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„In beschleunigten Märkten noch schneller reagieren“

eue verpackung: Ihr Unternehmen wird in diesem Monat 150. Wie wird die Faltschachtelproduktion der rlc packaging group aussehen, wenn weitere 150 Jahre vergangen sind?
Stephan Bestehorn (lacht...): Ich kann es Ihnen nicht sagen. Wenn man bedenkt, was sich in den vergangenen 150 Jahren alles getan hat und dass die technische Entwicklung immer schneller voranschreitet, wird sich vieles sicher noch grundlegend verändern. Was bleibt, sind die Grundbedürfnisse der Menschen, die wir in Zukunft mit unserer Verpackungsverantwortung ebenso befriedigen müssen wie heute. Dazu zählen insbesondere das Schutz- sowie das Informationsbedürfnis. Zu letzterem gehört zum Beispiel auch die Gewissheit, ein Original in Händen zu halten.. Auf einer emotionalen Ebene müssen unsere Verpackungen weiterhin den Wunsch der Menschen nach Verhüllung, Verführung und Überraschung erfüllen. Wenn wir auf diese Grundbedürfnisse eingehen, bleiben wir zukunftsfähig.

neue verpackung: Was werden Verpackungen darüber hinaus in Zukunft leisten müssen?
Stephan Bestehorn:
Da Massenkonsum einem stärker wertorientierten, bewussteren Konsum weicht, müssen Produkt und Verpackung zunehmend zum Sinnstifter werden und Wertorientierung bieten. Das gilt insbesondere in einer immer stärker virtuell geprägten Welt - Verpackungen werden sozusagen zum greifbaren Markenkern. Wir fassen diesen Anspruch unter dem Begriff „Packaging 3.0" zusammen. Das ändert aber nichts daran, dass die grundsätzliche Aufgabe der Verpackung gleicht bleibt: Sie soll die Vermarktungsfähigkeit eines Produktes verbessern - sei es durch Schutz, Differenzierung, Convenience oder Information. Das verlieren wir nie aus den Augen.

neue verpackung: Inwiefern profitiert Ihr Unternehmen dabei von seiner 150-jährigen Geschichte?
Stephan Bestehorn: 150 Jahre Erfahrung helfen uns, Trends und Entwicklungen richtig einzuschätzen. Wir können auf ein gewisses Bauchgefühl zurückgreifen, das uns sehr gut sagt, was der Markt annimmt. So haben wir über die Jahre viele Innovationen zur Marktreife gebracht, etwa Verfahren wie Flexo-Offset-Kombinationen, Kaltfolie und Laser Gloss. Nach dem Zweiten Weltkrieg war unser Unternehmen federführend daran beteiligt, in Deutschland Qualitätsstandards für Verpackungen einzuführen. All diese Erfahrungen helfen enorm, wenn es darum geht, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Und natürlich vermittelt eine lange Tradition Glaubwürdigkeit. Wenn wir bei der Einschätzung zukünftiger Entwicklungen zu häufig falsch gelegen hätten, gäbe es uns schließlich nicht mehr.

neue verpackung: Welche Entwicklungen werden die Branche und damit auch rlc in Zukunft prägen?
Stephan Bestehorn:
Die Globalisierung wird unser Geschäft noch stark verändern: Produkte werden globaler, Markenartikler wollen global auftreten. Es wird außerdem darauf ankommen, in beschleunigten Märkten noch schneller zu reagieren. Wer in der Lage sein will, in der Dynamik von Fast-Fashion-Märkten zu bestehen, muss sein Unternehmen strukturell und organisatorisch entsprechend aufstellen. Die schönste Verpackung bringt nichts, wenn Prozesse zu langsam sind und sie es deshalb gar nicht erst bis ins Regal schafft, oder es gar zu Lieferengpässen kommt.

neue verpackung: Wie reagiert Ihr Unternehmen auf Veränderungen wie Globalisierung und Fast-Fashion?
Stephan Bestehorn:
Wir haben uns entsprechend strategisch gerüstet, beispielsweise mit unserem Lean Production-Konzept. Mithilfe von Just-in-time-Modellen, Efficient Consumer Response und Vendor Managed Inventory können wir bedarfsorientiert und effizient auf Kundennachfragen reagieren. Der Globalisierung begegnen wir mit der Global Packaging Alliance, kurz GPA. Über dieses globale Verpackungsnetzwerk können wir Kunden durch entsprechenden Know-how-Austausch überall auf der Welt einen konsistenten Auftritt ihrer Marke in Sachen Verpackung garantieren. Ich denke, dass wir mit der GPA unserer Zeit vielleicht sogar voraus sind. Denn viele große Konzerne haben erst vor Kurzem angefangen, ihre Marken global einheitlich auszurichten, sich hierauf organisatorisch einzustellen und nach globalen Lieferanten und Netzwerken zu suchen. Strategisch setzen wir außerdem auf unsere Branchenspezialisierung und unseren One-Stop-Shopping Ansatz.

neue verpackung: Widerspricht sich das nicht: Branchenspezialisierung und One-Stop-Shopping, also der Idee, alles aus einer Hand zu bekommen?
Stephan Bestehorn:
Nein, unsere Produktionsstandorte konzentrieren sich als Centers of Excellence jeweils auf eine unserer Branchen, also Beauty, Pharma, Food und Confectionary. Unsere Mitarbeiter dort wissen genau, was in der jeweiligen Branche erfolgsrelevant ist und können so den Kunden bestmöglich unterstützen. Diese Branchenspezialisierung steht der Tatsache, dass wir neben Faltschachteln auch Packungsbeilagen und Etiketten produzieren und uns um die gesamte Wertschöpfungskette der Verpackung vom Design über die Produktion bis hin zur Distribution kümmern, nicht im Wege.

neue verpackung: Welche Vorteile hat dieser Ansatz für Ihre Kunden?
Stephan Bestehorn:
Wenn ein Markenartikler alles aus einer Hand erhält, verringert das die Reaktionszeiten und es entstehen Synergien. Gerade hier steckt für viele Kunden noch enormes Optimierungspotenzial. Der One-Stop-Shopping-Ansatz hat noch einen anderen Vorteil: Mit ihm lässt sich einfacher sicherstellen, dass alle Elemente der Verpackung optimal aufeinander abgestimmt sind. Dafür sorgt bei uns vor allem brandpack, unser Center of Excellence für ganzheitliches Design. Es weiß um die Anforderungen großer Markenartikler und ist für alle vier Branchen-Sparten von rlc tätig. So lernt eine Branche von der anderen. Wir blicken quasi trotz Spezialisierung ständig über den eigenen Tellerrand. Das hilft, Verpackungen zu gestalten, die sich von der Konkurrenz abheben - für den bestmöglichen First Moment of Truth. Wenn es dann um die Verpackungsproduktion geht, können die Designer bei brandpack wiederum auf Spezial Know-how in der jeweiligen Sparte zurückgreifen.

neue verpackung: Ändern sich auch die Ansprüche an Ihre Mitarbeiter?
Stephan Bestehorn:
Ja, ihre Innovationskraft, ihre Ideen und die Fähigkeit, um die Ecke zu denken, werden immer entscheidender. Der Mensch macht eben den Unterschied. Nur wenn wir permanent unser Tun infrage stellen, haben wir eine Chance im Wettbewerb. Dabei hilft uns übrigens die GPA sehr - als Impulsgeber und Seismograph für globale Entwicklungen.

neue verpackung: Apropos globale Entwicklungen: Machen Sie sich um den Standort Deutschland in Sachen Faltschachtelproduktion Sorgen?
Stephan Bestehorn:
Nein, die Faltschachtelproduktion wird nicht wie etwa der Großteil der Textilindustrie aus Deutschland abwandern. Durch den Austausch in der GPA wissen wir, dass wir im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt sind, wahrscheinlich weil wir uns in einem Umfeld mit starkem Wettbewerb bewegen. Die Branche profitiert in Deutschland vom guten Ausbildungssystem und von der Technikaffinität und Innovationskraft der Mitarbeiter. Der Absatzmarkt ist stabil, und Karton-Rohmaterial ist grundsätzlich dank der Waldflächen in Europa ausreichend vorhanden. Räumliche Nähe zahlt sich auch aus, wenn die Reaktionszeiten - wie eben zunehmend gefordert - schnell sein müssen. Auch aus Nachhaltigkeitsgründen werden Kunden mehr und mehr Near-by-Produktionen anstreben. Den Standortkostennachteil wird Deutschland durch Effizienz und Kreativität ausgleichen. Der Konsolidierungskurs, auf dem sich die Verpackungsindustrie hierzulande befindet, wird sich allerdings fortsetzen. Aber darin liegt auch eine Chance: Viele globale Markenartikler konsolidieren ihr Geschäft weiter und reduzieren die Zahl ihrer Lieferanten. Hier Spezialwissen für mehrere Branchen zusammenführen zu können, wird damit zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Verpackungshersteller. Insofern fühlen wir uns gut aufgestellt.

Die rlc packaging group
Pionier beim Verpacken großer Marken
„Das muss doch anders gehen", mag sich der Kaufmannsgehilfe Heinrich Christian Bestehorn gedacht haben, wenn er nach Feierabend per Hand Tüten für den Kolonialwarenladen kleben musste, in dem er arbeitete: 1861 gründet er in Aschersleben ein Unternehmen zur Herstellung von Papierbeuteln und Spitztüten - die Geburtsstunde der rlc packaging group, damals noch H.-C. BESTEHORN. Um 1890 arbeiten bereits Hunderte von Mitarbeitern für den Betrieb. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Unternehmen dann Hauptlieferant für die berühmten in Millionenauflagen benötigten Dr. Oetker-Tütchen und gehört damit zu den Pionieren beim Verpacken von Markenartikeln. 1926 wird die ROB. LEUNIS & CHAPMAN GmbH in Hannover übernommen. Sukzessive entwickelt sich das Unternehmen zu einem der größten Papier verarbeitenden Betriebe Europas. Nach dem Zweiten Weltkrieg und Totalenteignung des Hauptwerks baut die Gründerfamilie das Unternehmen in Hannover neu auf und erweitert es kontinuierlich. Heute produziert die rlc packaging group in Deutschland und Polen Faltschachteln für Markenartikler wie Beiersdorf, Procter & Gamble, Dr. Oetker, Henkel, L`ORÉAL und Kraft Foods. 2010 erzielte das Unternehmen mit knapp 700 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 94 Millionen Euro.

 

Über die Firma
AR Packaging Hannover GmbH
Hannover
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