Märkte

Partner in der Supply-Chain

Aber das ist nicht das einzige Problem, das Packstoffhersteller jedweder Art umtreibt. Historisch hohe Erdöl- und Gaspreise machen den Einkauf von Energie teuer. Die Energiewende in Deutschland treibt durch das Verwenden erneuerbarer Energien die Stromkosten zusätzlich in die Höhe. Papier und Karton werden in der Herstellung immer kostenintensiver. Aber auch der Umstand, dass US-Amerikaner und Chinesen inzwischen erkannt haben, dass Altpapier ein Rohstoff ist, lässt die Preise dafür nach oben schnellen.

„Der Markt ist inzwischen eine ganz große Herausforderung", sagt Manfred Aumann, der als Sales Director im Bereich Branded Food für Metsä mit den Markenartiklern im Direktkontakt steht. Das, was er zwischen 2008 und 2011 erlebt habe, sei in dieser Form noch nie da gewesen. Aumann kennt die Branche aus dem Effeff. Er weiß wovon er spricht. Er beklagt: „Wir in der Supply-Chain müssen endlich anfangen uns zu verstehen!" Was er damit meint? Nun, das liegt auf der Hand. Ein Rückblick auf die erst kurz zurückliegenden Jahre seit 2008 verdeutlicht es: Das Orderver-
halten der Markenartikler orientierte sich ausschließlich am Konsumverhalten der Verbraucher. In der Krise wurde kein Karton gekauft, Läger wurden geleert und sollten dann von den Kartonherstellern quasi ad hoc wieder gefüllt werden. Die Papier- und Kartonhersteller reagierten natürlich auf den fehlenden Absatz und reduzierten Kapazitäten. Die Folge: 2010 nahmen die Kartonhersteller deutliche Mengen aus dem Markt und legten Kapazitäten still. Als die Aufträge dann eingingen, liefen die Papier- und Kartonmaschinen sofort an der Kapazitätsgrenze, doch seit August 2011, so Aumann, werde inzwischen wieder nicht mehr richtig bestellt. Doch wer sich auskennt weiß: Eine Papier-
maschine kann nicht einfach mal so ins Laufen gebracht werden, da gibt es Vorlaufzeiten und physikalische Grenzen in der Herstellung, die beachtet werden müssen. Zudem treibt das nicht kontinuierliche Auslasten der Produktionskapazitäten die Kosten hoch. „In die Pipeline ist Hektik und Unüberlegtheit gekommen. Alle in der Supply-Chain müssen wissen, dass wir mindestens 30 Wochen Lieferzeit brauchen", betont Aumann.

Hier setzt Metsä, der weltweit größte Frischfaser-Kartonlieferant, an. Aumann geht zu den Kunden seiner Kunden, setzt sich mit den Größen der Markenartikelindustrie an den Tisch und wirbt um Verständnis und bekommt es auch. Doch der Handel, als oberstes Glied in der Wertschöpfungskette, muss noch mit ins Boot. „Wenn die ihre Schrauben zudrehen, können wir das nicht in vier Wochen wieder aufholen. Das geht einfach nicht!", spricht der Metsä Sales Director Klartext und fragt rhetorisch: „Und das alles sollen wir im Wald wissen?"

Zurück zu den Wurzeln
Zurück zur ehemaligen Metsäliitto Group, die sich Anfang des Jahres in Metsä umbenannt hat. Um Zusammengehörigkeit der Unternehmen zum Ausdruck zu bringen, haben sich die Unternehmen der Gruppe und auch M-real entschieden dies im Namen festzuhalten. Der Name Metsä gilt für alle Unternehmen der Gruppe. Wie Peter Karell, Commercial Director, Multinational Accounts, während eines Pressegespräches betonte, sollen künftig noch mehr Synergien innerhalb der Gruppe genutzt werden und den einzelnen Metsä-Unternehmen - wie Metsä Board  - solle durch die neue Namensgebung auch ein stärkeres Auftreten am Markt ermöglicht werden. Aber auch die Struktur der Unternehmensgruppe werde vereinfacht: Bei Metsä Board stehe für den Geschäftsbereich Papier und Karton innerhalb der Metsä Group, so Karell. Metsä bedeutet Wald auf Finnisch, Board Karton auf Englisch. In der Verknüpfung, sagte Bettina Fuchs, Marketing Communication Manager, stehe beides für nachhaltig und vielseitig nutzbar, leichtgewichtig und leistungsstark - „eben ein Verpackungsmaterial mit vielen Vorzügen". Metsä Board hat in den zurückliegenden Monaten umfangreiche Umstrukturierungen vorgenommen und sich nach Aussagen der Manager vom Papierhersteller zum profitablen Kartonlieferanten entwickelt. „Wir blicken positiv in die Zukunft und setzen auf nachhaltige Produkte, moderne Produktionsstätten und Service", umriss Peter Karell die Vorstellung der finnischen Unternehmensgruppe, die im vergangenen Jahr mit annähernd 12.500 Mitarbeitern 5,3 Mrd. Euro erlöste. Hinter der Metsäliitto Genossenschaft, das ist die Muttergesellschaft der Metsä Group, stehen 125.000 Waldbesitzer als Eigentümer.

Metsä Board baut Kapazitäten aus
Metsä Board Corporation machte 2011 einen Umsatz von rund 2,5 Mrd. Euro.Annähernd 4.000 Beschäftigte produzieren Karton. Der strategische Fokus des Unternehmens liegt auf leistungsstarken, leichtgewichtigen und gestrichenen Karton- und Papierqualitäten aus Frischfasern. Zum Kundenkreis von Metsä Board gehören nach eigenen Aussagen Markenartikler, Faltschachtelhersteller, Verarbeiter und Papier-/Karton-Großhändler. Zu den wichtigsten Segmenten zählen unter anderem:

  • Nahrungsmittel
  • Schokolade & sonstige Süßwaren
  • Schönheitspflege
  • Gesundheitspflege
  • Zigaretten
  • allgemeine Verpackung
  • grafische Anwendungen

Nicht nur beim Faltschachtelkarton liegt Metsä Board mengenmäßig in Führung: Nach eigenem Bekunden gehört das Unternehmen zu den bedeutendsten Herstellern der Welt beim sogenannten „FBB" Frischfaserkarton, einer vollgestrichenen Qualität, bei der Metsä Board mit 33 % den größten Anteil an Produktionskapazität in Europa hält. Überhaupt: Die Finnen sehen sich als größten Faltschachtelkarton-Hersteller sowohl in Europa als auch weltweit sowie als weltweit größten Produzenten von gestrichenem Kraftliner.

„Unsere leichtgewichtigen Kartons helfen, den Klimaeffekt zu reduzieren", sagte Karell. Weniger Energie, Wasser und Fasern würden für die Produktion benötigt, das geringere Gewicht reduziere den Energieverbrauch und die CO2-Emission in der Wertschöpfungskette. Er nennt das „ Nachhaltigkeit, die Hand in Hand mit Kosteneinsparungen dahergeht". Metsä Board kann das gesamte aufgewendete Holz für die Frischfaserkartonproduktion zurückverfolgen. Alle Frischfaserzusätze stehen unter strenger Beobachtung und die Verwendung folgt den EU-Vorschriften. Sämtliche Metsä Board Werke sind ISO 22000 zertifiziert und entsprechen dem internationalen Food Safety Management Standard. „Die höchsten Hygiene-Standards werden auch während des Transports der Kartonprodukte beibehalten", betonte Karell. Die Frischfasern seien frei von Mineralölen wie auch die eingesetzten Chemikalien. Metsä Board empfehle auch deshalb, den Druck mit mineralölfreien oder migrationsarmen Druckfarben durchzuführen.

Doppelte Steigerung:
bei Kapazität und Service

Metsä Board hat seine Produktionskapazität für Karton durch Investitionen an drei Standorten in Finnland um 150.000 auf 935.000 Tonnen jährlich erhöht. Die Umbaumaßnahmen am Werk in Simpele wurden im Juni 2011, in Kyro im November 2011 und in Äänekoski im Mai 2012 abgeschlossen. Zudem wurde ein neues Kundendienst- und Logistikzentrum in Gohrsmühle/Deutschland eröffnet. Der Letzte in der der Prozesskette hat seine Aufgaben erledigt. Jetzt muss nur noch der Erste mitspielen.

 

Über die Firma
Metsä Board
Wiener Neudorf
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