der zu 40 Prozent aus Kalk (Kalziumkarbonat) besteht, sticht deutlich aus der Masse hervor und die europäische Alternative bietet aus japanischer Sicht einige attraktive Features, wie beispielsweise der luftgefüllte Griff für ein einfaches Ausgießen, Wiederverschließbarkeit für eine längere Haltbarkeit des Produkts sowie die Option der Transparenz für eine gesteigerte Attraktivität im Verkaufsregal. Auf der Tokyo Pack wurde ein 125-ml-Pouch von Air Aseptic vorgestellt. Das Molkereiprodukt für den Heißteemarkt ist bereits in Pakistan erhältlich. Pakistan ist einer von Ecoleans größten Märkten für aseptische Produkte. Das Unternehmen konnte auf diesem Markt bereits Aufträge an zwei Kunden mit einem Volumen von einer halben Milliarde Packungen verzeichnen, berichtet die Unternehmenssprecherin Hanna Jeppsson.

Der japanische Hersteller Kururay plant, Pouches mit der biobasierten Folientechnik von Plantic herzustellen. Diese Technologie wurde in Australien entwickelt und wird von Kururay bereits seit 2015 genutzt. Die biologisch abbaubaren Folien bestehen zu 85 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Der Fokus eines aktuellen Projekts liegt auf Anwendungen für das Verschließen von Schalen mit extrem dünnen Folien mit einer Stärke von maximal 50 Mikrometern. Diese Arbeit soll voraussichtlich in „einem oder zwei Jahren“ erste Ergebnisse erzielen. Auf die Frage, was als nächstes kommt, antwortete Yuki Morino, Forscherin bei Plantic: „Pouches sind die Zukunft!“

Tokyo Pack: Digital bedruckte Pouches

Bei der Verpackung einer Katzenfuttermarke von Hagoromo Foods kam erstmals eine für den industriellen Einsatz geeignete Tiefdruckmaschine zum Einsatz, mit der eine aus einer Kombination aus Tinte und Wasser basierende weiße Farbe aufgebracht wird, die für aseptische Anwendungen geeignet ist. Die Maschine wurde von Fuji Tokushu Shigyo entwickelt und gewann einen japanischen „Good Packaging Design Award“. Somit steht sie für eine „Premiere im Bereich der digital bedruckten Verpackungen“, sagt Hiroshi Umemoto, Leiter Vertrieb Fuji. M. O.

Ein florierender Sektor, in dem Taisei Lamick tätig ist, sind Einzeldosis-Pouches. Der Spezialist für laminierte Folienmaterialien und -maschinen präsentierte sein „Safe-Squeeze“-Design, das auf einer Dangan-2-Maschine produziert wird. Wenn man die Verpackung erst faltet und dann zusammenpresst, fließt das Produkt sauber und kontrolliert durch eine kleine röhrenartige Vorrichtung. Eine Doppelpack-Version der Dangan Orios kann beispielsweise Senf und Ketchup gleichzeitig ausgeben. Neben Anwendungen auf dem Fast-Food-Markt sind auch Kosmetikanwendungen für Pouches ein potenzieller Markt und sollen 2017 erstmals zum Einsatz kommen.

Deutlich wird auf der Tokyo Pack, dass Japaner großen Wert auf benutzerfreundliches Design legen. Die neuesten Entwicklungen für Pouches von DNP zeichnen sich durch ein Konzept für einfaches Öffnen mit einer Hand aus. Zum Einsatz kommen zwei Materialien, die ganz leicht wieder voneinander getrennt werden können, um so das Spenden des Produkts zu erleichtern. Eine leicht aufreißbare Folie sorgt für ein bequemes Öffnen der Pouches.

Nippon Closures hat mit einem neuen aufklappbaren Flaschenverschluss mit Aufreißring auf die Bedürfnisse der Benutzer reagiert. Der Verschluss ist mit einer Vertiefung versehen, sodass der Verbraucher besser den Ring-Pull greifen kann, damit sich die Flasche leichter öffnen lässt. Der Verschluss wird voraussichtlich ab 2017 standardmäßig in den Farben Rot, Grün, Gold oder benutzerdefiniert erhältlich sein. Die angebotenen Durchmesser betragen 26 mm oder 32 mm. Eine Version für körnige Lebensmittelprodukte ohne Ring-Pull-Verschluss gewann im Jahr 2016 einen „Good Packaging Award“. Die Dichtigkeit der oberen Abdeckung wurde für eine bessere Feuchtigkeitsbarriere verbessert. Der „Ben Lid“, der für den Getränke-to-go-Markt entwickelt wurde, kann immer wieder geöffnet und geschlossen werden, damit man beispielsweise den Teebeutel entnehmen, Milch und Zucker hinzufügen oder umrühren kann. So sorgt er auch für mehr Sicherheit.

DNP stellt einen nahezu unsichtbaren Barcode vor, der auch als digitales Wasserzeichen bekannt ist. DNP darf die Technologie von Digimarc im Rahmen einer Lizenz im asiatischen Raum verwenden. Der Scanner Datalogic Magellan 9800i, der für den japanischen Markt entwickelt wurde, wird im Sommer 2017 auf den Markt gebracht. Damit kann in Supermärkten der Bezahlvorgang deutlich schneller werden.

Foto: Joanne Hunter
Der 125 ml fassende Pouch von Ecolean wurde erstmals in Pakistan auf den Markt gebracht. (Foto: Joanne Hunter)
Crown Packaging testet Material aus einer Mischung aus Recyclingpapier und Resten aus der Produktion von Fruchtsäften. (Foto: Joanne Hunter)
Mit der erstmaligen Verwendung für einen Pouch für  Katzenfutter markiert die Technologie Fuji. M. O. von Fuji Tokushu Shigyo einen Meilenstein in einer digital bedruckten Verpackung. (Foto: Joanne Hunter)
Der sportliche Ehrgeiz hat das Gastgeberland zweier sportlicher Großveranstaltungen von Weltrang bereits früh im Griff. (Foto: Joanne Hunter)
Nippon Closures entwickelt „Ben Lid” für den Getränke-to-go-Markt. (Foto: Joanne Hunter)
Das nahezu unsichtbare digitale Wasserzeichen für die Scanner von Datalogic Magellan soll im Jahr 2017 für einen sehr schnellen Kassiervorgang in Japans Supermärkten sorgen. (Foto: Joanne Hunter)
Für Inhalte, die bis zum letzten Tropfen frisch bleiben, ein Wiederbefüllungssystem von Japan Gateway und Pac-Plus. (Foto: Joanne Hunter)
Einfach zu öffnende Beutel sind eine Spezialität von DNP. (Foto: Joanne Hunter)
Sauerstoffabsorbierendes „Oxy Vanish” von Mitsubishi Gas Chemical, für die Verwendung bei Pharmazeutika. (Foto: Joanne Hunter)
Dampfdurchlässige Technologie von Toppan Printing soll den Feuchtigkeitsgehalt von in der Mikrowelle zubereiteten Fertiggerichten verbessern. (Foto: Joanne Hunter)
Das System für regalfertige Verpackungen von Rengo für ungekühlte und gekühlte Lebensmittel wird von Lieferanten an die Big-A Einzelhandelskette (Teil des Supermarktgiganten Aeon) spezifiziert. (Foto: Joanne Hunter)

Papier ist Trumpf

Japan ist weltweit führend bei der Entwicklung von umfassenden Kreislaufwirtschaftssystemen. Crown Packaging ist inzwischen ein Experte, was die Produktion von Papier und Karton aus recyceltem Papierzellstoff betrifft, der mit Produktionsausschuss aus der Herstellung von Lebensmittel- und Getränkeprodukten vermischt wird. Leichte Einsprengsel von bunten Flecken zeugen vom Ursprung der Verpackungsmaterialien von Smartpapier: Färberdistelblüten aus der Herstellung von roter Lebensmittelfarbe, Reste aus der Verarbeitung von grünem Tee, Kakaobohnenschalen und Palmkernschalen. Für das aktuellste neue Material verwendet Berry-Mix Blaubeerenreste aus der Saftherstellung.

Die Einzelhändler in Japan sind zurückhaltend bei der Einführung von Shelf-Ready-Verpackungslösungen in ihren Supermärkten. Aber inzwischen boomen Umverpackungen aus Wellpappe. Das liegt an einem der führenden japanischen Hersteller von Sekundärverpackungen, der zunächst auf den Einsatz seiner Verpackungen bei der Tochtergesellschaft von Aeon setzte. Aeon ist Marktführer im japanischen Einzelhandel. Im Jahr 2014 spezifizierte Big-A Shelf-Ready-Verpackungen für 22 Anlagen. Im Jahr 2015 waren es dann bereits 80 Anlagen und im Jahr 2016 200 Anlagen. Rengo stellte auf der Tokyo Pack 2014 ein umfassendes Produktionssystem für Shelf-Ready-Verpackungen vor und zeigte dieses Jahr zahlreiche Beispiele für gekühlte und ungekühlte Lebensmittel. Das Unternehmen bezeichnet sich als One-Stop-Shop für Designlösungen und Endverpackungsmaschinen, erklärte Toshinobu Sada, Geschäftsführer International und Marketing. Rengo wurde vor Kurzem der neue Eigentümer von Tri-Wall, einem erfolgreichen Verpackungsunternehmen mit Sitz in Wales.

Japaner bevorzugen Pappbecher gegenüber Kunststoffbechern und es wird daran gearbeitet, Papier mit nützlichen neuen Eigenschaften zu versehen. Toppan Printing hat ein lichtundurchlässiges Material produziert und testet Nanofüllstoffe aus Zellulose, um bald auch wasserdichte Materialien herstellen zu können. Oji, eines der weltweit größten Unternehmen im Bereich der Herstellung von Papierprodukten, testet gerade eine Substanz mit antibakteriellen Eigenschaften, die aus Schalen von Krustentieren hergestellt wird. Sie soll Verwendung finden in Verpackungen für frisches Obst sowie bei absorbierenden Beschichtungen von Trays zum Verpacken von frischem Fisch und Fleisch.

Die Gewinner des Branchenpreises

Konzepte zur Wiederbefüllbarkeit gehen Hand in Hand mit Forderungen, Ressourcen zu schonen und Abfall zu reduzieren. Die Besten dürfen an dem jährlich stattfindenden Wettbewerb „Good Packaging“ teilnehmen. Die Mitglieder der Jury des Wettbewerbs würdigten zwei Shampoolösungen: ein „sauberes, einfaches“ wiederbefüllbares System mit austauschbaren Beuteln von Japan Gateway und Pac-Plus und ein Design von Kao, das mit oben und unten angebrachten Laschen dafür sorgt, dass ein hochviskoses Produkt gleichmäßiger fließen kann.

Weitere Preise gingen an Toyo Seikan für eine Heißabfüllung in PET-Flaschen, bei welcher der Unterdruck, der sonst durch die Volumenreduzierung der Inhalte verursacht wird, absorbiert wird und somit ein panelfreies Flaschendesign ermöglicht wird.

Mit einer 15 g leichten PET-Flasche, in der man aromatisiertes Wasser einfrieren und so kühlen kann, gewann Suntory einen Preis in der Kategorie „Getränke“. Durch ihre Form hält die Flasche dem vermehrten Druck während des Gefriervorgangs stand.

Eine mikrowellengeeignete Verpackung mit Dampfventil, die so gestaltet ist, dass sie während des Kochvorgangs intakt bleibt, verbessert den Feuchtigkeitsgehalt der Lebensmittel und verhindert so das Austrocknen während der Mikrowellenerhitzung, so der Entwickler Toppan Printing. Die wichtigsten Merkmale sind die Steam Ports entlang der langen Seite sowie eine spezielle Versiegelung für den Deckel des Behälters. Shanghai Family Mart war der erste Einzelhändler, der dieses preisgekrönte Produkt aus der Kategorie „Lebensmittel“ eingesetzt hat.

Zu den Neuzugängen des Bereichs „funktionale Folien“ gehören die Sauerstoff-Scavenger-Folien von Toyo Seikan Oxydec für Reis, Backwaren und Süßigkeiten sowie das sauerstoffabsorbierende Oxy Vanish von Mitsubishi Gas Chemical für Flaschen, Folien und Blisterverpackungen für Pharmazeutika und Nahrungsergänzungsmittel (Gewinner eines technischen Preises in der Kategorie „Good Packaging“).

 

Unternehmen

Japan Packaging Institute

Togeki Bldg. 4-11, Tsukiji
104 0045 Chuo-ku, Tokyo
Japan

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