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Maschine braucht Messe – weltweit

Messe Düsseldorf | Gutes Image für die Verpackungsbranche, weltweite Präsenz von Bosch-Verpackungsmaschinen - Friedbert Klefenz, Chef der Bosch-Verpackungssparte, schätzt die Messe Düsseldorf als Marktbereiter. Für Bosch Packaging Technology ist sie das seit rund 50 Jahren. Klefenz weiß, wie die Erfolgsgeschichte weitergeht.

Es ist ein Ringen um Details, was derzeit in Indien zwischen der Messe Düsseldorf und dem regionalen Messeveranstalter stattfindet. Keine unwesentlichen Details, es geht um eine bessere Ausstattung der Hallen, die organisiert und - das ist der Knackpunkt - finanziert werden muss. Friedbert Klefenz vertritt die Interessen der Aussteller. Der Vorsitzende des Bereichsvorstands von Bosch Packaging Technology engagiert sich seit 2005 im Messebeirat der interpack. Ende 2010 war er mit dem Düsseldorfer Messechef Werner M. Dornscheidt vor Ort. In Mumbai und Delhi gaben sie Fachpressekonferenzen, auf denen sie für die nächste interpack warben. Ein Besuch bei den indischen Messepartnern stand ebenfalls auf der Agenda. „Die Messe Düsseldorf tut ihr Bestes, was die Organisation von Industrieschauen im Ausland angeht", zeigt sich Klefenz zufrieden. „Aber es gibt organisatorische Dinge, die sich noch weiter verbessern lassen und da müssen wir einfach diskutieren und Lösungen finden."

Klefenz schätzt das Zusammenspiel mit der Messe Düsseldorf. Letzteres hat seit Jahrzehnten Tradition. Bosch Packaging Technology war auf der interpack, als es Bosch Packaging Technology noch gar nicht gab. Die Unternehmen Hesser und Höfliger + Karg stellten 1958 auf der ersten Leistungsschau der Verpackungsindustrie aus, ehe sie von der Robert Bosch GmbH übernommen wurden und den Grundstock für die 1974 gegründete Robert Bosch Verpackungsmaschinen GmbH bildeten. Bezeichnenderweise war es das interpack-Jubiläum 2008, zu dem die Verpackungssparte des süddeutschen Industriekonzerns größter Aussteller der Messe wurde. Über 2.000 Quadratmeter erstreckt sich seither der Stand und hat damit sein Limit noch nicht erreicht. „Wir werden weiter wachsen", kündigt Klefenz die nächsten interpack-Auftritte seines Unternehmens an.

Kollegen anderer Branchen, die ihre Dominanz auf Leitmessen mit der Belegung ganzer Hallen zeigen, möchte Klefenz allerdings nicht nacheifern. „Eine Halle nur für Bosch? Nein, das passt nicht zu uns. Wir messen uns ja täglich mit den Wettbewerbern und überzeugen hier mit Innovationskraft und technischer Kompetenz." Der direkte Vergleich sei für den Messebesucher sicher interessant.

Nicht wegzudenken
Klefenz ist Messefan, auch wenn er glaubt, dass ihn deshalb manche für altmodisch halten. Von Abgesängen auf die im großen Stil angelegten Industrieschauen hält er nichts. Die Zahlen geben ihm Recht. In einer Umfrage ermittelte TNS Emnid jüngst für den Messeverband Auma, dass lediglich 16 Prozent der deutschen Aussteller in den nächsten beiden Jahren ihre Messebudgets senken wollen. 27 Prozent planen, sie zu erhöhen. Zu letzteren zählt auch Boschs Packaging-Sparte. „Wir Investitionsgüterhersteller brauchen eine Plattform, auf der wir unseren Kunden das Look & Feel für unsere Maschinen geben können", erklärt Klefenz. Auf 50 Messen und Inhouse-Shows tut Bosch dies allein in diesem Jahr. „Messen sind für uns nicht wegzudenken."

Für den Packaging-Chef ist dabei die gewachsene Beziehung zur Messe Düsseldorf eine wichtige Basis für den Erfolg. Die Gesellschaft, die mit rund 263.000 Quadratmetern über die deutschlandweit viert- und weltweit sechstgrößte Hallenkapazität verfügt, genießt bei ihren Ausstellern einen guten Ruf. Der beruht auf ihrer Organisation, Infrastruktur, der ausgedehnten Auslandspromotion und ihrem Service, der, so Klefenz, sehr unbürokratisch von statten geht. „Wir können, wenn notwendig, bis spät in die Nacht auf dem Messestand arbeiten und werden nicht um 19 Uhr mit dem großen Besen rausgekehrt."

Internationaler werden
Messe ist für viele Veranstalter kein einfaches Geschäft. Meist bezuschusst von ihren jeweiligen Kommunen, laufen nur wenige Messegesellschaften rentabel. Von den derzeit 60 Messeplätzen in Deutschland wird in 15 Jahren nur mehr die Hälfte übrig sein, schätzt Düsseldorfs Messechef Werner M. Dornscheidt. Sein Konzern ist einer der wenigen, der ohne Subventionen auskommt und profitabel wirtschaftet. 335 Millionen Euro betrug der Umsatz 2010. Von allen Besuchern, die 2010 auf einer Messe in Deutschland waren, kam rund ein Zehntel nach Düsseldorf. 34 Eigenveranstaltungen richtet die Messe Düsseldorf aus, 22 davon sind Weltleitmessen ihrer Branchen. Dass das so ist, lässt sich für Dornscheidt schlicht begründen: „Wir konzentrieren uns auf Veranstaltungen, für die wir Experten sind. Das sind vor allem Investitionsgütermessen." In der Verpackungs-, Druck- und Kunststoffindustrie sowie der Medizintechnik gilt der Messekonzern als Branchenkenner, der zusammen mit den jeweils führenden Unternehmen in den Messebeiräten die marktrelevanten Themen erarbeitet, die dafür geeignete Präsentationsplattformen entwickelt und die relevanten Märkte für Auslandsmessen definiert.

Die Zukunft des Messegeschäfts liegt im Ausland. Die im Messeverband Auma organisierten deutschen Messegesellschaften organisieren pro Jahr mehr als 220 eigene Veranstaltungen in wichtigen Wachstumsregionen, allen voran Asien, Lateinamerika sowie Osteuropa. Meistens werden dafür bewährte Leitmessekonzepte exportiert. Nach diesem Prinzip verfährt auch die Messe Düsseldorf. In den letzten Jahren sind zu den Weltleitmessen interpack, drupa, K und Medica internationale Produktfamilien entstanden, die von 68 Auslandsvertretungen und neun internationalen Tochterunternehmen organisiert werden.

Wohin sich solche Messen in den nächsten 20 Jahren entwickeln sollten, dazu hat Klefenz sehr konkrete Vorstellungen. Für die internationale Präsenz der Verpackungsbranche stellt er sich ein weltweit umspannendes Netz qualifizierter, kleinerer Messen vor. Sie sollen rund um ein bis zwei Leitveranstaltungen stattfinden, die in den wichtigsten Regionen etabliert werden. Das könnte durchaus Auswirkungen auf die Frequenzen einer Weltleitmesse wie der interpack haben. „Das ist noch zu definieren", sagt Klefenz und sieht dies als ein Thema der Planungsarbeit mit der Messe Düsseldorf.

Was für ihn aber klar ist, sind die Märkte, die für die kommenden Jahre die wichtigsten für Verpackungsmessen sein werden. Die USA wird demnach trotz aller wirtschaftlichen Querelen, die das Land derzeit beuteln, eine maßgebliche Rolle als Wegbereiter in den lateinamerikanischen Markt erhalten. Weit vorne sieht Klefenz China, das in den letzten Jahren eine ähnlich rasante Entwicklung gemacht hat wie die Bosch-Verpackungssparte in China selbst. „Ende der 1990er-Jahre waren wir erstmals auf einer Messe in China vertreten - mit einem kleinen Eckstand und drei bis fünf Leuten." Heute sind es zwischen 100 und 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche, die Bosch Packaging Technology auf chinesischen Messen bucht. Wichtiger Partner ist auch hier die Messe Düsseldorf.

Indien steht für Klefenz in Messedingen noch am Anfang, aber auch die aufstrebende Nation wird seiner Meinung nach künftig zu den großen Messestandorten zählen. In den Schwellenländern mit noch schwach ausgebauter Industrie verfolgt Bosch Packaging Technology eine eigene Zielrichtung. Das Unternehmen positioniert sich als Partner für Einstiegsanlagen, die vor Ort produziert werden. Die Kommunikationsplattform „Messe" sieht Klefenz dafür als unabdingbar. Die Messe Düsseldorf als Begleiter und Marktbereiter ebenfalls. Bis hin zu Diskussionen um Details.

Für Sie entscheidend
Save Food

Kein „One-Time-Shot“ ist die noch junge Plattform für die Verpackungsindustrie,  die Initiative „Save Food“. Die Messe Düsseldorf entwickelte sie gemeinsam mit der FAO, der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen. Die Kongress- und Ausstellungsreihe soll den Austausch von Experten aller lebensmittelrelevanten Industrien fördern und Lösungen zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten finden. Als 2010 die Idee entstand, war sich Friedbert Klefenz ihrer Wirkung für die Branche sicher. „In den letzten Jahren haben wir es geschafft, nicht mehr nur als müllproduzierende Branche wahrgenommen zu werden, sondern als eine Industrie, die Verantwortung übernimmt.“ Die Veranstaltungen der Messe Düsseldorf hätten hieran einen wesentlichen Anteil. „Save Food“, die 2010 ihre Premiere auf der interpack feierte, soll deshalb keine einmalige Aktion bleiben. Zur drupa wird sie 2012 fortgesetzt, und wenn es nach Klefenz geht, wird die Initiative künftig auch in ausländischen Messen eine Plattform finden.

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