Technik - Tray-Skin-Verpackung

Meeresfrüchte und Fisch frisch aus dem Tray-Skin

neue verpackung: Herr Bourdilloud, was war die Ausgangslage bei diesem gemeinschaftlichen Projekt?
Marc-André Bourdilloud: Micarna steht auf dem Schweizer Markt für „Swissness": Damit verbinden wir Qualität, Professionalität, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit. Diese müssen sich nicht nur in erstklassigen Produkten, sondern auch in exzellenten Verpackungen widerspiegeln. Unsere Anforderungen an Verpackungsprozesse lassen sich ebenfalls knapp zusammenfassen: einfach, schnell, effizient - mit technisch perfektem und optisch ansprechendem Ergebnis. Dabei müssen wir höchst flexibel in der Produktion sein. Unsere Kunden bestellen oftmals am Vorabend für den nächsten Tag. In der Regel durchlaufen etwa 200 verschiedene Produkte pro Tag unsere Produktion. Auf der Suche nach einer funktionalen Verpackungslösung für unser Seafood-Grillsortiment haben wir mit Bachmann Forming, Sealed Air und Sealpac auf bewährte Partnerschaften zurückgegriffen, um gemeinsam zu einer modernen Lösung zu gelangen. Wir haben uns schließlich für das Tray-Skin-Verfahren entschieden.

neue verpackung: Wie sieht diese Lösung aus und welche Vorteile bietet sie für Hersteller, Handel und Konsumenten?
Marc-André Bourdilloud: An unserem Standort Ecublens in der Westschweiz verarbeiten und verpacken wir in einer Sechstagewoche frischen, eisgekülten Fisch in eineinhalb Schichten. Dafür stehen in unserer Produktionshalle zwei identische Sealpac A6 Traysealer direkt nebeneinander. Die dazugehörigen Werkzeuge für unterschiedliche Formate sind auf beiden Anlagen einsetzbar. So sind wir äußerst flexibel in unseren Planungen und können Mengen und Formate variieren. Das ist auch notwendig, denn wir produzieren jeden Tag viele verschiedene Produkte und auch Verpackungsformate. Die Tray-Skin-Verpackungen eignen sich nicht für jedes unserer Produkte. Für ein Stück Lachs oder Garnelen beispielsweise sind sie jedoch eine echte Aufwertung, denn bei diesem Verfahren wird das Produkt direkt in die Verpackungsschale geskinnt. Es liegt dort gut geschützt durch Schale und Oberfolie und ist gleichzeitig gut sichtbar. Mit Tray-Skin können wir dem Handel Produkte von hoher Qualität bieten, die eine verlängerte Haltbarkeit aufweisen und ein echter Blickfang sind. Zudem bietet uns diese Verpackung die Möglichkeit, eine Öffnungshilfe zu integrieren - das schätzen die Verbraucher ganz besonders.

neue verpackung: Vor welchen besonderen Anforderungen standen die einzelnen Partner bei diesem Projekt und welche Lösungswege wurden entwickelt?
Peter Amrein: Im Tray-Skin-Verfahren ist eine Verpackungsschale großen Beanspruchungen ausgesetzt: Sie wird durch eine Folie, die sich im erwärmten Zustand über das Produkt legt und den Konturen anpasst sowie durch die erhitzte Siegelnaht belastet. Dabei wirken große Kräfte, die von allen Seiten an der Schale zerren. Diesen Anforderungen muss der Tray standhalten, er darf sich nicht verziehen. Bachmann Forming ist nach verschiedenen Tests mit einer im Tiefziehverfahren vorgefertigten Polypropylen-Schale mit EVOH-Barriere (PP-EVOH-PE peel 500 µ) zu einer idealen Lösung gelangt. Diese Schale hält Temperaturen bis 120 °C aus. Durch den speziell geformten Schalenrand in U-Form haben wir ihr zusätzliche Stabilität verliehen.

Norbert Berglas: Für diese Schale war von Sealed Air eine hochwertige und hochtransparente Folie mit hohen Barriereeigenschaften gefordert, die außerdem ein gutes Peel-Verhalten aufweisen musste, damit am Ende eine einfach zu öffnende Verpackung entsteht. Wir sind für die Seafood-Verpackungen von Micarna schließlich zu unserer VST-0280 Skin Folie - einer 150-µ-Hochbarriere-Folie gelangt, die eine sehr gute Maschinengängigkeit beweist.

Remo Weder: Mit dem für unsere Traysealer entwickelten Tray-Skin-Verfahren kamen wir in den Testphasen für Micarna auf unseren A6-Traysealern zu technisch einwandfreien Ergebnissen, also zu sicher verschlossenen Schalen. Jedoch genügte die Optik zunächst nicht unseren Ansprüchen, denn unsere Anlagen sind bekannt für einen makellosen Inside-Cut-Konturenschnitt, der für eine millimetergenaue Passform der Oberfolie innerhalb des Schalenrandes sorgt. Dieser war bis dato mit dem relativ neuen Tray-Skin-Verfahren noch nicht möglich. Unsere Ingenieure haben sich jedoch dafür engagiert, dies zu realisieren. Es ist uns schließlich auch gelungen, sodass wir für Micarna zu einer echten High-End-Lösung gelangt sind - optisch perfekt bei reduziertem Folienverbrauch.

Marc-André Bourdilloud: Wichtig war uns außerdem, dass sich die Produkte aus dem Grillsortiment leicht aus der Packung entnehmen lassen. Verpackungen, die ohne Werkzeug schwer oder gar nicht zu öffnen sind, sind in unserer Branche ein leidiges Thema - auch hier strebten wir gemeinsam eine praktikable Lösung an.

Remo Weder: Eine Schale und eine Oberfolie mit guten Peel-Eigenschaften sind dafür natürlich die erste Voraussetzung. Zusätzlich haben wir vorgeschlagen, die Verpackungsschalen mit einer von uns entwickelten Öffnungshilfe zu versehen, die wir Easy Peel Point nennen: Dabei besitzt die Verpackungsschale innerhalb ihrer Kontur an der Peel-Ecke eine kleine Mulde. Die Folie lässt sich zum Öffnen sehr gut greifen, löst sich dabei vom Siegelrand und lässt sich dann mühelos abziehen.

Norbert Berglas: Auch die verlängerte Haltbarkeit des Inhaltes ist ein echtes Argument für Skin-Verpackungen. Konsumenten ist dies äußerst wichtig. Sie gehen die Produkte durch und prüfen die Haltbarkeitsdaten. Wir haben die Haltbarkeit über mehrere Monate getestet.

neue verpackung: Neben Produktschutz, verlängerter Haltbarkeit und verbesserter Öffnungsqualität ist die Tray-Skin-Lösung auch aus Marketing-Sicht interessant. Welche Möglichkeiten eröffnet sie?
Marc-André Bourdilloud: Das Produkt steht bei dieser Art der Verpackung absolut im Vordergrund. Das Profil des Inhalts ist durch die hochtransparente Folie, die sich wie eine zweite Haut anschmiegt, sichtbar und fühlbar - ein optisches und haptisches Erlebnis, das bei den Kunden gut ankommt und Interesse weckt. Da die transparente Folie kaum sichtbar ist, haben wir schon häufig Kunden beobachtet, die unsere Verpackungen erstaunt abtasten oder umdrehen.

Peter Amrein: Eine Besonderheit der Verpackungen für das Seafood-Sortiment liegt darin, dass wir sehr flache Schalen verwenden konnten, in denen die Produkte besonders gut zur Geltung kommen. Aus Marketing-Sicht wären sicher noch flachere Schalen wünschenswert, die das Produkt weiter hervorheben. Das ginge jedoch zu Lasten der Stabilität der Verpackung.

Remo Weder: Die Optik spielt insgesamt eine große Rolle. Am Point of Sale vermittelt das Produkt einen tollen 3-D-Effekt und kommt deshalb besonders gut zur Geltung. Da die Seafood-Produkte fest in ihrer Verpackung sitzen und nicht verrutschen, lassen sie sich hängend auf Augenhöhe im Handel präsentieren.

neue verpackung: Nachhaltigkeit spielte bei dieser Verpackungsentwicklung eine wichtige Rolle und hat sich in der gesamten Branche zum Trendthema entwickelt. Wie können sich Lebensmittelproduzenten und Verpackungsanbieter dafür einsetzen?

Marc-André Bourdilloud: Der Einsatz für mehr Nachhaltigkeit ist in unserer Unternehmensphilosophie fest verankert und fängt bereits bei den eingekauften Rohwaren an. So haben wir unser Sortiment auf die bestandserhaltende Fischerei umgestellt, richten uns im Segment Seafood nach dem weltweit vom WWF vergebenen Punktesystem und kaufen Produkte aus nachhaltigeren Quellen, die als sehr empfehlenswert, empfehlenswert oder akzeptabel eingestuft werden. Speziell bedrohte Arten haben wir komplett aus unserem Sortiment gestrichen. Auch von unseren Partnern erwarten wir natürlich Engagement in Sachen Nachhaltigkeit.

Remo Weder: Sealpac begegnet dem Thema Nachhaltigkeit mit Anlagen, die besonders energieeffizient arbeiten und immer weniger Material verbrauchen, beispielsweise durch den vorhin beschriebenen Inside-Cut-Konturenschnitt. Wir unterstützen außerdem die Initiative Save Food, die sich zusammen mit der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen aktiv für den Kampf gegen Lebensmittelverluste einsetzt.

Norbert Berglas: Laut verschiedener Studien landet heutzutage weltweit ein beträchtlicher Anteil der hergestellten Lebensmittel auf dem Müll. In Deutschland etwa jedes achte Produkt – eine erschreckende Zahl! Wir alle sind gefordert, daran zu arbeiten, dass diese Zahl so niedrig wie möglich ist. Die Verpackungsindustrie kann unter anderem durch innovative Verpackungslösungen die Haltbarkeit von Lebensmitteln verbessern. Mehr Nachhaltigkeit heißt aber auch, sparsamer mit Ressourcen umzugehen. Unseren Kunden wird dieses Thema immer wichtiger. Sie fordern immer dünnere, funktionale Folien. Wir erwarten, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird. Dennoch sollte bei jedem Projekt die Produktsicherheit an erster Stelle stehen. Nicht immer ist diese bei extrem dünnen Folien gewährleistet. Bei Projekten wie der Entwicklung der passenden Verpackungslösung für Micarna Seafood vertritt Sealed Air als Folienhersteller daher den Standpunkt, mit einer sicheren Lösung zu beginnen. Aktuell setzen wir zum Beispiel eine 150 µ-Folie ein, mit der die Verpackungsherstellung einwandfrei funktioniert. Das ist eine gute Basis, um weiter mit dem Material zu experimentieren und Schritt für Schritt die Folienstärke und damit den Materialeinsatz zu reduzieren. Was die verbesserte Haltbarkeit der Produkte angeht: Es ist durchaus möglich, diese durch eine spezielle Barrierefolie und eine entsprechende Schale noch weiter zu erhöhen. Allerdings darf man nicht vergessen: Bei Fisch und Meeresfrüchten reagieren die Verbraucher sehr sensibel, wenn es um die Aufbewahrung geht: Ist die angegebene Mindesthaltbarkeitsdauer ungewohnt lang, werden die Konsumenten skeptisch – was technisch möglich ist, ist daher nicht immer die beste Lösung.

Peter Amrein: Auch bei Bachmann Forming ist der schonende Umgang mit Ressourcen ein wichtiger Aspekt, den wir bei all unseren Entwicklungen berücksichtigen, also zum Beispiel durch die Herstellung von Schalen unter weiter reduziertem Materialeinsatz. Ich sehe es jedoch ebenso: Das darf nicht zulasten der Qualität gehen – darin liegt für unsere Branche immer die größte Herausforderung.


Über die Unternehmen

Micarna SA
Die Micarna SA gehört zu den führenden Unternehmen auf dem Schweizer Fleischmarkt und ist spezialisiert auf Fleisch und Fleischwaren, Geflügel und Seafood. Das Unternehmen produziert mit rund 2.300 Mitarbeitern an acht Standorten in der Schweiz. Micarna ist Teil der M-Industrie, die mit ihren 17 leistungsstarken Unternehmen in der Schweiz und drei Betrieben im Ausland zur Schweizer Migros-Gruppe gehört. Mit über 20.000 hochwertigen Food- und Near-Food-Produkten ist sie einer der größten Eigenmarkenproduzenten weltweit und exportiert in rund 50 Länder weltweit. An den Standorten Zürich und Ecublens in der Westschweiz betreibt Micarna seit 2007 das Seafood-Geschäft. Hier werden jährlich über 6.300 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte verarbeitet und später über die Migros-Filialen vertrieben.

Bachmann Forming AG
Die Bachmann Forming AG ist auf Verpackungen aus Kunststoff im Tiefziehverfahren für den Food- und Non-Food-Bereich spezialisiert. Sie ist Teil der Bachmann.CH-Gruppe, einem Schweizer Familienunternehmen mit Sitz in Hochdorf bei Luzern, das mit 250 Mitarbeitern Verpackungslösungen sowie Displays und Leuchtreklame anbietet.

Sealed Air Corporation
Sealed Air ist einer der weltweit führenden Anbieter von Systemen und Lösungen für die Bereiche Verpackungstechnik und Lebensmittelwissenschaft, Gebäudereinigung, Hygiene und Lebensmittelsicherheit. Mit über 25.000 Mitarbeitern und 145 Produktionsstätten ist das Unternehmen in 175 Ländern vertreten.

Sealpac GmbH
Die Sealpac GmbH mit Stammsitz in Oldenburg ist spezialisiert auf Thermoform- und Traysealer-Technologien sowie Verpackungslösungen wie zum Beispiel Easy Peel Point, Easy Lid oder Tender Pac. Zum Einsatz kommen diese Lösungen mittlerweile in über 40 Ländern.

Über die Firma
SEALPAC GmbH
Oldenburg
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