Automatisieren

Für Awareness beim Endanwender sorgen

„Der Endanwender muss sich ändern: Er muss künftig nicht nur Einzelmaschinen kaufen, sondern wirklich vernetzte Anlagen.  Das müsste dann auch so ausgeschrieben werden.“ Dr. Thomas Cord, 
Geschäftsführer Lenze Automation
„Der Endanwender muss sich ändern: Er muss künftig nicht nur Einzelmaschinen kaufen, sondern wirklich vernetzte Anlagen. Das müsste dann auch so ausgeschrieben werden.“ Dr. Thomas Cord, Geschäftsführer Lenze Automation

Bereits vor einem Jahr hatte die Lenze AG auf der Fachpack 2015 eine Studie zu Industrie 4.0 vorgestellt, die von Berndt + Partner durchgeführt wurde.  Die Expertenbefragung ergab, dass die Flexibilität von Anlagen mit Abstand als wichtigster, übergreifender Trend bewertet wird. Die drei wichtigsten zu erwartenden Änderungen wurden mit den Schlagwörtern Flexibilität (schnelle Formatwechsel, kleinere Losgrößen), Vernetzung (stärkere, intelligente Vernetzung der Maschinen, Kommunikation sowie Variation von Auswertungsmöglichkeiten) und Individualisierung (Losgröße 1, Kennzeichnung, Serialisierung) benannt. Befragt wurde über alle Anwendungsbranchen hinweg von Lebensmittel- über Getränkeproduzenten bis hin zu Herstellern aus der Medizintechnik. Die zugrunde liegende Definition für Industrie 4.0 lautete: „Die horizontale, also kommunikative, Verknüpfung einzelner, flexibler Produktionsabläufe untereinander sowie die vollständige Anbindung der Produktionslinien an ERP-Systeme (vertikale Integration) der Produktionslinien.“ Die Befragung zeigte: Einige Unternehmen haben immer noch keine klare

Definition zum Thema Industrie 4.0 parat. Doch warum? Für Dr. Cord liegt nach dieser Expertenbefragung in der Konsumgüterindustrie besonders ein Grund auf der Hand: „Beim Endanwender ist überhaupt keine Awareness für Industrie 4.0 vorhanden!“ Noch sind die Entscheider auf  Konsumgüterseite der Meinung, dass der Maschinenbauer Industrie 4.0 vorantreiben müsse, lautet ein weiteres Ergebnis der Umfrage. Der Geschäftsführer der Lenze Automation sieht das kritisch: „Wenn ich mir ansehe, wie die Endanwender heute Maschinen kaufen, dann wird das nicht funktionieren“, sagt er. Heute würden nämlich noch immer Einzelmaschinen verkauft und der Endanwender sei überhaupt noch nicht an dem Punkt, dass er Maschinen integrieren und in ein komplexeres IT-System einbinden könne. Vernetzung finde nicht statt. „Wir reden von kleinen Losgrößen, aber was ist, wenn ich ein Produkt verändere und ich brauche auf einmal eine andere Sekundärverpackung? Dann ist diese klassische Linienstruktur, die der Endanwender in seiner Halle hat, nicht mehr da. Zu sagen, der Automatisierer oder der Maschinenbauer liefert mir schon Industrie 4.0, ist bei Weitem zu kurz gesprungen“, beklagt Cord.

Der Verpackungsmaschinenbau sucht oft Analogien in der Automobilindustrie. Spannender erscheint mir, dem Schreiber dieses Artikels, es jedoch zu sein, an dieser Stelle über gravierende Unterschiede dieser Industriezweige zu sprechen: Während es in der Automobilindustrie die Spezies der neutralen Integratoren gibt, die selbst keine Maschinen bauen, gibt es im Bereich der Verpackungsindustrie nur wenige Anbieter, die gesamte Linien intergrieren. Und auch die Ausrüstungsvorschriften, die der Verpackungsmaschinenbauer vom Endanwender erhält, tun ihr Übriges: Während Verpackungsmaschinenbauer bei den Abnahmekriterien mit Anforderungen zur Maintenance oder dem Ersatzteilsupport konfrontiert werden, sind die technischen Vorschriften in der Autombilindustrie bereits auf einem ganz anderen Level und gesamtheitlicher. Oder doch nicht, Herr Cord? „Doch, da haben Sie völlig recht!“, sagt er, „die Automobilindustrie ist da zehn Jahre voraus!“ Es geht demnach nicht um die Industrie-4.0-Maschine, sondern, wie in der Automobilbranche, um die 4.0-Fertigung. „Die Maschine ist nur Mittel zum Zweck“, weiß Cord und drängt darauf, dem Endanwender die Awareness und die Kompetenz für Industrie 4.0 schmackhaft zu machen. Und das gehe über den Nutzen, den die Digitalsierung in allen Produktionsbereichen bringe.

Was verändert sich für Ihr Unternehmen durch individualisierte Anforderungen/Industrie 4.0?
Was verändert sich für Ihr Unternehmen durch individualisierte Anforderungen/Industrie 4.0?



Noch ist die Konsumgüterindustrie in dem Glauben geprägt, dass neue Produkte oder Verpackungen wesentlich mehr Rendite und Marktanteil bringen als die Excellenz im Produktionswerk. Und reichen die Industrie-4.0-Killerargumente, wie unter anderem fehlende Datensicherheit oder Angst vor Rezepturklau, aus, um die in Aussicht stehenden Effizienzgewinne durch die durchgehende Digitallsierung zu verhindern? „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, dem Endanwender die Möglichkeiten der Technologie zu zeigen, ihm den Weg in die Datenvernetzung zu ermöglichen. Ich glaube, wir kommen dahin, dass künftig drei miteinander reden, und zwar in allen Richtungen: der Enduser, der Maschinenbauer und Ausrüster, wie Lenze“, schaut Cord voraus und sagt auch selbstkritisch: „Aber die Sporen und die Glaubwürdigkeit müssen wir uns erarbeiten. Da mangelt es, da sind wir selber Schuld. Warum? Weil wir dieses Thema Industrie 4.0 auch zu stark als Werbebotschaft verwendet haben."

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Über den Autor
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Matthias Mahr

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Lenze SE
Hameln
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