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Lebensmittelsicherheit – das sind unbedenkliche Verpackungen aus unbedenklichen Materialien für hygienisch produzierte und abgepackte Lebensmittel. Um Lebensmittel sicher zu verpacken, bedarf es aber auch sicher produzierter Verpackungen. Denn selbst deren Herstellungsprozess muss kritisch unter die Lupe genommen werden, um Verunreinigungen schon von Anfang an zu vermeiden.

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Das Thema Lebensmittelsicherheit – und hier besonders die Hygiene – spielt eine zunehmend wichtige Rolle in der Verpackungsbranche. Die Warnungen häufen sich: Bakterien in Sesam, Kunststoffteile in Tiefkühlkräutern, Metall im Kinderfrühstück, Mineralöl in Nudeln, Reis oder Cornflakes. Solche Meldungen lassen verunsicherte Verbraucher zurück.

Saubere Kanten (im Bild die Trägerplatte), spezielle  Materialien und ein besonders hohes Hygiene- und Sicherheitsniveau  zeichnen das Marbaclean-Werkzeugpaket aus. (Foto: Marbach)

Saubere Kanten (im Bild die Trägerplatte), spezielle Materialien und ein besonders hohes Hygiene- und Sicherheitsniveau zeichnen das Marbaclean-Werkzeugpaket aus. (Foto: Marbach)

Markenartikler, Verpackungshersteller und Verpacker sind dabei, sich intensiv mit dem Thema Lebensmittelsicherheit und der Reduktion von Gefahrenquellen zu beschäftigen. Denn jede Rückrufaktion kostet den Markenartikler Geld. Sie kann darüber hinaus mit einem langfristigen Imageverlust für ein Produkt oder ein ganzes Unternehmen und damit verbunden mit hohen Umsatzeinbußen einhergehen.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die Lebensmittelindustrie verstärkt mit dem Thema Sicherheit. Mit speziellen Druckfarben und Kartonmaterial mit Barrieren wird das Risiko einer Lebensmittelkontamination durch Mineralöl reduziert. Spezielle Vorkehrungen beim Abpackprozess sollen die Risiken von produktfremden Teilen, wie Glas-, Kunststoff- oder Metallsplittern, in Lebensmitteln reduzieren.

Doch ein Thema wird bislang aus der öffentlichen Diskussion häufig herausgehalten: Welche Gefahren gibt es beim Herstellungsprozess der Verpackung selbst, und wie können diese gebannt werden? Der Heilbronner Stanzformenhersteller Marbach hat sich mit dem Thema Hygiene in den letzten drei Jahren intensiv auseinandergesetzt. Herausgekommen ist ein spezielles Hygiene-Werkzeugpaket, das unter dem Namen „Marbaclean“ vermarktet wird.

Der Markt fordert unbedenkliche Verpackungen und Materialien

Jan Brunner, Leiter Business Development bei Marbach: „Die Endkunden verlangen von unseren Kunden, den Druckereien, Erklärungen bezüglich der Unbedenklichkeit von Lebensmittelverpackungen zu unterschreiben. Unsere Kunden wiederum geben diese an uns weiter. Als Vorreiter bei Innovationen sehen wir es als unsere Aufgabe an, uns solcher Themen anzunehmen. Und es ist außerdem unsere Aufgabe, unsere Kunden bestmöglich dabei zu unterstützen, den Anforderungen ihrer Abnehmer gerecht zu werden. In diesem Fall ist das Ergebnis unserer Entwicklung das Werkzeugpaket Marbaclean.“

Dabei handelt es sich um ein Werkzeugpaket, dessen Materialien unbedenklich sind. Alle Werkzeugbestandteile, die mit dem Stanzgut in Berührung kommen, sind für den Lebensmittelbereich geeignet. So kann bei der Verwendung dieser Werkzeuge ausgeschlossen werden, dass bedenkliche Stoffe – wie beispielsweise Mineralöl – von einem Materialbestandteil der Stanzform in Lebensmittelverpackungen migrieren können. Die Materialien des Werkzeugpaketes sind von der Isega (freies und unabhängiges Prüf- und Zertifizierungsinstitut) zertifiziert. Somit liefert der Heilbronner Stanzformenhersteller mit Marbaclean ein Hygiene-Werkzeugpaket mit Zertifikat.

Aufgrund der hohen Hygieneanforderungen wurden für die Herstellung von Marbaclean-Werkzeugsätzen zusätzliche Reinigungsroutinen eingeführt. (Foto: Marbach)

Aufgrund der hohen Hygieneanforderungen wurden für die Herstellung von Marbaclean-Werkzeugsätzen zusätzliche Reinigungsroutinen eingeführt. (Foto: Marbach)

Spezielle Reinigungs- und Prüfverfahren

Doch nicht nur die Verwendung besonders zertifizierter Materialien zeichnen das neue Werkzeugpaket aus. Darüber hinaus gibt es bei seiner Herstellung zusätzliche Reinigungsroutinen, bei denen die Werkzeugbestandteile im Laufe des Fertigungsprozesses mit speziellen lebensmittelechten Reinigern gesäubert werden. Auch Haltepunkte, die normalerweise geschliffen werden, werden bei Marbaclean gestanzt, damit kein Schleifstaub entsteht. Spezielle Beschichtungen der verwendeten Materialien sorgen ebenso für Hygiene wie eine entsprechende Betriebsausstattung. Zusätzliche Prüfungsstandards bei den Hygiene-Werkzeugen sorgen für weitere Sicherheit.

Sicherungsmechanismen am Werkzeugpaket

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Lebensmittelsicherheit sind lose Materialien. Marbaclean-Werkzeugpakete sind mit verschiedenen Sicherungsmechanismen ausgestattet, um von vorne herein den Verlust von Werkzeugbestandteilen auszuschließen. Diese Mechanismen umfassen beispielweise spezielle Montagetechniken, zusätzliche Verklebungen sowie längere Gummistücke. Letzteres stellt sicher, dass – sollte es zu einem Verlust eines Gummiteils kommen – dies schnell bemerkt wird beziehungsweise das Gummistück durch seine Größe auffällt und deshalb nicht in eine Verpackung gerät. Außerdem sorgt eine Gummierungsübersicht dafür, dass das Werkzeug vor und nach dem Produktionsprozess auf Vollständigkeit geprüft werden kann.

Spezielle, für den Lebensmittelbereich geeignete Profilgummierung (Foto: Marbach)

Spezielle, für den Lebensmittelbereich geeignete Profilgummierung (Foto: Marbach)

Desinfektion aller Werkzeugbestandteile

Neben den genannten Kriterien spielt auch das Thema Kontamination durch Bakterien eine wesentliche Rolle beim Marbach-Hygienewerkzeug. Das Unternehmen hat hier ein Verfahren im Einsatz, bei dem alle Bestandteile des Werkzeugpaketes vor der Auslieferung – zusätzlich zu den bereits genannten Maßnahmen – einer speziellen Desinfektion unterzogen werden, um Bakterien und Viren zu eliminieren. Dieses Verfahren ist optional erhältlich.

Flexibilität und Transportsicherheit

Es müssen nicht immer alle Marbaclean-Bestandteile eingesetzt werden. Je nach Anforderung des Kunden kann auch nur ein Baustein aus dem umfassenden Paket ausgewählt werden. Beispielsweise kann ein herkömmliches Werkzeug nur mit Marbaclean-Materialien ausgestattet werden. Oder eben nur mit den Marbaclean-Sicherungsmechanismen. In diesem Fall ist der Aufpreis zum herkömmlichen Werkzeug geringer, als bei einem Werkzeugpaket komplett in der sicheren Marbaclean-Ausführung. Bei hohen Anforderungen an die Hygiene wie bei Direktverpackungen empfiehlt Marbach allerdings das komplette Paket. Denn nur damit ist die Lebensmittelsicherheit im Stanzprozess optimal gewährleistet.

Alle Bestandteile des Marbaclean-Werkzeugpaketes sind – egal ob mit der zusätzlichen Option der Desinfektion oder ohne – in einer Folie und zusätzlich in einer Holzverpackung verpackt. So kann, bei sachgemäßem Transport, eine Beschädigung oder Kontamination auf dem Transportweg nahezu ausgeschlossen werden.

Minimaler Aufpreis für maximale Sicherheit

„Natürlich ist ein Werkzeugpaket in Marbaclean-Ausführung etwas teurer als ein herkömmliches Werkzeugpaket“, erläutert Brunner. „Wenn wir aber von einer Auflage von nur 250.000 Verpackungen ausgehen, liegt der Mehrpreis für Marbaclean – inklusive der Zusatzoption Desinfektion – nicht einmal bei einem Cent pro Verpackungseinheit. Wenn ich den Ärger und vor allem den Imageschaden betrachte, den ein Unternehmen durch eine groß angelegte Rückrufaktion riskiert, ist dies sicherlich nicht der Rede wert. Minimale Mehrkosten bedeuten hier maximale Sicherheit sowie positive Auswirkungen auf das Image und eine Differenzierung vom Wettbewerb. Denn bislang ist das Thema Hygiene-Werkzeugpakete noch Neuland am Markt. Auch bei Warentests durch verschiedene neutrale Institutionen fällt die Verpackungsproduktion mit Hygienewerkzeugen sicherlich ins Gewicht.“

Einfaches Einbinden in den Fertigungsprozess

Umstellungen in der Fertigung des Kunden ergeben sich nach Angabe des Werkzeugherstellers nicht. Die Marbaclean-Werkzeuge können in jeder normalen Stanzmaschine eingesetzt werden. Der Betrieb muss lediglich die allgemeinen Voraussetzungen für die Produktion von Lebensmittelverpackungen erfüllen.

 

Hintergrund

Wie kommt Mineralöl in Lebensmittel?
Es gibt viele Wege, wie Mineralöl in Lebensmittel gelangen kann. In den Medien wird meist der Weg über die Druckfarbe oder den Recyclingkarton dargestellt. Allerdings können von der Stanzform ebenso Stoffe migrieren: In Materialien, die mit dem zu stanzenden Karton in Berührung kommen, können Mineralöle oder andere bedenkliche Stoffe enthalten sein, die beim Kontakt mit dem Kartonmaterial auf dieses übergehen. Marbach hat hier mit seinem neuen Werkzeugpaket eine Lösung gefunden, dies zu verhindern.

Beim Stanzen einer Verpackung kommt das Stanzgut (der Karton) in Berührung mit der Stanzmaschine, dem Stanzwerkzeug, dem Ausbrech- und dem Nutzentrennwerkzeug. Genauer gesagt mit den für die Herstellung der Werkzeuge verwendeten Materialien: der Trägerplatte, den Schneidlinien, den Rilllinien, der Gummierung. Der Karton wird gestanzt, ausgebrochen und die Nutzen werden voneinander getrennt. Aus dem Blickwinkel der Lebensmittelsicherheit gibt es hier drei bedeutende Aspekte.

1. Die verwendeten Werkzeuge dürfen beim Produktionsprozess keine Werkzeugbestandteile verlieren. Dies birgt die Gefahr, dass ein solcher Werkzeugbestandteil in die Verpackung gerät.

2. Jeder einzelne Verpackungszuschnitt kommt beim Produktionsprozess mit einzelnen Bestandteilen der Werkzeugpakete in Berührung. Hier kann es zur Kontamination der Verpackung und somit auch zur Kontamination des Lebensmittels kommen, wenn gesundheitsbedenkliche Materialien im Werkzeug eingesetzt werden. Hierzu zählt beispielsweise auch Mineralöl.

3. Stanzwerkzeuge werden nicht unter Reinraumbedingungen hergestellt. Vor allem bei Direktverpackungen spielt das Thema Hygiene aber eine sehr bedeutende Rolle. Man denke an einen kranken Mitarbeiter, der bei der Herstellung eines Stanzwerkzeuges niest und dieses mit Bakterien verunreinigt. Dieses Werkzeug kommt später direkt mit dem Kartonmaterial und dem Lebensmittel in Berührung. Eine unappetitliche Vorstellung.

 

Unternehmen

Karl Marbach GmbH & Co. KG

Karl-Marbach-Straße 1
74080 Heilbronn
Deutschland

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