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Digitalisierung und Industrie 4.0 stellen Pharmakonzerne vor Herausforderungen: kurzfristige Lieferungen, zunehmende Personalisierung, immer kleinere Losgrößen, mehr Flexibilität. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen kann die Verpackungsindustrie wirkungsvoll unterstützen. Dabei ebnen neue Technologien wie der Digitaldruck nicht automatisch immer den einzigen und zwingend richtigen Weg – in vielen Bereichen greifen andere Prozesse und Konzepte wesentlich effektiver. Wo die wirklich großen Potenziale zu heben sind, und welche Lösungsansätze die Verpackungsindustrie der Pharmabranche anbieten kann, skizziert Walter Würfel, Sales Director Pharmaceuticals der RLC | Packaging Group.

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neue verpackung: Herr Würfel, welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in der Pharmaindustrie?
Walter Würfel: Entwicklungen wie Indus­trie 4.0, Globalisierung und Digitalisierung treiben aktuell natürlich auch die Pharmaindustrie um – neben den neuen Leitlinien zur Serialisierung von Arzneimittelverpackungen. Der digitale Wandel spielt sich zunächst insbesondere in den Bereichen Verpackung, Logistik und Distribution ab. Und dort sehe ich die derzeit wichtigsten Herausforderungen: Insgesamt geht der Trend weiter zu immer kleineren Losgrößen. Denn die Hersteller bieten die Medikamente häufiger in unterschiedlichen Packungsgrößen, Dosierungen und Wirkstoffkonzentrationen an. Zudem sind international länderspezifische Pharmaverpackungen gefordert, wo früher noch mehrere Länder mit der gleichen Verpackung beliefert werden konnten. In den nächsten Jahren wird uns darüber hinaus die personalisierte Medizin verstärkt beschäftigen. Vor allem hochwertige Medikamente, etwa in der Onkologie, werden zunehmend spezifiziert und personalisiert. Dadurch steigen die Lieferanforderungen an die Pharmaindustrie, die ihren Bedarf außerdem immer kurzfristiger meldet. Dabei spielt auch Kosteneffizienz eine große Rolle.

„Produktions- und Logistikstrategien wie Vendor Managed Inventory oder Just in Time sind erprobte Konzepte, mit denen Pharmahersteller agiler und schneller auf sich verändernde Anforderungen reagieren können.“ Walter Würfel, RLC

„Produktions- und Logistikstrategien wie Vendor Managed Inventory oder Just in Time sind erprobte Konzepte, mit denen Pharmahersteller agiler und schneller auf sich verändernde Anforderungen reagieren können.“ Walter Würfel, RLC

neue verpackung: Welche Folgen hat das für die Arzneimittelhersteller?
Walter Würfel: Pharmaunternehmen müssen auf die steigenden Lieferanforderungen mit zunehmender Flexibilität reagieren. Das funktioniert nur, wenn sie die passenden Konzepte und Prozessstan-dards in ihren Wertschöpfungsketten verankert haben. Dazu gehört in erster Linie eine engere Zusammenarbeit der einzelnen Akteure innerhalb der Lieferkette. Produktions- und Logistikstrategien wie Vendor Managed Inventory (VMI) oder Just in Time (JIT) gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig bietet die Digitalisierung auch neue Möglichkeiten der vernetzten Zusammenarbeit. Wir werden als Verpackungsunternehmen stärker in die Planungsprozesse der Pharmahersteller eingebunden als früher. Das heißt, dass die klassische Bestellung per Fax ausstirbt und wir stattdessen immer mehr Zugriff auf die Bestands- und Nachfragedaten des Kunden erhalten.

neue verpackung: Wie kann die Verpackungsindustrie hier zu mehr Dynamik beitragen?
Walter Würfel: Bei vielen Herstellern von Fast Moving Consumer Goods (FMCG) sind Prozessstandards, die für mehr Agilität und Flexibilität in der Supply Chain sorgen, ja bereits alltäglich. Hier hat die RLC-Gruppe in der Beauty- und in der Lebens- und Genussmittelbranche jahrelang Erfahrungen gesammelt und setzt entsprechende Konzepte mit den Kunden um. Diese Erfahrungen lassen sich auf die Pharmaindustrie übertragen – VMI und JIT/Lean Production bieten auch in der Zusammenarbeit mit Pharmaherstellern gewaltiges Potenzial, um agiler und schneller auf sich verändernde und oftmals kaum planbare Anforderungen zu reagieren. In der aktuellen Praxis übernehmen wir beispielsweise für einige Kunden Qualitätskontrollen in unserem Hause und verkürzen so die Supply Chain. Die Produkte werden in wesentlich kleinerem Umfang zwischengelagert. Vielmehr liefern wir die Verpackung immer häufiger genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Kunde sie benötigt.

Digitale Lösungen zum Verpackungs-Designmanagement wie PAS Media bieten hohe Datensicherheit und verkürzen die Time to Market. (Foto: RLC)

Digitale Lösungen zum Verpackungs-Designmanagement wie PAS Media bieten hohe Datensicherheit und verkürzen die Time to Market. (Foto: RLC)

neue verpackung: Wo kommen Ihre Erfahrungen aus der Konsumgüterindustrie der Pharmabranche noch zugute?
Walter Würfel: Unsere Kunden profitieren grundsätzlich bei Druck und Veredelung von dem in anderen Sparten aufgebauten Wissen – wir machen uns also Konzepte und Ideen aus den anderen Segmenten je nach Anforderung zunutze. Ein Beispiel ist der Bereich Fälschungssicherheit und Codierung, wo wir insbesondere auf Know-how aus dem Beauty-Segment zurückgreifen können. Die aus RLC hervorgegangene Designagentur Brandpack zum Beispiel bündelt auf dieser Grundlage die gesamte Expertise und bietet der Pharmaindustrie ganzheitliche, perfekt aufeinander abgestimmte Verpackungslösungen.

neue verpackung: Mit welchen Drucktechnologien und Verfahren können Verpackungsspezialisten Pharmafirmen zu mehr Flexibilität und Kosteneffizienz verhelfen?
Walter Würfel: Hier fällt aktuell immer schnell das Stichwort Digitaldruck. Und in der Tat bietet die Digitaldruck-Technologie sowohl unseren Kunden als auch uns einige Vorteile. Doch sie ist bei weitem kein Allheilmittel. Für kleinere Losgrößen von etwa 5.000 bis 10.000 Stück eignen sich eher Offsetdruck-Technologien wie Anicolor, mit der wir bei RLC in Rüdersdorf seit 2014 arbeiten. Mit der Anicolor-Technologie lassen sich diese kleinen Auflagen wesentlich kosteneffizienter und zudem schneller produzieren, was wiederum die Lieferzeiten verkürzt. Es ist zudem eine relativ abfallarme Drucktechnik, die folglich sowohl natürliche als auch finanzielle Ressourcen schont. Grundsätzlich schauen wir uns mit dem Kunden die Total Cost of Ow-nership an und überlegen, wie wir gemeinsam Kosten sparen können. Color Simplification ist beispielsweise vor allem bei verschreibungspflichtigen Medikamenten eine geeignete Methode, um ein Produkt kosteneffizienter zu gestalten. Außerdem spielt ein effizientes Workflowmanagement vor dem Verpackungsdruck eine zentrale Rolle. Dafür stehen heute Instrumente wie das GMP-validierte und webbasierte Tool PAS Media (Lifecycle-Artwork-Management) zur Verfügung, das alle Projektbeteiligten auf einer Plattform vernetzt, höchste Datensicherheit bietet und die Time to Market erheblich verkürzt.

Kürzere Rüstzeiten, mehr Produktivität: Mit einer Anicolor-Sechsfarbenmaschine produziert RLC seit 2014 in Rüdersdorf auch kleine Auflagen flexibel und effizient in bester Offset-Druckqualität. (Foto: Heidelberg)

Kürzere Rüstzeiten, mehr Produktivität: Mit einer Anicolor-Sechsfarbenmaschine produziert RLC seit 2014 in Rüdersdorf auch kleine Auflagen flexibel und effizient in bester Offset-Druckqualität. (Foto: Heidelberg)

neue verpackung: Wo ist die Digitaldruck-Technologie im Verpackungsdruck denn eigentlich lohnend?
Walter Würfel: Der digitale Verpackungsdruck ist nicht automatisch schneller, günstiger und qualitativ besser. Unter bestimmten Voraussetzungen ist er zurzeit eher noch eine gute Ergänzung zu bereits bestehenden Technologien. Die großen Pharmaunternehmen, die sich mit dem Thema Digitaldruck schon seit einiger Zeit beschäftigen, sehen das auch durchaus realistisch. Zukünftig kann der Digitaldruck als zusätzliches Hilfsmittel eine Rolle dabei spielen, bei kleineren Losgrößen und der Erschließung neuer Märkte noch schneller und kosteneffizienter zu werden: etwa beim Launch neuer OTC-Medikamente oder bei der Late Stage Customization von personalisierten Arzneimitteln. Damit der Digitaldruck in wenigen Jahren zur idealen Ergänzung für die Pharmabranche wird, muss jedoch noch viel in die Technologie, etwa die Peripheriegeräte, investiert werden. Nur dann wird der Digitaldruck effektiv dazu beitragen können, die auch in der Pharmaindustrie zunehmend fragmentierte Nachfrage zufriedenstellend bedienen zu können. Der Digitaldruck befindet sich also noch mitten in einem Entwicklungsprozess, dessen langfristige Bedeutung für die Pharmabranche noch nicht vollständig abzusehen ist. Zudem kann er seine Vorteile auch nur ausspielen, wenn auch alle anderen Prozesse entsprechend ganzheitlich agil und synchron mit den Supply-Chain-Anforderungen sind.

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Über RLC | Packaging Group
Die RLC | Packaging Group produziert in drei hochmodernen Pharmazie-Verpackungszentren sowohl für OTC-Produkte als auch für verschreibungspflichtige Medikamente Faltschachteln, Packungsbeilagen und Etiketten. Die Pharmacenter in Berlin, Zürich und bei der Tochtergesellschaft BSC Drukarnia im polnischen Poznań sind auf ihre jeweilige Region ausgerichtet und stehen sich gegenseitig als Back-up zur Verfügung.

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rlc | packaging group Leunisman GmbH

Andertensche-Wiese 18-25
30169 Hannover
Deutschland

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