15.09.2005, 00:00
Auf dem europäischen Markt für Wellpappe bahnt sich eine Großfusion an: Die irische Jefferson Smurfit Group (JSG) und die niederländische Kappa Packaging stehen kurz vor dem Zusammenschluss. Die Vorstände beider Unternehmen haben bereits ihre Mitarbeiter über die Einzelheiten der geplanten Verschmelzung in Eindhoven sowie in Paris und Brüssel informieren. Die Entscheidung der Kartellbehörden steht noch aus. Mit dem Zusammenschluss würde einer der größten Anbieter im Wellkarton-Markt in Europa entstehen. Die JSG-Gruppe ist in Europa sowie Südamerika tätig und erreichte 2004 einen Gesamtumsatz von rund 5 Mrd. Euro. Kappa hingegen ist mit einem Umsatz von knapp 3 Mrd. Euro Marktführer in Europa. Der Eigentümer von Kappa, die britischen Investmentgesellschaften CVC Capital Partners und Cinven, wollen sich seit längerem von dem Verpackungsunternehmen trennen. Sie sollen hierfür die US-Investment-Bank Goldman Sachs beauftragt haben. Die Verhandlungen der Unternehmen über eine Fusion ist keine Überraschung. Im Mai gaben beide Seiten erstmals bekannt, dass sie miteinander reden. Damals bestätigte Jefferson Smurfit, man befinde sich in „vorläufigen Diskussionen“ mit Kappa Packaging. JSG produzierte im vorigen Jahr mit 30.000 Angestellten 4,5 Mio. Tonnen Papier und Pappe. Die Iren befinden sich seit September 2002 in der Hand der amerikanischen Private Equity-Firma Madison Dearborn Partner, die das Unternehmen von der Börse nahm. JSG ist seit 1977 unter der Leitung von Michael Smurfit stark expandiert. Der Firmenpatriarch ist seit 2002 in der Führungsspitze des Unternehmens noch als Chairman tätig. In Deutschland ist die Gruppe durch Übernahme und Integration der Europa-Carton-Werke bekannt, die ihren Sitz in Hamburg haben. Kappa Packaging ist ein vor sieben Jahren aus der Fusion von zwei Papierfirmen hervorgegangenes Unternehmen, das in West- und Mitteleuropa bedeutend Marktanteile hat. Mehrheitseigner sind die US-Wagniskapitalgeber CVC und Cinven. Vor vier Jahren verdoppelte Kappa seine Größe nach dem Kauf der schwedischen Assi-Domän-Gruppe. Ende 2004 arbeiteten mehr als 15.000 Menschen bei den Niederländern. Als Grund für den Zusammenschluss sehen Branchenexperten Kostendruck und sinkende Margen. CVC und Cinven wollen deshalb schon seit Herbst vergangenen Jahres aussteigen. Das Zusammengehen der beiden Platzhirsche auf dem Verpackungsmarkt könnte zudem Skaleneffekte schaffen. Allerdings dürfte die Fusion wegen der marktdominierenden Stellung auch die Wettbewerbs-Behörde in Europa auf den Plan rufen. Es gibt zwar mit der belgischen SCA Packaging noch ein weiteres Unternehmen in ähnlicher Größe. Darüber hinaus besteht der Markt jedoch aus mittelgroßen und kleinen Mitspielern.
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