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Die Heidelberger Druckmaschinen AG setzt auf den Wachstumsmarkt Verpackungsdruck und bietet digitale Drucklösungen in den Bereichen Faltschachteln und Etiketten an. Wie sich der Druckmaschinenhersteller in diesem Umfeld positioniert, erläuterte Stephan Plenz, Vorstand Digital Technology bei Heidelberg, im Gespräch mit der Redaktion der neuen verpackung.

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neue Verpackung: Welche Trends und Bedürfnisse sehen Sie bei den Kunden im Verpackungsdruck?
Stephan Plenz: Der Verpackungsdruck ist ein Wachstumsmarkt. Zum einen haben die Entwicklungs- und Schwellenländer einen steigenden Bedarf aufgrund von zunehmendem Wohlstand. Zum anderen gibt es in den Industrieländern den Trend, durch innovative Applikationen und Geschäftsideen, sowie durch vielfältige Veredelungen am Point of Sale aufzufallen, und sich so vom Wettbewerb abzuheben. Alleine der Markt für Faltschachteln wächst weltweit jährlich um etwa 4,5 Prozent. Bei den Etiketten sieht es ähnlich aus. Nach wie vor sehen wir einen Trend zur Konsolidierung und Globalisierung im Verpackungsdruck. Die Komplexität nimmt zu, da von Markenartiklern ein weltweit einheitlicher Markenauftritt erwartet wird. Weiterhin sehen wir einen Trend zu kleinen Auflagen, einhergehend mit einer hohen Auftragsvarianz und schnellen Lieferzeiten. Dies kann nur mit industrialisierten und digitalisierten Produktionsprozessen umgesetzt werden, die höchste Produktivität, Flexibilität, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Qualität ermöglichen. Und alles zu niedrigsten Kosten.

Foto: Heidelberg

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neue verpackung: Wie sieht das Leistungsversprechen von Heidelberg an seine Kunden aus?
Stephan Plenz: Wir konzentrieren uns im Verpackungsdruck auf Lösungen für die Produktion von Faltschachteln und Etiketten. Unsere Entwicklungen erfolgen dabei immer aus Kundensicht. Wir bieten in den Bereichen Workflow, Prepress, Press und Postpress als einziger Hersteller ein komplettes Portfolio aus einer Hand, das die Einzelkomponenten versteht und durchgängig integriert, inklusive Verbrauchsmaterialien und Serviceleistungen. Dies im Premium-Verpackungsbereich als auch für Volumenproduzenten.

Zentral dabei ist unser selbst entwickeltes integriertes Workflowsystem Prinect Packaging. Mit Prinect lassen sich alle Prozesse in Management und Produktion einer Druckerei standortübergreifend unter Einbeziehung von Kunden und Lieferanten optimal integrieren, zentral steuern und verwalten. Als einziger Anbieter auf dem Markt können wir mit dem Prinect Digital Front End unsere Offset- und Digitaldrucksysteme in den gleichen Workflow integrieren. Dadurch haben wir für beide Technologien das gleiche Farbmanagement und deckungsgleiche Farben, was besonders im Verpackungsdruck gefordert wird. Prinect bietet umfassende Funktionen zur Qualitätssicherung und Dokumentation, der Standardisierung und Produktion von Wiederholaufträgen. Digitalisierte Abläufe und vorbeugende Wartungen gewährleisten eine Prozess- und Ausfallsicherheit. Neu zur Drupa im letzten Jahr haben wir den Heidelberg Assistant vorgestellt. Dieses System ist das Informations- und Serviceportal für unsere Kunden und bietet beispielsweise Zugang zu einer Vielzahl an Heidelberg-Lösungen und zu Verfügbarkeits- und Produktivitätsdaten der Druckerei.

Unser Anspruch ist es, den Verpackungsdruckereien eine Null-Fehler-Produktion zu ermöglichen. Damit erfüllen wir die wichtigsten Forderungen unserer Kunden nach optisch, rechtlich, funktional und vertrieblich einwandfreien Verpackungen.

Auch zum stark nachgefragten Thema Applikationen und Veredelungen haben wir Lösungen, die unsere Kunden weiterbringen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Auftrag von Multi Packaging Solutions (MPS) im schottischen East Kilbride. Für Premiumanwendungen, wie Whisky-Faltschachteln mit Rückseitendruck, Kaltfolienveredelung und Doppelllackanwendungen, ist dort vor Kurzem eine Speedmaster XL 106 mit 18 Druckwerken installiert worden. Mit dieser Maschine lassen sich für Agenturen und Markenartikler die vielfältigsten Veredelungen in einem Durchgang in höchster Qualität umsetzen. Sie ist noch flexibler, als die seit vier Jahren installierte Speedmaster XL 106 mit 17 Druckwerken, mit der MPS sehr zufrieden ist. Um die Endprodukte in höchster Qualität an die Kunden auszuliefern, sind digitalisierte und automatisierte Prozesse erforderlich.

neue verpackung: Wie ist der Stand der Dinge beim Digitaldruck für Verpackungen?
Stephan Plenz: Heidelberg präsentierte die Primefire 106 als Weltpremiere für die industrielle digitale Produktion im Format 70 x 100 auf der Drupa 2016 in Düsseldorf. Im Frühjahr dieses Jahres startete unsere Pilotphase – ebenfalls mit MPS – an dessen deutschem Produktionsstandort in Obers­ulm. Wir liegen hier also voll im Plan und es ist ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung unserer Digitalstrategie zusammen mit unserem Partner Fujifilm. Unsere langjährige Partnerschaft, das digitale Geschäftsmodell im Verpackungsdruck, die weltweite Präsenz und der industrielle Produktionsansatz von MPS sind die richtige Umgebung für den Praxistest der Primefire 106 unter Real­bedingungen.

Ganz aktuell konnten wir Colordruck Baiersbronn als zweiten Feldtestkunden für uns gewinnen und werden noch in diesem Jahr eine Primefire 106 dort installieren. Der renommierte Faltschachtelhersteller will damit seine volldigitale Verpackungsherstellung auf Basis modernster Technologie weiter ausbauen. Mit individualisierten Verpackungen will Colordruck Baiersbronn seinen Kunden den Vorteil anbieten, die Wertigkeit ihrer Produkte deutlich hervorzuheben. Die Firma war übrigens auch Feldtester unserer neuesten Speedmaster XL 106 im Verpackungsdruck mit navigiertem Druck und konnte maximale Automatisierung mit kürzesten Rüstzeiten umsetzen.

Insgesamt sind wir also einen großen Schritt weiter, die Primefire 106 für den Serienstart zu qualifizieren und den industriellen Digitaldruck im Markt zu etablieren. Mit dieser Maschine lassen sich neue Geschäftsfelder aufbauen, beispielsweise mit der Herstellung variabler und individueller Verpackungen oder dem Zufügen von Rückverfolgbarkeits- und Sicherheitselementen auf den einzelnen Verpackungen. Printing-on-Demand mit der Primefire 106 ermöglicht die Optimierung von Lieferkettenprozessen und die Senkung von Lagerkosten.

Wir haben geliefert und stehen in engem Kontakt zu weiteren Interessenten. Vor Kurzem haben wir in unserem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Heidelberg einen Info Day für Verpackungsproduzenten aus Europa und USA veranstaltet, die sehr begeistert über die innovativen Geschäftsmodelle mit der Heidelberg Primefire 106 waren. Momentan ist die Liste der potenziellen Kunden größer als unsere Kapazität in der Fabrik.

 Speedmaster CX 102-5+L  auf der Drupa. (Foto: Heidelberg)
 Speedmaster CX 102-5+L  auf der Drupa. (Foto: Heidelberg)

neue verpackung: Ist die Push-to-Stop-Philosophie im Verpackungsdruck angekommen?
Stephan Plenz: Unsere Philosophie, die Prozesse und Abläufe aus einer anderen Perspektive zu bewerten und gezielt zu hinterfragen, wird von den Kunden sehr positiv aufgenommen. Die Kernfrage ist: Wie müssen die Prozesse in einer Druckerei gestaltet sein, damit die Produktion nach Plan erfolgen kann? Der Bediener kontrolliert den Prozess, er gibt nicht den Ablauf vor. Die Effektivität der Druckproduktion lässt sich dadurch auf ein bislang nicht erreichtes Level heben, die Rüstprozesse werden planbar dank standardisierter Abläufe und klar definierter Prozesszeiten, und die Fehlerrate durch manuelle Eingriffe sinkt. Durch kontinuierliche und lückenlose Prozessüberwachung wird immer die gleiche nachweisbare Qualität erzielt. Dabei geht es nicht nur um Automatisierungskomponenten und Software, sondern um das gesamte Umfeld, angefangen bei der Prozessanalyse und Beratung, im Zusammenspiel bewährter Verbrauchsmaterialien, über Verfügbarkeitskonzepte bis hin zur Kommunikation mit Kunden und Lieferanten sowie Logistik. Es gilt, die manuellen „Touch-Points“ zu verringern.

Wir schätzen, dass in den kommenden zehn Jahren unsere Kunden mit „Push to Stop“ ihre Produktivität nochmals verdoppeln und dadurch ihre Konkurrenzfähigkeit nachhaltig ausbauen können.

Akzidenzdruckereien mit ihren standardisierten Prozessen können dabei bis hin zum autonomen Drucken gehen. Bei Verpackungsdruckern ist die Logik die gleiche – bedingt durch die vielen Farb- und Lackwechsel wird hier jedoch das navigierte Drucken häufiger zum Einsatz kommen. So können mit der Bediensoftware Prinect Intellistart 2 über den Maschinenleitstand Prinect Press Center XL 2 erstmalig bis zu 30 Folgeaufträge bereits während der laufenden Produktion vorbereitet und freigegeben werden, und die Potenziale für Rüstzeitverkürzungen sind sehr hoch. Ähnlich einem Navigationssystem im Auto bekommt der Bediener für jeden Schritt des Auftragswechsels seine Informationen für die optimale Ablaufsequenz. Automatische Prozesse werden soweit möglich parallelisiert und in sinnvoller Reihenfolge selbstständig abgearbeitet. Intellistart 2 berechnet den schnellsten Weg zum Ziel automatisch und navigiert den Bediener durch den Auftragswechsel. Auch manuelle Prozesse werden visualisiert und geben dem Bediener jederzeit den Überblick im Bereich Intelliguide auf dem neuen Wallscreen XL.

Eine große deutsche Verpackungsgruppe war davon so überzeugt, dass sie die auf der Drupa ausgestellte Maschine – also die neueste Generation der Speedmaster XL 106-Sechsfarben mit Doppellack – vor Kurzem bei sich installiert hat. Die Unternehmensgruppe gehört zu Europas führenden Anbietern für verkaufsfördernde Displays und intelligente Verpackungen und produziert bereits mit einer Großformatmaschine von uns mit einer Vollausstattung an Automatisierungskomponenten.

neue verpackung: Was dürfen die Kunden zukünftig von Heidelberg erwarten?
Stephan Plenz: Wir werden weiterhin konsequent die Digitalisierung der Druckbranche vorantreiben und sehen hier noch viel Potenzial. Gemeinsam mit Gallus haben wir uns auf der interpack unter dem Motto „Smart Print Shop – Null Fehler im Verpackungsdruck“präsentiert. Die Besucher erhielten umfangreiche Informationen über die Qualitätssicherung und Fehlervermeidung beziehungsweise Ausschleusung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um fehlerfreie Produkte mit einer dokumentierten Qualität an die Endkunden ausliefern zu können. Wichtig ist dabei der Gesamtblick auf die Prozesse mit Fehlererkennung und Ursachenbehebung. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Prinect Workflow, in Verbindung mit den neuesten Versionen der Farbmess- und Regelsysteme Inpress Control beziehungsweise Image Control sowie das Inline-Inspektionssystem Inspection Control, die für eine fehlerfreie Produktion entscheidend sind. Direkt im Anschluss an die Messe ging es am Standort Wiesloch-Walldorf beim Heidelberg Info Day Packaging in die Praxis. Die Kunden aus aller Welt erlebten hier live die verschiedenen Möglichkeiten der Null-Fehler-Produktion in Präsentationen zu Themen wie „18.000 Bogen pro Stunde – Fehlerfreie Auslagestapel“ oder „Volle Qualitätskontrolle durch eigene Weiterverarbeitung“ sowie einen Workshop zum ganzheitlichen Druckereimanagement. Zur gleichen Zeit werden wir auf der China Print mit dem Motto „Smart Print Shop“ in Peking ausstellen, mit MK Masterworks als direktem Standnachbar, die ihr erweitertes Portfolio an Stanzen, Faltschachtelklebemaschinen und Qualitätssicherungssystemen vorstellen werden. Auf der China Print erfolgt der Launch der neuen Speedmaster CX 75, die als Multitalent vom Akzidenz- bis hin zum Verpackungsdruck flexibel und stabil druckt.

Unternehmen

Heidelberger Druckmaschinen AG

Gutenbergring
69168 Wiesloch
Deutschland

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