In ihren aktuellen Ausgaben berichten Verbrauchermagazine über Testreihen, in denen Stoffe wie Semicarbazid (SEM) oder 2-Ethylhexansäure (2-EHA), die im Verdacht stehen gesundheitlich bedenklich zu sein, in glasverpackten Lebensmitteln gefunden wurden. Als Quelle für diese Stoffe werden die Dichtungsmassen der Metallverschlüsse angegeben, mit denen die Glasbehälter verschlossen waren. Die Mengen, in denen die fraglichen Stoffe in den untersuchten Lebensmitteln festgestellt wurden, stellen allerdings keine gesundheitliche Bedrohung für die Verbraucher dar. Nach wie vor ist der Verzehr von Nahrungsmitteln aus Gläsern, die mit Metallverschlüssen verschlossen werden, sicher und aus Gründen der Qualität und Lebensmittelsicherheit empfehlenswert. Dennoch haben die Hersteller von Metallverschlüssen die Entwicklung alternativer Dichtungsmassen vorangetrieben und eine Umstellung auf SEM- und 2-EHA-freie Dichtungen bereits weitestgehend vorgenommen. Die vollständige Umstellung dürfte in Kürze branchenweit abgeschlossen sein.


Die Funde sind für Verbraucher unbedenklich


Die in den untersuchten Lebensmitteln gefundenen Substanzen sind toxikologisch gut untersucht und stellen nach gegenwärtigem Kenntnisstand in den nachgewiesenen Mengen keine Gefahr für die Verbraucher dar: Aus dem Additiv Zink (II)-2-ethylhexanoat, das in der geschäumten Dichtungsmasse als Stabilisator verwendet wird, stammt der Stoff 2-EHA. Im Tierversuch zeigt 2-EHA erst bei hohen Konzentrationen eine fruchtschädigende Wirkung. Auf Grundlage der heute verfügbaren toxikologischen Erkenntnisse ergibt sich für den Verbraucher selbst dann keine gesundheitlich bedenkliche Belastung, wenn man die höchsten bisher ermittelten Werte und einen extremen Verbrauch zugrunde legt. Dies gilt auch für den sensiblen Bereich der Babynahrung. Beispielsweise wird selbst bei einem Verzehr von mehr als 1 kg Babynahrung pro Tag durch ein 7,5 kg schweres Kind der kritische Wert nicht erreicht. SEM kann sich aus dem Treibmittel Azodicarbonamid bilden, welches zur Aufschäumung von Verschlussdichtungen eingesetzt wird. SEM wirkt im Tierversuch schwach krebserzeugend und Erbgut schädigend. Allerdings ist fraglich, ob ähnliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus bestehen. Nach vorläufigen Einschätzungen des Bundesinstituts für Risikobewertung und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit ist das Risiko für Kinder und Erwachsene als sehr gering einzuschätzen. In einer Veröffentlichung wird zudem über den Übergang von epoxidiertem Sojabohnenöl (ESBO) in ölhaltige Nahrungsmittel berichtet. ESBO wird bei der Dichtmassenherstellung als Weichmacher und Stabilisator eingesetzt. ESBO wirkt weder krebserzeugend noch Erbgut oder Frucht schädigend. Wie bereits das Schweizerische Bundesamt für Gesundheit in einer Mitteilung vom November letzten Jahres verlautbarte, geht vom Konsum ESBO-haltiger Produkte keine Gesundheitsgefährdung aus.


Verschlusshersteller stellen auf alternative Dichtungsmassen um


 Auch wenn nach gegenwärtigem Kenntnisstand keine Gefährdung der Verbraucher gegeben ist, sind die Hersteller von Metallverpackungen bemüht, die Migration solcher Stoffe in Lebensmittel so gering wie technisch möglich zu halten. Sie haben sich daher sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene mit ihren Zulieferern und der Lebensmittelindustrie zu Expertenkommissionen zusammengeschlossen, um branchenweit die Minimierung bzw. Substitution der fraglichen Stoffe voranzutreiben. Als erstes Ergebnis dieser Arbeit haben die Hersteller von Metallverschlüssen seit Herbst letzten Jahres den Umstellungsprozess auf SEM- und 2-EHA-freie Dichtungsmassen eingeleitet. Die Umstellung wurde mittlerweile fast vollständig realisiert, mit ihrem Abschluss ist in den nächsten beiden Monaten zu rechnen. Die Entwicklung solcher Alternativen nimmt jedoch für die einzelnen Anwendungsbereiche einen angemessenen Zeitraum in Anspruch, da Dichtungsmassen technisch sehr weitgehend optimierte Produkte sind, deren hohe Leistungsfähigkeit zu einem großen Teil auf den Einsatz geeigneter Additive, wie Weichmacher, Stabilisatoren oder Aufschäummittel, zurückzuführen ist. Deshalb dürfen nur Materialien zum Einsatz kommen, die ausführlich und unter Berücksichtigung aller Anforderungen, zum Beispiel des besonders hohen Standards der mikrobiellen Sicherheit bei Babynahrung, auf ihre Eignung getestet werden konnten.