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Value Added Packaging

Hingucker Verpackung: Auf das Äußere kommt es an

Zulieferer, Drucker, Label- und Faltschachtelhersteller, Kreativ- und Produktionsagenturen sowie Brand-Owner waren zu dem Forum gekommen, um neue Ideen, Informationen und eben auch Inspirationen mit nach Hause zu nehmen.

Fehlen letztere, kann dies schwere Folgen haben, wie Ernst Krottendorfer, Management Consulting Partners, berichte: „Wenn die Inspiration fehlt, entstehen Preiskriege“, so der Unternehmensberater. Zum Einstieg in die Veranstaltung erörterte er Ursachen und Lösungen für Preiskriege in der Verpackungsindustrie. Krottendorfer, seit gut 20 Jahren in der Branche tätig, zeigte, wie die Macht des Kunden die Spirale abwärts antreiben kann: Kunden seien heutzutage in der Lage, Marktungleichgewichte auszunutzen, was zum „Competitive Bidding“ seitens der Unternehmen führe. Dadurch verringere sich letztendlich der Deckungsbeitrag der Unternehmen, da sie sich durch wiederholte Preiszugeständnisse gegenüber dem Kunden gegenseitig die Geschäfte wegnähmen. Die Profiteure: marktbeherrschende, große Unternehmen.

Zur Demonstration lockte er das Publikum mit einem Auktions-Spiel, bei dem die Teilnehmer 100 Euro ersteigern konnten. Es galt: Das jeweilige eigene Gebot musste ein Teilnehmer abtreten, um die Differenz zur 100-Euro-Marke zu erhalten (bei einem Gebot von 40 Euro würde man 60 Euro ersteigern). Gleichzeitig sollte der unterlegene Höchstbietende zahlen – ein Verlierer war also vorprogrammiert, genauso wie bei den ruinösen Preiskämpfen der Unternehmen. Während des Vortrags blieb es allerdings bei einem fiktiven Verlierer.

Um Preiskriege zu vermeiden, sei die „Non-Price Competition“ eine gute Strategie, bei der Unternehmen mit Innovationen punkten. Aber auch kundenspezifische Investitionen seien entscheidend. Krottendorfer nannte die Abstimmung ganzer Fabriken auf den Bedarf eines einzelnen Kunden – in der Verpackungsindustrie häufig vorkommend. Hersteller wie Rexam oder die Weidenhammer Packaging Group produzieren direkt am Standort des Kunden: Rexam neben dem Abfüller von Red Bull im österreichischen Ludesch, Weidenhammer im Werk Mechelen, Belgien, wo auch die Pringles-Chips hergestellt werden. Das Ziel aller kundenspezifischen Investitionen seien niedrigere Kosten sowie größere Flexibilität, vor allem aber die Kundenbindung. Weiterhin sollten Unternehmen in größerem Umfang an den Endkonsumenten denken, also „an den Kunden des Kunden“, so Krottendorfer. Schließlich seien Systemgeschäfte – Beispiel Tetra Pak – ein Weg, um eine „Power Position“ zu erlangen.

Branche zusammenführen

Rainer Kuhn, Managing Director der Print City GmbH, möchte mit dem Packaging Inspiration Forum alle Beteiligten der Wertschöpfungskette zusammenbringen: „Wir kommen aus Bereichen wie Technik, Verpackung, Druck und für uns wird es immer wichtiger, den Dialog nicht nur zu direkten Kunden, sondern auch zu den Kreativen, zu den Brand-Ownern, ja zu allen Spielern im Markt herzustellen.“

Nach einem erfolgreichen ersten Packaging Inspiration Forum in Düsseldorf im April 2013, entschied sich der Veranstalter, das Konzept beizubehalten – dieses Jahr mit fünf Keynote-Präsentationen sowie weiterführenden Diskussionen in verschiedenen Breakout-Sessions, aus denen die Teilnehmer frei nach Interesse wählen konnten. Die Keynote-Sprecher gaben Antworten auf: Wie verleihen Verpackungen Marken eine Stimme? Wie sieht die optimale Beratung eines Unternehmens aus? Was entwickelt sich Neues auf dem Gebiet der gedruckten Elektronik? Mit welchem Konzept soll eine Kaffeekapsel-Marke in einen neuen Markt eingeführt werden? Die Breakout-Sessions drehten sich um Effiziente Veredelung, Paperboard and Shape, Brand Enhancement, Gedruckte Elektronik, Digitale Verpackung, Offset/Hybrid für flexible Verpackungen sowie Effiziente Workflows.

Philipp Eißner, Group Innovation Manager A&R Carton und Stefan Kranz, Technical Development Manager Metsä Board, zeigten mit „Paperboard and Shape“ ausgefallene Verpackungsformen, die aufmerksamkeitsstark sind, ohne Mehrkosten hinsichtlich Materialeinsatz und Klebetechnik zu verursachen. So zögen im Regal zuerst runde Formen, dann das Display, dann erst der Tower die Blicke auf sich. Bekanntes Beispiel und anders kaum vorstellbar: die sechseckige Choclait-Chips-Verpackung. Die von Eißner und Kranz gezeigten Exemplare gingen noch einen Schritt weiter. Angefangen von der veränderten Gestaltung einer Kartonecke über „vieleckige“ Kartons bis hin zu runden Versionen, die eher an ein Tetra Pak erinnern als an eine Faltschachtel, zeigten sie den Bereich des Möglichen.

Verpackungsdesign: Lederoptik und Metallknöpfe

Neue Formen der Verpackungsveredelung demonstrierten Alexander Dort, Designer und Medienproducer CMD, und Dieter Widmann, Head of Process Technology Gallus, anhand der Value-Added-Packaging-Mappe, die auf der Drupa 2012 erstmalig vorgestellt wurde. Darin 25 Beispiele für Faltschachteln in je fünf verschiedenen Designs und Veredelungsvarianten. Fast 20 Unternehmen arbeiteten an dem Projekt. Dieses Jahr dazugekommen: zwei Beispiele einer Getränkeumverpackung mit stark ausgeprägten haptischen und visuellen Effekten in Form von Lederoptik und echt wirkenden Metallknöpfen. Ein Mattlack mit darüberliegender Glanzlack-Linierung, macht die Verpackung weich und uneben – eben fast wie echtes Leder. Die Bogen wurden in nur einem Durchlauf auf einer Gallus ICS 670 gefertigt. Rund zehn unterschiedliche Effekte wirken an den Luxus-Verpackungen – angefangen von Heißfolienprägung, Iriodin-Lack, UV-Glanz- und Dispersions-Mattlack, Tiefprägung bis hin zu Stanzen, Rillen und Hochprägung.

Das Packaging Inspiration Forum soll auch in Zukunft in eine neue Runde gehen. „Wir haben bereits Vordiskussionen geführt. Es wird sicherlich eine weitere deutsche Veranstaltung geben. Außerdem besteht die Überlegung, ein internationales Forum zu veranstalten. Das Grundkonzept wird sicherlich weiter leben“, so Kuhn. An fehlender Inspiration wird es nicht mangeln.

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Melanie Swiatloch

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