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Weniger ist mehr

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Gut ein Fünftel aller Medizinprodukte können wir trotz ausgereifter Software nicht anhand der Herstellernummer identifizieren, stellte Winfried Winzer auf der Healthcare live!-Konferenz Ende Oktober in Dresden fest. Winzer ist kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. Seine Erfahrung teilen viele andere Krankenhäuser in Deutschland, so auch das Herzzentrum Bad Krozingen.

Während eines Pilotprojekts mit GS1 Germany begann das Krankenhaus, einheitliche Standards für seine Materialdokumentation zu verwenden. Dazu wurden zunächst in zwei Katheterlaboren die bestehenden Prozesse analysiert. Schnell stellte sich heraus, dass das Neben- und Durcheinander der vielen unterschiedlichen Kennzeichnungssysteme auf den verwendeten Materialen ein entscheidender Kosten- und Zeitfaktor ist. Somit bestand die erste Herausforderung darin, die vielen verschiedenen Produktkennzeichnungen auf einen einheitlichen Standard zu bringen. Das Herzzentrum hielt deshalb die Hersteller an, ihre Produkte einheitlich zu kennzeichnen, und zwar mit dem global geltenden EAN-Strichcode von GS1. Er identifiziert über die eindeutige Identnummer GTIN (Global Trade Item Number) Produkte unmissverständlich. Die Reaktion der Hersteller auf diese Aufforderung war überwiegend positiv. Viele nutzten die Gelegenheit, sich mit den Vorteilen standardisierter Produktkennzeichnungen auseinander zu setzen.

Auch das Universitätsklinikum Dresden wendet sich an die Hersteller von Medizinprodukten: „Mit einer rein hausinternen Lösung können wir die Möglichkeiten unserer EDV-Infrastruktur nicht in vollem Umfang nutzen. Deshalb sind jetzt die Hersteller gefragt: Ein einheitliches System der Artikelidentifikation mit einem maschinenlesbaren GS1-Code lässt die Effizienz der Krankenversorgung steigen und erhöht zudem die Patientensicherheit", so Winzer.

Ebenso sehen sich die Einkaufsgemeinschaften AGKAMED, Comparatio Health, EKK, EK-UNICO, P.E.G., prospitalia und Sana-Kliniken einer Vielzahl von Artikelkennzeichnungen der Hersteller ausgesetzt. Diese folgten laut der Einkaufsgemeinschaften keinem einheitlichen Muster. Sie müssten daher mühsam sortiert, erfasst und oftmals in hauseigene Artikeldatensysteme überführt werden. Dadurch komme es immer wieder zu Verwechselungen, Rückfragen, Fehllieferungen mit entsprechend hohem Kontroll-, Korrektur- und Dokumentationsaufwand für die Krankenhäuser. Aus diesem Grund sehen die Einkaufsgemeinschaften einen eindeutigen Trend in Richtung der global geltenden GS1-Standards wie z. B. der weltweit eindeutigen Artikelnummer GTIN. Sie wenden sich darum mit ihrer Forderung nach einheitlichen Standards an die Hersteller von Medizinprodukten.

Pharmazeutika und Medizinprodukte klar gekennzeichnet
Ob Katheter, Implantat oder Infusion - Lösungen für die eindeutige Identifikation von medizinischen Produkten und Arzneimitteln gibt es schon länger und sie funktionieren international. GS1 Germany, bekannt durch Standards und Services rund um den Barcode, stellt dazu verschiedene globale Identifikationslösungen zur Verfügung, wie den Strichcode GS1-128, den GS1 DataMatrix und den branchenspezifischen Standard AIDC (Automatic Identification and Data Capture).

Mit dem GS1 DataMatrix steht zum Beispiel ein 2D-Datenträger zur Verfügung, der auch variable Produktinformationen wie die Chargennummer, das Verfallsdatum oder eine Seriennummer auf kleinstem Raum abbilden kann. Damit identifizieren Anwender Produkte nicht nur eindeutig, sondern sie können zudem feststellen, wann die Produkte in den Warenprozess eingebracht wurden und wann sie ihn wieder verlassen müssen.

Anwender des GS1 DataMatrix ist in Deutschland unter anderen die B. Braun-Sparte Aesculap. Der Hersteller von chirurgischen Medizinprodukten kennzeichnet seine Artikel mit dem 2D-Code GS1 DataMatrix.

Ziel ist eine weltweit harmonisierte Lösung, mit der unter anderem Krankenhäuser die direkt gekennzeichneten Produkte leichter in ihrem Instrumentenkreislauf zurückverfolgen können. So lässt sich zum Beispiel eindeutig zuordnen, welche Instrumente bei welchen Operationen zum Einsatz kamen, oder wie oft ein Instrument bereits sterilisiert wurde. Ebenso kann in den internen Prozessen leichter das eigene Material von ausgeliehenen Produkten unterschieden werden. Anreiz für die Umstellung vom eigenen Code „UNICOS" auf GS1 DataMatrix sei, so Aesculap-Produktmanager Markus Weinert, die GS1-Lösung AIDC, mit der jetzt auch chirurgische Instrumente direkt gekennzeichnet werden können. Diesen Standard entwickelte GS1 speziell für die automatische Identifikation und Datenerfassung von Medizinprodukten und Arzneimitteln. Er unterstützt den Anwender bei der Entscheidung, welche Produkte auf welcher Verpackungsebene mit welchen Informationen und über welche Datenträger identifiziert werden. Das sind nicht zuletzt wichtige Kriterien für die Sicherheit der Patienten.

Eindeutig geschützt
Die Sicherheit der Patienten ist das wichtigste Gut. Wie kann gewährleistet werden, dass die Patienten optimal versorgt werden und stets die richtige Medikation erhalten, wenn es sich beispielsweise um so sensible Arzneimittel wie Zytostatika handelt?

Dieser Frage stellten sich auch das Universitätsklinikum Genf und die Teva Pharma AG. Sie testen gemeinsam in Pilotprojekten den GS1 DataMatrix als eindeutigen Identifikationscode auf der Einzelverpackung, wie z. B. dem Blister und der Umverpackung. Dabei ging es um die Prozessschritte elektronische Verschreibung, computerunterstützte Zubereitung und Bedside Scanning.

Ziel war es, dem richtigen Patienten das richtige Medikament in der korrekten Dosierung und Qualität zum richtigen Zeitpunkt zu verabreichen. Die Spitalapothekervereinigung und die Industrieverbände in der Schweiz sind vom Nutzen dieser Produktkennzeichnung überzeugt und sehen in einem gemeinsam verabschiedeten Papier die Markierung von Single-Unit-Dose mittels GS1 DataMatrix vor.

Auch das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien nutzte den GS1 DataMatrix während eines Pilotprojekts zur Kennzeichnung von Zytostatika. Die Klinik will so die Rückverfolgbarkeit verbessern und die Sicherheit ihrer Patienten erhöhen. Der 2D-Code wurde dabei auf die Außenverpackung und Schutzhülle der Medikamente aufgebracht. Dann testete die Klinik die automatisierte Produkterfassung bei der Warenvereinnahmung, beim Einbringen in den Reinraum und in die Werkbank. Ziel des Projektes ist es, zukünftig alle zubereiteten Zytostatikalösungen eindeutig mit dem GS1 Standard zu identifizieren und so eine durchgängige Rückverfolgbarkeit bis zum Patienten zu ermöglichen.

Patientensicherheit per Gesetz
Für mehr Patientensicherheit soll künftig auch eine neue internationale Gesetzgebung sorgen. Danach sollen Beteiligte der gesamten Versorgungskette rechtsverbindlich das weltweit eindeutige System UDI (Unique Device Identification) einführen. Hierdurch können zukünftig alle Medizinprodukte eindeutig identifiziert und maschinell erfasst werden. Das Konzept wird durch weltweit vernetzte UDI Datenbanken komplettiert. Unter anderem arbeiten zurzeit die US-Behörde FDA (Food and Drug Administration), sowie die GHFT (Global Harmonization Task Force) und die Europäische Kommission an umfassenden Vorschriften für eine maschinenlesbare Kennzeichnung und Identifikation einzelner Medizinprodukte. Diese Regelungen werden auf der Verwendung international gültiger Identifikationsstandards, zum Beispiel von GS1, basieren. Bereits Ende 2011 wird die EU-Kommission einen ersten Entwurf für eine Empfehlung zum europäischen UDI-System vorlegen.

„UDI wird kommen - das ist nur noch eine Frage der Zeit", meint Dr. Matthias Neumann, vom Bundesministerium für Gesundheit, der das System und seinen Nutzen auf der Healthcare live!-Konferenz vorstellte. „Die Hersteller und Anwender von Medizinprodukten haben jetzt noch die Chance, sich auf diese neuen Kennzeichnungsvorschriften vorzubereiten und sie mit zu gestalten", so Neumann.

Dank des Rückgriffs auf global anerkannte Standards wird UDI die Rückverfolgbarkeit aller Medizinprodukte entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette, von der Herstellung bis zum Einsatz im OP-Saal, ermöglichen. „Die Möglichkeiten zur Optimierung der Prozesse im Gesundheitsmarkt werden durch den konsequenten Einsatz von UDI wachsen", weiß Bettina Bartz, Branchenmanagerin Gesundheitswesen bei GS1 Germany. „Von umfassenden, eindeutigen Informationen werden alle profitieren - von Herstellern über Lieferanten und medizinischem Fachpersonal bis hin zu den Patienten."

 

Über die Firma
GS1 Germany GmbH
Köln
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