Interpack - Expertengespräch

Neues Angebot zur interpack

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neue verpackung: Komponentenhersteller konnten bisher nicht auf der interpack auftreten, das ließ die Nomenklatur nicht zu. Jetzt hat die Messe Düsseldorf die Components, die parallel zur interpack während der ersten drei Messetage stattfindet, ins Leben gerufen. Herr Jablonowski, Sie sind der Projektleiter der interpack, was erwartet die Messe Düsseldorf langfristig von der Components? Bernd Jablonowski: Die Messe Düsseldorf  hat die Components ins Leben gerufen, um ein Zusatzangebot zur interpack zu schaffen. Die Komponentenanbieter hatten bisher zwar immer die Möglichkeit, sich als Bestandteil einer Maschine zu präsentieren, wir haben im Beirat der interpack aber entschieden, dass wir den Komponenten als sehr wichtigem Bestandteil einer Verpackungsmaschine eine eigene Plattform geben möchten. Diese Plattform konnte aus zwei Gründen nicht die interpack selber sein. Erstens sind wir so gut gebucht, dass wir schon die große Nachfrage der regulären Aussteller der interpack momentan nicht vollständig bedienen können. Zweitens passen die Komponenten nicht in das  Warenverzeichnis der interpack, bei dem die Schwerpunkte bei Süßwaren- und Verpackungsmaschinen, Prozesstechnik sowie dem gesamten Packmittelbereich liegen.

Nun ging es darum, einen Kompromiss zu finden, denn der Wunsch nach Beteiligung seitens der Zulieferer ist natürlich da. Sie möchten sich gerne auf der interpack präsentieren, weil dort ihre Kunden sind. Wir haben aber umgekehrt schon immer gesagt, dass diese Angebote eben nicht in die Struktur der interpack passen. Ich denke, mit der Components in der jetzigen Form haben wir eine gute Lösung gefunden: Wir bieten den Komponentenanbietern eine eigene Veranstaltung, die an drei Tagen in direkter Nachbarschaft und  parallel zur interpack stattfindet. So geben wir der Zulieferindustrie die Möglichkeit, mit den ausstellenden Unternehmen der interpack direkt in Kontakt zu treten – konzentriert an drei der insgesamt sieben Tage der interpack.

neue verpackung: Und wohin soll sich das entwickeln? Bernd Jablonowski: Das wird sich noch zeigen. Fest steht: Die Components ist eine wichtige Ergänzung der interpack und auch die Teile, die von den Zulieferern geliefert werden, werden für die Verpackungs- und Prozesstechnik immer wichtiger und umfangreicher. Wir müssen bei der interpack perspektivisch an die Jahre 2017, 2020 und folgende denken. Wir werden genau beobachten, wo sich die Industrie hinbewegt. Wir glauben aus heutiger Perspektive jedoch, dass die Verpackungsindustrie weiter wachsen wird und auch die Rolle der Zulieferer größer und bedeutender wird. Insofern sehen wir eine gute Chance, das Thema weiterzuentwickeln.  In welcher Form das passieren wird,  kann man heute noch nicht sagen. Wir gehen davon aus, dass die Components 2014 erfolgreich sein wird. Daher investieren wir schon jetzt eine nicht gerade kleine Summe in dieses Projekt.
v. l. n. r.: Bernd Jablonowski, Director interpack, Markus Rustler, Geschäftsführer Theegarten-Pactec, und Daniel Seng, Leiter Produktmanagement Markets bei der Euchner GmbH + Co. KG sehen in der Components eine sinnvolle Ergänzung zur interpack.
 

neue verpackung: Herr Schubert, Sie nehmen eine besondere Stellung in dieser Runde ein. Sie sind auf beiden Messen vertreten. Was halten Sie von der Components? Ralf Schubert: Die interpack ist ja die wichtigste Verpackungsmesse auf der Welt, und zwar mit Abstand. Wir, die Gerhard Schubert Verpackungsmaschinen GmbH, haben seit dem vergangenen Herbst das Unternehmen Schubert System Elektronik in Tuttlingen zu 100 Prozent übernommen. Da stellte sich die Frage, gehen wir mit Schubert System Elektronik auf die Automatica oder auf die Components? Wir gehen auf die Components, weil wir Verpackungsmaschinenbauer sind und Schubert System Elektronik neben Kunden aus den Bereichen Medizintechnik und Werkzeugmaschinenbau auch Verpackungsmaschinenbauer als Kunden hat. In Tuttlingen stellen wir kundenspezifische Lösungen, Bedienterminals, Industrie-PCs, aber keine kompletten Steuerungen her. Wie sich die Components entwickelt, muss man sehen.

neue verpackung: Werden Sie als Maschinenbauer die Components besuchen? Ralf Schubert: Ob die Maschinenbauer auf die Components gehen? Ich weiß es nicht. Wir sind ja mit unseren Verkäufern auf der interpack. Zur Components müssten unsere Techniker gehen.

neue verpackung: Werden Ihre Techniker kommen? Ralf Schubert: Ich möchte noch etwas Grundsätzliches sagen: Die Komponentenlieferanten liefern nicht nur Automatisierungskomponenten, sondern sind langjährige Partner der Verpackungsmaschinenbauer. Sie sind innovativ, bauen die optimalen Komponenten für die Verpackungsmaschinen und liefern einen großen Beitrag zur Innovationskraft der deutschen Verpackungsbranche.

Aber die interpack ist sehr teuer. Wir wollen dort natürlich Maschinen verkaufen und eigentlich nicht mit Lieferanten auf unserem Stand reden. Deshalb ist die Components gut. Viele Firmenchefs unter den Maschinenbauern werden vielleicht auch mal auf die Components gehen und die Techniker auch. Warten wir einfach ab, wie sich das entwickelt. Bernd Jablonowski: Herr Schubert bringt es auf den Punkt: Wir geben nun den Komponentenlieferanten parallel zur interpack eine Plattform. Sie kommen künftig nicht mehr auf die Stände der interpack, sondern die interpack-Aussteller gehen bei Bedarf zur Components. Ralf Schubert: Die Components darf aber keine Automatisierungsmesse werden. Das kann man nicht vergleichen mit der SPS, das ist unmöglich. Bernd Jablonowski: Da gebe ich Ihnen Recht. Es ist auch nicht unsere Zielsetzung, dass es ausschließlich in diese Richtung geht.

neue verpackung: Was sind die Beweggründe für Steuerungsanbieter oder Komponentenlieferanten, zur Components zu gehen? Ist dieses neue Angebot ein Sprungbrett in die Verpackungsbranche? Thomas Linde: Wir folgen der Message, dass die Maschinenbauer sich neue Technologien und Innovationen auf der Komponentenplattform anschauen wollen. Wir als Keba AG werden aber sicherlich keine globale Automatisierung in Düsseldorf präsentieren, sondern wirklich nur die Spezialitäten und die Innovationen, die den Verpackungsbereich betreffen. Wir zeigen unter anderem, wie man die Maschineneffizienz oder auch die Umrüstzeiten und die Projektierungszeiten wesentlich verkürzen und vereinfachen kann. Und dort ist es unser Ziel, mit den Spezialisten in Kontakt zu kommen. Und da gibt es keine bessere Plattform als genau diese Messe, weil dort alle vom Fach ausstellen. Das sehen wir als große Chance wegen der perfekten Kombination.

Daniel Seng: Wir sind der klassische Komponentenhersteller, der auf der Components an der richtigen Stelle vertreten ist. Denn wir treffen dort die geballte Verpackungstechnologie und können unser Portfolio präsentieren, aber eben gerade auch viele Informationen mitnehmen und in Erfahrung bringen, welche Wünsche im Verpackungsbereich gerade vorherrschen.

neue verpackung: Was meinen Sie damit konkret? Daniel Seng: Ein klassischer Fall ist für mich zum Beispiel, dass das Design an einer Verpackungsmaschine eine zunehmend wichtigere Rolle spielt. Vielleicht gelingt uns während und nach dieser Messe gemeinsam in Kundengesprächen, die optimale Lösung zu finden, wo und wie Sensoren oder Schalter künftig in der Maschine verbaut sein sollten, damit das Design der gesamten Anlage nicht beeinflusst wird. Die Gespräche mit dem einen oder anderen Verpackungsmaschinenhersteller werden uns sicher weiterbringen, auch was die zukünftigen Verdrahtungskonzepte der Sicherheitstechnik angeht.
Ralf Schäffer, Geschäftsführer Sollich KG, und Vera Fritsche vom VDMA Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen.
 

neue verpackung: Herr Sandhöfner, Sie stellen Ihre Lösung innerhalb von Verpackungsmaschinen auf der interpack aus. Haben Sie keine Bedenken, dass Sie vielleicht künftig falsch platziert sind, wenn die Post auf der Components abgeht? Markus Sandhöfner: Für uns ist es nicht sinnvoll, zwei Stände zu haben. Wir wollen das geballte Know-how von B & R an einer Stelle präsentieren, und zwar im Umfeld unserer Anwendungen auf der interpack. Markus Rustler: Wir haben da ja im Beirat der interpack darüber beraten, ob die Ergänzung durch die Components sinnvoll sein kann. Wir meinen ja. Ich teile natürlich Herrn Schuberts Ansicht, dass wir auf der interpack primär unsere Kunden treffen wollen, um Maschinen zu verkaufen, also unsere Endabnehmer. Nichtsdestotrotz kann ich zumindest für Theegarten-Pactec sagen, wir schicken natürlich Technikerteams auf die interpack. Sie kommen nach Düsseldorf, um sich die Mitbewerber anzuschauen, aber eben auch gezielt, um die Components zu besuchen, um interessante, innovative Lösungen aufzuspüren. Also wir sehen das zweigleisig. Auch unser Einkauf kommt zwei Tage zur Components, um sich umzuschauen. Insofern glauben wir, das ist eine gute Ergänzung, ja. Ralf Schäffer: Ich sehe das wie meine Vorredner. Ich glaube aber auch, dass aus unserem Kundenkreis sicherlich mehr und mehr Funktionsträger in Projekte involviert sind, die sich speziell um Steuerungen kümmern. Dieser Personenkreis legt fest, welche Steuerungssysteme vorgeschrieben werden. Das ist ja unser Dilemma, dass die Kunden sagen, wir wollen das oder das oder das, und wir müssen natürlich mehrere Sachen anbieten können.

neue verpackung: Was bedeutet die Components für das von Ihnen geleitete Unternehmen, Herr Schäffer? Ralf Schäffer: Nun, ich sehe den Vorteil, dass man sich eben dort über Steuerungen informieren kann. Wir als Maschinenbauer aus dem Süßwarenbereich möchten unser gesamtes Konzept betrachten. Fragen nach einem Prozessor und nach Komponenten sind eher für Techniker von Interesse, die Programme schreiben. Diese Fragen können jetzt auf der Components geklärt werden, bis hin zu Fragen zum Design von Komponenten oder Steuerungen.

neue verpackung: Die Software wird immer wichtiger als Bestandteil einer Verpackungsmaschine, während der Mechanikanteil sinkt. Ist es für den Verpackungsmaschinenbauer nicht eine Gefahr, wenn Automatisierungsanbieter in Zukunft noch gewichtiger werden und auf der Components eine größere Aufmerksamkeit erfahren? Markus Rustler: Natürlich ist es so, dass in den letzten Jahren Elektronik und Steuerungen als Anteil in einer Maschine zugenommen haben. Aber ich glaube nicht, aus einem Selbstzweck heraus. Wir fokussieren uns schon noch sehr, sehr stark auf Mechanik, setzen aber natürlich Elektronik da ein, wo es sinnvoll ist. Für uns, Theegarten-Pactec, kann ich sagen, dass unsere Maschinen nur servogetrieben keine 2.300 Bonbons pro Minute wickeln könnten. Da ist noch mechanisches Know-how gefragt. Es gab in der jüngeren Vergangenheit schon Firmen, die gesagt haben, wir machen jetzt eine Maschine rein servogetrieben. Das wurde groß vermarktet, aber letztendlich haben sie sich dadurch viele Probleme eingekauft, die sie bei mechanischen Lösungen nicht gehabt hätten. Ralf Schäffer: Als Maschinenbauer darf man nicht den Fehler machen, dass man sich zu weit in die Hände eines Zulieferanten begibt. Das gilt generell, aber ganz besonders in der Software und der Steuerungstechnik. Ich kann die Komponenten kaufen, ich kann auch gewisse Standardsoftware kaufen, die am Ende auch mein Wettbewerber zur Verfügung hat. Deswegen ist man dann sehr schnell vergleichbar, wenn man das einfach zukauft. Oder wir Maschinenbauer treffen Vereinbarungen mit den Lieferanten und sagen, das machst Du aber nur für uns. Doch das machen B & R, Siemens oder Rockwell auch nicht so gerne. Wie wir Maschinenbauer liefern auch diese Unternehmen gerne an alle im Markt. Deshalb müssen wir als Maschinenbauer starke Elektroabteilungen haben. Nur so können wir das  Know-how der Maschine im Hause behalten. Thomas Linde: Wir sehen das genauso. Es sollte keine Abhängigkeit entstehen. Wir verfolgen an dieser Stelle den Ansatz einer offenen Plattform: Jeder Maschinenbauer bringt seine Kernkompetenzen auch selber mit ein. Was wir aber in Softwarefunktionen schon als Mehrwert sehen, ist, je mehr die Software intelligent bestimmte Dinge unterstützt, um so einfacher hat der Maschinenbauer die Möglichkeit, bestimmte Projekte umzusetzen. In der Verpackung ist bei uns die Simulation ein ganz wichtiges Werkzeug, um vorher die Arbeitsräume maximal auszuschöpfen, um die Geschwindigkeiten, die Wege, kurze Wege zu den Bauteilen oder zur Schokolade maximal auszureizen. In der Simulation muss man schon sehen, wie viele Roboter brauche ich an welcher Stelle? Mit wie wenig komme ich aus? Wie kann ich die Anlage maximal klein bauen? Um in der Simulation schon festzustellen, was ist die Anlage in der Lage zu leisten. Und solche Simulationssoftware-Werkzeuge sind einfache Hilfsmittel.

Software sehen wir als Mehrwert für den Maschinenbauer, um bestimmte Dinge schneller und einfacher zu gestalten.

neue verpackung: Herr Sandhöfner, wie sehen Sie das als Automatisierungshersteller? Markus Sandhöfner: Gerade im Verpackungsmaschinenbau müssen die Maschinen nicht nur schneller werden, sondern vor allem flexibler. Sie müssen zudem einfacher zu bedienen sein. Für den potenziellen Käufer der Maschine sind dies wesentliche Aspekte bei der Kaufentscheidung. Ideen für Lösungsansätze, die in den Entwicklungsdisziplinen des Maschinenbaus entstehen – in der Software, Mechanik und Elektronik –, müssen effizient umgesetzt werden. Ein Automatisierungshersteller, der eine Gesamtlösung realisiert, ist in diesem Zusammenspiel ein wertvoller Partner – insbesondere dann, wenn er in der Robotik, Sicherheitstechnik und Modularisierung durchgängige Lösungen und Erfahrungen in der Anwendung dieser Lösungen vorweisen kann.
Die interpack kann kommen: Die Projektleitung der Messe, VDMA, Maschinenbauer, Automatisierer und Komponentenlieferanten waren sich beim Round Table in Frankfurt darin einig, dass sich nur in Düsseldorf die Welt der Verpackungsindustrie trifft und die Components für Lieferanten der Verpackungs- und Süßwarenmaschinenindustrie eine geeignete Plattform rund um die Weltleitmesse interpack werden kann.
 

neue verpackung: Herr Schubert, Ihr Unternehmen leistet sich den Luxus einer Steuerungshardware und -software – zunächst, weil die Technologie damals nicht verfügbar war. Heute klingt es so, als ob die Steuerungslieferanten alles können, alles beherrschen. Und trotzdem bleiben Sie Ihrer Linie treu? Ralf Schubert: Ja, in der Tat. Software ist das Wichtigste überhaupt. Vor 20 Jahren hat man vielleicht noch viel über Hardware gesprochen, aber jetzt kommt es auf die Software an. Software ist aber viel schwerer zu verkaufen als Hardware. Sie können auf einer Messe Software viel schwerer zeigen.

Wenn wir heute neu beginnen würden, würden wir es vielleicht anders machen. Wir sehen die Kernkompetenz eines Maschinenbauers auch in der Software, in der Elektrik. Die Werkzeugmaschinenbauer haben in den 60er-Jahren da meines Erachtens einen sehr großen Fehler gemacht. Sie haben nur die Mechanik gesehen und haben sich nicht für die Software interessiert. Und dann haben sie entsprechende Probleme bekommen.

Wir haben heute ein komplettes Steuerungssystem, das wir Anfang der 90er-Jahre inklusive eigenem Bussystem entwickelt haben. Wir haben 35 bis 40 Softwareentwickler, die nichts anderes tun als die Basissoftware zu entwickeln. Für Maschinen haben wir bei Schubert nur 15 Softwareentwickler bei 150 Maschinen im Jahr, weil wir eben die für uns perfekte Software haben. Das beinhaltet NC-Achsen, Robotik, Visualisierung, SPS, Bildverarbeitung bis hin zu MES. Alle Maschinen haben unsere Steuerung VMS, die bei unseren Kunden voll akzeptiert ist.

neue verpackung: Und welche Herausforderungen sehen Sie für Ihr Unternehmen? Ralf Schubert: Wir müssen in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Maschinen einfacher machen. Sie müssen einfacher zu bedienen sein. Obwohl unsere Maschinen schon sehr einfach sind, weil wir eben die spezielle, auf uns zugeschnittene Software haben. Derzeit arbeiten wir an einer neuen Programmiersprache mit Petrinetzen. Ich denke seit 20 Jahren über eine Programmiersprache nach, mit der es möglich ist, dass eine Maschine nie mehr stehen bleiben kann, ohne, dass wir wissen warum. Auch unqualifizierte Personen müssen die Maschine wieder in Gang setzen können. Das ist die Herausforderung. Nach einer Fehleranzeige müssen Teile einfach zu tauschen sein, und schon läuft die Maschine wieder.

neue verpackung: Zeigen Sie diese Technologien auch auf der Components? Ralf Schubert: Wir zeigen neben an Kundenwünsche angepassten Bedienterminals auch die Schubert-Steuerungsmodule und unser Transmodul als Beispiele für kundenspezifische Lösungen.

neue verpackung: Können Sie sich vorstellen, Ihre Kerntechnologie Verpackungsmaschinensteuerung auch anderen anzubieten? Ralf Schubert: Ja, ganz klar. Also ich sage mal, wenn jetzt ein Kunde kommt …

neue verpackung: Also Sie öffnen sich? Ralf Schubert: Ja. Aber wir waren schon immer offen. Wir haben beispielsweise unser Transmodul, da kann man natürlich überlegen, ob weitere Maschinenbauer daran interessiert sind und es einsetzen wollen.  Damit würde die Stückzahl steigen. Für die interpack haben wir eine schaltschranklose Maschine entwickelt. Markus Sandhöfner: Die hat wahrscheinlich schon noch irgendwo einen Kasten, wo Sie Dinge verstecken? Ralf Schubert: Sie hat einen Kabelkanal, da ist auch was drin versteckt. Aber die Technologie ist schaltschranklos, und wir wären in der Lage, das komplett schaltschranklos zu machen. Das geht in Richtung Einfachheit. Wenn Sie keinen Schaltschrank haben, wird die Maschine automatisch einfacher beherrschbar für die Kunden. Wir befinden uns hier auf der Steuerungsebene. In unserer eigenen Steuerung liegt der Vorteil unserer Maschinen. Wir denken nicht im Traum daran, daran etwas zu ändern. Aber drunter, bei den Komponenten, da setzen wir natürlich Fremdhersteller ein.

Bosch Rexroth hat für uns die dezentrale Antriebstechnik entwickelt, die aber natürlich jeder andere Maschinenbauer auch haben kann. Das nutzt uns gar nichts, wenn nur wir diese Technologie einsetzen. Aber auf der Steuerungs- und Softwareebene sind wir froh, dass wir das selbst in der Hand haben und nicht von einem Automatisierer abhängig sind.

Die Automatisierer sagen zwar, sie haben eine offene Plattform und sie transferieren nichts zu anderen Maschinenbauern – aber das passiert doch. Es findet automatisch Know-how-Transfer statt und der Maschinenbauer verliert seine Vorteile.

Markus Sandhöfner: B & R schließt einen Wissenstransfer von einem Maschinenbauer zum nächsten vollkommen aus. Wir setzen einen Applikationsingenieur, der einen Kunden bei Projekten unterstützt, nur bei diesem einen Maschinenbauer innerhalb des Anwendungsbereiches einer Branche ein. Unsere Unternehmensphilosophie ist, mit diesen sensiblen Daten stets äußerst sorgfältig umzugehen. Weil wir uns strikt an diese Regelung halten, vertrauen uns unsere Kunden. Gerade auch in dem Fall, wenn zwei Maschinenbauer im direkten Wettbewerb auf eine Automatisierungslösung von B & R setzen. Ralf Schubert: Nein, das können Sie nicht ausschließen.

neue verpackung: Aber geht es denn am Ende des Tages nicht auch um Rationalisierung, Skaleneffekte, Stückzahlen? Markus Sandhöfner: Der Pflegeaufwand für eine elektrische Steuerung oder einen Industrie-PC wird auf der Hardwareseite der elektrischen Automatisierung immer größer. Gleichzeitig gibt es auf der Konsumentenseite durch die boomende Nachfrage nach immer stärker individualisierten Produkten einen klaren Trend zu immer geringeren Losgrößen. Der Bedarf an softwarebasierten Lösungen steigt dadurch  immens. Maschinenbauer, die sich den richtigen Automatisierungspartner an die Seite holen, können das Maximum aus ihrer Entwicklung herausholen, indem sie sich auf ihre Kernkompetenz, das Maschinendesign und -engineering sowie die Optimierung des Herstellungsprozesses, konzentrieren. Gleichzeitig sparen sie Hardware- und Entwicklungskosten. Ein Automatisierungshersteller liefert in viel höheren Stückzahlen und erzielt deshalb ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, als dies Eigenentwicklungen beim überwiegend mittelständischen Maschinenbau erreichen können. Ralf Schubert: Wir haben auch hohe Stückzahlen, wir bauen auch 2.000 Steuerungen im Jahr, nur für unsere Maschinen, weil wir eine dezentrale Steuerungstechnik haben. Das Argument Pflege, das höre ich natürlich seit 20 oder 25 Jahren. Den ersten Roboter, den wir Anfang der 80er-Jahre in die Schweiz geliefert haben, der läuft heute noch und der kriegt heute noch Ersatzteile. Das sind DOS-Floppy-Disk-Laufwerke. Ich kann jedem Kunden sagen – und das ist wahr –, wir haben nicht ein Mal ein elektronisches Ersatzteil nicht geliefert. Und das wird so bleiben.

neue verpackung: Es ist aber nicht jeder in dieser komfortablen Lage. Die Frage ist, was behalte ich an Know-how im eigenen Hause, und wo greife ich dann auf die Kompetenz von externen Partnern zurück? Wie macht das denn Ihr Haus, Herr Rustler? Markus Rustler: Natürlich setzen wir Steuerungen und Maschinenlösungen ein, aber nur da, wo nötig. Wir werden uns niemals in die Abhängigkeit von Lieferanten begeben. Wir werden das Know-how komplett, soweit möglich, im Hause behalten. Und noch mal, eine Mechanik, die funktioniert in 30 Jahren noch, eine Steuerung in der Regel eigentlich nicht. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, darum finde ich Mechanik nach wie vor sehr, sehr zeitgemäß. Markus Sandhöfner: Bei der Steuerung sind Komponenten wie Prozessoren nur eine bestimmte Zeitlang verfügbar. Das ist richtig. Dennoch überwiegen insgesamt die Vorteile der elektrischen Automatisierung.  Eine intelligente Fabrik, wie wir sie aufgrund einer zunehmend individualisierten Fertigung sowie steigender Rohstoffkosten benötigen, lässt sich mit mechanischen Lösungen bei Weitem nicht so effizient gestalten wie mit softwarebasierten Lösungen. Nur eine Fabrik, die von  der Produktionsplanung bis hinunter zum einzelnen Sensor oder Aktuator transparent ist, kann diese Anforderungen erfüllen. Zudem stellt auch die Tatsache, dass elektrische Komponenten zeitlich nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, kein Problem dar, wenn sich Nachfolgesteuerungen leicht in bestehende Maschinen integrieren lassen. Eben deshalb ist es für den Maschinenbauer wichtig, bei der Wahl des Automatisierungslieferanten auf diese Aspekte besonderen Wert zu legen. Markus Rustler: Idealerweise kann ich die alte Software einfach übernehmen. Ralf Schubert: Wir halten unsere Steuerung kompatibel. Bei uns hat der Kunde die Wahl, ob er hochrüsten will oder nicht. Das darf nicht von der Technik erzwungen werden. Ralf Schäffer: Ich glaube, bei Maschinenbauern unserer Größenordnung ändert sich nicht so oft die Steuerungstechnik. Wir sind natürlich gezwungen, auch den Bedürfnissen der Kunden zu folgen oder ihren Vorschriften. Wenn man mehrere Steuerungen auch softwaretechnisch, auch know-how-mäßig betreuen muss, ist das schon ein Aufwand. Da sind wir relativ abhängig von den Vorstellungen der Kunden. Was Schubert vor 20, 30 Jahren so eingespielt hat, gibt diesem Unternehmen eine Sonderstellung. Aber wir versuchen auch, den Kunden davon zu überzeugen, dass er unseren definierten Standard einsetzt. Ralf Schubert: Vielleicht gibt es ein paar Kunden, die uns nicht anfragen, das mag sein. Aber ich sage mal, viele sind das nicht. Aber was wollen die Kunden? Sie wollen funktionierende Maschinen. Wenn ich heute Auto fahre, interessiert mich doch nicht, welche Steuerung im Auto ist. Ich will Auto fahren können. Es ist klar, dass die Automatisierer Verkaufsargumente brauchen, aber letztendlich kommt es auf die Maschine an. Ein Auto hat übrigens keinen Schaltschrank. Und das war auch ein Grund für uns, zu sagen, wir wollen das so. Am Auto will auch keiner herumprogrammieren.

neue verpackung: Ist es in Analogie zur Autoindustrie denkbar, dass Verpackungsmaschinenbauer einzelne Technologiefunktionen spezifizieren und zu ihren Lieferanten sagen, ich brauche dieses Modul, z.B. Robotik oder Pick & Place, mit jenen Eckdaten und diesem Design? Ralf Schubert: Das macht keinen Sinn. In der Automobilindustrie haben wir eine andere Situation. Da gibt es sehr wenige, sehr mächtige Kunden. Ich denke da schon an die Zukunft. Für mich besteht ein Roboter aus Software, Elektrik und Mechanik. Wir denken schon daran, dass die Endkunden irgendwann mal den kompletten Roboter einfach tauschen oder dieser sich gar selbstständig tauscht. Heute muss der Kunde bei Störungen nachdenken, ist es der Antrieb, ist es die Mechanik? Künftig wird einfach der komplette Roboter getauscht. Markus Rustler: Aber der Vergleich hinkt natürlich. Wir dürfen natürlich nicht vergessen, ein VW Golf wird in Millionenstückzahlen gebaut, eine Verpackungsmaschine ist zu einem gewissen Grad immer eine Sondermaschine.

Natürlich suchen wir uns einen  Lieferanten für einen bestimmten Maschinentyp, den wir neu entwickeln, gezielt aus. Wir haben gerade ein Beispiel, das wir zur interpack zeigen werden. Wir werden es aber nicht durchhalten können, diesen Maschinentyp auch in Zukunft weltweit nur mit B & R zu verkaufen. Da gibt es einen Kunden, der eine größere Linie von uns möchte und uns ganz klar sagt, nein, für mich muss es entweder Schneider oder Rockwell sein, weil in dem Land ausgerechnet B & R keinen Service bietet. Da ist es dann auch für uns schwierig, die Kunden von etwas anderem zu überzeugen. Aber ja, der Vergleich mit dem Auto ist schön und nett, aber er hinkt an der Stelle ein bisschen. Ich glaube, Herr Schubert meinte das anders. Der Kunde will sich keine Sorge darüber machen, was er einsetzt.

Bernd Jablonowski: Ich denke, dass sich diese Themen wunderbar für das Forum auf der Components eignen. Dort hat man beide Seiten an einem Ort beisammen – sowohl den Verpackungsmaschinenbau als auch die Komponentenhersteller.
Österreichische Unternehmen unter sich: Markus Sandhöfner, Geschäftsführer B & R Deutsch- land (li.), und Thomas Linde, Geschäftsbereichsleitung Industrieautomation Keba AG (re.).
 

neue verpackung: Industrie 4.0, das ist eigentlich ein großes Thema. Oder nicht? Vera Fritsche: Ja, Industrie 4.0 hat auch den Verpackungsmaschinenbau erreicht. Die Entwicklung geht in Richtung einer immer stärkeren Vernetzung und Individualisierung bis hin zur Losgröße 1.

Doch gerade bei der Individualisierung muss man differenzieren – wo vor allem ist die Nachfrage nach individualisierten Produkten? Individualisierung ist eher ein Thema unserer industrialisierten, westlichen Welt- und auch hier stehen wir noch ganz am Anfang.

Wir müssen uns mal die Lieferströme ansehen. Wohin liefern wir denn unsere Verpackungsmaschinen? Nahezu die Hälfte aller exportierten Verpackungsmaschinen geht in Schwellen- und Entwicklungsländer. Dort kommt es primär auf einen hohen Output an verpackten Produkten an. Markus Rustler: Ich stelle mal die Gegenfrage: Was ist denn Industrie 4.0, per Definition? Ralf Schubert: Die letzten 20 Jahre war Flexibilisierung, jetzt kommt Individualisierung. Es ist aber auch die Art der Produktionsweise, die Industrie 4.0 meint. Dass sich Maschinen in der Fertigung selbstständig konfigurieren, Smart Factory und solche Begriffe sind hier zu beleuchten. Die Ansätze sind interessant, aber die gab es schon immer. Im Prinzip ist das schon ein bisschen Marketing. Also wenn ich höre, die 4. industrielle Revolution – oder was gibt es da noch für Begriffe? Dezentrale Selbstorganisation, die Maschinen sollen selbst ausmachen, was sie tun, Vernetzung, Internet der Dinge.

Noch kein Kunde hat mich zu Industrie 4.0 gefragt. Dennoch sind es Dinge, die wichtig sind, die auch zum Teil schon da sind. Also wir bauen auch Maschinen für Losgröße 1, für klinische Studien beispielsweise. Ich sage immer, wenn mich jemand nach Industrie 4.0 fragt, ja, ich weiß nicht genau, was das ist, aber ich weiß, dass wir das können. Markus Sandhöfner: Das Programm Industrie 4.0 wurde seitens der Bundesregierung ins Leben gerufen, um für den deutschen Maschinenbau die Position an der Weltspitze weiter zu sichern. Wir müssen uns gegenwärtig die Frage stellen: Wie können Maschinen für eine Produktion in Losgröße 1 realisiert werden? Und das für Produkte, die immer vielfältiger werden. Einzelne Aktionen von Coca-Cola oder Milka beschreiten diesen Weg bereits heute.

Nötig sind dafür neuartige Maschinen, neue Prozesse, zunehmende Flexibilisierung und eine höhere Individualisierung. Daraus folgt, wie bereits erwähnt: Die Bedeutung der Software nimmt zu. Als Automatisierungshersteller unterstützen wir unsere Kunden bei der Umsetzung.  Um das Thema Schnittstellen zum Beispiel müssen sich B & R-Kunden keine Gedanken machen, das haben wir bereits umgesetzt. Unsere Lösungen sind offen und gleichzeitig durchgängig. Wir zählen zu den wenigen Anbietern am Markt, die heute bereits Lösungen für die diskrete Fertigung, die Prozessindustrie und die Fabrikautomatisierung liefern – Bereiche, deren Anforderungen sich immer stärker aufeinander zu bewegen.

neue verpackung: Herr Linde, was kriegt man in Österreich davon mit? Thomas Linde: Es wird auch in Österreich darüber gesprochen, aber nicht in Form eines Hypes. Ich möchte Herrn Schubert an der Stelle Recht geben: Es ist oft so, dass es viele Dinge schon gibt.

Die Standardisierung der Schnittstellen oder das, was wir schon seit Jahren im System integriert haben, das ist sehr softwarelastig. Dass ein Kunde eine Maschine bestellt und über das SAP quasi ein Steuerungsprogramm vollautomatisch generiert wird, nun, solche Dinge gibt es. Die sind heute Bestand unserer Steuerungslösung. Dass wir neue Devices wie Smartphone und Tablets und solche Dinge sinnvoll mit integrieren, auch dafür gibt es heute schon Lösungen. Die sind verfügbar. Das könnte man als Industrie 4.0 betiteln. Wir sehen das eher nüchtern und technisch. Es gibt schon viele Lösungen, auch von Keba.

Daniel Seng: Industrie 4.0 kann ich nicht bis in den letzten Sensor bringen, das bezahlt in der jetzigen Zeit niemand. Aktive Kommunikation in der Sicherheitstechnik ist da, wo nötig, auch schon vorhanden. Somit  in Hinblick auf Industrie 4.0 nichts Neues. Höherwertige Türabsicherungen besitzen ja schon integrierte Bustechnologie, sind also Industrie 4.0.
Bernd Jablonowski (rechts), Director interpack, hört Ralf Schubert (links), Geschäfts-führer der Gerhard Schubert Verpackungsmaschinen GmbH, ganz genau zu.
 

neue verpackung: Losgröße 1 und Individualisierung – wird das überhaupt nachgefragt? Ralf Schubert: Es gibt Fälle, etwa im Pharmabereich für die Produktverfolgung. Das ist vergleichbar mit Losgröße 1, etwa bei klinischen Studien. Ich weiß zum Beispiel, dass Optima eine Maschine geliefert hat, die Parfümfläschchen individuell nach Kundenwunsch per Internetkauf befüllte, verpackte und etikettierte. Das hat funktioniert… Vera Fritsche: Aber es hat sich nicht durchgesetzt. Individualisierung und Personalisierung sind aktuell eher ein Thema in der Pharmaindustrie. Zwar steht die personalisierte Medizin noch am Anfang, man kann aber davon ausgehen, dass diese Therapieansätze auf dem Vormarsch sind. Hier kommen wir dann zu Losgröße 1 und bei der Umsetzung könnte man hier von Industrie 4.0 profitieren. Markus Rustler: Ich muss mal einhaken. Worüber reden wir denn hier, wenn wir über Losgröße 1 reden? Dann reden wir über Premiumprodukte, die einen marginalen Anteil am Gesamtvolumen ausmachen. Ich kann natürlich nur für die Süßwarenindustrie reden. Das ist ein Markt, da geht es um hohe, effiziente Ausbringung. Damit verdienen unsere Kunden Geld. Geld erwirtschaften sie mit ihren Standardprodukten. Und gerade bei zunehmender Weltbevölkerung geht es doch nicht um die Premiumisierung, wie es so schön heißt, sondern es geht um die Massenfertigung. Wie kriege ich in 50 Jahren die Menschen noch satt? Es ist ein schönes Randgeschäft, aber es ist nicht das, was interessiert. Markus Sandhöfner: Ich möchte die Diskussion um einen weiteren Gesichtspunkt ergänzen. Immer mehr Maschinen werden miteinander vernetzt, um sie intelligenter steuern zu können. Die Bedeutung von Standards, von Schnittstellen, von eindeutig normierten Variablen nimmt deshalb zu. Und dies wiederum ist heute ein großes Thema für den Maschinenbau. Blicken wir zum Beispiel nach Amerika. In den USA wird die Maschineneffizienz, ausgedrückt mit dem „Overall Equipment Efficiency“ (OEE)-Koeffizient, stark diskutiert. Auf der Endkundenseite gibt es abweichende Vorstellungen, wie dieser Wert ermittelt wird. Das heißt, jeder spezifiziert diesen Wert etwas anders. Mit dem Ergebnis, dass Maschinenbauer für jeden Endkunden eine unterschiedliche Berechnung realisieren müssen. Um es Maschinenbauern wirklich einfacher zu machen, muss ein wirksamer Standard geschaffen und in der Breite umgesetzt werden. Ralf Schubert: Nur, da muss im Prinzip nichts getan werden, das ist gemacht. Man muss es nur anwenden. Wir haben OMAC-Standards an unseren Maschinen. Das kommt aus Amerika, es ist Endkunden-getrieben, von Hershey ursprünglich. Sie waren nicht zufrieden mit den Maschinen und der damit verbundenen OEE.

neue verpackung: Ist es denn überspitzt formuliert so, dass der Markenartikler mit dem Verpackungsprozess am liebsten nichts zu tun hätte? Schubert ist doch schon Copacker – oder? Ralf Schubert: Wir haben eine Maschine, mit der wir als Copacker arbeiten. Da werden flexible Gebinde mit Bierflaschen für Paulaner oder Weihenstephan gemacht. Aber das liegt daran, dass das eben kleine Stückzahlen sind. Die Brauer wollen das außer Haus haben. Ich weiß nicht, ob es diesen Trend so generell gibt. Nestlé treibt jetzt die OMAC-Spezifikationen. Es bringt nichts, hier lokal auch tätig zu werden. Das muss ja weltweit funktionieren. Und warum macht Nestlé das? Weil alle Großen das gleiche Problem haben: Wenn sie eine Anlage kaufen, haben sie Integrationskosten für die Maschinen verschiedener Hersteller von bis zu 25 % vom Gesamtbudget. Das ist so. Ich habe das erst nicht geglaubt, aber ich habe mit Projektleitern gesprochen, die bestätigen das. Deshalb ist es klar, dass die großen Endkunden gerne alles von einem Maschinenbauer kaufen, dann haben sie die Integrationsprobleme nicht. Oder noch besser, der Verpackungsprozess findet in einer Maschine statt. Das machen wir jetzt. Da sind die Schnittstellen einfach gar nicht da.

Ich wollte beispielsweise immer einheitliche Bedienung. Ich habe gedacht, es wäre doch super, wenn die deutschsprachigen Maschinenbauer sich zusammentun würden und einen Standard für Bedienterminals definieren könnten. Aber das funktioniert nicht. Es ergeben sich höchstens Richtlinien. Mehr wollen die Maschinenbauer nicht. Krones hat zum Beispiel kein Interesse, dass wir das gleiche, harmonisierte Bedienterminal haben wie er, er hat dann ja keinen Vorteil mehr für seine Maschine…

neue verpackung: Bedienen, Beobachten, das hat auch fast einen Hypecharakter. Ist die Integration von Tablets und Smartphones in die Bedienphilosophie schon vorangeschritten? Wie sehen denn die Vorstellungen der Verpackungsmaschinenbauer aus? Ralf Schubert: Ich finde das jetzt nicht so wichtig. Aber wenn es die Kunden fordern, werden wir es machen.

neue verpackung: Sie spüren jetzt also da noch keine Nachfrage? Ralf Schubert: Es gibt da die eine oder andere Nachfrage von Kunden, die ihre OEE auf dem iPhone sehen wollen. Das kommt mehr und mehr. Wir haben in diese Richtung noch nicht viel gemacht. Aber das wäre technologisch überhaupt kein Problem. Ralf Schäffer: Für Remote Control und Servicefernwartung sehe ich den Einsatz vom iPad oder Smartphone kommen. Dann geht man mal an die Maschine, setzt die Kamera ein und zeigt das Problem. Das ist aber dann nur ein Tool, das man einsetzt. Das ist nicht jetzt ein Trend, das ist ein zusätzliches Add-On, das schon vor sechs Jahren auf der interpack gezeigt wurde. Das hieß tragbares Bedientableau. Damit konnte der Bediener an der Linie langgehen und blieb auf dem Laufenden. Vor 20 Jahren war mal das Thema, der Bediener muss in seinem Büro sitzen können und von da alles steuern können, das ist auch wieder nicht wirklich praktikabel. Ralf Schubert: Wenn die Maschinen einfacher werden, dann brauche ich das auch gar nicht. Am besten ist es, wenn es gar kein Bedienterminal braucht. Ralf Schäffer: Die Anzahl des qualifizierten Bedienpersonals wird immer weiter reduziert werden, sodass die Anlagen weiter automatisiert und die Qualitätskontrolle der Produkte ohne Einsatz von Personal erfolgen kann.  Bei neuen Projekten wird den Maschinenlieferanten mehr Planungsarbeit und Verantwortung abverlangt. Dies wird dann durch entsprechende Vertragswerke abgesichert, da die kundenseitige Projektabteilung diese Arbeit nicht mehr übernehmen kann. Dieser Herausforderung müssen wir Maschinenbauer uns stellen und sind dafür gut aufgestellt. Markus Rustler: Bei Tabletanwendungen reden wir über ein Nice to Have oder ein Add-On. Am Ende zählt nur, wie effizient, wie schnell und wie zuverlässig die Maschine ist. Alles andere ist nur schmückendes Beiwerk, mit dem man sich ein bisschen abheben kann, darum muss man es sich angucken aus meiner Sicht.

neue verpackung: Herr Linde, Sie hatten vorhin schon mal gesagt, dass Sie diese Gerätetypen bereits integrieren können. Wie wird das angenommen in Ihrem Segment? Thomas Linde: Wenn man mit Tablet und iPhone oder mit Smartphones unterwegs ist, braucht man eine WLAN-Verbindung. Und die WLAN-Verbindungen, die gibt es nicht kostenlos. Zudem ist die Verfügbarkeit immer noch in Frage gestellt. Diese Verbindung ist nicht Echtzeit, nicht sicher, und in der Verfügbarkeit auch nicht 100 % verlässlich. Das grenzt sehr viele Anwendungen grundsätzlich aus. Es gibt aber sinnvolle Applikationen. Im  Service und in der Diagnose zum Beispiel. Wenn man es mit anbietet, gehört es eben zum Produktportfolio dazu. Wir haben jetzt eine Anwendung zum Teachen und Programmieren und Bewegen von Robotern integriert.

Da gibt es eine sehr sinnvolle Kombination, die im Moment sehr gefragt ist. Das ist eine intuitive Bedienung, sicher, mit einem Direct Move. Das funktioniert wie bei der Wii mit Gestenbedienung. Das kann jeder, nicht nur einer, der sich mit der Robotik auskennt. Da kann ein Mechaniker den Roboter programmieren, indem er durch einfache Handbewegungen mit einem sicheren Device quasi die Bewegung vorgibt. Dies in Kombination mit einem Smartphone, auf dem das wirkliche Programm sichtbar ist, wo der Bediener seine Eingaben bestätigen kann und einen Dialog hat, so eine Kombination macht Sinn. Und da wird sich auch in Zukunft nicht so viel ändern. Aber die Kombinationen, die werden kommen. Und dort sehen wir auch sinnvolle Anwendungen. Vor allem, um diese komplexen Themen intuitiv und einfach zu machen.

Markus Sandhöfner: Es gibt bei der Bedienung eine ganz klare Tendenz: Was Anwender von Smartphones oder Tablets kennen – per Touch Befehle ausführen, Zoomen mit zwei Fingern, Seitenwechsel durch Wischen –, erwarten sie auch auf der Maschine. Die Visualisierung wird dadurch mehr und mehr zum entscheidenden Gesicht der Maschine. Anwender fordern eine einfache Bedienung. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach einfacher Diagnose. Ein Anwender möchte bis zum I/O-Punkt hinunter genau wissen, in welchem Zustand sich Maschinen in unterschiedlichen Fabrikhallen befinden. Dies erfordert webbasierte Lösungen. B & R bietet dafür auf den Steuerungen bereits eine fertige Lösung an. Maschinenbauer müssen dafür keine zusätzlichen Investitionen leisten. Bereits heute können Anwender mit jedem Browser auf der Steuerung nachschauen, wie hoch die Temperaturen sind, welchen Zustand einzelne I/Os aufweisen, welche Leistung die Antriebe benötigen – und das völlig ohne jegliches Automatisierungswerkzeug.
Das Frankfurt Science Center Explora ist ein privat geführtes Museum in der Mainmetropole zu den Themen Wahrnehmung, Sinnestäuschung, Kunst, Sprache, Mathematik, Physik (Mechanik,Optik,Schall,Elektrizität,Aerodynamik), Riechen, Tasten, Hören, Fühlen. In einer einzigartigen Experimentierlandschaft mit Aha-Faktor wecken interaktive Objekte spielerisch die Lust zum Lernen und Verstehen. www.exploramuseum.de
 

Die Teilnehmer am Round-Table-Gespräch im Explora-Museum, Frankfurt am Main
Markus Rustler Geschäftsführender Gesellschafter Theegarten-Pactec GmbH & Co. KG
 

 

 
Ralf Schäffer Geschäftsführer Sollich KG
Ralf Schubert Geschäftsführer Gerhard Schubert GmbH Verpackungsmaschinen
„Der Fokus auf die Technologieführerschaft ist und bleibt einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des deutschen Verpackungsmaschinenbaus.“ Vera Fritsche, VDMA Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen
Bernd Jablonowski Messe Düsseldorf GmbH Director interpack & Save Food
Markus Sandhöfner Geschäftsführer B & R Deutschland
Thomas Linde Geschäftsbereichsleitung Industrieautomation Keba AG
Daniel Seng Leiter Produktmanagement Markets Euchner GmbH + Co. KG
Über die Firma
Hüthig GmbH
Heidelberg
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