-

Marken- und Produktpiraterie ist längst internationales Big Business, weshalb Unternehmen aller Branchen nach Lösungen für dieses Problem suchen – beispielsweise mittels Serialisierung. Mettler Toledo PCE befragte hierzu Unternehmen in Europa und Nordamerika, unter anderem aus der Agrar-, Chemie-, Konsumgüter- sowie Lebensmittelindustrie.

Anzeige

Nach Angaben der Weltzollorganisation beläuft sich der Anteil der Fälschungen am Welthandel derzeit auf rund sieben Prozent. Im Kampf gegen Falsifikate nimmt die Pharmabranche mittels Serialisierung eine Vorreiterrolle ein. Doch welche Chancen sehen Unternehmen abseits von Pharma für den Fälschungsschutz mittels solcher Track-&-Trace-Prozesse? Unter den Umfrageteilnehmern befanden sich zahlreiche international agierende Konzerne wie Dr. Oetker, Procter & Gamble oder Coty, aber auch kleinere und mittelgroße Unternehmen. Die in der Track-&-Trace-Studie zusammengefassten Ergebnisse liefern ein Stimmungsbild, ob und wie sich Unternehmen dem Thema Serialisierung in ihren Investitionsentscheidungen nähern.

Serialisierungslösungen ermöglichen es, einzelne Produkte entlang der Lieferkette zurückzuverfolgen. (Foto: Mettler Toledo PCE)

Serialisierungslösungen ermöglichen es, einzelne Produkte entlang der Lieferkette zurückzuverfolgen. (Foto: Mettler Toledo PCE)

Neue Serialisierungsanforderungen

Serialisierung gewinnt in vielen Branchen künftig an Bedeutung – davon ist eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer überzeugt. Knapp zwei Drittel der Befragten rechnen damit, dass neue Anforderungen zur eindeutigen Produktkennzeichnung in den nächsten Jahren auf sie zukommen. Diese Einschätzung wird branchenübergreifend geteilt, verzeichnet aber regionale Unterschiede. Während sich die nordamerikanischen Unternehmen in der Tendenz etwas zurückhaltender zeigen, geht eine große Mehrheit der europäischen Teilnehmer davon aus, sich künftig mit neuen Serialisierungsanforderungen zu beschäftigen. Neben zu erwartender legislativer Neuregelungen verwiesen die Unternehmen vor allem auf von Marktteilnehmern initiierte Projekte zur Sicherung der Lieferkette, Vereinfachung der Produktverfolgung sowie Bekämpfung der Produkt- und Markenpiraterie. Mehrfach angesprochen wurde, dass große Handelsunternehmen über ihre Lieferantenvorgaben zu zen­tralen Markttreibern für Serialisierungslösungen werden könnten. Damit rechnen vor allem Unternehmen, die ihre Produkte an Endverbraucher über den Lebensmitteleinzel- oder Fachhandel vertreiben. Über ein Drittel, darunter mehrere Lebensmittelhersteller, befürwortet, dass in ihrer Branche Serialisierung standardmäßig vorgeschrieben sein sollte. Lediglich ein Viertel der Teilnehmer vertritt explizit die Auffassung, dass das Thema Serialisierung für sie derzeit nicht relevant sei. Die befragten Unternehmen sehen in gesetzlichen Verpflichtungen die wichtigste Initialzündung für Serialisierungsprojekte. Wie verbreitet und ausgeprägt die Sensibilisierung für das Thema hiervon jedoch losgelöst ist, dokumentieren die bereits in Eigeninitiative gestarteten oder geplanten Projekte. Nahezu ein Drittel gab an, unabhängig von legislativen Vorgaben die Einführung einer Serialisierung zu planen.

Grafik: Mettler Toledo PCE

Grafik: Mettler Toledo PCE

Serialisierung schafft Mehrwert

Serialisierungslösungen bieten eine Vielzahl an operativen Vorteilen für Unternehmen. Doch sind sie auch ein mächtiges Instrument, um Produkt- und Markenpiraterie wirksam zu bekämpfen? Fast 40 Prozent der befragten Unternehmen stimmten hier ohne Einschränkungen zu. Knapp ein Drittel bejahte ebenso stark, dass Serialisierung die Transparenz der Logistikkette verbessert und zu mehr Markenschutz beiträgt. Markenartikelhersteller, vorrangig aus der Kosmetikbranche sowie Unternehmen der chemischen Indus­trie, verwiesen besonders ausgeprägt auf Serialisierung als wirksames Instrument zum Fälschungs- und Markenschutz. Mehr Transparenz in der Logistikkette als Vorteil einer Serialisierungslösung erfährt in allen Branchen hohe Zustimmungsraten. Unternehmen der Lebensmittelindustrie versprechen sich die größten Vorteile im Markenschutz, in der Qualitätssicherung und in der Vereinfachung von Produktrückrufen. Qualitätsmanagement und Sicherheit für den Kunden rangierten bei den Unternehmen der chemischen Indus­trie weit oben. Für einige der teilnehmenden Markenartikelhersteller aus hochpreisigen Marktsegmenten ist eine höhere Transparenz der Vertriebswege ein wichtiges Argument pro Serialisierung. Insgesamt spielt die Kontrolle der Vertriebswege, etwa zur Bekämpfung von Graumarktgeschäften und ungewollter Reimporte, aber eine eher nachgelagerte Rolle für die Umfrageteilnehmer. Die Möglichkeit zu einer individuelleren Kundeninteraktion und Einbindung der Serialisierung in Loyalty-Programme wird als Pluspunkt betrachtet, landet in der Relevanz aber auf dem letzten Platz der Mehrwertrangliste.

Pharma macht es vor: Serialisierung auf Artikelebene ist in vielen Märkten weltweit verpflichtend. (Foto: Mettler Toledo PCE)

Pharma macht es vor: Serialisierung auf Artikelebene ist in vielen Märkten weltweit verpflichtend. (Foto: Mettler Toledo PCE)

Trend zur Einzelserialisierung und Aggregation

Was erwarten die befragten Unternehmen hinsichtlich der Kennzeichnung ihrer Produkte für die Zukunft? Werden Markierungen auf Chargen-/Batchebene künftig ausreichend sein? Ist die Serialisierung auf Artikel­ebene oder sogar die Aggregation mit eindeutigen Seriennummern auf höheren Verpackungsebenen bald Standard? Im Rahmen der Umfrage gaben knapp 70 Prozent an, dass ihnen Markierungen der Produkte auf Losnummer-/Batchebene wichtig sind. Diese Kennzeichnungsvariante hat besonders bei den befragten Unternehmen der chemischen Industrie sowie Herstellern von Körperpflege- und Kosmetikprodukten einen sehr hohen Stellenwert. Für 50 Prozent ist eine Serialisierung einzelner Produkte wichtig. Dies gilt auch für die Aggregation und Vergabe eindeutiger Seriennummern auf einer höheren Verpackungsebene. Ein Fünftel der Befragten gibt weitere Gründe an, weshalb sie eine Markierung auf Produktebene favorisieren.

IT-Aufwand für Datenspeicherung häufig unterschätzt

Die Serialisierung generiert ein hohes Datenvolumen. Nur wenn diese Daten über einen längeren Zeitraum gespeichert und entlang der Supply Chain abrufbar und zugänglich gemacht werden, kann eine Serialisierungslösung mit ihr verbundene Vorteile wie eine vollständige Authentifikation des Produkts über die gesamte Lieferkette entfalten. Die Umfrageergebnisse lassen erkennen, dass die Unternehmen sich bewusst sind, wie wichtig eine geeignete Softwarelösung für die Serialisierung und das Datenmanagement ist. Sie unterschätzen jedoch häufig den erforderlichen Aufwand für die IT-Infrastruktur und deren Verzahnung mit Produktion und Qualitätsmanagement. Die Umfrage wollte wissen, wo die Unternehmen die Speicherung und Verwaltung dieser teils enormen Datenmengen idealerweise ansiedeln würden. Fast 45 Prozent verorten das Speichern und Verwalten der Serialisierungsdaten über eine ERP-Integration im eigenen Unternehmen. Die Umfrageteilnehmer aus der chemischen Industrie sprachen sich durchgängig für die ERP-Variante aus. Knapp ein Viertel aller Befragten bevorzugt eine Software-as-a-Service-Lösung mit einem externen Partner. Der SaaS-Anbieter stellt in dieser Variante des Cloud Computings die IT-Infra­struktur und Anwendungssoftware bereit, auf welche das Unternehmen zugreift. Insgesamt votierten gut 55 Prozent für eine Lösung in der Wolke – mit öffentlicher und privater Cloud als weitere Varianten des Cloud Computing zur Auswahl. In den sehr zurückhaltenden Antworten zur Zugänglichkeit der Daten dürften sich auch die erheblichen, insbesondere auf Cloud-Anwendungen ausstrahlenden datenschutzrechtlichen Unterschiede zwischen den USA und der EU widerspiegeln.

Erfahrene Projektpartner favorisiert

Welche Faktoren sind bei der Entscheidung, mit wem Unternehmen eine Serialisierungslösung umsetzen wollen, besonders wichtig? Erfahrung mit Serialisierungsprojekten rangiert unter den Befragten als Kriterium in der Wahl eines Projektpartners mit großem Abstand auf Platz 1. Hier punktet, wer auf erfolgreich realisierte Projekte in Branchen wie der Pharmaindustrie verweisen kann. Der zweite Blick gilt dem Software- und Hardware-Portfolio des potenziellen Partners. Global agierende Unternehmen legen zusätzlich Wert darauf, ob die bisherige Projekterfahrung auch weltweite Roll-outs mit vielen Linien und Produktionsstätten beinhaltet.

Für Sie entscheidend

Zur Studie
Mettler Toledo PCE befragte im Rahmen der Track-&-Trace-Studie insgesamt 37 Unternehmen aus Europa und Nordamerika zur Serialisierung als Instrument des Fälschungsschutzes in Form von Leitfadeninterviews, bestehend aus qualitativen und quantitativen Fragen. Die Teilnehmer kamen aus der Agrar-, Chemie- und Lebensmittelindustrie oder waren Markenartikelhersteller der Konsumgüterbranche und Third-Party-Dienstleister im Umfeld Verpackung und Logistik. Die vollständigen Ergebnisse der Track-&-Trace-Studie stehen unter folgender Adresse kostenfrei zum Download zur Verfügung: www.mt.com/pce-Track-and-Trace-Study.

Autor

Reinhold van Ackeren ist Head of Marketing bei Mettler Toledo PCE

Unternehmen

Mettler-Toledo PCE

Gernsheimer Straße 2
64673 Zwingenberg
Deutschland

Zum Firmenprofil