Technik

Maßgeschneidert Käse verpacken

Thermoformmaschine | Das Anforderungsprofil beim Verpacken von Käse nach Emmentaler und Tilsiter Art ist unterschiedlich. Während der eine Käse komplett ausgereift verpackt wird, muss der andere unter der Folie noch weiterreifen. Dafür kommen eine Tiefziehmaschine und entsprechende Weichfolien zum Einsatz. Die Systemlösung funktioniert so gut, dass sie nur noch ein Drittel der Zeit braucht und damit die Stückkosten der einzelnen Chargen deutlich reduziert werden konnten.

Wir haben mehr als 40 Jahre Erfahrung mit den unterschiedlichsten Aufgabenstellungen in der Lebensmittelindustrie, macht Jörg Feisel, Application Support Manager Packaging Material der GEA Convenience Food-Technlogies (GEA CT), Biedenkopf-Wallau, klar. „Von der Konzeption bis zur Entwicklung, von der Auslegung bis hin zum Betriebsverhalten - die Ausbringungsleistung unserer Kunden steht für uns im Mittelpunkt unseres Handelns. Unsere bedienerfreundlichen Maschinenkonzepte sorgen unter anderem für höchstmögliche Flexibilität. Sie erlauben beispielsweise Unternehmen, die verschiedene Produkte in kleinerer Stückzahl herstellen und verpacken, schnelle und problemlose Umrüstzeiten, ohne dass Leistungseinbußen zu erkennen sind."

Thermoformen neu konzipiert
Das gilt vor allem für die multifunktionale PowerPak-Produktpalette. Bei diesen Thermoformern dreht sich alles um die Verpackungsleistung. Es handelt sich um eine von Grund auf neu konzipierte Maschinentechnologie. Ihre hohe Maschinenverfügbarkeit und ihre modulare Konzeption sorgen für eine langfristige Investitionssicherheit, wie das folgende Beispiel aus der Praxis zeigt. Die slowenische Molkerei Pomurske Mlekarne d.d. aus Murska Sobota verarbeitet mit 173 Mitarbeitern an zwei Produktionsstandorten ihre Milch zu Quark, Joghurt, Milchpulver und Butter sowie zu Käse nach Emmentaler und Tilsiter Art. Beide Käsesorten sind früher in Schrumpfbeutel verpackt worden. Als die Verpackungslinie für den Emmentaler nicht mehr zu reparieren war, ist die Idee entstanden, beide Molkereiprodukte künftig in einer Linie zu verpacken. „Speziell das Verpacken des Tilsiters war früher extrem zeitaufwändig. Ein Teil davon geschah noch per Hand, das hat sich auf Dauer nicht gerechnet", blickt Karmen Dugar, die Geschäftsführerin, zurück. „Um in einem schwierigen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben und um die Stückkosten weiter zu reduzieren, haben wir uns auf die Suche nach einer neuen Verpackungslösung gemacht. Vorzugsweise sollten die beiden Käsesorten in einer Tiefziehmaschine verpackt werden."

Während der Käse nach Emmentaler Art unter modifizierter Atmosphäre verpackt wird, stellt der noch nicht ausgereifte Tilsiter höhere Anforderungen an die Verpackungslösung. Nachdem eine Reihe von Gesprächen mit verschiedenen Maschinenherstellern geführt worden sind, hat sich die Molkerei für eine GEA CT-Verpackungsmaschine entschieden, die alle lebensmitteltechnischen Anforderungen beim Verpacken von Käse problemlos erfüllt. Sie besteht aus einer PowerPak-Tiefziehmaschine ShrinkPak in der Folienbreite 320 mm sowie einem Schrumpftank und einem Packungstrockner des Maschinenbauunternehmens Supervac, Wien. Letzteres ist spezialisiert auf Vakuumverpackungstechnik. Beide Spezialanbieter arbeiten seit vielen Jahren zusammen. Gleichzeitig ist von der CFS-DIXIE Flexibles GmbH, Kempten, eine Reifefolie mit speziellen Permeationseigenschaften entwickelt und erfolgreich getestet worden. Auch sie ist heute Bestandteil der Gesamtlösung.

Rund zwei Drittel weniger Zeit
Die Standardtiefziehmaschine ist individuell an die Kundenanforderungen angepasst worden. Nachdem umfangreiche Tests mit den beiden Kundenprodukten erfolgreich in Biedenkopf abgeschlossen wurden, konnte der Auftrag erteilt werden. „Wir haben vor Ort gesehen, dass das Abpacken beider Käsesorten auf einer Linie einwandfrei funktioniert", so Karmen Dugar. „Während es früher immer zu Schuldzuweisungen zwischen Maschinen- und Folienhersteller kam, sind wir mit dieser Verpackungslinie heute auf der sicheren Seite." Seit dem späten Frühjahr 2010 läuft die gesamte Anlage erfolgreich in Slowenien, die mittlerweile durch einen Linienvereiniger sowie eine automatische Kartonierung ergänzt worden ist. Schulungen und ein Servicevertrag stellen ihre Funktionsfähigkeit langfristig sicher.

Heute wird auf der Tiefziehmaschine pro Monat 170 t Tilsiter und 20 t Emmentaler vollautomatisch verpackt. Das Thema Handarbeit gehört dabei der Vergangenheit an. Während früher für 1.200 kg drei Stunden veranschlagt werden mussten, geschieht dies heute in einem Drittel der Zeit. „Für diese Menge brauchen wir heute lediglich eine Stunde", bestätigt die Geschäftsführerin. „Und das rechnet sich natürlich auf der betriebswirtschaftlichen Seite."

Schonendes Vakuumverfahren
Während der Käse nach Emmentaler Art traditionell in großen Rädern im Reiferaum käst und anschließend verpackt wird, reift Tilsiter dagegen in der Verpackung nach. „Und diese Spezialverpackung auf einer Tiefziehmaschine zu verwirklichen, stellt eine große Herausforderung an das gesamte Maschinenkonzept dar", macht Jörg Feisel deutlich. „Das können nicht viele Anbieter verwirklichen."

Die Bruchlochung ist das Kennzeichen des Tilsiters. Diese entsteht schon früh bei der Herstellung. Der Käsebruch kommt in Formen, aus der die Molke abläuft und anschließend für rund 20 Stunden im Salzbad gelagert wird. Die weichen ‚Käsebrote‘ werden anschließend in die Verpackungsmaschine eingelegt und verpackt. Aus der Verpackung muss die Luft schonend abgesaugt werden, sonst wird die typische Bruchlochung zerstört und es entsteht Butterkäse. „Hier bewährt sich als Alleinstellungsmerkmal unser Evakuierungssystem. Es handelt sich um ein besonders schonendes Vakuumverfahren. Und darauf kommt es an", betont Jörg Feisel. „Mit der Hilfe einer speziellen Nadeldüse wird die Luft aus dem Packungsinneren abgesaugt. Es baut sich anschließend ein Gegendruck von außen auf, der dafür sorgt, dass die Käsestruktur erhalten bleibt."

In enger Zusammenarbeit der drei beteiligten Unternehmen, der Molkerei, dem Maschinen- und dem Folienhersteller, sind die einzelnen Prozessparameter herausgearbeitet worden, die das Verpacken des Tilsiters in einem Thermoformer ermöglichen. Neben dem Evakuierungssystem spielen auch die Barriereeigenschaften der Folie, die den Reifeprozess beeinflussen, eine wichtige Rolle. Es muss beispielsweise die Feuchtigkeit des Käses in der Verpackung verbleiben, und das Eindringen von Sauerstoff von außen wirksam verhindert werden.

CFS-DIXIE Flexibles hat vielfältige Erfahrungen speziell im Bereich der Reifeverpackung von Käse und ist unter anderem in diesem Marktsegment mit seinen 3D-Schrumpfbeuteln erfolgreich tätig. Aufbauend auf diesen Erfahrungen fertigt und liefert das Unternehmen transparente oder eingefärbte, bei Bedarf auch bedruckte tiefziehfähige Schrumpffolien für verschiedenste Packgüter, die unter anderem auf GEA CT-ShrinkPak-Maschinen verpackt werden. Die Verpackungsmaschinen des Herstellers verarbeiten flexible und harte Folien genauso wie die hier verwendeten weichen Schrumpffolien.

Schnelle Umrüstzeiten
Der Tilsiter wird in einer schrumpffähigen Reifefolie mit speziellen Barriereeigenschaften verpackt. Verpackt werden zwei Käseformate: 1,5 kg und 2,5 kg. Die großen Käsebrote werden an den Käsetheken von Supermärkten verkauft. „Slowenische Kunden kaufen Käse in ganzen Stücken, geschnittener Käse läuft so gut wie gar nicht", erzählt Karmen Dugar zum Einkaufsverhalten. Die Umrüstzeiten auf die beiden unterschiedlichen Formate sind im Betriebsalltag schnell zu verwirklichen. Darüber hinaus werden hohe Anforderungen an die Hygiene gestellt. „Wir hantieren beim Tilsiter mit Salzwasser", sagt Karmen Dugar. „Das muss regelmäßig entfernt werden, damit es langfristig zu keinen Korrosionsschäden an der Anlage kommt bzw. Geschmacksbeeinträchtigungen beim Verpacken des Käses festzustellen sind."

In diesem Zusammenhang spielt das Thema ‚Hygienic Design‘ eine wichtige Rolle. Der Thermoformer ist von Grund auf so konstruiert, dass er leicht und sorgfältig gereinigt werden kann, so dass es zu keinerlei Produktkontaminationen kommt. „Das geht einfach und schnell", bestätigt Karmen Dugar. „Alle im Umgang mit Lebensmitteln gängigen Hygieneregeln werden von uns umgesetzt, so dass unsere Kunden immer auf der sicheren Seite sind. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Verpackungsmaschine vom ersten Tag an problemlos funktioniert hat. Wir haben gemeinsam ein Verpackungskonzept entwickelt, das zuverlässig und effizient ist."

Über die Firma
CFS Germany GmbH
Biedenkopf-Wallau
Newsletter

Das Neueste von
neue verpackung direkt in Ihren Posteingang!