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Markt - Unternehmen

Drei Tage, drei Pharmagrößen

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Zwei Jahre dauerte das größte Neubauprojekt in der Firmengeschichte bei Bausch + Ströbel, am Ende stand in Ilshofen dann die Werkshalle, in der der Maschinenhersteller seine Hausmesse abhielt. Doch Raum entstand nicht nur für die Produktion, auch der Bereich Forschung & Entwicklung strahlt in neuem Glanze.

Hier können nicht nur die hauseigenen Ingenieure und Techniker Entwicklungen vorantreiben, sondern auch Kunden eigene Versuchsreihen an der Pulvertesteinheit durchführen, verschiedene Rühreinheiten inklusive. Zwei der entstandenen Räume kann das Personal jederzeit zu Reinräumen umfunktionieren; der angeschlossene Besprechungsraum ermöglicht eine sofortige Dokumentation der erzielten Ergebnisse vor Ort.

Genau, genauer, Ecofill

Frisch aus dem Entwicklungslabor kommt die Füllmethode Ecofill, die Harald Bauer in einem Vortrag erläuterte. Bei Ecofill erfolgt zunächst eine grobe Vorfüllung des Behälter mit einer großen Nadel über ein Zeit-Druck-System. Im nächsten Takt wird dann auf einer Waage mit feiner Nadel feindosiert. Zwar benötigt man auf der Maschine bei dieser Methode mindestens zwei Takte um den Behälter zu füllen, dafür ist die Genauigkeit um den Faktor 30 höher als bei der Standardabfüllung. Die geringere Toleranz im Abfüllergebnis spart somit Abfüllmedium. Ebenso verringert sich der Ausschuss beim Anfahren der Maschine bzw. wenn das Ende der Abfüllung erreicht ist.

Das Fazit: Aus der gleichen Ausgangsmenge können mehr Behälter abgefüllt werden. Ebenfalls neu und erstmalig auf der Hausmesse gezeigt: Peristaltikpumpen, die keinen Y-Verteiler benötigen. Das System arbeitet mit zwei Schläuchen, in den ein alternierend positiver/negativer Impuls einen kontinuierlichen Strom erzeugt. Betreiber profitieren vor allem dadurch, dass Schlauch und Nadel eine Einheit bilden. Mit den hierdurch reduzierten Rüstzeiten und einer Konstruktion, die ein einfaches Reinigen ermöglicht, kann der Anwender Stillstandszeiten auf ein Minimum reduzieren.

Steigert die Sauberkeit, senkt den Verbrauch

Im Rahmen des Vortragsprogramms berichtete Werner Iländer über sein Forschungs- und Entwicklungsprojekt EcoWash. Bei der herkömmlichen Reinigung von Flaschen und Vials wird ein Sprühstrahl gegen den Gefäßboden gerichtet. Dies führt zu guten Reinigungsergebnissen am Boden, die Wände können jedoch Restschmutz aufweisen. Um dies deutlich zu machen, wurde zunächst eine sehr stark haftende Testsubstanz entwickelt.

Ziel der Untersuchungen war es, neben einer verbesserten Reinigungsleistung den Wasser- und Luftverbrauch zu verringern und die Schallemissionen zu reduzieren. Dazu experimentierte Iländer mit verschieden gestalteten Reinigungsdüsen, die nicht mehr nur den Boden sondern auch die Wände anstrahlen. Die Ergebnisse sind verblüffend: Durch die veränderte Spitzengeometrie der Düse lassen sich bis zu 40 % Wasser bei der Reinigung einsparen und der Luftverbrauch bei der anschließenden Trocknung lässt sich um bis zu 65 % reduzieren.

Willkommen in der Matrix

Highlight der Hausmesse war aber ganz klar der VR-Center: Die Kombination aus Leinwand, Beamer, 3D-Brille und Sensoren ermöglicht es, am PC konstruierte, aber noch nicht gebaute Maschinen zu betrachten. In Zukunft könnte diese Technologie das klassische Holzmodell ersetzen, so die Vorstellung der Entwickler. Die Arbeit im virtuellen Raum beschleunigt die Umsetzung von Projekten und den letztendlichen Einsatz beim Pharmaproduzenten. Denn bereits am CAD-Modell können die Verantwortlichen Bewertungen zum Arbeitsschutz vornehmen und sogar Schulungen abhalten. Das bisherige Kundenfeedback beschreibt das Unternehmen als sehr positiv.

Aller guten Dinge sind drei

Die Hausmesse bei Harro Höfliger in Allmersbach im Tal gewährte den Besuchern ebenfalls einen Blick über das Produkt- und Leistungsportfolio des Unternehmens. Wie auch bei Bausch + Ströbel gilt: Kunden steht es offen, Produktproben im hauseigenen Pulverabfüllsystem zu testen. Neben der Möglichkeit des Vor-Ort-Testens beinhaltet das Entwicklungskonzept des Unternehmens noch weitere Vorteile für Anwender, wie Stefan Bernsau, Division Leader bei Harro Höfliger, erklärt: „Wann immer wir ein neues Projekt angehen, haben wir den Upscale-Prozess bereits im Hinterkopf." Und bei den Komponenten die das Unternehmen nicht selbst produziert, beispielsweise den verwendeten Pumpen, gibt es keine festen Zulieferer. „Hierdurch kann sich der Kunde darauf verlassen, dass wir eine neutrale, auf ihn zugeschnittene Wahl treffen", führt Bernsau aus. Am Ende stehen dann Anwendungen wie das Kapselwägesystem Accura-C: Die Anwendung erfasst in der Stunde bis zu 160.000 Kapseln, wobei die Maschine jedes einzelne Stück dreimal wiegt; die Genauigkeit beträgt ± 2 mg bei 3 Sigma.

Kundennähe aus der Ferne
Es ist das erklärte Ziel des Unternehmens, Stillstände beim Kunden möglichst kurz zu halten. Darum rückt der Servicegedanke auch immer mehr in den Mittelpunkt, nicht zuletzt auch im Verkaufsgespräch. Um auftretende Fehler möglichst zeitnah analysieren und lösen zu können, integriert der Hersteller sein digitales Service-Portal direkt dort, wo es am meisten Nutzen bringt: Im HMI der Maschine. Tritt ein Problem auf, kann das Personal dieses direkt im Menü definieren und die Service-Techniker bei Höfliger kontaktieren. Diese können sich dann, die Freigabe des Kunden vorausgesetzt, via Internetverbindung in die betreffende Anlage einloggen. Anwender und Service stehen also im direkten Kontakt, können sich über VoIP besprechen sowie Bilder und Dokumente austauschen.

Ebenfalls möglich ist eine Kamera-Konferenz; hier haben Betreiber die Wahl zwischen einer fest installierten sowie einer aufsteckbaren Version. Stehtam Ende der Fehlersuche die Erkenntnis, dass der Anwender ein defektes Teil austauschen muss, kann er dieses über einen ebenfalls im HMI integrierten Ersatzteilkatalog bestellen. Die Lieferzeit beträgt, weltweit, laut Hersteller nie mehr als zwei Tage. Eine History-Funktion ermöglicht es allen Beteiligten, auch zu einem späteren Zeitpunkt einsehen zu können, wer sich wann in das System eingeloggt hat und welche Änderungen vorgenommen wurden.

Ein weiteres Feature ist die Erinnerungs-Funktion: Ob fällige Wartung oder der Austausch von Verschleißteilen - das System hält den Benutzer stets auf dem Laufenden. Auf das System einloggen können sich hierzu autorisierte Personen auch über mobile Geräte, die Technik hierfür ist TÜV-IT-zertifiziert. Aus Sicherheitsgründen ist es aber nicht möglich, die Maschinenparameter über diese Zugangsart zu manipulieren. Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist, dass der Bediener virtuelle Verbindungen zur Maschine jederzeit unterbrechen kann - auch solche, die er vorher selbst genehmigt hatte. Die Kontrolle bleibt also stets in einer Hand: der des Produzenten.

Last but not least
Auch Uhlmann nutzte die Gelegenheit seinen Kunden zu zeigen, wie das Unternehmen arbeitet. Darum konnten die Besucher neben der in einem Zelt aufgebauten Hausmesse auch die Werkshallen in Laupheim besichtigen. Hier standen insgesamt fünf verschiedene Maschinenlinien, darunter die B 1880. Mit 1.300 Blistern pro Minute ist sie die derzeit schnellste Maschine ihrer Art. Aber auch kleinere Module, wie den Straffbanderolierer S 3025 gab es zu besichtigen. Auch zum immer mehr in den Mittelpunkt gerückten Feld „Track & Trace" gab es Konkretes zu sehen: Den Case Packaging Center 10. Dieser vereint den Kartonsammelpacker E 4010t mit dem Palettierer P 5010 zu einem mit durchgängig integriertem Bottle-Tracking ausgestatteten System. Für Uhlmann war es die bereits fünfte Hausmesse, und in Summe die bisher erfolgreichste: Am Ende konnte der Veranstalter 700 Besucher zählen.

Schritt für Schritt
Daneben stellte der Maschinenhersteller sein Produktionskonzept vor: Statt die einzelnen Systeme komplett an einer Stelle zu montieren, hat das Unternehmen Stationen innerhalb der Werkshallen eingerichtet. An jedem dieser Montageplätze gibt es einen definierten Bereich, den die Techniker aufbauen, danach geht es zur nächsten Station. Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch die vergleichsweise überschaubaren Arbeitsschritte sitzt beim Personal jeder Handgriff. Außerdem ist an jedem der Plätze genau das Werkzeug abgelegt, das für den jeweiligen Montageschritt benötigt wird - vermeidbare Zeitverluste, die durch das Auffinden des richtigen Schraubenschlüssels entstehen, gehören so der Vergangenheit an. Das erhöht die Produktivität und der Kunde profitiert von geringeren Wartezeiten bis zur Auslieferung.

Gemeinsam Stark
Ziel der gleichzeitig an drei Standorten stattfindenden Veranstaltung war es aber nicht nur, die Stärken der einzelnen Unternehmen zu zeigen, sondern auch das Gemeinschaftsprojekt Excellence United und dessen Vorteile für den Kunden zu zeigen: Der Verband, dessen Mitglieder erstmals auf der Interpack 2011 gemeinsam auftraten, besteht aus den Unternehmen Bausch + Ströbel, Fette Compacting, Glatt, Harro Höfliger sowie Uhlmann und hat es sich auf die Fahne geschrieben, dem Kunden Komplettlösungen aus einer Hand anzubieten.

Von Laborgeräten bis hin zu Produktions- und Verpackungsbeilagen - die Unternehmensallianz begleitet ihre Kunden auf Wunsch entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Doch auch nach der Inbetriebnahme profitieren die Betreiber: Durch den Zusammenschluss der Service-Einheiten entstand ein Netzwerk von 600 Mitarbeitern, verteilt über den gesamten Globus. Hierdurch können sich Stillstandszeiten im Servicefall noch einmal reduzieren.

 

Über die Firma
Bausch + Ströbel GmbH + Co. KG Maschinenfabrik Ilshofen
Ilshofen
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