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Die Zeit für Biofolien ist reif

m Bereich Folien und Schrumpffolienverpackung haben sie bislang noch nicht den breiten Durchbruch geschafft. Eigentlich verwunderlich, denn ist der Verbraucher nicht stark sensibilisiert, wenn es um das Thema erneuerbare Rohstoffe und schonender Umgang mit wertvollen Ressourcen geht? „Biokompatibel, biologisch abbaubar, erneuerbare, nachwachsende Rohstoffe": diese Schlagworte sind in aller Munde. Demzufolge lassen sich „umweltbewusste" Produkte in biologisch abbaubaren Verpackungen hervorragend vermarkten. Umso besser, wenn das Packmittel auch noch aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt wurde. An dieser Stelle eine kurze Anmerkung zur Klärung. Die Begriffe „Biokunststoffe und biokompatibel" meinen eigentlich zwei unterschiedliche Dinge, die gerne in den großen „biologisch Topf" geworfen werden. Zum einen gibt es biologisch abbaubare Verpackungsmaterialien, die unter industriellen Bedingungen kompostiert werden können. Zum anderen meinen die Begriffe aber auch Verpackungsmaterialien aus nachwachsenden, erneuerbaren Rohstoffquellen, wie etwa Mais (Stärke) als natürlichem Rohstoff für viele Bioplaste.

Bio-Folien bislang kaum im Einsatz
Entsprechende Zertifizierungsverfahren vorausgesetzt, erhalten die Folienprodukte die entsprechenden Prüfsiegel (EN13432:2000 Symbolik der Keimling Europa, ASTM D6400-99 Symbolik Compostable, USA).

Warum also ist der Prozentsatz dieser Verpackungsfolien am gesamten Folienverbrauch noch so gering? Ein genauer Blick lohnt sich. Eine der aussichtsreichsten Kandidaten unter den Biopolymeren im Folienverpackungsbereich ist die PLA Folie (Poly Lactid Acid). Dieser Bio-Kunststoff kann aus dem jährlich erneuerbaren Rohstoff Stärke gewonnen werden, in erster Linie aus Mais. Zudem ist PLA durch biologischen Abbau kompostierbar.
Unter dem Gesichtspunkt Biokompatibel startet PLA also zunächst mit besten Voraussetzungen. Für viele Anwendungen aus dem Foodsektor ist die recht hohe Transparenz und Klarheit der PLA-Folie sehr zum Vorteil und unterstützt eine „frische" Produktanmutung.
„Sie hat jedoch auch weniger angenehme Eigenschaften: von Haus aus ist sie steif, spröde und knistert. Das Falten oder Umlenken von PLA-Folie in Falteinheiten oder Formschultern ist nach unseren bisherigen Erfahrungen ohne sichtbare Strukturschäden in der Verpackungsfolie kaum möglich", sagt Kallfass-Marketingleiter Thomas Breining. Das habe bislang zu einer nicht akzeptablen Verpackungsoptik geführt und sei sicherlich ein Grund für die geringe Verbreitung. Zudem: Mit den gängigen Folienverpackungsanlagen ist PLA zumindest im höheren Leistungsbereich vollautomatischer Produktionslinien nur bedingt zu verarbeiten. Die Forschung arbeitet augenblicklich an der Entwicklung unterschiedlichster PLA-Blends (Compounding mit anderen Biopolymeren und auch synthetischen Zusätzen), um die Maschinengängigkeit sowie auch gewollte Barriere-Eigenschaften der PLA-Folie zu verbessern. Die gezielte Modifizierung der Packmitteleigenschaften ist aber nur eine mögliche Richtung von Innovationen. Bei Kallfass - nach eigenen Angaben führender Hersteller von Premium Folienverpackungsanlagen - sah man sich aufgefordert, in dieser künftig essentiellen Problemstellung auch von der Verpackungsmaschinenseite her zur Problemlösung beizutragen. Es galt ein neues Folienverpackungssystem zu entwickeln, das mit biopolymeren PLA-Folien zum einen eine ansprechende Optik beim Verpackungsergebnis ermöglicht und zum anderen auch eine ausreichende Verpackungsgeschwindigkeit für vollautomatische Produktionsprozesse bringt. „Die innovative Bedeutung dieses Kallfass-Entwicklungsprojektes wurde übrigens auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bestätigt und dank der hohen zukünftigen Relevanz im Rahmen des ZIM Projektes gefördert", so Breining.

Kallfass leistet Pionierarbeit
Als Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit präsentiert Kallfass den neuen Servo Packer 500 erstmals im Mai auf der Interpack in Düsseldorf: Eine kontinuierliche vollautomatische Folienverpackungsanlage für Folienvolleinschlag mit Hilfe von zwei Flachfolien, die durch das kontinuierliche Prinzip auch den erforderlichen Leistungsbereich für vollautomatische industrielle Produktion mit biopolymeren Folien eröffnet.

Konsequent wurden erforderliche Systemeigenschaften für die Verarbeitung von biopolymere PLA-Verpackungsfolien umgesetzt. Die Folienzuführung erfolgt mit zwei Flachfolien von oben und unten. Ein Falten oder eine Umlenkung der Folie findet nicht statt, so dass auch keine Beschädigungen in der Folienstruktur auftreten können.
Auch einer weiteren Eigenschaft von PLA-Folie wurde Rechnung getragen: Sie ist nicht sehr reißfest und die Verarbeitung auf taktenden Anlagen mit den plötzlich auftretenden Zugbelastungen an den Folienreststreifen durch das Stop and Go während des Verpackungsvorganges birgt ebenfalls Risiken. Dem gleichmäßigen Zug beim kontinuierlichen Produktstrom hält die PLA Folie hingegen stand. Zudem wird der Folienreststreifen in der Anlage auch nicht vom Querstempel einseitig eingekerbt, da die beiden Seitenschweißaggregate vor dem Querschweißstempel angeordnet sind.

Abschließend sollte man freilich erwähnen, dass der Preis von PLA im Vergleich zu herkömmlich petrochemisch hergestellten Verpackungsfolien im Augenblick noch relativ hoch ist. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Preissituation weiter entwickeln wird. „Zwei Gründe sprechen aus unserer Sicht allerdings eindeutig für eine Annäherung der Preise für biopolymere und petrochemisch hergestellte Verpackungsfolien. Durch die weitere Verbreitung mit steigendem Marktvolumen von Bioplasten und ihrer Herstellung im großtechnischen Maßstab werden sich durch Rationalisierungs- und Mengeneffekte Einsparungen bei der Herstellung realisieren lassen. Eine sich weiter entwickelnde Wettbewerbssituation dürfte hier ebenfalls förderlich sein", betont der Kallfass-Marketingleiter. Andererseits sei auch klar: Durch die begrenzten, sich weiter verknappenden Ölreserven als Rohstoff für die petrochemisch erzeugten Verpackungsmaterialien dürfte die Richtung der Preisentwicklung dieser Produkte mittel und langfristig jedem einleuchten: nach oben.

 

 

Über die Firma
Kallfass GmbH Verpackungsmaschinen
Nürtingen
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