Markt

Migrationsarmes Haftmaterial

Der Verbraucher wird derzeit von vielen kleinen und größeren Skandalen im Lebensmittelhandel erschüttert. Mal ist es die Lasagne, die Pferdefleisch enthält, aber eben nicht so gekennzeichnet ist, mal ist es ein Bio-Ei, das keines ist. Die Verbraucher sind verunsichert, der Aufschrei ist jedes Mal groß. Diese Phänomene kennen wir als Etikettenschwindel. Schlimmer aber ist es, wenn Lebensmittel gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten. Verpackungen sollen Lebensmittel ja schließlich genau davor schützen. Was aber, wenn die Verpackung selbst nicht für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet ist und nicht für den Verzehr geeignete Stoffe emittiert? 2011 war das Thema in aller Munde: Es ging um die Migration von Mineralölbestandteilen aus Kartonverpackungen in Nahrungsmitteln. Doch die Thematik ist nicht bloß auf Farben und Kartonverpackungen beschränkt, sie greift auch bei bedruckten und mit Etiketten versehenen Kunststoffverpackungen. Auch Bestandteile des Haftklebers von Etiketten können durch Lebensmittelverpackungen migrieren. Folien oder PET-Flaschen bilden nämlich anders als viele Menschen glauben eben keine ausreichende Barriere.

Innovative Mehrschichttechnologie
Hier setzt der Haftmaterialspezialist Herma an: Die Filderstädter zeigen, wie Etiketten deutlich migrationsärmer gemacht werden können, ohne dass die Haftqualität darunter leidet. Mit dem neuen Haftmaterial beugen die Entwickler der zunehmenden Diskussion über die Migration von Stoffen in Lebensmittel vor.

Doch blicken wir zunächst zurück: Wer erinnert sich denn in der Verpackungsbranche schon gerne an den Disput über die Migration von Mineralöl in Adventskalendern? Dass Bestandteile von Druckfarben durch Verpackungsmaterialien wandern können, hat die Lebensmittelindustrie aufgeschreckt. Allmählich rücken in dieser Diskussion nun auch Etiketten in den Fokus. Verpackungsspezialisten aus der Lebensmittelbranche fragen immer häufiger danach, ob einzelne Bestandteile des Haftklebers von Etiketten ebenfalls in Lebensmittel migrieren können und welche Folgen das eventuell hat. Grundsätzlich ist das Risiko bei Etiketten sehr viel geringer als bei Druckfarben: Geprüfte, also für Lebensmittelkontakt zugelassene Haftklebstoffe enthalten keine toxischen oder bedenklichen Stoffe. Aber die Hersteller von Lebensmitteln wünschen sich natürlich trotzdem, dass so wenige Stoffe wie möglich migrieren, zumal Verpackungsfolien häufig keine funktionelle Barriere-Eigenschaft haben. „Es gab auch in der Vergangenheit schon sehr migrationsarme Etiketten. Aber je migrationsärmer das Etikett war, desto schlechter wurden die Haftungseigenschaften", weiß Dr. Thomas Baumgärtner, Geschäftsführer des deutschen Haftmaterialspezialisten Herma, der auch in England mit einer Tochtergesellschaft aktiv ist. „Schlechte Haftungseigenschaften sind jedoch kein akzeptabler Kompromiss für die Lebensmittelindustrie. Dort sind sichere Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit ja essenziell."

Haftmaterialien müssen immer mehr leisten: Immer öfter kommt es durch die Zunahme von vorverpackten Lebensmitteln zu Etikettiersituationen in kritischer, kühl-/feuchter Umgebung. Standardhaftkleber stoßen da an ihre Grenzen, bekannte Spezialmaterialien für den direkten Lebensmittelkontakt haben aber deutlich schlechtere Hafteigenschaften. Der Herma-Geschäftsführer betont: „Wir lösen das nicht mit einem Spezialkleber, sondern mit unserer Mehrschichttechnologie". Mehrschichttechnologie? Baumgärtner erklärt: „Bei dieser Technologie werden verschiedene Dispersionshaftkleber übereinander im Beschichtungsprozess aufgetragen. Jeder dieser Haftkleber besitzt individuelle Eigenschaften, die sich in Kombination ergänzen und dadurch einen Mehrwert für den Kunden schaffen. Unter anderem ermöglicht »Herma Perfect«, so nennen wir diese Technologie, eine Aufhebung der Abhängigkeit zwischen der Klebeeigenschaft eines Haftklebers und seiner verarbeitenden Eigenschaften. Bei der Beschichtung eines einschichtigen Haftklebers kann man entweder gute Klebeeigenschaften oder eine gute Verarbeitung erzielen. Durch die gleichzeitige Beschichtung mehrerer Haftkleber können wir nun beides."

Es ist diese Technologie, die beim schwäbischen Haftmaterialspezialisten als Garant für die Entwicklung und Umsetzung neuer innovativer Produkte steht. Rein technisch gesehen, kommt es darauf an, die migrierbaren Bestandteile zu verringern, ohne die Haftungseigenschaften zu verändern, erläutert Dr. Baumgärtner. Das sei jetzt möglich, indem Herma auf das Etikettenmaterial den Haftkleber gleichzeitig mit einer speziellen Zwischenschicht aufträgt. Bei diesem Mehrschichtverfahren ist Herma nach eigenen Angaben weltweit einer der Pioniere.

Zugelassen für den direkten Lebensmittelkontakt
Eine weitere Besonderheit dabei: „Der eingesetzte Haftkleber hat sich im Markt schon lange bewährt, entscheidend für das Migrationsverhalten ist allein die neue Zwischenschicht", sagt Dr. Baumgärtner. Es handelt sich also keineswegs um ein Spezialprodukt, für das noch keine Erfahrung vorliegt. In Filderstadt wird die Mehrschichttechnologie inzwischen immer mehr zum Standard, ohne dass das Haftmaterial deswegen teurer wird. „Wenn Einkäufer von Verpackungs- und Verbrauchsmaterialien danach fragen, ist heute jede Etikettendruckerei in der Lage, sehr migrationsarme Etiketten zu liefern - zu Kosten, die nicht höher sind als bei einem vergleichbaren einschichtigen Etikett", betont Dr. Baumgärtner.

Wenig filigran mutet zunächst der erste Blick auf die hochautomatisierte und wohl modernste Beschichtungsanlage der Welt an. Länger als ein Fußballplatz ist diese Anlage mit ihren riesigen Walzen und Trocknern, die letztlich mehrere Schichten Haftkleber gleichzeitig aufbringen kann. Ein Verfahren übrigens, das sich besonders für migrationsarme Etiketten eignet. Im Curtain Coating werden hier simultan mehrere Schichten Klebstoffe aufgetragen. Dabei ist die Kombination der individuellen Eigenschaften unterschiedlicher Haftkleber-Rezepturen möglich, um damit in jeglicher Hinsicht bewährte Standardhaftkleber in die Lage zu versetzen, Anforderungen zu erfüllen, die noch vor kurzer Zeit undenkbar waren. „Die Mehrschichttechnologie macht Schluss mit dem Kompromiss zwischen Migration und Haftung bei fetthaltigen Lebensmitteln", freut sich Dr. Baumgärtner.

Der lebensmittelfreundliche Haftkleber mit der Bezeichnung 62Dps wurde von dem renommierten deutschen Prüfinstitut Isega bereits geprüft. Dabei erhielt er das Zertifikat für den direkten Lebensmittelkontakt, und zwar bei trockenen, feuchten und fettenden Oberflächen (Korrekturfaktor 3), wie auch schon eine ganze Reihe anderer Standard-Haftkleber. „Mit diesem neuen Haftkleber ist die verpackende Industrie auf der sicheren Seite", sagt der Herma-Geschäftsführer. Das gelte nicht nur für den direkten, mitunter versehentlichen Kontakt zum Lebensmittel, sondern auch in den Fällen, in denen Verpackungsmaterialien wie etwa Folien eine schützende Barriere suggerieren, sie aber nicht immer zu 100 Prozent gewährleisten können.

Für Sie entscheidend

Haftkleber für kühle und feuchte Oberflächen
Der Herma Perfect Tack (62Gpt) eignet sich für den direkten Lebensmittelkontakt bei fettenden Oberflächen und ist bis -10°C applizierbar.

Folienhaftkleber
Der Folienhaftkleber 62Xpc verbessert die Verarbeitung des Folienhaftverbundes und sorgt für eine bessere Haftung. Er eignet sich besonders für Produkte der Kosmetikindustrie, aber auch für den direkten Lebensmittekontakt.

Herma in Zahlen

Haftmaterial: Das bedeutendste Standbein der Filderstädter
Herma wurde 1906 von Heinrich Herrmann gegründet. Was damals als kleine Druckerei in Stuttgart-Wangen begann, ist heute zu einem Unternehmen mit annähernd 840 Mitarbeitern und einem Gruppenumsatz, der bei rund 246 Mio. Euro liegt, angewachsen. Das Headquarter des Unternehmens ist seit 2008 in Filderstadt. Herma stellt Etiketten, Etikettiermaschinen und Haftmaterial her. Die Produkte wurden im vergangenen Jahr in 81 Länder exportiert. Dies entspricht einer Exportquote von 53 Prozent. Herma ist noch heute in Familienbesitz. 30 Gesellschafter halten Anteile an diesem mittelständischen Betrieb, der eine beachtliche Eigenkapitalquote von größer 50 Prozent hat. Von den etwa 246 Mio. Euro Umsatz 2012 entfielen 56,9 Prozent auf den Bereich Haftmaterial, das Geschäft mit den Etikettiermaschinen machte einen Anteil von 12,7 Prozent aus, und der wohl bekannteste Bereich der Filderstädter, das Segment Etiketten, in dem Selbstklebeprodukte für Industrie, Büro, Druckerei, Foto, Schule, Hobby und Haushalt produziert werden, lag bei 30,2 Prozent. Kennen Sie eigentlich die bekannteste Erfindung von Herma? Nein? Oh, doch: Es ist die Fotoecke, die in den 30er Jahren den Erfolg des Unternehmens begründete und bis vor wenigen Jahren in keinem gutsortierten Haushalt fehlen durfte. 1951 folgte die Einführung der Selbstklebeetiketten zur Preisauszeichnung, die erst den modernen Einzelhandel mit Selbstbedienung ermöglichten.

 

Über die Firma
Herma GmbH
Filderstadt
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