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Branche präsentiert sich in guter Stimmung

Interview mit Vera Fritsche, Referentin Verpackungsmaschinen VDMA

Die Verpackungsmaschinenindustrie präsentiert sich vor der interpack in einer guten Stimmung. Die Weltwirtschaft hat sich 2010 schneller als erwartet erholt und wieder auf den Wachstumspfad zurückgefunden. Auch in der Verpackungsindustrie begann sich der Investitionsstau zu lösen. Wir sprachen mit Vera Fritsche, Referentin Verpackungsmaschinen VDMA über die interpack, wichtige Märkte für den deutschen Verpackungsmaschinenbau und Wachstumsmärkte weltweit.

neue verpackung: Die letzte interpack war für den deutschen Verpackungsmaschinenbau äußerst erfolgreich. Verspricht die interpack 2011 ähnlich erfolgreich zu sein?

Vera Fritsche: Die Zeichen für eine ebenso erfolgreiche interpack wie in 2008 stehen gut. Die Investitionsbereitschaft sowohl im Food- wie auch Non-Food-Bereich in Verpackungsmaschinen nimmt weltweit zu. Hierbei handelt es sich sowohl um Ersatz- wie auch um Neuinvestitionen. Den Besuchern bietet sich wieder eine ausgebuchte Messe. Diese erwartet in etwa 2.700 Aussteller aus ca. 60 Ländern. Mit mehr als 170.000 Quadratmetern Nettofläche sind erneut alle 19 Hallen des Messegeländes belegt. Davon belegen zehn Hallen die Unternehmen, die Prozesse und Maschinen für das Verpacken anbieten, gefolgt von den Anbietern von Packstoffen, Packmitteln und Packmittelherstellung mit mehr als vier Hallen. Die Hersteller von Süß- und Backwarenmaschinen nehmen vier weitere Hallen ein - ein Zuwachs gegenüber der letzten Veranstaltung.

neue verpackung: Was macht die Messe so attraktiv?

Vera Fritsche: Die interpack ist die einzige Messe, die ganze Wertschöpfungsketten abbildet: von der Herstellung und Veredelung von Packgütern und Verpackungsmaterial über das Verpacken und die Distribution bis hin zur Qualitätssicherung und dem Verbraucherschutz. Dies macht die interpack so einzigartig. Des Weiteren stellt sich die Messe Themen, die die Branche heute und in Zukunft bewegen. Im Fokus der interpack 2011 stehen Nachhaltigkeit, Sicherheit und Convenience.

Die interpack unterstreicht ihre herausragende Stellung als internationale Leitmesse auch durch hochkarätige Sonderthemen wie dem Innovationparc Packaging und dem diesjährigen Thema „Quality of Life", der „Metal Packaging Plaza", der neue Treffpunkt der internationalen Metallverpackungsbranche und deren Zulieferindustrie sowie dem Sonderthema „SAVE FOOD". Dieses entsteht in Zusammenarbeit mit der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Im Zentrum eines internationalen Kongresses am 16. und 17. Mai stehen die Themen Ernährung, Verpackung und Nachhaltigkeit. Save Food beleuchtet Ausmaß und Gründe der globalen Nahrungsmittelverluste und will unter anderem zeigen, welchen Beitrag Verpackungen zur Sicherung von Nahrungsmitteln leisten können.

neue verpackung: Stellen Sie eine Investitionszurückhaltung vor der interpack fest?

Vera Fritsche: Die Branche präsentiert sich vor der interpack in einer guten Stimmung. Die Weltwirtschaft hat sich 2010 schneller als erwartet erholt und wieder auf den Wachstumspfad zurückgefunden. Auch in der Verpackungsindustrie begann sich der Investitionsstau zu lösen. Der deutsche Verpackungsmaschinenbau ist 2010 stabil gewachsen und konnte die durch die Wirtschaftskrise bedingten Einbußen nahezu wettmachen. Der Auftragseingang lag insgesamt real um knapp 15 Prozent über dem des Vorjahres. Die Branche ist auch gut in das neue Jahr gestartet. Gegenüber dem Vormonat Dezember legte der Auftragseingang im Januar 2011 um 8 Prozent zu. Der Auftragseingang im Januar 2011 liegt mit einem Plus von knapp 25 Prozent über dem des Vorjahresmonats.

neue verpackung: Wo sehen Sie aktuell Wachstumschancen für den deutschen Verpackungsmaschinenbau? - Welche Branchen und Regionen entwickeln sich besonders stark?

Vera Fritsche: Mit einem Zuwachs von 33 Prozent war Asien im vergangenen Jahr die wachstumsstärkste Absatzregion für die deutschen Hersteller von Verpackungsmaschinen. Innerhalb Asiens ist China der wichtigste Absatzmarkt. Hier haben sich die deutschen Lieferungen 2010 nahezu verdoppelt und erreichten ein Volumen von 483 Mio. Euro. An zweiter Stelle folgt Indonesien mit 78 Mio. Euro, Japan an dritter Stelle mit 65 Mio. Euro, und Indien mit 48 Mio. Euro auf Platz vier. Weitere Lieferzuwächse konnten die deutschen Hersteller in Lateinamerika verzeichnen. Die Exporte in die Region legten in 2010 um 14 Prozent zu. In der Region ist Brasilien der wichtigste Absatzmarkt. Das Land importierte 2010 Verpackungsmaschinen aus Deutschland im Wert von 99 Mio. Euro, ein Zuwachs von 18 Prozent. An zweiter Stelle folgt Mexiko. Hier legten die Lieferungen um 31 Prozent zu und erreichten ein Volumen von 59 Mio. Euro. Argentinien folgt auf Platz drei. Hier haben sich die Importe im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt und erreichten einen Wert von knapp 25 Mio. Euro.
Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ist weltweit ein stabiler Wirtschaftszweig mit hohen Investitionen und mit einem Anteil von 60 Prozent einer der größten Abnehmer von Verpackungsmaschinen. Auch in den kommenden Jahren wird die Nachfrage nach verpackten Nahrungsmitteln und Getränken weiter dynamisch wachsen - dies alleine schon aus demographischen Gründen. Bis zum Jahr 2050 wächst die Bevölkerung weltweit auf 9 Milliarden Menschen - das sind 30 Prozent mehr als heute. Eine der Wachstumsregionen ist Asien und bereits heute lebt der größte Teil der Weltbevölkerung in dieser Region. Auch ist die Zahl der jungen Menschen hier sehr hoch: 42 Prozent sind unter 25 Jahre - eine aussichtsreiche Zielgruppe für verarbeitete und verpackte Nahrungsmittel und Getränke. Denn im Vergleich mit den saturierten Märkten ist der Pro-Kopf-Konsum sowohl von verpackten Nahrungsmitteln wie abgefüllten Getränken noch niedrig.
Auch die Pharmaindustrie, mit einem Anteil von 20 Prozent eine weitere wichtige Absatzbranche für Verpackungsmaschinen, hat sich im vergangenen Jahr positiv entwickelt. Hier sind die Schwellenländer auf dem Vormarsch. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IMS Health erreichten im vergangenen Jahr die Pharmaumsätze weltweit ein Volumen von 840 Mrd. USD - ein Wachstum von etwa 4,5 Prozent. Weltweit größter Pharmamarkt ist die USA. Hier erlangten die Umsätze einen Wert von 310 Mrd. USD. Märkte mit hohen Wachstumsraten waren die BRIC-Länder, aber auch die Türkei und Indonesien. Die aufstrebenden Länder waren 2010 bereits für 42 Prozent des weltweiten Wachstums der Pharmamärkte verantwortlich. Prognosen gehen davon aus, dass entwickelte Märkte wie die USA und Europa zukünftig deutlich weniger wachsen als die Emerging Markets, bei denen man von Wachstumsraten zwischen 13 und 16 Prozent ausgeht.

neue verpackung: Wenden wir unseren Blick auf einzelne Märkte. Der amerikanische Markt ist einer der wichtigsten Einzelmärkte für Verpackungsmaschinen aus Deutschland? Spüren Sie Anzeichen, dass hier wieder verstärkt investiert wird?

Vera Fritsche: Die USA wurden im vergangenen Jahr erstmals als wichtigster Einzelmarkt für die Lieferungen von Verpackungsmaschinen aus Deutschland von China abgelöst.
Mit der Belebung der Konjunktur in den USA stieg auch die amerikanische Nahrungsmittelproduktion und die Nachfrage nach Verpackungsmaschinen aus Deutschland nahm wieder zu. Im vergangenen Jahr importierten die USA Verpackungsmaschinen aus Deutschland im Wert von 413 Mio. Euro, ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut einer Umfrage des amerikanischen Verpackungsmaschinenverbandes PMMI unter 50 US-Nahrungsmittelherstellern will die Hälfte der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten in neue Maschinen zum Verpacken von Nahrungsmitteln investieren.

neue verpackung: Der Export boomt, doch wie entwickelt sich der deutsche Markt?

Vera Fritsche: Die Nachfrage aus dem Inland war im vergangenen Jahr stabil, wenn auch auf niedrigem Niveau. Im dritten Quartal 2010 hat dann auch die Inlandsnachfrage wieder angezogen. Für das Gesamtjahr liegen die Order aus dem Inland aber noch knapp 8 Prozent unter denen des Vorjahres.

neue verpackung: Die Italiener sind die größten Konkurrenten des deutschen Verpackungsmaschinenbaus. Was müssen die deutschen Anbieter leisten, um ihren Vorsprung zu bewahren oder auszubauen?

Vera Fritsche: Forschung und Entwicklung haben im  Verpackungsmaschinenbau traditionell einen hohen Stellenwert. Nur mit Neuentwicklungen kann man den Kundenwünschen nach höherer Leistung und Flexibilität gerecht werden. Innovationen sind immer noch eines der wichtigsten Differenzierungsmerkmale am Markt. Die deutschen Verpackungsmaschinenhersteller haben aufgrund hoher Investitionen und der systematischen Ausrichtung von Entwicklung und Vertrieb auf Kundenanforderungen sowie dem Einsatz neuster Technologie ihre internationale Führungsrolle ausgebaut. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die deutschen Verpackungsmaschinenunternehmen durchschnittlich zwischen sieben und acht Prozent vom Umsatz für Forschung und Entwicklung aufwenden. In Italien liegen die Aufwendungen für F&E im Durchschnitt zwischen vier und fünf Prozent vom Umsatz.
Der Fokus auf die Technologieführerschaft ist und bleibt einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des deutschen Verpackungsmaschinenbaus.

neue verpackung: Sehen Sie Wettbewerber aus anderen Regionen stark werden?

Vera Fritsche: Das weltweite Produktionsvolumen von Verpackungsmaschinen lag 2009 bei 20,7 Mrd. Euro. Mit einem Anteil von acht Prozent war China nach Deutschland, Italien, Japan und den USA eines der fünf wichtigsten Herstellerländer für Verpackungsmaschinen. Die chinesische Verpackungsmaschinenindustrie hat in den vergangenen Jahren die Produktionskapazitäten ausgeweitet. Nach Angaben des Statistischen Büros produzierte China 2010 Verpackungsmaschinen im Wert von 2,4 Mrd. Euro, ein Zuwachs von knapp 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr.                                                                                        Durch Kooperation mit ausländischen Anbietern und Investitionen hat sich die Leistungsfähigkeit der chinesischen Hersteller von Verpackungsmaschinen stetig verbessert. Trotz eines deutlich gestiegenen lokalen Produktionsvolumens besteht aber nach wie vor eine hohe Nachfrage nach modernen Verpackungsmaschinen, die die Anforderungen der Endabnehmerindustrie erfüllen. Entwicklungen in den Abnehmerbranchen wirken sich auf die Nachfrage nach Verpackungsmaschinen aus, die nicht exklusiv aus eigener Produktion gedeckt werden kann. Insbesondere im Hochleistungsbereich bleibt China weiter auf Importe angewiesen.Neben der Deckung des eigenen Bedarfs exportiert China auch zunehmend Verpackungsmaschinen "made in China". So hat sich der Export lokal hergestellter Verpackungsmaschinen seit 2001 nahezu verfünffacht und erreichte 2010 ein Volumen von 492 Mio. Euro. Neben anderen asiatischen Ländern wie Indien, Vietnam, Japan, Indonesien, Thailand und Malaysia waren auch die USA und Frankreich im vergangenen Jahr unter den TOP-Absatzländern. Die Lieferungen in USA legten um 46 Prozent auf 56 Mio. Euro zu.

 

 

»Der deutsche Verpackungsmaschinenbau ist 2010 stabil gewachsen und konnte die durch die Wirtschaftskrise bedingten Einbußen nahezu wettmachen.′  Vera Fritsche, Referentin VDMA Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen.
Über die Firma
VDMA - Verband Deutscher Maschinen-und Anlagenbau e. V. FG Antriebstechnik
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