Anzeige
Management

Verschärfte Situation auf dem Arbeitsmarkt

Anzeige

Es herrscht Fachkräftemangel, eine Verschärfung der Situation ist zu befürchten. Schon jetzt befürchtet die Hälfte der Unternehmer kurzfristig erste Umsatzeinbrüche, etwa 60 Prozent sehen die langfristige Innovationsfähigkeit in Gefahr. Das sind die Folgen des Konjunkturhochs in Deutschland. Nun überschlagen sich Ansätze und Konzepte, wie mit dem Thema umzugehen ist, wie Lösungen auszusehen haben. Ein Richtungsstreit, bei dem es um die Frage geht, ob eine bessere Nutzung der vorhandenen personellen Reserven oder Zuwanderung von ausländischen Nicht-EU-Arbeitskräften das Problem lösen kann, ist ausgebrochen. Eine kritische Betrachtung tut Not.

Konzepte sind gefragt
Die „internen" Ansätze zielen auf das Heben der innerhalb unserer Volkswirtschaft vorhandenen, bislang ungenutzten Reserven ab. Im Einzelnen wird die Erhöhung der Beschäftigung bei jungen Eltern, die Nutzung der Gering- bzw. Nichtqualifizierten, die Reduzierung der Ausbildungszeiten, die Anhebung des Renteneintrittsalters, die Reduzierung der Urlaubs- und Feiertage und die Erhöhung der Wochenarbeitszeit diskutiert.

Die frühzeitige Rückkehr von Eltern und Alleinerziehenden nach der Geburt eines Kindes durch eine quantitative und qualitative Ausweitung des Kinderbetreuungsangebotes ermöglichen zu wollen, greift viel zu kurz. Zum einen muss den jungen Eltern die freie Entscheidung zugestanden werden, ob das Kind im häuslichen Umfeld von Mutter oder Vater betreut werden soll oder eine Betreuungseinrichtung in Anspruch genommen wird. Auf der anderen Seite lässt sich das sicherlich hohe Potential der meist gut qualifizierten Mütter und Väter von den Unternehmen nur dann sinnvoll nutzen, wenn die fehlende zeitliche Flexibilität und mögliche Abwesenheitszeiten aufgrund Erkrankungen bei den Kindern nicht nur in Kauf genommen werden, sondern die erforderlichen besonderen sozialen und organisatorischen Fähigkeiten im Spannungsfeld „Beruf" und „Familie" gesehen und honoriert werden.

Nachqualifizierung muss erfolgen
Die wertvolle Teilnahme der Gering- bzw. Nichtqualifizierten an Beschäftigung wird nur möglich sein, wenn Nachqualifizierungen erfolgen. Da unser Bildungssystem nicht mal die abnehmende Anzahl von Kindern im Rahmen der Erstqualifizierung ausreichend auf die zukünftigen Aufgaben vorbereitet und damit die Menge der Gering- bzw. Nichtqualifizierten weiter zunimmt, kann auch die erfolgreiche Nachqualifizierung in Frage gestellt werden. Die Gründe dafür sind politisch bzw. ideologisch, sowohl der postsozialistische Ansatz des „Gleichmachens", bei dem wir es höchstens schaffen, alle gleich dumm, niemals jedoch gleich schlau zu machen, wie auch das konservative Streben nach Eliten, haben und werden das Problem nicht lösen! Neue Bildungskategorien sind nötig: Leistungsbereitschaft, Konfliktfähigkeit, Durchsetzungs- und Durchhaltefähigkeit sowie soziale und kommunikative Kompetenz.
Der Bolognaprozess mit der Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse, die in ihrer differenzierten inhaltlichen Komponente und der vermittelten Problemlösungskompetenz als zeitgemäß angesehen werden können, hat zu einer Reduzierung der Studienzeiten beigetragen. Um auch in der Berufsausbildung nachzuziehen, muss unser duales Ausbildungssystem überdacht werden, das zwar hochwertige Inhalte vermittelt, jedoch häufig überfrachtet ist und sich den Vorwurf gefallen lassen muss, es sorge vor allem für günstige Arbeitskräfte in den Ausbildungsbetrieben.

Anhebung des Renteneintrittsalters
Die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 ist erfolgt, in der Realität wäre es weitaus sinnvoller gewesen, zunächst das reale durchschnittliche Eintrittsalter anzuheben. Auch hätte es uns die Proteste von linken Sozialdemokraten, Gewerkschaftlern und Sozialisten, die wesentlich zur Etablierung der Linkspartei auch in den alten Bundesländern beigetragen hat, erspart. Gesellschaftlich ist es notwendig und beinahe alternativlos, die höheren Lebenserwartungen und die ausgeprägte „Jugendlichkeit" unserer älteren Mitbürger im Rentensystem zu berücksichtigen, dies wird auch nicht der letzte Schritt gewesen sein. Gleichzeitig sollte dies jedoch mit einer differenzierten Betrachtung des Einzelnen, altersadäquaten Einsätzen und speziellen Fortbildungs- und Trainingsmaßnahmen für die älteren Arbeitnehmer einhergehen.
Die Erhöhung der Wochenarbeitszeit, ein kurzfristig wirkendes Instrument, Kernthema der organisierten Arbeiterbewegung seit Anbeginn, ist heute bereits Praxis vieler betrieblicher „Bündnisse für Arbeit". Die individuelle Akzeptanz für längere Arbeitszeiten wird in Zukunft sicherlich auch von Art und Höhe der Steuern- und Abgabenlast abhängen. Der Vergleich des Mehreinkommens zum Wert der dafür eingebüßten Freizeit muss positiv ausfallen. Gleiches ist auch im Zuge der Reduzierung von Urlaubs- und Feiertagen zu erwarten, wobei hier zusätzlich kultureller und kirchlicher Widerstand zu erwarten ist.
Als „externen" Ansatz sollen die Überlegungen zur gezielten oder generellen Zuwanderung von Arbeitskräften aus Nicht-EU-Staaten bezeichnet werden. Damit kann nicht nur dem Fachkräftemangel, sondern auch dem demographisch bedingten Bevölkerungsrückgang entgegengewirkt werden. Während die Zielerreichung im Hinblick auf die Bevölkerungszahlen rein quantitativ bewertet werden kann, entfaltet Zuwanderung nur dann eine kurzfristige Wirkung, wenn die richtigen, d. h. entsprechend bedarfsadäquat qualifizierten Migranten den Weg in die Bundesrepublik finden. Langfristig gesehen muss es zudem gelingen, die Migranten und Ihre Nachfahren nachhaltig zu integrieren.

Kontroverse Diskussionen
Die kontroverse Diskussion reicht von grundsätzlicher Ablehnung aus Angst um die deutsche „Leitkultur", über bedingte Ablehnung und den vorgeschalteten Versuch zunächst alle inländischen Reserven zu aktivieren, bis zu wirtschaftlich begründeter Zustimmung, bzw. Zustimmung aus reiner Freude an einer möglichst offenen Multi-Kulti-Gesell?schaft. Das sie geführt wird ist nötig. Was jedoch überflüssig und im Ausland sicherlich rufschädigend ist, sind die Versuche, mit denen der wünschenswerte Zuzug, d. h. qualifizierte Fachkräfte, Ingenieure und Akademiker erklärt wird. Migration ja, aber nur, wenn die sozialen Systeme nicht zusätzlich belastet werden.
Aus der Sicht des potentiellen Neubürgers stellt sich sicherlich die Frage, nach der Vorteilhaftigkeit eines Übersiedelns nach Deutschland. Im Bezug auf die Attraktivität als Einwanderungsland besitzen wir unseren Wettbewerbsvorteil sicherlich eher in der Gruppe derer, die aufgrund wirtschaftlicher und sozialer Vorteile den Weg nach Deutschland finden und das soziale Netz in Anspruch nehmen werden. Alle Anderen und damit auch die, von denen wir als Volkswirtschaft bereits kurzfristig profitieren könnten, werden genau abwägen, ob die Rahmenbedingungen in Deutschland, die durch hohe Steuern und Abgaben, ein marodes Sozialsystem und die ungeheure Staatsschuld gekennzeichnet sind, dazu beitragen werden, die individuelle Situation so zu verbessern, das die Aufgabe der Heimat gerechtfertigt erscheint. Es wird niemand kommen, um uns dabei zu helfen, die Schulden abzutragen und den Lebensabend der vielen Rentner zu finanzieren.

Über die Firma
Unternehmens- und Personalberatung Martin Koch
München
Newsletter

Das Neueste von
neue verpackung direkt in Ihren Posteingang!