Technik

Der Verpackungsdruck wird „grün“

Nachhaltige Druckproduktion | Inmitten von Wiesen und Wäldern im Nordschwarzwald produziert colordruck Baiersbronn Kartonverpackungen - dabei gehen Ökologie und Ökonomie Hand in Hand: Das Nachhaltigkeitskonzept des Unternehmens umfasst die umweltfreundliche Energiegewinnung zum Heizen ebenso wie die Kühlung der Gebäude, die Nutzung von Ökostrom, eine nachhaltige Druckproduktion, moderne Druckluftsysteme und Investitionen in klimaneutral produzierte Maschinen.

Wir produzieren und leben hier in einem der schönsten zusammenhängenden natürlichen Gebiete in Deutschland. Da sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir diese Umwelt besonders pfleglich behandeln und sie schützen, erklärt Geschäftsführer Martin Bruttel seine Motivation für den Umweltschutz. Dass dies kein leeres Lippenbekenntnis ist, sondern konsequent umgesetzt wird, zeigen die vielfältigen Maßnahmen des Baiersbronner Faltschachtelherstellers.

Noch zu Beginn des Jahrtausends beheizte das Unternehmen seine rund 27.000 Quadratmeter Produktions-, Lager- und Büroflächen mit Heizöl und Erdgas - rund 120.000 Liter Öl und 140.000 Kubikmeter Gas waren dafür jedes Jahr notwendig. Mit dem Bau eines eigenen Biomasse-Heizwerkes 2004 kam die erste Energiewende: Genutzt werden dort Hackschnitzel aus rund 35.000 Einweg-Holzpaletten, die pro Jahr bei der Lieferung des Kartons anfallen. Damit sind rund 80 Prozent des jährlichen Heizenergiebedarfs gedeckt, der Rest kommt von umliegenden Sägewerken und Waldbauern. Die Heizanlage deckt nahezu 100 Prozent des Wärmebedarfs ab und spart im Vergleich zu früher rund 85 Prozent der CO2-Emissionen ein.

Im Zuge des Ausbaus kam 2008 ein neues, umweltfreundliches Konzept für die Kühlung der Produktionsräume im Sommer zum Einsatz: Seitdem wird das Flusswasser der Murg genutzt, um die Temperaturen der Zuluft im Drucksaal und im Packaging Service Center (PSC) über Wärmetauscher im Sommer abzusenken. colordruck sichert damit neben einer konstant hohen Druckqualität auch optimal gekühlte Umgebungen für die Konfektio-nierung, Verpackung und Lagerung von temperaturempfindlichen Produkten im Packaging Service Center, wie zum Beispiel Süßwaren. Die Flusswasserkühlung spart pro Jahr im Vergleich zu einer Kältemaschine allein im PSC zusätzlich rund 73 Tonnen CO2.

Den Löwenanteil der CO2-Einsparungen erreicht colordruck Baiersbronn jedoch durch die Umstellung auf Ökostrom Anfang 2011: Seit der vollständigen Umstellung auf Ökostrom können jährlich knapp 2.300 Tonnen CO2 eingespart werden.

Bereichsübergreifend nachhaltige Produktion
Seit August 2009 ist die Druckproduktion nach den Kriterien des FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification) zertifiziert. Beide Organisationen sichern die kontinuierliche Verbesserung nachhaltiger Waldbewirtschaftung unter Gewährleistung sozialer und ökonomischer Standards - für die Einkaufsabteilungen vieler Markenartikler mittlerweile ein entscheidendes Kriterium. Rund 30 Prozent des in Baiersbronn verwendeten Kartons stammen aus Frischfasern, die aus dem Holz nachhaltiger Waldwirtschaft gewonnen werden. Etwa 70 Prozent der hergestellten Verpackungen bestehen aus Recyclingkarton, der sechs- bis siebenmal wiederverwertet werden kann. In der Druckproduktion entstehendes Altpapier wird gesammelt und in der näheren Umgebung recycelt, so dass die Wiederverwertung auf möglichst kurzen Wegen erfolgt.

Seit 2011 kann colordruck seinen Kunden ferner klimaneutral gestellte Verpackungen anbieten, dabei wird das durch die Herstellung der Verpackung freigesetzte CO2 durch den Erwerb von Klimazertifikaten ausgeglichen.

Grüne Technologie im Drucksaal verbessert Wirtschaftlichkeit
Seit Jahresmitte 2010 tauscht das Unternehmen turnusgemäß seinen Maschinenpark aus. Bis zum 4. Quartal 2012 werden drei baugleiche Heidelberg Speedmaster XL 105 mit insgesamt 22 Druck-/Lackierwerken installiert sein, welche die bisherigen Speedmaster Maschinen ersetzen. Das neue Equipment unterstützt das Nachhaltigkeitskonzept von color-druck: Die Druckmaschinen wurden durch Aufforstungsprojekte in Vietnam klimaneutral gestellt. Zudem bietet die neue Generation der XL 105 noch einmal reduzierte Rüstzeiten und schnelleres In-Farbe-Kommen durch das integrierte, spektralphotometrische Qualitätsmess- und Regelsystem Prinect Inpress Control. Damit sinkt der Kartonverbrauch beim Einrichten der Maschine um bis zu 40 Prozent - einer der größten Stellhebel für eine klimafreundlichere Faltschachtelproduktion. Darüber hinaus lassen sich die Trockner der Lackierwerke dank der Heidelberg DryStar-Technologie für jeden Auftrag passgenau justieren - das spart allein beim Trocknen bis zu 45 Prozent Energie und schont somit zusätzlich Ressourcen.

Die kurzen Rüstzeiten sind für colordruck aber nicht nur wegen des Umweltschutzes entscheidend. Das Unternehmen produziert neben Losgrößen von bis zu einer Million auch Spezialanfertigungen in kleineren Auflagen von wenigen Tausend. „Zeit- und Makulatureinsparungen beim Rüsten sind also nicht nur für die Umwelt Gold wert", erläutert Geschäftsführer Martin Bruttel.

Gedruckt wird nach den Vorgaben des ProzessStandard Offset (PSO) in Verbindung mit der Unterfarbenreduktion (UCR, Under Color Removal). Beides zusammen ermöglicht Farbeinsparungen von bis zu 15 Prozent. Die zur Entwicklung der Druckplatten notwendigen Chemikalien wurden durch den Einsatz eines Filtersystems und einer verbesserten Regenerierung der Entwicklerlösung wesentlich umweltfreundlicher: Dreimal mehr Platten können heute mit derselben Menge Entwickler belichtet werden. Angesichts von rund 25.000 Platten pro Jahr beläuft sich die Einsparung auf etwa 1.750 Liter Entwickler, die nicht transportiert und entsorgt werden müssen.

Umweltfaktor Druckluft
„Da die Erzeugung von Druckluft in Bezug auf den Energieaufwand als einer der aufwändigsten Faktoren überhaupt gilt, haben wir außerdem das gesamte Druckluftnetz unseres Werkes erneuert", berichtet Martin Bruttel. „Allein an dieser Stelle sparen wir bis zu 20 Prozent Energie ein. Und da bei uns auch kleine Ansätze zählen, wird das Brauchwasser für Waschbecken und Duschen zu einhundert Prozent durch die Abwärme der Kompressoren erhitzt. Außerdem erfüllen alle Fahrzeuge unseres Spediteurs die Euro 5 Norm." Ein ausgefeiltes Belüftungskonzept in der Kleberei und im Logistikzentrum nutzt zudem die Temperaturdifferenz zwischen Tag und Nacht - und sorgt für eine passive Kühlung in diesem Bereich - was noch einmal rund 260 Tonnen CO2 pro Jahr spart.

Aufgabe für die Zukunft: einheitliche Standards
Aussagekräftige Zertifikate, die die Nachhaltigkeit einer Verpackung als Ganzes bewerten, sind in der Branche bislang Mangelware. „Aufgrund fehlender gesetzlicher Regelungen ist die Branche von einheitlichen Standards noch weit entfernt", bedauert Bruttel. „Daran werden Gesetzgeber und Branchenverbände auf nationaler und internationaler Basis in den nächsten Jahren arbeiten müssen." Ihm ist daher vor allem daran gelegen, sämtliche Aspekte der Fertigung mit in ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept einzubinden: Ob das die Arbeitnehmer betrifft, die durchwegs in der Nähe wohnen und dadurch lange Anfahrtswege vermeiden, oder einen klimaneutral gestellten Maschinenpark - für Bruttel sind all diese Ansätze kein Selbstzweck, sondern mit dem klaren Ziel, mit der Umwelt so sorgsam wie möglich umzugehen.

Über die Firma
Heidelberger Druckmaschinen AG Print Media Academy
Heidelberg
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