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Der Blick über den Tellerrand erlaubt neue Perspektiven

Gregor Baumeister ist der neue Leiter des Geschäftsbereichs Palettier- und Verpackungssysteme bei der Beumer Group. (Foto: Beumer)
Gregor Baumeister ist der neue Leiter des Geschäftsbereichs Palettier- und Verpackungssysteme bei der Beumer Group. (Foto: Beumer)

neue verpackung: Herr Baumeister, als Leiter des Geschäftsbereichs Palettier- und Verpackungssysteme steuern und koordinieren Sie das globale Kompetenzzentrum in diesem Geschäftsfeld. Was sind Ihre Aufgaben und welche Ziele möchten Sie erreichen?
Gregor Baumeister: Mit der Leitung des Geschäftsbereichs Palettier- und Verpackungssysteme habe ich eine überaus spannende und vielfältige Aufgabe übernommen. In dieser Position steuere und verantworte ich über das Kompetenzzentrum sämtliche Aktivitäten des weltweiten Vertriebs. Gemeinsam mit meinem Team bin ich zudem für die Entwicklung und den Ausbau des umfangreichen Lösungsportfolios verantwortlich.
Mein Ziel kann ich sehr einfach formulieren: Ich will das weltweite Wachstum dieses Geschäftsfelds stetig vorantreiben. Um das zu erreichen, müssen wir uns regional ausgewogen aufstellen, damit wir unsere Kunden überall auf der Welt optimal betreuen können. Wir setzen auf Industrien mit Potenzial, aber unterschiedlichen Konjunkturzyklen. Und Branchen, in denen wir fest etabliert sind, wie Baustoffe, Chemie oder Konsumgüter, werden wir weiterhin mit intelligenten Lösungen ansprechen.

neue verpackung: Können Sie die Vorgehensweise des Kompetenzzentrums näher erklären? Und wie profitieren Ihre Kunden weltweit davon?
Gregor Baumeister: In unseren Zielbranchen integrieren wir Verpackungs- und Intralogistik-Lösungen für branchenspezifische Anwendungen. Ein gutes Beispiel sind ganzheitliche Verpackungslinien für die chemische Industrie. Das Schüttgut gelangt vom Silo über eine Förderstrecke zu unserer Form-Fill-Seal-Anlage (FFS-Anlage). Die Absackmaschine ist mit einer integrierten präzisen Wägetechnik ausgerüstet. Damit stellt sie die reproduzierbare Gewichtsgenauigkeit der Säcke sicher. Anschließend stapeln zuverlässige Hochleistungslagenpalettierer aus der Produktserie Beumer Paletpac die Säcke effizient auf Paletten. Um die Ladung zu sichern, setzen unsere Kunden auf die innovativen Hochleistungsverpackungsanlagen der Serie Beumer Stretch Hood. Alle Maschinen dieser Linie nutzen das gleiche Human Machine Interface (HMI). Dies erleichtert dem Anwender die Bedienung und verkürzt seine Einarbeitungszeit deutlich.
Am Ende dieser Verpackungslinie geht es aber noch weiter: Mit unseren Systemlösungen sorgen wir dafür, dass die palettierte und verpackte Ware weitergeleitet wird zum Einlagern in einem angeschlossenen Lager – oder direkt weiter zum Versand. Dabei stellen wir mit unseren Systemen eine durchgängige Material- und Datenverfolgung sicher. Die entsprechenden Lösungen und Kompetenzen, um diesen Materialfluss zu realisieren, haben wir in unserem Intralogistik-Team gebündelt. Der Kunde erhält damit komplette Lösungen aus einer Hand.
Das Team entwickelt aber auch Sonderlösungen für sehr anspruchsvolle Aufgabenstellungen. Wir haben zum Beispiel eine redundante Applikation für die Kautschukindustrie installiert, die einen effizienten Materialfluss ermöglicht, sowie komplexe Verpackungssysteme, die bei holzverarbeitenden Unternehmen weltweit im Einsatz sind.

neue verpackung: Welche Erfahrungen bringen Sie in Ihre neue Tätigkeit mit ein?
Gregor Baumeister: Ich konnte in meinem Berufsleben umfangreiche Erfahrungen in der Intralogistik sammeln, die ich in meiner jetzigen Position hervorragend nutzen werde. Mehrjährige Aufenthalte im Ausland prägten mein multikulturelles Verständnis. Für namhafte Anbieter von Verpackungslinien und Intralogistiksystemen hatte ich unter anderem verantwortliche Tätigkeiten in Technik und Vertrieb übernommen. Zuletzt hatte ich eine internationale Vertriebsleitungsposition bei einem Anbieter und Hersteller von Logistiksystemen, Logistiksoftware, Arbeitsplatzeinrichtungen und Lagertechnik. An meiner neuen Aufgabe bei Beumer reizt mich insbesondere die ganzheitliche Aufgabenstellung, die mit der Führung dieses Geschäftsfelds verbunden ist.

neue verpackung: Wie haben sich die Anforderungen an die Intralogistik und insbesondere in der Abfüll-, Palettier- und Verpackungstechnik im Lauf der vergangenen Jahre verändert?
Gregor Baumeister: Ich sehe auch in diesem Geschäftsfeld einen klaren Trend zu integrierten Systemen. Außerdem wünschen sich die Kunden die Komplettlösung aus einer Hand und damit nur einen – zuverlässigen und kompetenten – Ansprechpartner für die komplette Aufgabenstellung. Gefragt sind weniger Produktlieferanten als vielmehr Lösungsanbieter. Das heißt jedoch nicht, dass wir keine Einzelmaschinen mehr verkaufen. Wir stellen nur insbesondere bei sehr großen Unternehmen, wie Baustoff- oder Chemiekonzernen, fest, dass sie die Verantwortung bündeln und nur noch einen Ansprechpartner für ihre gesamte Linie wollen.

neue verpackung: Gefordert sind aber nicht nur komplette Lösungen, sondern im Detail auch ein kontrolliertes, fehlerfreies und vor allem sachgerechtes Handling der Produkte. Inwieweit hat sich damit der Stellenwert der Steuerungstechnik in der Intralogistik gewandelt?
Gregor Baumeister:  Sie schneiden ein sehr umfangreiches Thema an. Die Steuerungstechnik ist ein zentraler Bestandteil eines jeden mechatronischen Systems. Und gerade im Umfeld von Industrie 4.0 wird der schon seit Jahren bestehende Trend zusammengefasst, Material- und Datenflüsse zu parallelisieren. Wir sehen darin eine Evolution, der wir sehr aufgeschlossen und positiv gegenüberstehen. Denn die Vorteile, die der Anwender von sich selbst optimierenden und steuernden Systemen hat, liegen auf der Hand. Sie erkennen zum Beispiel selbstständig Blockaden im Materialfluss und wählen alternative Routen. Oder: Die Werkstücke tragen alle wichtigen Informationen in Form von Parametern über den Ablauf der Produktion in sich. Sie wissen, wer sie sind und können sich über die  RFID-Technologie mit der Anlage „unterhalten“.

neue verpackung: Wie realisieren Sie bei den Anwendern sicher gesteuerte und geregelte Materialflüsse?
Gregor Baumeister: Das hängt immer davon ab, wie komplex die Aufgabenstellung ist. Manche Anwendungen lassen sich allein auf SPS-Ebene umsetzen. Andere wiederum erfordern übergeordnete Materialflussrechner oder Warehouse-Control-Systeme. Jedes System, das wir planen und installieren, basiert zwar auf Standardmodulen, doch die Lösung ist ganz spezifisch auf den Kunden abgestimmt. Denn keine Kundenanforderung gleicht eins zu eins der anderen.

neue verpackung: Beumer hat sich vom Maschinenbauer zum Systemintegrator und Softwareanbieter weiterentwickelt. Welchen Nutzen haben die Anwender von dieser Entwicklung?
Gregor Baumeister: Das eine ist untrennbar mit dem anderen verbunden – und Unternehmen wollen, wie gesagt, häufig nur noch einen Ansprechpartner haben. Wer also Systeme integriert, muss deshalb auch die zugehörige Software anbieten. Liefern wir für einen Kunden eine komplette Verpackungslinie mit angeschlossenem Blocklager, erhält er von uns ein voll funktionsfähiges System mit allen mechanischen und elektrischen Komponenten sowie die dazu passende Software. Den Schlüssel, um die Performance oder die Energieeffizienz zu steigern, sehen wir häufig in softwarebasierten Strategien. Nehmen Sie zum Beispiel die Getriebewahltaste „Sport“ und „Eco“ eines Autos. Das Umschalten erfolgt nicht mechanisch, sondern wird durch die Software gesteuert. Und genauso verhält es sich mit den verschiedenen Betriebszuständen in intralogistischen Systemen.

neue verpackung: Worum handelt es sich bei diesen Intralogistik-Systemen, und welchen konkreten Vorteil hat deren Einsatz? In welchen Branchen macht ihre Anwendung Sinn?
Gregor Baumeister: Für die Anwender sind wir Problemlöser, und so wollen wir von der Industrie auch wahrgenommen werden. Das zeigen wir mit diesen Systemen. Wir bringen keine sogenannten „Me-too“-Lösungen auf den Markt, sondern effiziente und spezifische Systeme, die ganz individuelle Herausforderungen meistern. Ich hatte vorhin eine hoch redundante Applikation für die Kautschukindustrie erwähnt. Das ist ein sehr gutes Beispiel. Bei dieser Anwendung müssen die Kautschukballen nach dem Schneiden foliert und in große Behälter verpackt werden. Die spezielle Herausforderung dabei ist, dass sie auf der Fördertechnik nicht anhalten dürfen, sonst würde der Kautschuk fließen. Ein Transport wäre dann nicht mehr möglich. Wir haben für den Kunden ein System entwickelt, das in allen Betriebszuständen einen kontinuierlichen Materialfluss sicherstellt. Umgesetzt haben wir das mit Komponenten aus unserem Portfolio. Dabei nutzen wir auch Technologien, die wir eigentlich in  anderen Branchen einsetzen. Zum Beispiel transferieren wir Lösungen aus dem Geschäftsfeld Airport auf die Reifenindustrie. Weil wir branchenübergreifend arbeiten, können wir unseren Kunden so ganz unterschiedliche Perspektiven anbieten.

neue verpackung: Aus welchen Bestandteilen sind die Systeme aufgebaut? Lassen sie sich modular erweitern?
Gregor Baumeister: Bei den Bestandteilen handelt es sich im Wesentlichen um Transporttechnologien, wie Fördertechnik, oder um fahrzeugbasierte Systeme. Dazu kommen beispielsweise verschiedene Handlinglösungen und Manipulatoren wie Roboter, Puffer- und Lagermodule. Weil wir dabei immer auf unseren Systembaukasten zugreifen, sind die Lösungen jederzeit erweiterbar und können mit dem Geschäft des Kunden mitwachsen. Eine gute Planung sieht auch immer verschiedene Wachstumsszenarien vor. Bereits in der Auslegungsphase planen wir deshalb potenzielle Erweiterungen ein.

 

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Über die Beumer Group
Die Beumer Group ist nach eigener Angabe ein international führender Hersteller der Intralogistik in den Bereichen Förder- und Verladetechnik, Palettier- und Verpackungstechnik sowie Sortier- und Verteilanlagen. Zusammen mit Crisplant a/s und Enexco Teknologies India Limited beschäftigte die Beumer Group 2015 etwa 4.000 Mitarbeiter. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftete einen Jahresumsatz von rund 700 Mio. Euro. Mit ihren Niederlassungen und Vertretungen ist die Unternehmensgruppe in zahlreichen Branchen weltweit präsent.

Über die Firma
BEUMER GROUP GmbH & Co. KG
Beckum
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