Technik

„Die Effizienzgewinne liegen im Gesamtprozess“

neue verpackung: Der Verpackungsmarkt ist einem stetigen Wandel unterworfen. Welchen Herausforder-
ungen werden sich Verpackungsdrucker künftig stellen müssen?

Jürgen Grimm: Verpackungen werden in Zukunft noch mehr Funktionen erfüllen als nur Sicherheit, Schutz und Differenzierung allein. Informationen über Qualität und eine umweltfreundliche Herstellung zu transportieren, für die Marke zu werben und natürlich die Brücke zu Online-Medien schlagen - all das muss die Verpackung künftig noch viel mehr als heute leisten.
Die Herausforderung für Verpackungsdruckunternehmen liegt dabei nicht mehr nur darin, über die Verpackung die Entscheidung am Point of Sale zu beeinflussen, beispielsweise über ein aufmerksamkeitsstarkes Design oder attraktive Veredelungen. Die Verpackung muss künftig „smarter" werden und dem Verbraucher einen spürbaren Mehrwert bieten. Mit Smart Packaging sind beispielsweise Frischeindikatoren, Handhabungsverbesserungen oder interaktive elektronische Funktionen gemeint. Im Bereich des sogenannten Track und Trace wird es zukünftig nicht nur im Frischfleischbereich oder bei Pharmazeutika Weiterentwicklungen geben, so dass die Rückverfolgung von Produkten entlang der Lieferkette ein sich fortsetzender Trend bleiben dürfte.

neue verpackung: Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, haben Verpackungsdrucker spezielle Anforderungen, die von denen eines Akzidenzdruckers stark abweichen. Welche sind das?
Jürgen Grimm: Nun, die Verpackungsindustrie ist in fast allen Segmenten eine hochindustrialisierte Branche. Entscheidend ist hier ein möglichst effizienter Gesamtprozess. Das heißt nichts anderes als die Prozesseffizienz in der Produktion zu optimieren, um die einzelnen Prozessschritte - wie Drucken, Stanzen, Kleben - möglichst effizient zu verknüpfen. Obendrein sind die Ansprüche der Verpackungsdruckunternehmen an die Sicherheit des gesamten Produktionsablaufs besonders hoch. Insbesondere im Pharmaverpackungsbereich ist die Nutzenkontrolle zur Entdeckung kleinster Fehler und damit für die geforderte Haftungssicherheit relevant. Nicht zuletzt steigt auch in der Verpackungsbranche die Forderung nach Umweltverträglichkeit zusehends. Von Herstellern und Händlern wird zudem verlangt, dass sie die Verantwortung für die ökologische Herstellung und Lieferung ihrer Verpackung übernehmen.

neue verpackung: Und wie begegnet Heidelberg diesen Anforderungen?
Jürgen Grimm: Höchste Prozesseffizienz lässt sich nur über einen zentralen, standardisierten Workflow erreichen, der für die reibungslose Verknüpfung der Prozessschritte sorgt. Mit unserem Prinect Packaging Workflow verbinden wir als einziger Anbieter Verpackungsdesign, Management, Vorstufe, Druck und Weiterverarbeitung in einem durchgehenden Workflow. Für höchste Prozesssicherheit bieten wir im Druck und in der Weiterverarbeitung mehrfache Sicherheit mit technologisch ausgereiften Systemen zur automatischen Prozessüberwachung und Qualitätskontrolle, beispielsweise mit Messsystemen, die automatisch fehlerhafte Nutzen ausschleusen.
Was den Anspruch an eine umweltfreundliche Produktion angeht, bietet Heidelberg Lösungen, die den Verbrauch natürlicher Ressourcen reduzieren, Makulatur senken und Energie sparen. Hinsichtlich Klimawandel und Ressourcenverknappung stellen wir umweltfreundliche Maschinen und Peripheriegeräte bereit, um ressourcenschonend und energieeffizient entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu produzieren. Auch bei der eigenen Herstellung unserer Produkte nehmen wir das Thema Ressourcenvermeidung sehr ernst. Erst vor Kurzem haben wir an unserem größten Produktionsstandort Wiesloch-Walldorf ein Blockheizkraftwerk eingeweiht, das dort die Energiekosten um zehn Prozent reduzieren wird und jährlich 3.700 Tonnen CO2 einspart.

neue verpackung: Inwiefern hebt sich Heidelberg damit von anderen Anbietern ab?
Jürgen Grimm: Heidelberg hat das breiteste Angebot der Branche sowohl im Premium-Packaging-Bereich als auch für Volumen-
produzenten. Insbesondere im Hochqualitätssegment profitieren unsere Kunden am stärksten von unserem Equipment, mit dem sich High-End-Produkte reproduzierbar, effizient und zuverlässig herstellen lassen. Wir kombinieren im Verpackungsdruck unsere Expertise in den Bereichen Vorstufe, Druck und Weiterverarbeitung mit Services, Verbrauchsmaterialien und Beratungsangeboten - ein ganzheitliches Lösungsangebot also.
Für die aufmerksamkeitsstarke Differenzierung von Verpackungen am Point of Sale bieten wir in unserem Portfolio außergewöhnliche Veredelungsmöglichkeiten und speziell für den Verpackungsdruck konzipierte Sonderkonfigurationen. Unsere Verpackungsdruck-
maschinen im Großformat eignen sich bestens für die wirtschaftliche Produktion von großen Nutzen und hohen Auflagen. Und wenn es um die Sicherheit von Investitionen geht, punktet Heidelberg mit einem eigenen weltweiten Vertriebsnetz.

neue verpackung: Welche Rolle spielen Technologie-
trends, wie gedruckte Elektronik, für den Faltschachtel-
druck?

Jürgen Grimm: Das ist in der Tat noch Zukunftsmusik, wird sich jedoch in den nächsten Jahren rasch weiterentwickeln. Heidelberg arbeitet mit anderen Technologieunternehmen und Hochschulen zusammen, um Lösungen für das funktionale Drucken zu schaffen. Aus dieser Zusammenarbeit sind schon interessante Ergebnisse entstanden, die zeigen, wie Heidelberg zukünftige Anwendungen entwickelt und welche vielfältigen und aussichtsreichen Perspektiven Drucktechnologien bieten. Einige Ergebnisse waren bereits auf der Drupa zu sehen, teilweise als marktreife Produkte, so wie die Cristala-Designelemente für den UV-Drip-Off, oder als Demonstratoren, wie beispielsweise gedruckte OLED-Anzeigen.

neue verpackung: Wo wir gerade beim Stichwort Zukunftsmusik sind: Welche Trends sehen Sie für den Verpackungsmarkt der Zukunft?
Jürgen Grimm: In Zukunft wird es noch mehr darum gehen, 100-prozentig effizient und wirtschaftlich zu arbeiten. Momentan geht der Trend noch hin zu kleineren Auflagen. Dieser Trend wird von der optimalen Auflage abgelöst werden - die mit den wachsenden Anforderungen der Markenartikler in Form von Efficient Consumer Response (ECR)- und Just in Time (JiT)-Produktionskonzepten einhergeht. Dafür wird in naher Zukunft eine noch weiter automatisierte Qualitäts- und Effizienzkontrolle notwendig sein.
Verpackungsdruckunternehmen werden in Zukunft also die Fähigkeit entwickeln müssen, ECR- und JiT-Konzepte für ihre Kunden aufzusetzen, um Effizienzsteigerungen durch noch schlankere Prozesse zu generieren. Eine umweltfreundliche Produktion wird auch künftig zu den bestimmenden Trends gehören. Verpackungshersteller werden sich der Heraus-
forderung stellen müssen, schon aus Umweltgesichtspunkten künftig leichtere, dünnere und noch materialsparendere Verpackungen zu entwickeln und produzieren zu können.

Über die Firma
Heidelberger Druckmaschinen AG Print Media Academy
Heidelberg
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