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„Kontrolliertes Wachstum auf sicherem Fundament"

Interview mit Marten Korver, Geschäftsführer PWR

Bosgraaf mit Roboter-Division PWR Pack auf Erfolgskurs | Die Bosgraaf Group aus dem niederländischen Joure hat sich auf Hightech-Lösungen für die Lebensmittelindustrie spezialisiert und steht sowohl für innovative Käsebehandlungssysteme als auch für moderne Convenience-Konzepte. Im Jahr 2009 übernahm die Gruppe das niederländische Unternehmen PWR Pack aus Veenendaal.

PWR Pack ist spezialisiert auf hochkomplexe Handling- und Pick & Place-Systeme für die Nahrungsmittel- und Nonfood-Industrie. Die neue Roboter-Division, die das Angebotsspektrum von Bosgraaf optimal ergänzt, befindet sich seitdem auf Erfolgskurs. Wir unterhielten uns mit Marten Korver, dem Geschäftsführer von PWR.

neue verpackung: Herr Korver, was zeichnet das Geschäftsfeld der Bosgraaf Group aus?

Marten Korver: Ursprünglich waren in dem Bereich, auf den wir uns spezialisiert haben, Maschinenbauunternehmen tätig. Die Maschinenbauer müssen heute jedoch zunehmend auf dem Feld der Systemintegration qualifiziert sein. Vielen fehlt hier noch die Erfahrung, um sich tatsächlich erfolgreich zu positionieren. Bosgraaf hingegen richtet den Fokus schon lange auf Systemintegration. Wir zählen zu den wenigen Anbietern in Europa, die in diesem Bereich eine große Bandbreite an Leistungen im Portfolio haben und dabei auf langjährige Erfahrung zurückblicken können. Das ist unser großes Plus, von dem wir aktuell stark profitieren.

neue verpackung: Demnach war 2010 erneut ein erfolgreiches Jahr für die Bosgraaf Group?

Marten Korver: Insgesamt war das vergangene Jahr höchst erfolgreich für uns. Der Käse-Bereich in Holland lief zwar zum Jahresanfang erst einmal langsam an, kam dann jedoch richtig in Fahrt, im Convenience-Bereich hat das Unternehmen im letzten Jahr große Schritte nach vorn gemacht und sich aufgrund der hohen Nachfrage entschlossen, früher als geplant in den französischen Markt einzusteigen. In Deutschland konnten wir ein enormes Wachstum in unserer Handling- und Pick & Place-Sparte PWR Pack verzeichnen.

neue verpackung: Auf der Interpack sind Sie diesmal jedoch nicht mit einem Stand vertreten...

Marten Korver: Ja, und zwar aus gutem Grund: Wir haben erst im Jahr 2010 begonnen, unsere Roboteranlagen von PWR Pack in Europa bekannt zu machen. Gleichzeitig haben wir mit verschiedenen strategischen Partnern, z. B. aus den Bereichen Flowpack-, Tiefzieh- und Schalenverschließtechnologie, in erfolgreicher Zusammenarbeit eine Reihe anspruchsvoller Projekte umgesetzt. Dabei konnten wir den Umsatz von PWR Pack um mehr als 200 Prozent steigern. Aus diesen erfolgreich abgewickelten Projekten haben sich erfreulicherweise bereits eine Reihe von Folgeaufträgen ergeben, die wir sorgfältig abwickeln möchten. Dazu kommt, dass wir parallel unseren im Juni anstehenden Umzug von Veenendal nach Ede gründlich planen, damit alle Geschäfte reibungslos weiterlaufen.
Trotzdem ist unser Vertriebsteam natürlich auf dieser bedeutenden Messe vertreten. Man findet uns am Stand einer unserer Partner: Die Sealpac GmbH präsentiert eine komplette Hochleistungslinie, zu der wir eine Toploading-Anlage beigesteuert haben, die das Abpacken von 120 Schalen pro Minute demonstrieren wird.

neue verpackung: Statt auf große Branchenevents setzen Sie zurzeit also eher auf Hausmessen?

Marten Korver: Der Bosgraaf Group geht es nicht nur darum, neue Kunden zu gewinnen. Wir sind darüber hinaus besonders interessiert an strategischen Partnerschaften mit anderen Maschinenbauunternehmen. Hier sind vertrauensvolle Partnerschaften gefragt, zumal das europäische Gesetz von uns ab 2012 verlangt, dass ein Partner gegenüber dem Kunden die rechtliche Verantwortung tragen muss, wenn gemeinschaftlich eine komplette Linie angeboten wird. Darum sind unsere Anfang 2011 erstmals durchgeführten Bosgraaf Days auch dazu gedacht, Kontakte weiter auszubauen - und sie haben sich in diesem Punkt als besonders gewinnbringend erwiesen.
Unsere erste Hausmesse „Dairy Days" fand Anfang des Jahres in unserem holländischen Werk in Joure statt. Für den Herbst planen wir an unserem neuen Standort in Ede eine weitere Veranstaltung. Auf diesen Hausmessen stellen wir nicht nur neueste Technologien vor, es bleibt auch genug Raum für Fachvorträge von Gastrednern und einen ausführlichen Austausch zwischen den Vertretern der Branche. Die Zeit hat man auf den großen Messen oftmals nicht.

neue verpackung: Und wie wurden die Veranstaltungen angenommen?

Marten Korver: In Holland z. B. konnten wir über 100 Gäste aus ganz Europa begrüßen, von Italien über Deutschland, Österreich bis hin zu Litauen. Dank der äußerst positiven Resonanz wollen wir unsere Bosgraaf Days als festen Branchentermin etablieren - zur Präsentation neuer Technologien und dem Austausch von Erfahrung und Know-how sowie der Information zu aktuellen Trends.

neue verpackung: Die Robotertechnologie ist weiter auf dem Vormarsch. Seit die Stundenlöhne in Osteuropa anziehen, ist auch hier eine verstärkte Nachfrage zu verzeichnen. Was muss ein Unternehmen beherrschen, um erfolgreich Roboter-Systeme zu entwickeln?

Marten Korver: Hier sind, grob gesagt, fünf Aspekte relevant: Ein Bereich betrifft den Bau der Maschinen an sich, für den ein weitreichendes Know-how in der Mechanik erforderlich ist. Dazu benötigt man gute Kenntnisse in Sachen Greifer. Hier ist ein absolut spezifisches Wissen erforderlich, um einen Greifer noch leichter, „schlauer" und anwendungsspezifisch zu gestalten. Außerdem benötigt man eine leistungsfähige Vision-Technologie, mit der die Positionierung des Produkts gesteuert wird, und die darüber hinaus auch für die Qualitätskontrolle eingesetzt werden kann. Schließlich sollte die gesamte Logistik der Roboter eine möglichst geringe Komplexität aufweisen. Hierzu ist die ideale Distributions-Software notwendig.
Beherrscht man diese fünf Bereiche, dann ist man im Roboterbau schon sehr weit. PWR Pack arbeitet in allen Bereichen ständig an Optimierungen. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel hohe Investitionen in Neuentwicklungen, Software, Steuerungen und Vision-Technologie getätigt, die sich auszuzahlen beginnen.

neue verpackung: Können Sie uns anhand eines aktuellen Projekts die besonderen Anforderungen, die an die Roboter-Sparte gestellt werden, beschreiben?

Marten Korver: Da habe ich in der Tat ein schönes Beispiel parat: Wir sind vom weltweit führenden Premium-Anbieter der Snack-Industrie beauftragt worden eine Hochgeschwindigkeits-Mixanlage zu bauen. Das bedeutete in diesem Fall, dass in kleine Beutel abgepackte Snacks von drei bis vier verschiedenen Sorten in einen großen Beutel befördert werden sollten. Die besondere Anforderung dabei: Die Zuführung der Produkte erfolgte, je nach gewünschter Zusammenstellung, aus drei bzw. vier Linien in einem hohen Tempo von 240 bis 360 Beutelchen pro Minute. Diese mussten dann in gleichmäßiger Verteilung in der Umverpackung, einem Flowpack, platziert werden.
Dass es sich um ein bruchempfindliches Produkt handelte und die kleinen Beutel durch etwas mehr oder weniger Luft im Inneren Höhenunterschiede aufweisen konnten, machte das Projekt umso anspruchsvoller. Es ging also insgesamt darum, in sehr hohem Tempo höchst empfindliche Inhalte bruchsicher in einer vorgegebenen Zusammenstellung in ihrer Umverpackung zu positionieren.

neue verpackung: Und wie haben Sie die Aufgabe gelöst?

Marten Korver: Wir haben zur Aufnahme der kleinen Beutel unsere hochleistungsfähigen Spezial-Vakuum-Greifer eingesetzt, die sich schon für andere höchst empfindliche Produkte wie Backwaren bewährt haben. Damit konnten wir gewährleisten, dass die Snacks auch bei höchstem Tempo unversehrt an ihren Bestimmungsort gelangten.
Dass unser Kunde zufrieden war, hat sich übrigens in dieser doch übersichtlichen Branche schnell herumgesprochen. Mittlerweile haben wir Anfragen anderer Hersteller aus verschiedenen Ländern, so dass wir diesen Einsatz als Erfolgsprojekt verbuchen können.

neue verpackung: Stichwort „Roboter-Technologie" - wie hat sich PWR Pack in diesem Bereich am Markt positioniert?

Marten Korver: Wir haben im vergangenen Jahr hohe Investitionen in hochmoderne Vision-Technologie zur Qualitätsüberwachung sowie in eine innovative Distributionssoftware getätigt.
Nehmen wir das Beispiel Software: Hier sind wir durch die neue Generation jetzt besonders modular aufgestellt: So arbeitet unsere Distributionssoftware plattformunabhängig und die interne Steuerung der Roboter ist der Distributionssoftware untergeordnet. Das hat die Komplexität der Systeme stark verringert und macht uns damit noch flexibler.
Außerdem haben wir bei unseren Pick & Place-Robotern ein 3D-HMI zum Standard erklärt. Hier wird die Bewegung der
Picker in Echtzeit dargestellt. Wenn unsere kameragesteuerten Vision-Systeme z. B. fehlerhafte Produkte erkennen, werden diese farblich abgesetzt auf dem Display dargestellt. Darüber hinaus haben wir die Bedienung unserer Anlagen noch anwenderfreundlicher gestaltet: Mit dem neuen Icon-Touchscreen findet sich der Benutzer anhand von Symbolen ganz leicht zurecht. Das spart viel Aufwand für Übersetzungen und erfordert statt zeitintensiver Schulungen lediglich eine kurze Einführung.

neue verpackung: Was dürfen wir in naher Zukunft von Ihnen erwarten?

Marten Korver: Mitte des Jahres werden wir uns in den Niederlanden vergrößern und gleichzeitig unsere unterschiedlichen Produktspaten „nass" und „trocken" trennen, da diese beiden Bereiche deutlich andere Anforderungen an Konzeption und Technologie stellen. Bosgraaf einschließlich des gesamten Nassbereiches bleibt am Produktionsstandort in Joure und der Produktionsstandort von PWR Pack, also der Trockenbereich, bezieht in Ede in der Mitte der Niederlande ein neues Gebäude mit einer 2.500 m2 Fertigungshalle und 1.500 m2 Bürofläche.

Darüber hinaus fokussieren wir uns auf die Weiterentwicklung im Handling-Bereich: Inzwischen sind wir reif für Roboter der nächsten Generation, die eine noch schnellere Ansteuerung erzielen. Da durch die höhere Geschwindigkeit auch eine andere Art der dynamischen Belastung entsteht, arbeiten wir an innovativen Möglichkeiten der zuverlässigen Umsetzung.

Für schwere Produkte, z. B. in der Käseherstellung, sind außerdem unsere Delta-Roboter teilweise nicht mehr geeignet, hier integrieren wir bei Bedarf zurzeit Produkte anderer Hersteller. Aber ich kann jetzt schon so viel versprechen: Die Branche darf noch im Jahr 2011 News zum Thema „5- bis 6-achsige Roboter" von Bosgraaf erwarten.

Die PWR-Distributionssoftware ist plattformunabhängig und die interne Steuerung der Roboter ist der Distributionssoftware untergeordnet.

 

Über die Firma
PWR Pack BV
Bochum
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