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Industrielle Käseproduktion

Alpma-Geschäftsführer Gisbert Strohn im Gespräch

Im Interview: 
Gisbert Strohn, Geschäftsführer der Alpma GmbH. 
(Foto: Alpma)
Im Interview: Gisbert Strohn, Geschäftsführer der Alpma GmbH. (Foto: Alpma)

neue verpackung: Herr Strohn, 2014 hat Alpma einen Umsatz von über 100 Millionen Euro erreicht. Worin sehen Sie die Gründe für den Erfolg Ihres Unternehmens?
Gisbert Strohn: Zum einen bewegen wir uns in einem klar definierten Marktumfeld, in dem wir in unseren Geschäftsbereichen – der Prozess-, Käserei-, Schneide- und Verpackungstechnik – globaler Markt- und Technologieführer sind. Zum anderen haben wir uns als Unternehmen und unser Portfolio an Maschinen, Anlagen und Services in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Davon profitieren wir jetzt. In den Augen unserer Kunden zeichnet uns aus, dass wir ihre gesamte Wertschöpfungskette mit Lösungen bedienen können – von der Rohmilch-Annahme bis zum fertig verpackten Produkt. Dieses Komplettangebot unterscheidet uns vom Wettbewerb. Wir verstehen die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Produktionsschritten und können Synergien schaffen.

neue verpackung: Welche übergreifenden Trends sehen Sie dabei im Markt? Den zur weiteren Automatisierung beispielsweise?
Gisbert Strohn: Automation ist sicher wichtig, wobei das in unserer Branche klar an bestimmte Themen gekoppelt ist. Bei Automation geht es nicht primär um die Reduktion von manueller Arbeit oder Personal, sondern um die Verbesserung der Ausbeute einerseits und der Produktionssicherheit – also Hygiene und Produktqualität – andererseits. Käse ist ein sensibles Lebensmittel, deshalb müssen unsere Kunden den menschlichen Kontakt und damit das Risiko von Kontaminationen so gering wie möglich halten. Bei der Ausbeute wiederum stehen Wirtschaftlichkeitserwägungen im Vordergrund: Wie kann das „Give Away“ und damit die Menge an nicht exakt portionierten Verpackungen reduziert werden? Immerhin verliert der Kunde da bares Geld. Außerdem gibt es wichtige übergreifende Entwicklungsinitiativen, die uns in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Die weitere Vernetzung unserer Anlagen beispielsweise, Stichwort „Industrie 4.0“. Hier haben wir bereits sehr gute Ansätze entwickelt und werden die nun weiter verfolgen.

neue verpackung: Welche Rolle spielt für Alpma dabei der Verpackungsbereich?
Gisbert Strohn: Verpackung ist ein zentraler Bestandteil unseres Unternehmens. Im Marktsegment der Faltverpackungen für Camembert und andere Weichkäsesorten sind wir weltweit Marktführer und wollen diese Position weiter ausbauen. Zumal wir sehen, dass die Faltverpackung auch für andere Käseprodukte eine attraktive Alternative zu gängigen Schlauchbeuteln oder Tiefziehverpackungen darstellt – gerade im Hinblick auf Vermarktung und Branding. Es gibt bei uns deshalb bereits eine Reihe von Projekten, um diese Verpackung auch für Käseprodukte mit anderer Konsistenz wie Frisch- und Schmelzkäse sowie weitere Milchprodukte zu erschließen.

neue verpackung: Forschung und Entwicklung spielen dabei eine große Rolle. Werden Sie in diesen Bereich also stärker investieren?
Gisbert Strohn: Wir investieren bereits sehr stark in Forschung und Entwicklung. Das gilt nicht nur für Schneide- und Verpackungstechnik, sondern für alle unsere Geschäftsbereiche. Es ist bei uns schwierig, den genauen Umfang dieser Investitionen zu beziffern, da viele Neu- und Weiterentwicklungen in konkreten Kundenprojekten stattfinden. Wie wichtig das Thema für uns ist, belegt aber eine andere Zahl: Wir generieren durchschnittlich rund 25 bis 30 Prozent unseres jährlichen Gesamtumsatzes mit Neuentwicklungen. Das ist ein sehr hoher Anteil und zeigt, wie ernst es uns damit ist, Technologieführer zu bleiben.

neue verpackung: Wird es auf der Anuga FoodTec dafür Beispiele zu sehen geben?
Gisbert Strohn: Ich will hier nicht zu viel verraten, aber: Ja, wir werden die Anuga FoodTec nutzen, um mehrere Innovationen vorzustellen, die aus unserer Sicht neue Maßstäbe setzen. Im Zentrum stehen dabei Lösungen zur Absicherung der Produktionsqualität – konkret in den Bereichen Käserei- und Schneidetechnik. Außerdem haben wir einen Schwerpunkt in der Membrantechnik, wo wir uns mit innovativen Konzepten auseinandersetzen. Das ist in der Branche ein heiß diskutiertes Thema, wenn es um die Verarbeitung großer Volumina von Milch oder Molke geht. Auf der Messe haben wir speziell eine Innovationsinsel eingerichtet, um diese neuartigen Lösungen mit dem internationalen Fachpublikum diskutieren zu können.

neue verpackung: Einen wachsenden Teil Ihres Umsatzes erwirtschaften Sie mittlerweile außerhalb der europäischen Märkte wie Frankreich, Deutschland, Italien oder Dänemark. Welche Rolle spielen neue Wachstumsmärkte für Sie?
Gisbert Strohn: Das ist ein wichtiges Thema für uns – was allerdings nicht bedeutet, dass unsere Stammmärkte in Europa für uns an Bedeutung verlieren. Unsere Kundenbeziehungen sind langfristig angelegt und enden nicht mit der Fertigstellung und Übergabe einer Anlage. Die Anlagen „leben“, es gibt immer neue Anforderungen, neue Produkte, die hergestellt werden sollen – und dadurch einen Bedarf zur kontinuierlichen Weiterentwicklung. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der neuen Märkte für uns zu. In der Türkei etwa haben wir mittlerweile eine sehr hohe Marktpräsenz und gerade kürzlich zwei komplette Käsereien eingerichtet. In den USA wächst die Nachfrage, in Südamerika gibt es mit Brasilien, Chile und Argentinien Länder mit einer hohen Milchproduktion, in denen die industrielle Käseproduktion noch am Anfang steht. Oder nehmen Sie Indien: Es ist das milchreichste Land auf der Welt. Die Verarbeitung dieser Milch zu Käse oder ähnlichen Produkten erfolgt in weiten Teilen noch manuell. Da sehen wir natürlich großes Potenzial für uns. Zumal wir feststellen können: Wenn in den Schwellenmärkten investiert wird, will man auch wirklich den neuesten Stand der Technik. Dazu kommen Projekte in anderen Erdteilen: Im vergangenen Jahr haben wir eine komplette Käserei mit Reiferaumwendelinien und mehreren Schneide- und Verpackungsanlagen nach Tasmanien in Australien geliefert – über 100 Container! – und dann vor Ort installiert. Das zeigt, dass unsere Expertise längst nicht mehr nur in Europa gefragt ist.

Die traditionelle Faltverpackungsmaschine Multisan von Alpma mit neuester Servo-Technologie steht für maximale Flexibilität und Geschwindigkeit. (Foto: Alpma)
Die traditionelle Faltverpackungsmaschine Multisan von Alpma mit neuester Servo-Technologie steht für maximale Flexibilität und Geschwindigkeit. (Foto: Alpma)

 

neue verpackung: Umgekehrt kann man sich fragen, warum Sie bis dato ausschließlich in Deutschland Anlagen bauen. Wird das so bleiben?
Gisbert Strohn: Ja, denn wir sind überzeugt vom Standort Deutschland, die Erfahrung und das Fachwissen, das wir nur hier in Rott und Dresden haben. Die kann man nicht einfach an einen anderen Ort transferieren. Unsere Kunden schätzen die Qualität „made in Germany“ – auch wenn sie ihren Preis hat. Natürlich müssen wir bei den Kosten darauf achten, dass wir international wettbewerbsfähig bleiben. Aber hier in Deutschland haben wir ideale Bedingungen und vor allem das Know-how, um Anlagen zu bauen, zu testen und Neuentwicklungen voranzutreiben. Derzeit erweitern wir deshalb die Gebäude für Konstruktion und Montage in Rott. Und wir setzen stark auf Mitarbeiterentwicklung: Von unseren rund 600 Mitarbeitern in Deutschland sind etwa zehn Prozent Auszubildende. Wir investieren also auch in dieser Hinsicht in unsere Zukunft.

Über die Firma
ALPMA Alpenland Maschinenbau GmbH
Rott am Inn
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