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Für die weltweite Getränkeversorgung sind Verpackungen unverzichtbar. Der handhabungsfreundliche Rohstoff PET macht jetzt auch bei der Ökologie Nachteile wett.

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Die Welt hat Durst. Immer mehr Durst. Wasser ist dabei der wichtigste Durstlöscher und das Grundnahrungsmittel Nummer 1. Aber nur 0,03 Prozent der Gesamtwassermenge stehen den Menschen zur Nutzung zur Verfügung. Dafür gehen wir mit diesem knappen Gut verschwenderisch um: Unglaubliche 500 Liter werden in Dubai pro Person am Tag verbraucht, 295 Liter sind es noch in den USA. Deutschland steht bei 122 Litern (2014) vergleichsweise bescheiden da. Aber mit 2,5 Litern Trinkwasser und 40 Litern für die Toilettenspülung sieht auch hier der Tagesverbrauch unausgeglichen aus.

Ein Leichtgewicht unter den PET-Behältern ist die 0,5-Liter-Flasche von Abant Su. (Foto: KHS)

Ein Leichtgewicht unter den PET-Behältern ist die 0,5-Liter-Flasche von Abant Su. (Foto: KHS)

Dabei ist die Wassergewinnung nicht immer ganz einfach. Vor allem in Afrika haben oft nur wenig mehr als 50 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser (Uganda 52 Prozent, Kenia 57 Prozent). Selbst in der Türkei sind es nur 82 Prozent.

Gleichzeitig steigt auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern der Bedarf an alkoholhaltigen und -freien Getränken. Zwischen 2015 und 2020 soll er von 916 Mrd. Litern auf 1.062 Mrd Liter zunehmen. Das entspricht einem Plus von 16 Prozent. Besonders stark wächst die Nachfrage in Afrika. Hier wird in diesem Fünfjahreszeitraum mit 41 Prozent Wachstum gerechnet.

Nachhaltige PET-Flaschen

Diese Getränke verlangen per se nach Verpackung – möglichst nachhaltig, möglichst ressourcenschonend. Ein gutes Beispiel hierfür bietet aktuell die Türkei. KHS aus Dortmund lieferte hierhin eine komplette Abfülllinie für das stille Wasser Abant Su. KHS-Chef Prof. Dr. Matthias Niemeyer ist stolz auf diese Linie, die auf starkes Interesse auch bei anderen Getränkequellen stößt: „Nachhaltigkeit ist in unserer Vision der Technologie- und Serviceführerschaft ein wesentliches Element.“

Bei dem schnell wachsenden türkischen Brunnen begründet sich dies in besonders leichtgewichtigen Behältern. Gerade einmal neun Gramm wiegt eine 0,5-Liter-Flasche. Damit ist sie das Leichtgewicht im Markt – mit Vorteilen auch bei der Produktion. 45.000 Faschen produziert die Streckblasmaschine in der Stunde. Michael Roche, Managing Director Türkei bei KHS: „Gegenüber dem Wettbewerb verbrauchen wir rund 30 Prozent weniger Strom und rund 40 Prozent weniger Druckluft.“ Die Portionsbehälter machen aber nur einen Teil der Abfüllmenge aus. Für die Bevorratung stehen Flaschen mit bis zu 19 Litern Inhalt zur Verfügung. Hier machen sich die Vorteile des leichtgewichtigen PET besonders bemerkbar. „Abant Su kann sein natürliches Quellwasser aus dem nahegelegenen Abant See sicher abfüllen, sodass der milde Geschmack ideal verpackt wird. Zugleich liefert ihm unsere Anlagenlösung eine ressourcenschonende Produktion nach neuesten Standards“, erläutert Niemeyer.

Beim Abfall zeichnen sich Möglichkeiten ab

Kritisches Moment der PET-Behälter ist der Abfallaspekt. Bei nicht vorhandenen Pfandsystemem werden die Behälter – solange sie nicht anderweitig benutzt werden – unweigerlich zum sperrigen Müll. Allerdings ist es heute möglich, für 30 bis 50 Prozent des Flaschenmaterials Recyclingwerkstoffe zu nutzen. Dabei wird der CO2-Ausstoß bis zur Hälfte reduziert. Der Abfallkonzern Veolia betreibt eine derartige Produktionsanlage in Rostock.

„Trash into cash“ formuliert Miniwiz-Chef Arthur Huang sein Konstruktionsprinzip auf Basis von Sechseck-Behältern aus Regranulat. Das 26 Meter hohe Gebäude zur Gartenschau in Taipeh ist nur ein Beispiel unter vielen Umsetzungen. (Foto: Miniwiz Sustainable Energy Development)

„Trash into cash“ formuliert Miniwiz-Chef Arthur Huang sein Konstruktionsprinzip auf Basis von Sechseck-Behältern aus Regranulat. Das 26 Meter hohe Gebäude zur Gartenschau in Taipeh ist nur ein Beispiel unter vielen Umsetzungen. (Foto: Miniwiz Sustainable Energy Development)

Ungeahnte Möglichkeiten bieten sich aber abseits des Bottle-to-Bottle-Recyclings. Auf der Isla Colón in Bocas Del Toro, Panama, wird gerade ein ganzes Dorf mit 120 Häusern auf Basis von PET-Flaschen gebaut. Mithilfe von rund 100.000 Flaschen entstehen Zwei-Zimmer-Häuser, die aufgrund der Materialflexibilität einen besonderen Vorteil haben: Sie sind erdbebenfest. Zusätzlich bieten sie klimatische Vorteile. In dem tropischen Land werden die Bewohner eine Temperatur genießen, die rund 17 C° niedriger ist als die Außenwerte. Aber auch für die anspruchsvolle Gestaltung von Bauwerken taugen die Behälter: Der neun Stockwerke oder 26 Meter hohe „Eco Ark Pavillon“, der 2010 auf der internationalen Gartenschau in Taipeh präsentiert wurde, bestand aus sechseckigen Plastikbehältern, gefertigt aus PET-Regranulat des Unternehmens.

 

Der Durst der Welt wächst. Aber auf was?

Matthias Niemeyer: Eindeutig Wasser. Das globale Bedürfnis nach abgefülltem Wasser führt auch zukünftig zu hohen Zuwachsraten von etwa fünf bis sechs Prozent pro Jahr. Starke Impulse kommen hier allen voran aus den Regionen Asien und Afrika.

Wie stellt sich die Versorgungssituation mit Trinkwasser und Getränken in den Entwicklungs-und Schwellenländern dar?

Matthias Niemeyer: Bis 2100 wird sich die Zahl der Bevölkerung in diesen Ländern mit 9,3 Mrd. Menschen nahezu verdoppeln. Das hat eine entsprechende Nachfrage nach sauberem Trinkwasser um mehrere Milliarden Flaschen pro Jahr zur Folge. Heute hat nur ein kleiner Teil dieser Menschen Zugang zu sauberem Wasser. Demnach wird die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser eine der großen Herausforderungen werden, die zum einen mit Brunnen, zum anderen mit der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser in sicheren und geschützten Verpackungen geleistet werden muss. Deshalb wird der Weltmarkt für abgepacktes Wasser allein von 2015 bis 2020 um 25 Mrd. US-Dollar wachsen.

Prof. Dr. Matthias Niemeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der KHS GmbH, sieht die Abfülllinie bei Abant Su als Beispiel für „Produktionseffizienz und Nachhaltigkeit.“ Diese Themen spielten auch zur interpack 2017 eine bestimmende Rolle. KHS gehörte zu den größten Ausstellern im Bereich Getränketechnik. (Foto: KHS)

Prof. Dr. Matthias Niemeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der KHS GmbH, sieht die Abfülllinie bei Abant Su als Beispiel für „Produktionseffizienz und Nachhaltigkeit.“ Diese Themen spielten auch zur interpack 2017 eine bestimmende Rolle. KHS gehörte zu den größten Ausstellern im Bereich Getränketechnik. (Foto: KHS)

Was kann die Verpackungsindustrie tun, um die Versorgungssituation dort zu verbessern?

Matthias Niemeyer: Schon heute erhalten Menschen Wasser für den Eigenbedarf oft über sicher abgefüllte und gut schützende PET-Flaschen. Denn deren Transport ist auch über lange Strecken sicher und durch das geringe Gewicht der bruchsicheren und wiederverschließbaren Behälter lassen sich viele Tonnen CO2-Emissionen zusätzlich einsparen. Sie schützt das Getränk und sorgt dafür, dass Menschen das Wasser auch dort bedenkenlos konsumieren können, wo eine lokale Abfüllung nicht möglich ist. Somit leistet diese Verpackungsform auch einen gesundheitlichen Schutz, weil PET-Flaschen die Verbreitung von Krankheiten verhindern können.

Sind die Hightech-Technologien hiesiger Getränkeanlagen geeignet für den Export in die Dritte Welt?

Matthias Niemeyer: Hightech kann dabei helfen, schlechter ausgebildetes Personal, zum Beispiel mithilfe von interaktiven Bedienoberflächen, so zu führen, dass jeder Mensch mit etwas technischem Verständnis unsere Maschinen bedienen kann. Sollte es dennoch mal zu einem für den Kunden nicht lösbaren Problem kommen, unterstützt uns Hightech dabei, über das Internet direkt mit der Maschine zu kommunizieren und so bei der Problemlösung zu assistieren.

 

Autor

Bernd Waßmann, freier Mitarbeiter

Unternehmen

Messe Düsseldorf GmbH

Messeplatz, Stockumer Kirchstr. 61
40474 Düsseldorf
Deutschland

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