Interview

„Vernetzt in die Zukunft“

Die Geschäftsführung der rlc I Packaging Holding (v. l. n. r.): Prof. Dr. Frank Ohle, Stephan Bestehorn, Hans-Christian Bestehorn. (Foto: rlc | Packaging Group)
Die Geschäftsführung der rlc I Packaging Holding (v. l. n. r.): Prof. Dr. Frank Ohle, Stephan Bestehorn, Hans-Christian Bestehorn. (Foto: rlc | Packaging Group)

neue verpackung: Herr Prof. Dr. Ohle, Sie sind seit dem 1. Juli neu im Management der rlc | Packaging Group. Wie ist Ihr Eindruck?
Prof. Dr. Ohle: Die rlc-Gruppe hat ihre Werke auf die Bedürfnisse ihrer Zielbranchen Beauty, Pharma sowie Lebens- und Genussmittel ausgerichtet. Hierzu wurde in den letzten Jahren kontinuierlich in die Leistungsfähigkeit der Standorte investiert, wie ja das jüngste Beispiel, die neue 16 Unit-Bogen-Offsetdruckmaschine von Manroland für das Beauty- und Healthcare-Segment, zeigt. Die rlc-Gruppe versteht sich als ganzheitlicher Systemanbieter und bietet Full-Service-Lösungen entlang der Wertschöpfungskette – von der Verpackungsentwicklung über die Produktion bis hin zur Abpacktechnik und Logistik. Dieses Leistungsportfolio gepaart mit hohem Markt- und Technologieverständnis und einem ausgeprägten Geschmack für Design und Marke sind heute entscheidende Wettbewerbsvorteile. Das erarbeitete Investitionsprogramm in Kombination mit der Initiative „Shape“ wird die Marktposition nicht nur stärken, sondern auch weiter ausbauen.

neue verpackung: Herr Bestehorn, wie sieht dieses Investitionsprogramm aus?
Stephan Bestehorn: Alle acht Standorte sind durch die Investitionen der letzten Jahre bereits sehr gut aufgestellt. Um sich für die zukünftigen Marktgegebenheiten weiter zu rüsten, haben wir das Programm „Shape“ für die kommenden drei Jahre gestartet, mit dem wir zum einen den Branchenfokus der Center of Excellence – also der einzelnen Kompetenzzentren – noch weiter stärken und zum anderen unsere Strukturen und Prozesse effizient straffen. In diesem Rahmen wurde ein Investitionsplan bis 2018 entwickelt, der Mittel in Höhe von insgesamt 19 Millionen Euro für diesen Zweck vorsieht. So bauen wir noch in diesem Jahr den Bereich Pharma aus und prüfen derzeit auch ernsthaft Investitionsmöglichkeiten im Digitaldruck, der es uns beispielsweise ermöglicht, den Trend zur Individualisierung von Produkten schnell umzusetzen. Mit weiteren Investitionen, wie beispielsweise der Einführung von SAP an weiteren Standorten, optimieren wir die Prozesseffizienz – und hier ist die schrittweise Digitalisierung des Unternehmens sowie der gesamten Wertschöpfungskette ein wesentlicher Aspekt. Zusätzlich zu diesen Investitionen werden wir unseren polnischen Standort bsc Drukarnia um neue Kapazitäten und Technologien signifikant ausbauen.

neue verpackung: Herr Bestehorn, Stichwort Digitalisierung – ein heiß diskutiertes Thema in der Branche. Was ist hier die zentrale Herausforderung?
Stephan Bestehorn: In der Tat wird dieser Megatrend die Verpackungsindustrie dramatisch verändern. Mit dem Smartphone sind die Ansprüche des Verbrauchers enorm gestiegen – Produktlieferungen innerhalb weniger Stunden werden bald schon selbstverständlich sein. Die Wertschöpfung wird also immer schneller. Der Kern liegt in der ganzheitlichen Betrachtung der Supply-Chain, um auf diese Nachfrageveränderungen kurzfristig reagieren zu können. Das verlangt von uns letztlich, alle Beteiligten in der Wertschöpfung digital zu vernetzen – und hier sehe ich die größte Herausforderung. Denn das setzt voraus, dass wir die Prozesse synchronisieren und alle Beteiligten offen für die notwendigen Veränderungen sind. rlc richtet sich darauf längst aus: Unter dem Slogan „Rethink Packaging“ sind wir dabei, die Zusammenarbeit mit den Wertschöpfungspartnern eines Produktes vollkommen neu zu organisieren. Und hier betrachten wir nicht nur den Prozess, sondern auch das Produkt. Beispielsweise präsentieren wir mit der Konzeptreihe „Lumen“ neuartige Verpackungsideen, bei denen Leuchteffekte in Verbindung mit besonderen Konstruktionen für aufmerksamkeitsstarke Effekte sorgen. Möglich macht das eine innovative Technologie, dank derer sich die Schaltkreise, die Batterie und die Schalter im Druckverfahren aufbringen lassen.

neue verpackung: Herr Prof. Dr. Ohle, warum ist der Rethink-Ansatz so wichtig?
Prof. Dr. Ohle: Schon heute sind wir in Bezug auf die Fast Moving Consumer Goods mit viel kürzeren Zeitzyklen konfrontiert. Die Produktlebenszyklen werden immer kürzer. Saisonale Angebote, Marketing-Kampagnen und darauf abgestimmte Verpackungen gewinnen an Bedeutung. Mit der Digitalisierung gehen außerdem weitere Konsumtrends, wie die bereits erwähnte Individualisierung oder der Dauerbrenner Convenience, einher. Der Verbraucher erwartet nicht nur schnelle Reaktionszeiten, sondern Komfort und individuelle Angebote – und zwar nahezu unabhängig von Raum und Zeit. Individuelles Lebensgefühl drückt sich zudem in bewusstem Konsum und damit im Wunsch nach nachhaltigen, aber ebenso auch hochwertigen Verpackungen aus. Diese Trends erzeugen einen ständigen Innovations- und Angebotsdruck. Die Supply Chain wird dadurch immer anspruchsvoller. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Kosten. Somit ist sicher: Die traditionelle Lieferkette wird in Zukunft nicht mehr funktionieren.

Mit der zehn Druck- und zwei Lackwerken ausgestatteten Bogen-Offsetdruckmaschine von Manroland hat rlc in diesem Jahr das Veredelungsspektrum für die Beauty- und Healthcare-Branche erweitert. (Foto: rlc | Packaging Group)
Mit der zehn Druck- und zwei Lackwerken ausgestatteten Bogen-Offsetdruckmaschine von Manroland hat rlc in diesem Jahr das Veredelungsspektrum für die Beauty- und Healthcare-Branche erweitert. (Foto: rlc | Packaging Group)


neue verpackung: Herr Bestehorn, und wie hat sich  rlc in dieser Hinsicht aufgestellt?
Stephan Bestehorn: Unsere Branchenorientierung gepaart mit unseren Möglichkeiten als Systemanbieter ist zunächst eine unabdingbare Voraussetzung, die steigenden Anforderungen des Endverbrauchers zu erfüllen. Mit Just-in-time und Vendor-managed-Inventory-Konzepten hat sich  rlc zudem schon vor Jahren von traditionellen Lieferwegen verabschiedet. Wir denken in kurzfristigen Zyklen und richten unsere Prozesse an den Prinzipien der Lean-Produktion aus, die wir im Schulterschluss mit unseren Kunden umsetzen. Das ermöglicht uns, auf ein volatiles Marktumfeld sehr schnell zu reagieren und bedeutet für unsere Kunden eine Optimierung der Total Coast of Ownership durch ganzheitliche, effiziente Verpackungslösungen. „Rethink Packaging“ verstehen wir als einen systematischen Ansatz, mit dem wir den Fokus noch mehr auf die vernetzte Zusammenarbeit richten. Unsere Erfahrungen mit Lean Production sind bereits eine gute Ausgangsbasis, um digitale Wertschöpfungs-
netzwerke zu realisieren, die an die Stelle der linearen Wertschöpfungskette treten.

neue verpackung: Herr Prof. Dr. Ohle, wie sieht eine solche Zusammenarbeit idealtypisch aus?
Prof. Dr. Ohle: Im Zuge der Digitalisierung werden immer mehr die Unternehmen dominieren, die auch digitale Konzepte für ihre Kernprodukte entwickeln. Und diese gilt es dann, auf allen Stufen von der Logistik über die Produktion bis zum Service miteinander zu verknüpfen. Hier verfügen aus meiner Erfahrung bisher nur wenige über relevante Schnittstellen wie wir als Verpackungshersteller. Daher fällt uns auch eine wichtige Rolle zu, den Lead zu übernehmen. Mit einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur und einer Online-Plattform, die alle Stakeholder vernetzt, arbeiten Marketing, Einkauf, Verpackungsdesign und -hersteller, Materiallieferanten und der Handel zusammen an den Lösungen, die schließlich den Konsumenten immer wieder aufs Neue begeistern. In der Verpackungsentwicklung ist rlc übrigens seit langer Zeit mit einer solchen Online-Plattform am Markt. PAS Media ist eine webbasierte Lösung für Artwork Lifecycle Management, das Markenartiklern, Retailern und Pharmaherstellern nicht nur eine Menge Zeit und Kosten spart, sondern ganz besonders Prozesssicherheit bietet. Die Software vernetzt alle Projektbeteiligten auf einer globalen Plattform, ermöglicht eine zentrale Datenverwaltung und sorgt so für den reibungslosen Ablauf eines Verpackungsprojekts vom Briefing bis zur Druckfreigabe. Genau solche Lösungen liefern eine Basis für die vernetzte Zusammenarbeit, mit deren Hilfe wir die Wünsche des Konsumenten von morgen erfüllen.

 

Für Sie entscheidend
Über Prof. Dr. Frank Ohle
Prof. Dr. Frank Ohle ist seit dem 1. Juli Geschäftsführer der rlc | Packaging Group und ergänzt in dieser Funktion die Familien-Holding um Hans-Christian und Stephan Bestehorn. Von 2006 bis 2012 war Prof. Dr. Ohle CEO der STI-Unternehmensgruppe. Seither war er als Managementberater, Aufsichtsrat und Beirat in führenden deutschen Familienunternehmen tätig und hat dort diverse Wachstums- und Leistungssteigerungsprogramme aktiv begleitet. Der promovierte Physiker, der aus einem Familienunternehmen der Papier- und Druckbranche stammt, gilt als umsetzungsstarke und fokussierte Führungspersönlichkeit.

Über die Firma
rlc | packaging group Leunisman GmbH
Hannover
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