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Kunstdünger gehört nicht in die Zuckerdose, Kupfersulfat nicht in die Oliven, und keines von beiden möchte man gerne essen. Dennoch fanden Europol und Interpol Beispiele von beidem in einer konzertierten Durchsuchungsaktion. In nur drei Monaten wurden 10.000 Tonnen gefälschter Lebensmittel beschlagnahmt, zusätzlich eine Million Liter Getränke. Doch so groß dieser Erfolg auch scheinen mag: die kriminelle Energie von Fälscherbanden können sie nicht stilllegen. Im Zeitalter des weltweiten Handels sind die Behörden oft nur zu stichprobenartigen Kontrollen in der Lage. Umso wichtiger, dass Produzenten Wege finden, Fälschungen zu stoppen und Verbraucher in die Lage zu versetzen, selbst die Echtheit eines Lebensmittels prüfen zu können. Daher greift die Industrie zunehmend auf erprobte Systeme und Methoden, um ihre Produkte zu schützen und die Wertschöpfungskette sicherer zu machen.

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In der Lebensmittelbranche kommen auf den Etiketten verschiedene Fälschungsschutztechnologien zum Einsatz: Lumineszenzfarben, digitale Wasserzeichen, Hologramme, temperaturempfindliche Druckfarben oder digitale Wasserzeichen.  (Foto: Schreiner)

In der Lebensmittelbranche kommen auf den Etiketten verschiedene Fälschungsschutztechnologien zum Einsatz: Lumineszenzfarben, digitale Wasserzeichen, Hologramme, temperaturempfindliche Druckfarben oder digitale Wasserzeichen. (Foto: Schreiner)

Offene und verborgene Sicherheitsmerkmale bieten einen zuverlässigen Originalitätsschutz. Unter dem Schlagwort Serialisierung verfolgen viele Hersteller nun eine eindeutige Kennzeichnung auf der Basis verschlüsselter Codierungen. Die Serialisierung ist ein wirksames Mittel, um Verbraucher und Marke zu schützen: Sie unterstützt bei der Qualitätssicherung, eine Rückverfolgung über die Distributionskette, ermöglicht die Einbindung des Kunden und bietet in Kombination mit Originalitätsmerkmalen auch Fälschungsschutz. Ihr Einsatz ist auch finanziell sinnvoll: nicht nur wird der Verlust durch Fälschungen gesenkt, sondern die Gefahr von Lebensmittelskandalen und ihrer Folgen für die Marke wird verringert. Denn verlorenes Vertrauen kann nur durch kostspielige Imagearbeit wiedergewonnen werden. 

Serialisierung: Jedem Produkt sein eigener Code

Ein lückenloses Tracking von Lebensmitteln vom Ursprung bis zur Ladenkasse ist essenziell für die Qualitätsüberwachung, die Rückverfolgung und die Reaktion im Krisenfall. Dabei ist der Einsatz von Barcodes und 2-D-Codes in der Produktkennzeichnung allgegenwärtig. In der Regel werden Produkte heute nur mit einer Artikelnummer gekennzeichnet. Ein weiterer variabler Aufdruck referenziert Herstellungsnummer und Verfallsdatum. Dies erfüllt zwar die gesetzliche Anforderung, ermöglicht aber nicht die individuelle Identifikation und Rückverfolgung einzelner Produkte.

Die individuelle Markierung jedes einzelnen Produktes spielt zukünftig eine immer wichtigere Rolle für Industrie und Endkunden. Bei der Serialisierung wird die klassische Typbezeichnung um eine einzelstückspezifische offene oder verschlüsselte Nummerierung ergänzt. Produkte eines Auftrages, einer Charge oder eines Batches erhalten nicht mehr den gleichen Code, sondern jeweils eine einzigartige Kennzeichnung.

Die Serialisierung von Olivenöl und anderen Lebensmitteln ist ein wirksames Mittel, um Verbraucher und Marke zu schützen. (Foto: Schreiner)

Die Serialisierung von Olivenöl und anderen Lebensmitteln ist ein wirksames Mittel, um Verbraucher und Marke zu schützen. (Foto: Schreiner)

Die Serialisierung bietet dem Lebensmittelhandel Chancen und erfüllt vielfältige Aufgaben: von der Steuerung interner Logistikprozesse über die Überwachung von Distributionsketten bis zum Angebot von produktspezifischen Mehrwertdiensten. Alle relevanten Informationen, wie zum Beispiel die Historie von Qualitätsprüfungen, sind in einer digitalen Akte zusammengefasst. Bestellungen, Lieferungen und Reaktionen, beispielswiese im Falle eines Rückrufs, funktionieren sicher und schnell. Gesetzgeber und Branchenverbände unterstützen den Trend zum Einsatz von serialisierten Erkennungszeichen in Form von standardisierten Codes. Standards fördern eine einheitliche Sprachweise und erleichtern die industrieweite Kommunikation und Automation von Prozessen.

Offene und verborgene Sicherheitsmerkmale auf dem Etikett, zum Beispiel von Weinflaschen, bieten einen zuverlässigen Originalitätsschutz. (Foto: Schreiner)

Offene und verborgene Sicherheitsmerkmale auf dem Etikett, zum Beispiel von Weinflaschen, bieten einen zuverlässigen Originalitätsschutz. (Foto: Schreiner)

Ein Beispiel für Serialisierung in der Lebensmittelbranche ist die Rindfleischetikettierung, die in Deutschland seit 2002 per Gesetz geregelt ist. Sie beruht auf einem System, das die Herkunftssicherung und die Nachverfolgung von Rindfleisch regelt und zusätzlich zu den allgemeinen Vorschriften des Lebensmittelrechts und der Lebensmittelkennzeichnung einzuhalten ist. Die Herkunft von Rindfleisch wird so transparent gemacht – es soll von der Bedientheke über alle Vermarktungs- und Erzeugungsstufen bis zu einer Gruppe von Tieren zurückverfolgt werden können. Die obligatorischen Angaben müssen von jedem Marktteilnehmer auf jeder Vermarktungsstufe gemacht werden. Zu diesen Pflichtangaben zählen neben den Zulassungsnummern von Schlacht- und Zerlegebetrieb sowie den Informationen zu Geburts-, Mast- und Schlachtungsland eine Referenznummer beziehungsweise ein Referenzcode, der die Rückverfolgbarkeit des Fleisches zu einem Tier oder einer Gruppe von Tieren gewährleistet. Möglich ist das durch eine nationale elektronische Datenbank zur Registrierung der Rinder als Teil des Herkunfts- und Informationssystems.

Track & Trace plus Fälschungsschutz durch variable Codes

Die Serialisierung vereinfacht viele Prozesse und macht den Weg eines Produktes nachverfolgbar. Doch Vorsicht vor Missverständnissen: Eine stückspezifische Kennzeichnung stellt nicht sicher, ein Originalprodukt in den Händen zu halten. Nur in Verbindung mit Echtheitsmerkmalen zur Authentifizierung kann ein System ganzheitlich gegen Betrug, Missbrauch und Fälschungen geschützt werden. Die Serialisierung allein bietet kaum Schutz, weil sie leicht kopiert und gefälscht werden kann.

Serialisierung in der Lebensmittelbranche: Die Rindfleischetikettierung ist in Deutschland seit 2002 per Gesetz geregelt. (Foto: Schreiner)

Serialisierung in der Lebensmittelbranche: Die Rindfleischetikettierung ist in Deutschland seit 2002 per Gesetz geregelt. (Foto: Schreiner)

Insbesondere bei Lebensmitteln ist ein Authentifizierungssystem sinnvoll, das auch dem Endverbraucher selbst die Echtheitskontrolle ermöglicht. Immer mehr Produkte werden deshalb variabel gekennzeichnet, um es einem breiten Nutzerkreis zu ermöglichen, sie auf Echtheit zu prüfen und weitere Informationen aufzurufen. Dank der breit verfügbaren Barcode-Leser-Anwendungen mittels Smartphone-Apps bieten modular aufgebaute Tracing-Systeme eine schnelle internetbasierte Identifikation. Jedes Produkt erhält dazu einen einzigartigen verschlüsselten Code. Durch Eingabe des Codes auf der Hersteller-Website oder über das Handy wird die Originalität geprüft. Für die mobile Abfrage wird er linear oder als 2-D-Code aufgedruckt, beziehungsweise auf einem NFC-Chip gespeichert. Mittels einer Barcode-App liest der Anwender den Code aus und startet die vollautomatische Entschlüsselung der Code-Information.

Immer öfter wird die variable Code-Information mit einem daneben applizierten Fälschungsschutzmerkmal verbunden. Ein „statisches“ Merkmal wie ein Hologramm oder ein Kundenlogo – gedruckt in Sicherheitsfarbe – wird durch einen optischen Vergleich authentifiziert. Variable Fälschungsschutzmerkmale, wie ein Sicherheitspapier mit Melierfasern, einem gedruckten Zufallsmuster, Bildpunkten oder in Kunstharz vergossenen Luftbläschen authentifizieren jeden einzelnen individuellen Code über eine Datenbankabfrage. Diese Abfrage ist als sogenanntes „selbst-verifizierendes“ System über eine Verschlüsselung ohne Internetanschluss möglich, wenn der variable Code individuelle Merkmale des Fälschungsschutzmerkmals referenziert. In der Regel werden jedoch die variablen Informationen „online“ über eine Datenbank geprüft. Gerade bei der Ansprache von Endverbrauchern eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, online zusätzlich zielgruppenspezifische Produktinformationen, Verbraucherhinweise oder individuelle Werbung anzubieten. Track- und Trace-Prozesse sollten jedoch hinsichtlich konkreter Datenschutz- und Datensicherheitsaspekte sorgfältig geplant werden. Es sollte genau definiert werden, wer wann welche Informationen benötigt und welche Informationen vertraulich oder öffentlich zugänglich sind.

Wenn drinnen was anderes ist, als das Äußere suggeriert: Fälscher gehen geschickt vor, und ohne Fälschungsschutzmerkmale ist ihr Werk oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. (Foto: Schreiner)

Wenn drinnen was anderes ist, als das Äußere suggeriert: Fälscher gehen geschickt vor, und ohne Fälschungsschutzmerkmale ist ihr Werk oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. (Foto: Schreiner)

Je nach Zielgruppe, die die Echtheit prüfen soll, können die Merkmale zum Fälschungsschutz sichtbar, verborgen oder digital sein. Alle Merkmale können individualisiert und nach dem Baukastenprinzip frei miteinander kombiniert werden. So entstehen hoch komplexe Sicherheitslabel, die Fälschern erfolgreich das Handwerk legen.

Originalitätsprüfung durch  Sicherheitsmerkmale

Offene Merkmale, wie Hologramme oder Sicherheitskippfarben, ermöglichen eine schnelle Echtheitskontrolle ohne Einsatz von Hilfsmitteln. Aufgrund des Imitationsrisikos durch professionelle Fälscher wird eine Kombination mit weiteren verborgenen und digitalen Technologien empfohlen.

Verborgene Merkmale zum Originalitätsschutz werden erst durch Hilfsmittel, wie spezielle Lesegeräte oder einen Teststift, sichtbar. Hier kommen vor allem Technologien aus dem Hochsicherheitsdruck zum Einsatz. Möglichkeiten sind hierbei die Einarbeitung von geruchs- und farblosen Taggants in die Druckfarbe, die Integration von mikroskopisch kleinen Mikropartikeln oder ein synthetisch erzeugter DNA-Code.

Digitale Sicherheitsmerkmale nutzen computergenerierte und hoch verschlüsselte Codierungen als Klarschriftnummer, 2-D-Codes (zum Beispiel den QR- oder Datamatrix-Code) oder spezielle Rauschmuster, um eine Echtheitsprüfung online über mobile Endgeräte zu ermöglichen. Idealerweise verbindet die jeweilige Kennzeichnung maschinenlesbare Codes und Echtheitsmerkmale. Eine Möglichkeit hierfür ist die Kopierschutz-Technologie Bit-Secure, die auf einem digitalen Rauschmuster basiert und mit Handscannern oder auch über die Kamerafunktion von Smartphones ausgelesen wird.

Durch die optimale Verbindung von Identifikations- und Fälschungsschutztechnologien entsteht eine sinnvolle Symbiose, von der Hersteller, Inspektoren und Endverbraucher gleichermaßen profitieren.

 

Unternehmen

Schreiner Group GmbH & Co. KG

Bruckmannring 22
85764 Oberschleißheim
Deutschland

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