Interview

Weniger ist mehr: DS Smith als Supply-Cycle-Spezialist

Per Vinge Frederiksen, neuer Managing Director, DS Smith Packaging Division D-A-CH.
Michael Lamprecht, Sales & Marketing Director, DS Smith Packaging Division D-A-CH.
 

neue verpackung: DS Smith hat sich mit der Bündelung der Divisionen Paper, Packaging, Recycling und Plastics neu aufgestellt. In welchen Maßnahmen zeigt sich dies? Per Vinge Frederiksen: Mit unserem ganzheitlichen Ansatz über alle Divisionen hinweg bieten wir unseren Kunden Lösungen, die ihnen helfen, erfolgreicher zu sein. Wir entwickeln uns weg vom Verkauf von Produkten, hin zum Verkauf von Display- und Verpackungslösungen, die das große Ganze betrachten und nicht nur einen Teilbereich abdecken. Unser bereichsübergreifendes Fachwissen, von der Entwicklung über Produktion und Lieferung bis zum Recycling, kommt uns dabei zugute.

neue verpackung: Was bedeutet das im Detail? Per Vinge Frederiksen: Wir stellen damit sicher, dass unsere Kunden mit geringerem Aufwand mehr erreichen. Wir nennen dieses Konzept „The Power of Less“. Das heißt für uns beispielsweise: Weniger Abfall und mehr Recycling. Weniger Material und größere Wirkung. Weniger Kosten und mehr Erfolg. Und: Weniger Komplexität und größere Effizienz. Im Mittelpunkt steht nicht mehr die klassische Lieferkette, sondern der gesamte Kreislauf eines Produktes. So erreichen wir eine Betrachtung über 360 Grad. An allen Stellen gibt es Ansatzpunkte, um den Prozess und somit das Ergebnis zu optimieren.

neue verpackung: Wie sieht das am konkreten Beispiel aus? Michael Lamprecht: Wir sind unter anderem tiefer in das Gespräch über das Thema Recycling eingestiegen. Dabei arbeiten wir sehr eng mit unseren Kollegen von Recycling zusammen. So können wir Konzepte aus einer Hand anbieten. Unsere Kunden profitieren hiervon durch eine Zeitersparnis, eine Kostenreduktion und eine Prozessvereinfachung. Sie können sich somit voll auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren.

neue verpackung: Hat sich das bereits in der Praxis bewiesen? Michael Lamprecht: Bei einem unserer großen Kunden sind beispielsweise pro Monat einige Tonnen Papier/Karton zu entsorgen. Bisher wurde dies mit einem lokalen Entsorger abgewickelt. Wir haben die Abläufe gemeinsam mit unseren Kollegen von Recycling analysiert und haben ein optimiertes Entsorgungsmodell entwickelt, unter Beibehaltung des Entsorgers vor Ort. Die Entsorgungsdienstleistung und der Verkauf des Altpapiers wurden voneinander getrennt. So haben wir die Effizienz gesteigert und einen effektiven Kreislauf geschaffen: Unser Kunde – DS Smith Recycling l Paper l Packaging. Für unseren Kunden wurde der Prozess vereinfacht, da die Fäden bei nur mehr einem Ansprechpartner bei DS Smith zusammenlaufen.

neue verpackung: Wie sieht das weitere Zusammenspiel der DS Smith Bereiche über alle Geschäftsfelder und Regionen aus? Per Vinge Frederiksen: Es gibt unzählige Beispiele, wie wir als ein vereintes Unternehmen überzeugender agieren als zuvor. Andere Regionen verfügen zum Teil über ergänzende Geschäftsfelder, auf die wir nun aktiv in der Beratung zurückgreifen können. Wenn zum Beispiel unser Basismaterial Wellpappe einmal nicht die beste Lösung sein sollte, lassen wir über die Kollegen der Plastics Division auch andere Materialien in die Entwicklung einer optimalen Lösung einfließen. Oder zum Beispiel Frankreich: Dort gibt es einen DS Smith Standort, der modernste Abpackmaschinen baut. Nun können wir über die Projektierung der Maschine hinaus auch die Maschine anbieten. Zudem haben wir in allen europäischen Ländern, in denen unsere Kunden aktiv sind, Produktionsstätten. Somit können wir auch länderübergreifend die Belieferung aus einer Hand sicherstellen. Das ist vor allem für große Unternehmen ein wichtiges Kriterium.

neue verpackung: Die Prozesse vor und nach der Verpackungsproduktion mit Services abzudecken, ist ein Ansatz, den bereits mehrere Unternehmen verfolgen. Was unterscheidet DS Smith vom Wettbewerb? Per Vinge Frederiksen: Wir haben wirklich den gesamten Prozess im Blick. Wir verkaufen Lösungen und Konzepte, nicht nur Produkte. Die Verpackung oder das Display sind „nur“ ein Teil dieser Konzepte. Von uns kann man aber beispielsweise auch „nur“ eine neue Abpackmaschine erhalten, „bloß“ eine Optimierung des Abpackprozesses oder „lediglich“ die Optimierung einer bereits im Einsatz befindlichen Verpackung. Wir schauen, was für den individuellen Supply Cycle die optimale Lösung ist und setzen diese um.

neue verpackung: Welches sind die Marktanforderungen, die Sie mit Ihrem neuen Ansatz bedienen? Per Vinge Frederiksen: Wir wissen, dass für unsere Kunden Flexibilität, Liefertreue, Qualität, Preis und die Kompetenz des Ansprechpartners im Vertrieb entscheidend sind. Auch ziemlich genau in dieser Reihenfolge. Unsere letzte Kundenzufriedenheitsanalyse hat ergeben, dass wir aus Sicht unserer Kunden genau in diesen genannten Punkten sehr gut abschneiden – gerade auch im Vergleich zu Marktbegleitern. Das freut uns natürlich.
Optimierter Auftritt am POS: DS Smith entwickelt Verpackungs- und Displaylösungen, in denen digitale Anwendungen zur bestmöglichen, markenstimmigen Präsentation führen. Der interaktive Display-Aufsteller von Snowboard-Ausstatter Nitro promotet per Augmented-Reality ein Gewinnspiel. (Fotos: DS Smith)
 

neue verpackung: Ihre Kunden spielen in Ihren Ausführungen eine sehr prägnante Rolle. Inwiefern binden Sie sie in die Entwicklung Ihrer Angebote und Lösungen mit ein? Per Vinge Frederiksen: Der enge Dialog mit unseren Kunden spielt für uns eine entscheidende Rolle. Daher findet dieser auf einer breiten Basis statt. Gemeinsam mit unseren Kunden führen wir individuelle Workshops durch. Dabei erhalten wir tiefe Einblicke, auf welche Anforderungen es unseren Kunden ankommt und wir können ihnen einen Überblick geben, in welchen Bereichen wir Potenzial für eine Optimierung der Verpackungslösung sehen. Kurz gesagt: Wir setzen alles daran, die Prozesse unserer Kunden tiefgreifend zu verstehen, um zu erkennen, wo in der Zukunft Optimierungspotenziale gehoben werden könnten.

neue verpackung: Welches sind denn die kommenden Anforderungen, mit denen Sie als Supply-Cycle-Strategen konfrontiert sein werden? Michael Lamprecht: Ein ganz wichtiges Thema ist aus unserer Sicht die Prozessoptimierung. Unsere Prozesse müssen zu 100 Prozent stabil laufen, um sicherstellen zu können, dass auch die Prozesse unserer Kunden absolut stabil laufen. Das klingt zunächst nach einer Selbstverständlichkeit, doch es erfordert Verpackungen von höchster Präzision. Früher war es akzeptabel, dass von 10.000 gelieferten Verpackungen 50 Stück fehlerhaft waren, also zum Beispiel einmal eine schiefe Klebung hatten. Heute wissen wir, dass die Performance der Abpacklinie schon durch eine einzige fehlerhafte Verpackung entscheidend gestört wird. Unser Ziel ist daher eine 0-Fehler-Lieferung, um sicherzustellen, dass unsere Kunden ihre Zusagen gegenüber ihren Kunden einhalten können.

neue verpackung: Wie steht es um die Anforderungen im Druck? Michael Lamprecht:  Wir erkennen eine zunehmende Bedeutung darin, eine größtmögliche Individualisierung und damit verbunden kleinere Auflagen realisieren zu können. Eine Herausforderung wird es auch sein, erst an der Abpackmaschine des Kunden die Verpackung zu individualisieren, zum Beispiel mit dem Aufbringen von Informationen in unterschiedlichen Sprachen, für den Vertrieb in verschiedenen Ländern. Hier stellen sich neue Anforderungen an die Entwicklung einer Drucktechnologie, die dies in der erforderlichen Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Qualität ermöglicht.

neue verpackung: Welche Entwicklung sehen Sie im Displaybereich? Per Vinge Frederiksen: Wir fungieren verstärkt als Berater, beispielsweise für den Einsatz neuer Technologien zur Gestaltung von Erlebniswelten am POS. Das heißt, wir erarbeiten gemeinsam mit unseren Kunden Ideen, wie die Marke bestmöglich und stimmig am POS in Szene gesetzt werden kann. Dann entwickeln und produzieren wir nicht nur das Display, sondern auch die Augmented-Reality-Anwendungen oder wir setzen multisensorische Effekte um. Ein weiterer Trend ist es, modulare Displaylösungen zu entwickeln, sodass sich aus wenigen unterschiedlichen Elementen viele unterschiedliche Varianten bauen lassen. Dies erfordert extrem großes Konstruktions-Know-how. Unser Slogan im Bereich Display lautet dazu „Kreativ mit System“.
Über die Firma
DS Smith Packaging Deutschland Stiftung & Co. KG
Fulda
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