Technik

Produkte müssen einzigartig und überprüfbar sein

Fälschungsschutz | Die Pharmabranche ist ins Visier von Produktfälschern geraten. So schätzt die WHO (Weltgesundheitsorganisation), dass weltweit gefälschte Medikamente im Wert von 90 Milliarden Euro im Umlauf sind und der Handel mit diesen Fälschungen jährlich um 13 Prozent wächst. Die neue EU-Fälschungsrichtlinie vom Februar 2011 könnte dieser Fehlentwicklung einen Riegel vorschieben, wenn sie schließlich Gesetz geworden ist. Welche Technologien stehen zur Verfügung, um die Echtheit eines Produktes nachzuweisen und erfordert diese umfangreiche Investitionen in Technik und Software?

neue verpackung: Wie stark ist die Nachfrage von Markenartiklern und Herstellern nach einem Fälschungsschutz? Wird dieses Problem wirklich ernst genommen?

Eric Penne: Alle Branchen suchen nach Lösungen zur Produktrückverfolgung und zum Fälschungsschutz. Sie benötigen Produktkennzeichnungen, die zeigen, ob der betreffende Artikel echt oder eine Fälschung ist. Das ist für die Pharma-Unternehmen aber auch für die Kosmetik- und Parfümbranche sowie für andere hochwertige Produkte und Luxusartikel wichtig. Zum Kundenkreis gehört beispielsweise auch L'Oreal, die bei der Realisierung leistungsfähiger Lösungen mit uns zusammenarbeiten.

neue verpackung: Sind die Anstrengungen in unterschiedlichen Branchen vergleichbar?

Eric Penne: Ja und zwar aus mehreren Gründen: Durch die eigenen anspruchsvollen Markenvertriebskanäle und bestehende Lieferketten zur Versorgung internationaler Märkte, stehen Markenartikler unter einem großen Druck, durchgängig die Echtheit ihrer Artikel nachzuweisen. Dies erfordert eine belastbare Rückverfolgbarkeit von Produkten, wie von Parfüm und anderen hochwertigen Waren. Die Pharma- und Kosmetik-märkte müssen in der Lage sein, ein Produkt zurückzuverfolgen und nachweisen zu können, dass es ein einzigartiges ist. Das ist eine große technische Herausforderung. Sollten beispielsweise Qualitätsprobleme beim Produkt auftreten, dann muss der Markenartikler schnell reagieren können und selbst eine kleine Auswahl von vielleicht nur 1 bis 500 Produkten vom Markt nehmen.

neue verpackung: Das heißt, die Produktrückverfolgung wendet sich nicht nur gegen Fälscher, sondern hilft bei der Problemlösung, um das Verbrauchervertrauen in eine Marke zu stärken?

Eric Penne: Auf jeden Fall. Sie können heute über das Internet überall auf der Welt fast alles einkaufen. Dabei sind sich viele Konsumenten der speziellen Risiken beim Online-Einkauf von Medikamenten bewusst. Eine einheitliche Kennzeichnung würde selbst solche online gekauften Produkte auf ihre Echtheit überprüfbar machen. Eine andere große Herausforderung ist die Graumarkt-Problematik. Pharmaproduzenten aus den westlichen Industrieländern geben jedes Jahr Medikamente für viele Millionen Euro zu Sonderpreisen an Entwicklungsländer beispielsweise in Afrika ab. Damit unterstützen sie Patienten in kaufkraftschwachen Regionen. Eine Art subventionierter Pharmahandel. Im letzten Jahr ist es passiert, dass ein kriminelles Netzwerk solche Medikamente zum vergünstigten Preis in Afrika aufgekauft und nach Europa reimportiert hat. Hier wurden die Medikamente dann zum europäischen Listenpreis über konspirierende Apotheken verkauft. Der Schaden belief sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag, die Differenz zwischen günstigem Einkaufspreis in Afrika und dem erzielten Listenpreis in Europa floss direkt in die Taschen der Betrüger. Mit einer Produktrückverfolgung kann man genau das unterbinden.

neue verpackung: Wie verändert die EU-Richtlinie den Pharma-Markt? Lässt sich die Richtlinie auch auf andere Märkte ausweiten und welche Auswirkungen hätte das?

Eric Penne: Allein der letztjährige Beschluss im EU-Parlament hat bereits etwas verändert. Die Umsetzung der Richtlinie in den nächsten Jahren wird nochmals Bewegung in den Markt bringen. Die Ausweitung auf andere Branchen ist sehr realistisch. Die Kosmetikbranche folgt beispielsweise dem Pharma-Markt. Was dort passiert, setzt sich durch alle Branchen fort. So hat beispielsweise einer unserer Lebensmittelkunden auf den Philippinen, in Pakistan und in weiteren Ländern aufgrund von täuschend echten Produktfälschungen schmerzliche Verluste erlitten. Hier müssen die Markenartikler eine Möglichkeit finden, um schnell zu reagieren. Das Konzept der Produktserialisierung und -rückverfolgung ist auf viele Branchen anwendbar. Ein weiteres Beispiel ist die Automobil- und Zuliefer-industrie, die vehemente Probleme mit gefälschten Ersatzteilen hat.

neue verpackung: Die Branchen reagieren also durchaus unterschiedlich?

Eric Penne: Manche Kunden müssen ein Produkt über dessen gesamte Lebensdauer mit einer einzigartigen Kennnummer verfolgen, um alle Anforderungen zu erfüllen. Manchmal wissen die Verbraucher nicht, was sie kaufen oder woher das Produkt stammt. Hier braucht es eine eindeutige Identifikation, die sowohl dem Käufer als auch dem Markenartikler hilft. Die Branchen benötigen grundsätzlich eine Lösung zur Produktrück-verfolgung und zum Fälschungsschutz auf Basis einer Serialisierung und Kodierung der Verpackung oder des jeweiligen Produkts. Das ist für alle gleich. Unterschiede gibt es sicher im Detail, was die aufzubringenden Daten, Prüfziffern und ähnliches betrifft. Das ist aber eine Frage des Lösungs-Customizations, das wir durch unser Branchen Know-how ermöglichen.

neue verpackung: In Großbritannien werden logofreie Zigarettenschachteln wahrscheinlich gesetzlich vorgeschrieben. Könnte dies zu einem Anstieg der Anzahl illegaler Produkte auf dem Markt führen?

Eric Penne: Wir arbeiten an einem großen Projekt mit der Zigaretten-industrie, indem einzigartige Codes und Sicherheitsetiketten eingesetzt werden. Wir können fälschungssichere Codes auf die Schachteln auf-bringen. Damit ist die Produktintegrität gewährleistet. Darüber hinaus verfügen wir über jahrzehntelange Erfahrungen beim Sicherheitsdruck für Steuerbanderolen. So haben wir Systeme, mit denen Druckereien im Auftrag von Behörden und Zigarettenfirmen Steuer- und Zollbanderolen für Zigarettenschachteln drucken. Eine der jüngsten Lösungen wurde in einem Land Südosteuropas installiert. Auf diesen Steuerbanderolen drucken wir die Codenummern und Barcodes sowie andere variable Daten auf, die aus jeder Schachtel ein einzigartiges überprüfbares Produkt machen.

neue verpackung: Reicht das wirklich aus?

Eric Penne: Die Serialisierung und Kodierung für die Produktrückverfolgung und den Fälschungsschutz macht tatsächlich den Unterschied und deckt viel von den Anforderungen eines leistungsfähigen Fälschungsschutzes ab. Markenartikler gewährleisten damit, dass nur Originalprodukte an den Point of Sales geliefert werden, was der Verbraucher jederzeit überprüfen kann.

neue verpackung: Sollten sie dann nicht verstärkt an Fachgeschäfte anstatt an Supermärkte und Großmärkte verkaufen?

Eric Penne: Ja. Es ist wichtig, das Preisniveau hoch zu halten. Das geht aber nur mit einem Premium-Markenwert. Und Premium-Marken werden nun einmal im Fachgeschäft verkauft. Zum Beispiel wird niemand einen Premiumpreis für eine Rolex bezahlen, wenn man diese in Zukunft in jedem Großmarkt bekommt. Das beste Beispiel hierfür ist die Parfüm-industrie. Hier wird viel Geld für die Werbung mit Prominenten ausgegeben. Damit sich das lohnt, müssen die Anbieter hohe Preise über einen exklusiven Vertriebskanal erzielen. Der Aufbau solcher Vertriebswege setzt ebenfalls große Investitionen voraus. Das Gleiche gilt für hochwertige Markenartikel, die den Preis hochhalten, indem sie über ausgewählte Vertriebswege und nicht über Großmärkte oder Supermärkte verkaufen, wo das Preisniveau und somit der Markenwert mit der Zeit sinken.

neue verpackung: Wie schwer ist es für Markenartikler, ihre Produkte zu schützen? Gibt es Basissysteme, die sie haben müssten?

Eric Penne: Wir bieten unseren Kunden Komplettlösungen an. Diese beinhalten die wichtigsten aufeinander abgestimmten und integrations-fähigen Komponenten. Das reicht von der Software, die einzigartige Zeichenfolgen oder sichere maschinenlesbare Codes generiert, bis zu Inkjet-Drucksystemen für 2D-Datamatrix-Barcodes sowie leistungsfähigen, kamerabasierten Verifikationssystemen. Nach der vorschriftsmäßigen Kodierung und Serialisierung werden zusätzliche Produktangaben auf der Verpackung ergänzt. Das kann der Markenartikler mit unseren Lösungen selbst auf seiner Verpackungslinie realisieren, indem er die Module integriert. Auch eine Druckerei kann den Prozess in ihre Produktions- und Verpackungslinie einbinden. Schließlich lässt sich die Kodierung als weitere Option am Ende des Verpackungsprozesses mit einem angeschlossenen Track&Trace-Modul umsetzen.

neue verpackung: Lassen sich die Fälscher mit einfacher Drucktechnologie bekämpfen? Sind Smartphones und QR-Codes auf der Verpackung eine Hilfe?

Eric Penne: Der 2D-Datamatrix-Code und der QR-Code bieten den Vorteil, dass sie auf einer kleinen Fläche aufgebracht werden und viele Daten speichern können. Diese Prüfdaten erhöhen die Fälschungssicherheit. Kunden, die unsere umfassende Softwarearchitektur nutzen, können in einem solchen Code beispielsweise Produktinformationen platzieren, die dann mit einem Smartphone auszulesen sind. Letztendlich lautet die Antwort: Eindeutig ja. Die Kerntechnologie ist ein einfacher und qualitativ hochwertiger Inkjetdruck, der variable Daten und Layouts aufbringen kann und somit ein Produkt einzigartig macht.

neue verpackung: Ist es andererseits realistisch, dass jede Komponente der Lieferkette über den Zugriff auf diese Technologie verfügt? Sind hierfür große Investitionen notwendig?

Eric Penne: Investitionen sind natürlich erforderlich. Aber diese Entwicklung wird in manchen Ländern durch gesetzliche Vorgaben beschleunigt. So müssen die EU-Länder unter anderem Frankreich, Deutschland, Groß-britannien und Belgien bis 2013 Ländergesetzgebungen zur einheitlichen Kennzeichnung von Pharmaverpackungen erlassen. Bis 2015 gibt es eine Übergangsfrist zur Umsetzung. Spätestens dann muss die Pharmaindustrie jedes Produkt mit einem GS1 2D-Datamatrix-Code und weiteren definierten Informationen kennzeichnen und die Verpackung bedrucken. Die Industrie muss also über Lösungen verfügen, um diese Vorgaben einzuhalten. Es gibt keine Alternative zu den vorgeschriebenen Kodierungs- und Seriali-sierungslösungen, die bis in drei Jahren implementiert sein müssen, um die gesetzlichen Anforderungen der EU zu erfüllen. Damit wird auch die Marktanforderung einer durchgängigen Produktrückverfolgung realisiert. Die günstigste Technik ist der variable Inkjet-Datendruck, der auch das Überdrucken mit Sicherheitsmerkmalen individuell ermöglicht. Zudem können QR-Codes für Marketingzwecke eingesetzt werden, um den direkten Zugriff auf Websites und Sonderaktionen zu ermöglichen. Man kann die QR-Codes auch mit Sicherheitsmerkmalen ausstatten, so dass hier Synergieeffekte in der Kennzeichnung entstehen. Die Kodierung kann innerhalb der Produktions- oder Verpackungslinien im Werk sowie bei einer externen Verpackungsdruckerei aufgebracht werden.

neue verpackung: Die Drucktechnologie zur Abwehr der Produktfälscher ist also recht einfach?

Eric Penne : Grundsätzlich ja. Wir gehen in ein Kosmetikunternehmen und integrieren ein Track&Trace-Kodier-Modul in die Fertigungs- und Ver-packungslinie und binden umgebende Software- sowie notwendige Datenbanksysteme an. Wir sind in der Lage, jede Information in die gewünschte Kodierung umzuwandeln, aufzudrucken und zu verifizieren. Von 1D- bis 2D-Datamatrix- und QR-Codes. Neben eigen entwickelter Techno-logie integrieren wir Premiumkomponenten von Drittanbietern und stimmen diese optimal auf bestehende Produktionsprozesse ab.

neue verpackung: Der Aufwand hält sich also in Grenzen. Die Technologie kann direkt in die Produktion eingebunden werden?

Eric Penne: Ja, so kann eine Kartondruckerei beispielsweise das Track&Trace Modul zur Produktrückverfolgung einfach am Ende der Verpackungsproduktionslinie integrieren, bevor die Umverpackung erfolgt. Das folgt dem Ansatz des Late Stage Customization.

neue verpackung: Auf jeden Fall ist die Produktfälschung ein Problem und wird es auch bleiben. Die Markenartikler und Einzelhändler müssen also weiterhin den Produktpiraten auf der Spur bleiben, was nicht ganz einfach ist.

Eric Penne: Die einzige Möglichkeit, die Fälscher zu bekämpfen, besteht darin, zu wissen, was mit dem Produkt nach dem Verlassen der Pro-duktionshallen auf dem Markt passiert. Die Produktrückverfolgung erlaubt die schnelle Vor-Ort-Kontrolle. So ist es möglich, verschlüsselte Daten aufzubringen, mit denen der Endkunde mit Hilfe seines Smartphones nachprüfen kann, ob das Produkt echt oder eine Fälschung ist. Früher mussten die Leute das Produkt erst kaufen und dann beim Hersteller die Echtheit nachprüfen lassen. Heute stehen über die Serialisierung und Kodierung Lösungen zur Verfügung, mit denen wir in Echtzeit kontrollieren können, ob sich diese Produkte am vorgesehenen Ort befinden und ob es sich um Fälschungen handelt. Wenn man bereits an der Ladentheke erkennt, dass man eine Fälschung verkauft bekommen hat, ist es ein Leichtes dort direkt die Polizei zu rufen und die Fälschung anzuzeigen.
Markenartikler haben sich lange Zeit über die unsichere Rechtslage und das zögerliche Agieren von Staatsregierungen beschwert. Das ist nach dem letztjährigen EU-Parlamentsbeschluss Vergangenheit. Nunmehr verlangen die Länder ihrerseits von der Wirtschaft, die benötigten Technologien und Prozesse zu implementieren. Deshalb haben wir frühzeitig damit begonnen leistungsfähige Track&Trace-Lösungen zur Produktrückverfolgung und -kontrolle zu entwickeln, die einfach und möglichst schnell umzusetzen sind.

neue verpackung: Möchten Sie zum Abschluss noch etwas ergänzen?

Eric Penne: Da wir bereits im Jahr 1955 mit der Nummerierung, Kodierung und dem Sicherheitsdruck begannen, sind wir auf diesem Gebiet Experten. Viele Firmen behaupten von sich, eine Produktrückverfolgung anzubieten, besitzen aber nur einzelne Komponenten und nicht die ganze Lösung. Daher gibt es Kunden, die schlechte Erfahrungen damit gemacht haben. Sie besitzen die vermeintlich beste Technologie, können diese aber nicht richtig nutzen. Wir bieten Komplettlösungen, das heißt eine hohe Qualität und Flexibilität beim Management von variablen Daten, eine hohe Produktionsgeschwindigkeit und eine effiziente Verifizierung.

 

Über die Firma
Atlantic Zeiser GmbH
Emmingen
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