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Der Abfall soll künftig stärker wiederverwertet werden. Aus dem jahrelang diskutierten Wertstoffgesetz wurde allerdings nichts. Ersatzweise gibt es nun ein Verpackungsgesetz – aber so richtig zufrieden ist niemand damit. Wir sprachen mit Michael Brandl, dem Geschäftsführer des Fachverbandes Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e. V. (FKN) und der Re-Carton GmbH, die sich um das Recycling von Getränkekartons kümmert.

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neue verpackung: Herr Brandl, ist das Verpackungsgesetz ein Tiger oder ein zahnloser Bettvorleger ?
Michael Brandl: Das Gesetz ist viel besser als gar nichts. Das Klagelied der verpassten Chancen wird gerne mit ökologischen Argumenten angestimmt – von fehlenden Impulsen für den Klimaschutz ist da oft die Rede. Dahinter stecken in der Regel handfeste wirtschaftliche Interessen. Insofern ist es schade, dass am Streit über Zuständigkeiten eine bundesweit einheitliche Wertstofferfassung vorerst gescheitert ist. Verwertbare Gebrauchsgegenstände landen in den meisten Kommunen im Abfall oder in der privat finanzierten Verpackungsentsorgung. Das sollte auf Dauer nicht so bleiben. Es gibt keinen Grund, einen alten Plastikeimer rechtlich und finanziell anders zu behandeln als eine Verpackung aus dem gleichen Material. Beides landet am Ende in den gleichen Recyclinganlagen.

neue verpackung: Wäre es besser, der Bundesrat hätte das Gesetz gestoppt?
Michael Brandl: Das wäre fatal gewesen. Mehr Recycling ist möglich, da sind sich alle einig. Es musste jetzt etwas passieren und nicht erst, wenn irgendwann die politische Konstellation für den großen Wurf passt. Die Wirtschaft braucht Planungssicherheit. Ohne höhere Recyclingquoten wird niemand in neue Sortier- und Verwertungsanlagen investieren. Und ohne das Gesetz ist eine faire Verteilung der Kosten auf alle Marktteilnehmer nicht möglich.

neue verpackung: Umweltverbände kritisieren die Recyclingquoten als nicht ehrgeizig genug …
Michael Brandl: … Quoten müssen aber auch erreichbar sein. Das Gesetz sieht deutliche Steigerungen vor. Besonders bei Kunststoffen. Hier gibt es den größten Handlungsbedarf. Aufgrund der bislang niedrigen Quote von 36 Prozent gab es für die Kunststoffbranche bislang keinen Anreiz, mehr zu tun. Jetzt liegt die Latte bei 63 Prozent. Um das zu schaffen, sind erhebliche Anstrengungen bei Sortierung, Verwertung und bei der Entwicklung neuer Absatzmärkte für Recyclate notwendig. Und vor allem: Das Verpackungs-Design wird sich ändern müssen. Viele Kunststoffverpackungen werden heute verbrannt, weil sie nicht sortierbar oder nicht recyclingfähig sind.

neue verpackung: Wäre nicht auch bei Altglas, Papier oder Getränkekartons mehr möglich?
Michael Brandl: Im Vergleich zu Kunststoffen müssen Glas-, Metall- und Papierverpackungen schon seit 20 Jahren mehr als doppelt so hohe Quoten nachweisen. In den nächsten fünf Jahren ist das Ziel 90 Prozent. Auch die Hersteller von Getränkekartons haben in der Vergangenheit ihre Hausaufgaben gemacht: Seit 1991 wurden über drei Millionen Tonnen verwertet. Die Recyclingquote liegt derzeit bei 70 Prozent. Da noch zehn Prozent draufzupacken, ist ambitioniert aber möglich. Jetzt kommt es darauf an, noch mehr zu sammeln und die Sortieranlagen auszubauen. Aber die höchsten Quoten im Gesetz bringen nichts, wenn die Bürger nicht mitmachen. Wir müssen deshalb wieder mehr darüber reden, dass das richtige Trennen von Abfall sinnvoll und wichtig ist.

neue verpackung: Die amtliche Recyclingquote wird danach berechnet, wie viel in die Recyclinganlagen hineingeht nicht aber, was wirklich in neuen Produkten eingesetzt wird. Kritiker sprechen von Recyclinglüge. Wie sehen Sie das?
Michael Brandl: Solches Skandalgeschrei trägt eher dazu bei, dass in Zukunft weniger statt mehr gesammelt wird. Richtig ist, alles, was in den Packungen an Lebensmittelresten verbleibt, wird mit gewogen. Ebenso das, was falsch sortiert wird. Bei jedem Recyclingprozess fallen Reststoffe an. Diese sind aber von Anlage zu Anlage verschieden. Aber selbst wenn es eine neue, rechtssichere und überprüfbare Berechnungsmethode gäbe – was wäre damit gewonnen? Die Quoten für alle Verpackungen wären niedriger und die Gutachter würden sich über ein neues Arbeitsbeschaffungsprogramm freuen. Transparenz ist wichtig, aber durch eine geänderte Statistik wird keine Packung mehr gesammelt und verwertet. Entscheidend ist, dass die Hersteller ihre Verpackung so gestalten, dass sie möglichst aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden und gut recycelbar sind. Beides steht im Gesetz.

neue verpackung: Und diesem Anspruch wird der Getränkekarton gerecht?
Michael Brandl: Getränkekartons bestehen bereits zu drei Vierteln aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz – alle vom FSC zertifiziert und das weltweit. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden auch Kunststofffolien, Verschlüsse und das Aluminium durch nachwachsende Alternativen ersetzt. Erste Verpackungen sind schon auf dem Markt. Die Nachfrage von Papierfabriken nach gebrauchten Getränkekartons ist größer als das, was derzeit gesammelt wird. Die langen, reißfesten Fasern eignen sich für viele Kartonprodukte. Eine Herausforderung bleibt, auch die Folienreste stofflich zu verwerten. Derzeit gibt es nur wenige Recyclinganlagen im Ausland. Ziel ist, innerhalb der nächsten Jahre auch in Deutschland eine stoffliche Verwertungsanlage für diese Reststoffe zu betreiben.

neue verpackung: Auf Druck der Ländermehrheit und der Regierungskoalition steht jetzt eine Mehrwegquote im Gesetz. Früher wurde eine Quote für Mehrweg- und ökologisch vorteilhafte Einweggetränkeverpackungen ermittelt, zu der auch der Getränkekarton gezählt wurde. Was halten Sie davon?
Michael Brandl: Zunächst einmal: Der Verzicht auf den Begriff „ökologisch vorteilhaft“ hat ausschließlich rechtssystematische Gründe. Das heißt nicht, dass sich an der ökologischen Bewertung des Getränkekartons etwas geändert hat. Darauf hat die Bundesumweltministerin erst vor wenigen Wochen hingewiesen. Der Getränkekarton bleibt in allen Getränkebereichen pfandfrei. Zweitens: In der Sache hatte die Bundesregierung Recht, als sie die „sanktionslose“ Quote streichen wollte – hat aber vielleicht die Empörung darüber unterschätzt. Drittens: Eine Mehrwegquote setzt ein abgestimmtes Verhalten aller Marktteilnehmer voraus. Schon deshalb ist es so gut wie ausgeschlossen, dass die 70-Prozent-Quote erreicht wird. In diesem Fall muss die Bundesregierung bis 2022 Vorschläge für „weitergehende rechtliche Maßnahmen“ entwickeln. Das Thema bleibt also auf der politischen Agenda.

 

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Der Fachverband Kartonverpackungen  für flüssige Nahrungsmittel
Im Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e. V. (FKN) haben sich im Jahr 1981 Hersteller von Getränkekartons zusammengeschlossen, um ihre gemeinsamen Interessen in Deutschland zu vertreten. Derzeit gehören dem FKN drei Unternehmen an, die circa 90 Prozent aller in Deutschland verkauften Getränkekartons produzieren. Alle Unternehmen sind in Deutschland mit zum Teil mehreren Standorten vertreten und beschäftigen rund 3.300 Mitarbeiter/innen. Der Branchenumsatz liegt bei circa 800 Mio. Euro. Seit 2008 hat der Verband seinen Sitz in Berlin. Auf europäischer Ebene werden die Interessen der Branche von der Alliance for Beverage Cartons and the Environment (ACE) vertreten – dem europäischen Zusammenschluss von Getränkekartonherstellern und ihren Rohkartonlieferanten.

 

 

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