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Handhabbarkeit

Fischkonserven leichter öffnen

Umständlich zu handhabende Verpackungen können dafür sorgen, dass Verbraucher Probleme beim Öffnen haben. Laut einer Umfrage der BAGSO [1] von 2003 kritisieren 46 Prozent der befragten Senioren den hohen Kraftaufwand als Schwierigkeit beim Öffnen von Verpackungen. Da Fisch wertvolle Nährstoffe, wie zum Beispiel die Omega-3-Fettsäuren, sowie hochwertiges, leicht verdauliches Eiweiß und wertvolle Vitamine und Mineralstoffe liefert, ist er besonders für eine vollwertige Ernährung der Verbraucher im fortgeschrittenen Lebensabschnitt wichtig [2]. Die CEN/TS 15945 [3] ermöglicht Bewertungen zum leichten Öffnen von Verpackungen. Bei den Fischdosen handelt es sich um zweiteilige, tiefgezogene Konservendosen aus Weißblech mit Aufreißdeckel und Ring-Pull-Öffner (Zugring). Die Dosen sind 105 mm lang, 60 mm breit und 28 mm hoch. Die Fischkonserven wurden nach Marktbeobachtung ausgewählt.

Zeit zum Öffnen der Makrelenfilets in Sonnenblumenöl (Zugring an der Ecke). (Foto: Hochschule Fulda)
Zeit zum Öffnen der Makrelenfilets in Sonnenblumenöl (Zugring an der Ecke). (Foto: Hochschule Fulda)

Methode

Die durchgeführten Zielgruppenprüfungen fanden auf Grundlage der CEN/TS 15945:2011 statt. Im Rahmen der Untersuchungen haben zwei Gruppen mit je 20 Prüfteilnehmern (männlich und weiblich) im Alter zwischen 65 und 80 Jahren die Fischkonserven  geöffnet. Jeder Teilnehmer öffnete nur eine Dose, um Lerneffekte auszuschließen. Die genaue Zusammensetzung der Zielgruppe ist der Tabelle (nächste Seite, oben) zu entnehmen.

Zeit zum Öffnen der Sardinen in Sonnenblumenöl (Zugring mittig). (Foto: Hochschule Fulda)
Zeit zum Öffnen der Sardinen in Sonnenblumenöl (Zugring mittig). (Foto: Hochschule Fulda)



Die Prüfteilnehmer wurden zufällig in Cafés und öffentlichen Veranstaltungen angesprochen. Entscheidend war ein nach Selbsteinschätzung „autonomer Lebensstil“ der Teilnehmer. Das bedeutet, dass sie zum Beispiel selbstständig kochen oder einkaufen gehen, sowie Verpackungen öffnen. Die Prüfteilnehmer durften keine Hilfsmittel benutzen, außer denen, die Bestandteil der Verpackung waren.

Von besonderer Bedeutung bei den Zielgruppenprüfungen war unser sogenanntes „Küchentisch Szenario“ und eine ausreichende Beleuchtung (mindestens 300 Lux). Prüfteilnehmer, die eine Lesebrille benötigen, wurden aufgefordert diese zu tragen. Zur besseren Interpretation der Ergebnisse und der Analyse des Öffnungsverhaltens wurden die Handbewegungen bei der Prüfung per Video aufgezeichnet. Die Reihenfolge der zu prüfenden Verpackungen erfolgte zufällig.

Die Zielgruppenprüfung erfolgt in drei Stufen. Zunächst wird die Effektivität beim Öffnen bestimmt, dabei soll sich der Prüfteilnehmer mit der Verpackung, dem Öffnungsmechanismus und der Öffnungsanleitung vertraut machen und die Verpackung öffnen. Erfolgt dies innerhalb von fünf Minuten, so ist die Teilprüfung als erfolgreich zu bewerten. Anschließend erfolgt die Prüfung der Effizienz beim Öffnen, dazu erhält der  Teilnehmer eine neue, identische Verpackung. Wird diese Verpackung innerhalb einer Minute geöffnet, gilt das Kriterium „Effizienz“  als erfüllt. Abschließend wird die Zufriedenheit mit dem Öffnen abgefragt. Nach Entnahme einer Portion, zum Beispiel mit einer Gabel, gibt der Prüfteilnehmer seine Zufriedenheit anhand der fünfstufigen Symbolskala (von -2 sehr schlecht bis +2 sehr gut) an. Eine Prüfung gilt als erfolgreich, wenn Zufriedenheiten der Stufe 0 und höher erreicht werden.

Ergebnisse

Im ersten Prüfschritt zur Effektivität beim Öffnen konnten 60 Prozent der Prüfteilnehmer die Makrelenfilets in Sonnenblumenöl innerhalb von elf Sekunden öffnen, weitere 35 Prozent öffneten die Dose zwischen zwölf und maximal 25 Sekunden. Eine Prüfteilnehmerin konnte die Dose nicht öffnen, entsprechend der Vorgaben der CEN/TS 15945 beendete sie die Prüfung an dieser Stelle. Die Sardinen in Sonnenblumenöl wurden von 35 Prozent der Teilnehmer innerhalb 15 Sekunden geöffnet. Acht von 20 Teilnehmern konnten die Verpackung nicht öffnen, die meisten davon waren über 70 Jahre alt. Bei zwei Prüfteilnehmern löste sich der Pull-Ring von der Dose, die Dosen konnten daher nicht geöffnet werden. Im folgenden Prüfschritt zur Effizienz öffneten 89 Prozent der 19 Prüfteilnehmer die Makrelendose in maximal elf Sekunden, was auf einen Lerneffekt beim Öffnen hindeutet.

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Die Sardinendose wurde nur noch von einer Grundgesamtheit von zwölf Personen auf Effizienz geprüft und 66,6 Prozent dieser Prüfteilnehmer öffneten die Dose im Zeitraum zwischen vier und 15 Sekunden. Ein Prüfteilnehmer konnte die Sardinendose nicht wiederholt öffnen.

Die Prüfteilnehmer waren mit der Makrelendose überwiegend zufrieden, nur eine Person beurteilte die Zufriedenheit beim Öffnen der Dose negativ. Die Bewertung „sehr schlecht“ ergibt sich aus der Forderung der Norm, abgebrochene Öffnungsvorgänge mit -2 zu beurteilen. Es fehlte einigen Prüfteilnehmern an der erforderlichen Kraft, um die Sardinendose zu öffnen, was vor allem an der Zahl der Abbrüche bei der Teilprüfung Effektivität zu erkennen ist. Dies führte dann zu einer Abwertung der Zufriedenheit beim Öffnen. Beide Fischkonservendosen sind nach den Vorgaben der CEN/TS 15945 nicht als leicht zu öffnende Verpackungen zu bezeichnen.

Diskussion

Die Konservendosen sind zwar gleich groß, sie unterscheiden sich aber im Öffnungskonzept. Nahezu alle Prüfteilnehmer sind mit dem Öffnungsprinzip von Fischkonservendosen vertraut, die Bekanntheit der Makrelendosen betrug 95 Prozent, bei den Sardinendosen sogar 100 Prozent. 19 Prüfteilnehmer konnten die Makrelenfilets öffnen, nur zwölf hingegen die Sardinen. Die Effektivitäten beim Öffnen der beiden Konservendosen unterscheiden sich, so betragen die Medianwerte 10,87 Sek. für die Makrelendose und 13,37 Sek. für die Sardinendose. Auch bei der Effizienz des Öffnungsvorgangs unterschieden sich die beiden Fischkonserven: die Makrelendose wurde in 9,02 Sek. geöffnet, die Sardinendose in 13,28 Sek. Bei der Makrelendose gibt es keine signifikanten Abhängigkeiten von Alter und Geschlecht auf die Effektivität und Effizienz des Öffnungsvorgangs. Die Sardinendose jedoch öffneten Prüfteilnehmer in den Altersgruppen zwischen 65-69 und 70-74 Jahren schneller als Personen im Alter zwischen 75-80 Jahren. Sie konnten  die Dose nur deutlich langsamer oder gar nicht öffnen.

Die Zeiten für die Entnahme einer Portion Fisch unterscheiden sich nicht signifikant. Der Median der Zufriedenheit bei der Makrelendose ist gut (1), der der Sardinendose sehr schlecht (-2). Keine der beiden Dosen erfüllt die Anforderungen der CEN/TS 15945 an leicht zu öffnende Verpackungen.

 

Für Sie entscheidend
Senioren als künftige Zielgruppe zunehmend zu beachten
Die Senioren bestimmen in wenigen Jahren eine Vielzahl von Marktstrukturen, daher sollten ihre Wünsche und Bedürfnisse in Hinblick auf Verpackungen von besonderer Bedeutung sein.  Eine effektive Verbesserung der Fischkonserven könnte bereits durch eine einheitliche Anbringung des Ring-Pull-Öffners in der Ecke erfolgen. Die benötigte Öffnungskraft reduziert sich dadurch erheblich, da zum Öffnen über Eck die Bruchkante deutlich kleiner ist und sich so der Aufreißdeckel leichter lösen lässt. Im Vergleich dazu muss bei der seitlichen Anbringung des Ring-Pull-Systems eine größere Bruchkante gelöst werden. Einige Prüfteilnehmer gaben an, nicht genug Kraft aufbringen zu können. Außerdem sind bei diesem Öffnungssystem auch zwei Ring-Pull-Öffner abgebrochen. Aufgrund der Beurteilung der Zufriedenheit wird deutlich, dass die Verbraucher eine Fischkonserve bevorzugen, die den Ring-Pull-Öffner in der unteren Ecke angebracht hat und deswegen anscheinend weniger Kraft zum Öffnen erforderlich ist. 

 

Literatur:
[1] Pro Carton Deutschland (Hrsg.), „Verführung erwünscht!“ Welche Bedürfnisse und Wünsche haben Verbraucher der Zielgruppe 60+ an Verpackungen? Studie der Pro Carton Deutschland 2005, https://www.yumpu.com/de/document/view/5897255/verfuhrung-erwunscht/3 [Stand: 31.01.2016]
[2] DIN Deutsches Institut für Normung e. V., Verpackung – Leichtes Öffnen – Kriterien und Prüfverfahren für die Bewertung von Verbraucherverpackungen; Deutsche Fassung CEN/TS 15945: 2011.

Über den Autor
Autorenbild
Simone Sohnle, Myriam Braun-Münker, Prof. Dr. Felix Ecker, Hochschule Fulda, Fachbereich Lebensmitteltechnologie

Über die Firma
Fachhochschule Fulda - Fachbereich Lebensmitteltechnologie
Fulda
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