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Editorial

Alles eine Frage der Sichtweise

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Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Stiftung Initiative Mehrweg haben in Berlin zum vierten Mal den Mehrweg-Innovationspreis verliehen (siehe Bericht auf den Seiten 16 und 17). Einer von drei Gewinnern ist „Deutschlands Mineralwassermarke Nr.1", nach eigenen Aussagen ist das die Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG. Das Unternehmen aus der Vulkaneifel zu küren, finde ich bemerkenswert. Warum? Nun, da müssen wir ins Jahr 1998 zurückblenden: „Die positive Entwicklung des Gerolsteiner Brunnen war insbesondere von der Einführung der 1,0-l-PET-Mehrwegflasche für Mineralwasser geprägt, mit der der Marktführer seinen deutlichen Vorsprung vor dem Wettbewerb ausbaute", heißt es in einer Mitteilung des Abfüllbetriebes, die noch heute auf der Homepage einsehbar ist. „Die für das Einführungsjahr geplante Menge von 45 Mio. Litern in PET-Flaschen wurde mit 71,5 Mio. abgesetzten Flaschen deutlich übertroffen. Das moderne Gebinde fand dank seines geringen Gewichts auf Anhieb eine hohe Akzeptanz beim Verbraucher und war mit Abschluss des Geschäftsjahres 1999 im Sortiment aller bedeutenden Handelspartner gelistet", freute sich die Gerolsteiner Geschäftsführung damals.

Gerolsteiner trumpfte auf, zeigte sich modern sowie convenient im Sinne des Verbrauchers und nutzte seine Möglichkeiten, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Nicht jede Flasche, die damals im Handel ankam, war Mehrweg, etliche davon waren auch nur Einweg. Deshalb wurde das Unternehmen Ende des vergangenen Jahrtausends auch unter anderem von der Initiative Mehrweg getadelt. Mitte/Ende der 90er Jahre war die „hohe" Zeit der Ökobilanzen: Oft fühlte ich mich damals Churchill nah, weil der ja bekanntlich nur jener Statistik traute, die er selbst gefälscht hatte. Je nach verwendetem Parameter kamen gute oder weniger gute Ergebnisse im ökobilanziellen Vergleich für die eine oder die andere Seite heraus. Die Roland Bergers, ifeu und andere Beratungsgesellschaften freuten sich. Ihr Geschäft hatte Ökobilanz-Konjunktur. Die Preisvergabe an Gerolsteiner halte ich übrigens deshalb für bemerkenswert, weil dieser große Brunnen meiner Meinung nach eben nicht aus Umweltgründen auf die neue, alte, leicht modifizierte Gebindevariante aus Glas setzt. Es ist schlichtes Marketing! „In der Vergangenheit haben immer wieder Innovationen dafür gesorgt, den Mineralwassermarkt zu beleben und das Absatzvolumen zu erweitern - darunter die 1998 von Gerolsteiner initiierte Einführung von PET-Mehrweg und später die PET-Einweggebinde. Dem Segment Glas fehlen jedoch, seit der Einführung des GDB-Gebindes im Jahr 1971, entscheidende Innovationsimpulse durch die Industrie. Diese Lücke schließt Gerolsteiner nun und belegt damit ein weiteres Mal seine Stärke als Impulsgeber für den Markt", so Axel Dahm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG. Dass es Gerolsteiner auch um Umweltschutz ging, davon war in der Pressemitteilung vom 12. März 2010 zur Lancierung des Glasgebindes keine Rede. Die Deutsche Umwelthilfe hat das Marketing bei Gerolsteiner um die Umweltvariante bereichert. Aber ist Gerolsteiner jetzt tatsächlich umweltbewusster geworden? Das ist eine Frage wohlwollender DUH-Sichtweise...

Ihre Meinung: matthias.mahr@huethig.de

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