-

Herkömmliche Versandkartons sind oft viel größer als die verpackten Waren. Das halbleere Packmittel wird dann mit Luftbeuteln oder Papierpolstern aufgefüllt. So entstehen vermeidbare Transport-, Lager- und Entsorgungskosten beim Versender, beim Spediteur und beim Empfänger. Opitz Maschinentechnik entwickelte einen Volumenreduzierer für Faltkartons, der dieses Problem löst. Für zuverlässige und effiziente Bewegungen in dieser Maschine sorgt Antriebs- und Steuerungstechnik von SEW-Eurodrive.

Der Onlineversandhandel boomt in nie dagewesenem Maße. So prognostiziert der Handelsverband Deutschland für 2017 fast 50 Mrd. Euro Umsatz im E-Commerce B2C. (Quelle: http://www.einzelhandel.de) Vor allem Shopbetreiber sowie Unternehmen der Pharma- und Lebensmittelindustrie haben ein hohes Versandaufkommen. Jedoch bestehen 40 Prozent der Inhalte von Kartonagen in der Logistik aus Luft, Luftpolstern oder Füllmaterial. So kommt es, dass LKW und Transporter halbleere Kartons auf der Autobahn zum Kunden fahren. Ein entsprechender CO2-Ausstoß ist die Folge. Deshalb gibt es Bestrebungen, die Transportverpackungen auf eine raumoptimierte und somit kostensparende Größe zu bringen.

Das Unternehmen Opitz Maschinentechnik in Kalefeld, 35 km nördlich von Göttingen, entwickelte eine Maschine, die das minimal benötigte Verpackungsvolumen einer Versandverpackung erkennt und auf das optimale Maß reduziert. Der Volumenreduzierer Vario 558 schneidet die Umverpackung passend auf die Abmessungen der Ware und vermeidet so überflüssige Füllstoffe, wie Luftbeutel, Papierpolster oder Verpackungsflocken aus Maisstärke. Die Maschine kann aus wenigen Grundformaten, z. B. drei unterschiedlich großen Faltkartonvorlagen, eine Vielzahl möglicher Varianten schneiden und hilft dabei, Ressourcen und Kosten zu sparen.

Der modular aufgebaute Automat übernimmt vollautomatisch das Messen, Schneiden, Falten und Verschließen der Packmittel. Mithilfe von individuell festgelegten Grundformaten mit entsprechenden Rillern (Faltlinien für die Kartonhöhe) wird die Größe eines Faltkartons in Abhängigkeit vom Inhalt so optimiert, dass mit einem Minimum an Volumen das Optimum an rationeller Verpackung und Transportsicherheit erzielt wird. Das führt zu einer deutlichen Kosteneinsparung bei der Lagerung und Versandlogistik von Faltkartons und Füllmaterial und schont zudem die Umwelt.

Modulare Funktionseinheiten

Die modular aus Funktionseinheiten bestehende Verpackungsmaschine Vario 558 führt mehrere Prozessschritte aus. Günter Opitz, Geschäftsführer der Opitz Maschinentechnik GmbH, erläutert: „Zunächst erfasst die Messstation das Volumen des Packgutes und die Abmessungen des Faltkartons. Anschließend werden die Messdaten an die Cutterstation weitergeleitet. Hier schneiden oszillierende Messer den Karton in den Ecken bis zum optimalen Riller automatisch und randscharf ein.“ Optional kommen auch Ultraschall-Schneidmesser zum Einsatz. In der nachfolgenden Faltstation werden die Deckelklappen an den Rillen automatisch umgeklappt. „Die Kiste wird also bis auf das Produkt heruntergefaltet“, fährt Opitz fort. „Je tiefer der Karton in den Ecken eingeschnitten ist, desto weiter überlappen die Deckelklappen. Die Anlage erkennt automatisch die Position der Überlappung. An dieser Stelle versiegelt der Nassklebebandverschluss den Faltkarton.“ Alternativ können auch andere Verschlussarten wie Selbstklebeband oder Heißleim eingesetzt werden.

Erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Maschinenautomatisierung

Zur Bewegungssteuerung seines Volumenreduzierer entschied sich Opitz für Antriebs- und Automatisierungstechnik von SEW-Eurodrive. Zum Einsatz kamen Elektrozylinder der Baureihe CMSMB50 (mit 300 und 400 mm Hublänge), die durch dezentrale Kleinspannungsantriebe ELVCD angetrieben werden. Die Betriebsgleichspannung von 48 V bietet Vorteile hinsichtlich Kompaktheit, elektrischer Sicherheit und Einfachheit. Für die Firma Opitz waren das die ausschlaggebenden Gründe zum Einsatz der Extra Low Voltage Compact Drives.

Neben Kegelradgetrieben der Baureihen KA19 und KA 29 und einem Schneckengetriebe SA37 wurden Servomotoren der Baugrößen CMP50M und CMP71S eingesetzt. Sie werden durch kompakte Einachs-Servoumrichter Movidrive MDX61B angesteuert. Als Maschinensteuerung fungieren zwei Controller DHR41B der Leistungsklasse advanced. Mit diesen CCU (Configurable Control Units) lassen sich Anwendungen komfortabel parametrieren. Dadurch ist kein aufwendiges Programmieren erforderlich.

Stefan Kattner, Vertriebsmitarbeiter im Technischen Büro Kassel von SEW-Eurodrive, berichtet: „Bei unserer Zusammenarbeit mit der Opitz Maschinentechnik GmbH waren innovative und kostenoptimale Lösungen gefordert. Nicht das einzelne Produkt stand im Vordergrund, sondern der System- und Lösungsansatz. Schließlich liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, bereits heute in den Lösungen für morgen zu denken.“

Ausgehend von einem umfassenden Baukastensystem, das aus Komponenten der Antriebs- und Automatisierungtechnik besteht, bietet SEW-Eurodrive die passenden Bausteine für kundenindividuelle und wirtschaftliche Lösungen. Im Herbst 2016 informierte sich die Opitz-Geschäftsführung in Bruchsal über das SEW-Lösungsportfolio. Dazu gehören auch ein Schulungskonzept für neue Mitarbeiter, das Inbetriebnahmekonzept durch den SEW-Service sowie Möglichkeiten zur Integration von Industrie-4.0-Prozessen in der Maschinenautomatisierung. „Natürlich“, fährt Stefan Kattner fort, „kann sich die Firma Opitz Maschinentechnik jederzeit auf die Liefertreue und den Service von SEW-Eurodrive verlassen.“

Blick in die Maschine: Die Bügel dienen zum Ausrichten der Faltkisten an der Nulllinie der Förderstrecke. (Foto: SEW-Eurodrive)
Der Volumenreduzierer Vario 558 ist ein modular aufgebauter Automat für vollautomatisches Messen, Schneiden, Falten und verschließen. (Foto: SEW-Eurodrive)
Ein Elektrozylinder der Baureihe CMS verfährt die Schneidsysteme in Länge und Breite der jeweiligen Faltkistenabmessung. (Foto: SEW-Eurodrive)

Ausgezeichnete Innovation

Vario 558 verpackt bis zu acht Faltkartons in der Minute, mit variierender Formatfolge sogar bis zu acht Kartons. Sie verarbeitet Packmittel in üblichen Standardformaten von 300 bis 600 mm Länge, 200 bis 500 mm Breite und einer Höhe von 110 bis 500 mm. Auf Anfrage sind auch weitere Formate möglich.

Geschäftsführer Günter Opitz demonstriert die Vorteile seiner wirtschaftlichen Verpackungslösung. (Foto: SEW-Eurodrive)

Geschäftsführer Günter Opitz demonstriert die Vorteile seiner wirtschaftlichen Verpackungslösung. (Foto: SEW-Eurodrive)

2016 gewann die Opitz Maschinentechnik GmbH für ihren Volumenreduzierer den 2. Preis beim Innovationspreis 2016 des Landkreises Göttingen (in der Kategorie über 20 Mitarbeiter/innen). Außerdem wurde der Volumenreduzierer mit dem Innovationspreis 2016 der Volksbank im Harz in der Kategorie „Handwerk“ ausgezeichnet. Das gesamte Entwickler- und Produktionsteam um Günter Opitz sieht das als Bestätigung ihrer kreativen Lösungen für den Markt der Verpackungstechnik und auch für die Umwelt.

Geschäftsführer Opitz resümiert: „Von unserer Verpackungslösung profitieren zwei Gruppen: Die Logistiker sparen Füllmaterial in großen Mengen und profitieren von geringeren Transportkosten, denn so reduziert sich auch der LKW-Verkehr auf der Straße. Die zweite Gruppe sind die Endverbraucher. Weil bei ihnen weniger Verpackungsvolumen ins Haus kommt, haben sie ein besseres Handling der gesamten Verpackung und müssen weniger Müll entsorgen. Insgesamt werden zahlreiche, wertvolle Ressourcen gespart.“

Versandpakete sind oft viel größer als das eigentliche Produkt. Meist ist das halbleere Packmittel dann mit Luft- oder Papierpolstern aufgefüllt. (Foto: SEW-Eurodrive)

Versandpakete sind oft viel größer als das eigentliche Produkt. Meist ist das halbleere Packmittel dann mit Luft- oder Papierpolstern aufgefüllt. (Foto: SEW-Eurodrive)

 

Für Sie entscheidend

Automatisches Verschließen
Automatisches Verschließen weist viele Vorteile auf: es ist exakt, schnell, wirtschaftlich und schont die Faltkiste und den Inhalt. Eine korrekt und sicher verschlossene Faltkiste ist präzise in der Form und bietet dadurch die optimale Voraussetzung für eine automatische Weiterverarbeitung, z. B. Palettieren, Versand usw. Die Maschine verarbeitet unterschiedliche Formate bei variierender Produktfolge. Weil die Endverpackung durch Nassklebeband versiegelt werden kann; dadurch ist ein Originalitätsverschluss möglich. Die Opitz Maschinentechnik hat für jedes Verschlussprinzip die passende Lösung, ob ein dauerhafter und umweltfreundlicher Verschluss gefordert ist oder beispielsweise eine staubdichte Verpackung.
Weitere Informationen: www.sew-eurodrive.de/elektrozylinder_cms

 

 

Autor

Gunthart Mau, Referent Fachpresse, SEW-Eurodrive, Bruchsal

Unternehmen

SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG

Ernst-Blickle-Straße 42
76646 Bruchsal
Deutschland

Zum Firmenprofil