Verpackungsmaschine

Die X-line setzt neue Maßstäbe beim Tiefziehverpacken

neue verpackung: Herr Spix, auf der interpack haben Sie eine völlig neue Maschinengeneration vorgestellt und damit für einigen Wirbel in der Branche gesorgt. Kann man sagen, dass Sie mit der X-line das Tiefziehverpacken neu definieren?
Guido Spix: Das ist richtig. Die X-line vereint eine ganze Reihe innovativer und einzigartiger Technologien – und schafft aufgrund einer lückenlosen Digitalisierung, umfassender Sensorik und der Vernetzung mit der Multivac Cloud eine neue Dimension hinsichtlich Packungs- und Prozesssicherheit, Qualität, Leistung sowie Bedienkomfort. Bei der Entwicklung dieses neuen Typs einer Tiefziehverpackungsmaschine stand vor allem ihre Zukunftsfähigkeit im Fokus. Denn als marktbeherrschender Verpackungsmaschinenhersteller müssen wir unser Produktportfolio passgenau auf die Kundenbedürfnisse ausrichten und gleichzeitig auch visionär denken. Wir entwickeln also einerseits vorhandene Lösungen weiter, sodass sie Industrie-4.0-fähig sind, andererseits arbeiten wir aber auch schon seit Langem intensiv an Produktinnovationen sowie der Etablierung neuer Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung und Vernetzung von Produkten und Produktion. Mit der X-line stellen wir hier in Düsseldorf nun tatsächlich ein spektakuläres Ergebnis dieser spannenden Entwicklung vor.

neue verpackung: Können Sie uns einen kurzen Einblick in die Leistungsfähigkeit der X-line geben? Was dürfen Multivac-Kunden konkret erwarten?
Guido Spix: Die wesentlichen Merkmale der X-line zum Tiefziehverpacken sind der Multivac Pack Pilot, modernste Sensorik, die IPC08 Maschinensteuerung mit der komfortablen Multi-Touch Benutzeroberfläche HMI 3 sowie eine neue Werkzeuggeneration, die X-tools.
Der Multivac Pack Pilot gewährleistet dabei das optimale Einrichten der Maschine mit Steuerungsunterstützung. Hierfür ist kein tiefes Expertenwissen erforderlich, denn die Bedienung ist einfach und überschaubar. Für das Anlegen neuer Rezepte beispielsweise wählt der Betreiber Packungs-, Packstoff- und Produktmerkmale aus. In Kombination mit den Daten der eingesetzten Werkzeuge parametriert sich die Maschine dann von selbst. Durch den Pack Pilot ist die Maschine beim Produktionsstart also gut eingestellt und erzeugt ohne nennenswerte Anfahrverluste Packungen mit maximaler Packungssicherheit, gleichbleibender Qualität und höchster Leistung. Dies führt zu deutlichen Einsparungen in Hinblick auf Produkte, Packstoffe und Produktionszeit. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang, dass der Pack Pilot an die Multivac Cloud angebunden ist. Hier steht Expertenwissen bereit, das aus Prozessdaten von über 1.000 neuen Verpackungslösungen von Multivac pro Jahr resultiert. Beispielsweise sind dies Informationen über die optimalen Maschinenparameter zur Verarbeitung unterschiedlicher Verpackungsmaterialien.

neue verpackung: Die Anbindung an Cloud-Systeme birgt jedoch Risiken …
Guido Spix: Betrachtet man die enormen Datenmengen und vor allem die Datensicherheit, ist dies absolut richtig. Jedoch kann ich Ihnen versichern: Wir von Multivac differenzieren sehr genau zwischen Prozessdaten und Produktionsdaten. Die Anbindung unserer Verpackungsmaschinen an die Multivac Cloud dient ausschließlich der Übertragung von prozessrelevanten Informationen. Produktionsrelevante oder kundenrelevante Daten, wie beispielsweise Informationen über das verpackte Produkt, also grundsätzlich alle Informationen, die für unsere Kunden kritisch sind, stellen wir ausschließlich nur dem Kunden zur Verfügung.

„Industrie 4.0 und Digitalisierung – 
Wir sind nicht nur mittendrin, sondern auch weit voraus!“ Guido Spix, Geschäftsführender Direktor und CTO bei der Multivac Sepp Haggenmüller SE & Co. KG (Foto: Multivac)
„Industrie 4.0 und Digitalisierung – Wir sind nicht nur mittendrin, sondern auch weit voraus!“ Guido Spix, Geschäftsführender Direktor und CTO bei der Multivac Sepp Haggenmüller SE & Co. KG (Foto: Multivac)

neue verpackung: Kommen wir zurück auf Ihre neue Maschinengeneration. Bei der Präsentation in Düsseldorf sagten Sie, dass die X-line über einen bislang unerreichten Grad an Sensorik zur Überwachung und Regelung der Prozesse beim Tiefziehverpacken verfügt. Können Sie dies konkreter ausführen?
Guido Spix: Die Multi Sensor Control erfasst alle relevanten Prozessparameter. Mit der Erfassung dieser Prozesswerte und -abläufe erreichen wir, dass die Maschine permanent nahe am optimalen Betriebspunkt betrieben werden kann, da die einzelnen Teilprozesse, wie Formen, Evakuieren und Siegeln, in geschlossenen Regelkreisen optimiert werden. Auch Werkzeuge für Formen und Siegeln sind über elektronische Sensor-Module in die Sensorregelung integriert. Alle Prozessschritte werden optimal kombiniert, produkt- und systembedingte Abweichungen soweit als möglich automatisch ausgeglichen und relevante Fehleinstellungen durch Bediener selbständig erkannt und angezeigt. Zusätzlich bilden die Prozesswerte eine wertvolle Grundlage für die Bereitstellung digitaler Service-Leistungen für unsere Kunden. Diese Service-Leistungen nennen wir Smart Services.

neue verpackung: Was verstehen Sie genau unter Smart Services?
Guido Spix: Unter diesem Begriff fassen wir Servicepakete zusammen, die dazu beitragen, die Verpackungsprozesse bei unseren Kunden weiter zu optimieren und noch effizienter zu gestalten. Beispiele sind Dienstleistungen, wie Predictive Maintenance oder die Erstellung umfassender OEE-Analysen, die es dem Betreiber erlauben, eine Zustandsanalyse der Verpackungsmaschinen zu erstellen und die Verpackungsprozesse weiter zu optimieren. Denkbar ist aber auch, dass die Verpackungsmaschinen an unser Kundenportal und unsere Shopsysteme angebunden werden und somit automatische Ersatzteilbestellungen für Verschleißteile auslösen. Dadurch kann die Instandhaltungsarbeit bei unseren Kunden erheblich erleichtert werden.

neue verpackung: Sie erwähnten eben als wichtiges Merkmal der neuen X-line die Mensch-Maschine-Schnittstelle, die ja auch auf der interpack bei einigen anderen Verpackungsmaschinenherstellern stark in den Fokus rückte. Was hat sich bei Multivac gegenüber der bisherigen Generation HMI 2.0 verändert?
Guido Spix: Die IPC08 Maschinensteuerung und die hochauflösende Multi-Touch Benutzeroberfläche HMI 3 haben wir konsequent aus Kundensicht heraus entwickelt – und damit läuten wir in der Tat eine neue Ära des Bedienkomforts ein. Kurz zusammengefasst: HMI 3 entspricht der Bedienlogik moderner Smartphones oder Tablets und bietet entsprechende Funktionalitäten. So lässt sich die Bedienoberfläche individuell auf den jeweiligen Anwender einstellen. Nach der Anmeldung mittels einer RFID-Chipkarte wird das entsprechende Nutzerprofil geladen, in dem persönliche Einstellungen wie Sprache, Art der Darstellung und auch Berechtigungen hinterlegt sind. Das ist neu.
Darüber hinaus sind alle relevanten Maschinenparameter übersichtlich auf einer einblendbaren Übersichtsseite, einem Dashboard, dargestellt. Sie können durch den Nutzer individuell konfiguriert werden. Er wird dann intuitiv durch die einzelnen Arbeitsabläufe geleitet und durch Funktionen, wie Wischen, Zoomen, selbsterklärende Icons und Animationen, unterstützt. Ziel ist es, unsere Maschinen beziehungsweise kompletten Verpackungslinien über eine leicht verständliche und vom Bediener gewohnte Oberfläche prozesssicher und so einfach wie möglich zu steuern. Unsere großen, komplexen Tiefziehverpackungsmaschinen des Typs RX 4.0 werden daher in Zukunft konsequent mit dieser dritten Generation der Mensch-Maschine-Schnittstelle ausgestattet.

neue verpackung: Die X-line verfügt auch über eine neue Werkzeuggeneration …
Guido Spix: … X-tools genannt. Die X-tools bieten umfassende Neuerungen in Design, Sensorik und Aktorik, ermöglichen kürzere Evakuierzeiten und tragen dadurch zu einer höheren Taktleistung bei. Werden sie mit einer schmaleren Randstreifenbreite ausgeführt, reduziert sich der Folienabfall um bis zu 30 Prozent. Alle Werkzeugelemente sind codiert und werden von der Tiefziehverpackungsmaschine identifiziert. Bei korrekter Installation eines Werkzeugs parametriert sich die Maschine automatisch und ermöglicht eine optimale Prozesssteuerung. Insbesondere bei Maschinen mit häufigem Formatwechsel erhöht sich dadurch die Bediensicherheit. Das ist aber noch nicht alles: Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, können sich unsere Kunden bei der X-line nicht nur über eine hohe Effizienz und maximale Verfügbarkeit, sondern auch über die geringsten Betriebskosten im Markt freuen.

neue verpackung: Modernste Sensorik, Smart Services, Pack Pilot, Cloud-Anbindung und HMI 3 – Multivac ist also mittendrin im Thema Industrie 4.0 und Digitalisierung?
Guido Spix: Ich wage zu behaupten: Wir sind nicht nur mittendrin, sondern auch weit voraus. Wir haben unser Produktportfolio schon vor langer Zeit auf Industrie 4.0 ausgerichtet – durch den LAN-Anschluss der Maschinen, durch die Sensorik und ganz aktuell auch durch eine Vielzahl einzigartiger, ja beinahe schon revolutionärer Technologien, die wir bei der X-line dann im Ganzen konsequent umgesetzt haben.
Mit Industrie 4.0 und Digitalisierung verbinden wir von Multivac aber bei Weitem nicht nur die Zukunftsfähigkeit unserer Verpackungsmaschinen. Für unser Unternehmen ergeben sich darüber hinaus weitere Ansätze, beispielsweise die Digitalisierung unserer eigenen Prozesse mit dem Ziel, diese noch effizienter zu gestalten und dadurch Zusatznutzen für unsere Kunden zu generieren. Das haben wir unter anderem bereits in Wolfertschwenden bei unserem Logistikzentrum umgesetzt. Wie Sie wissen, stellen wir seit letztem Jahr von hier aus die Teileversorgung in ganz Europa sowohl für die Kunden als auch für unsere Tochtergesellschaften sicher. Neueste Lagertechnik, eine leistungsfähige IT und moderne Logistikstrukturen greifen hier optimal ineinander und sorgen für reibungslose Abläufe, ein Höchstmaß an Effizienz und Transparenz sowie maximale Leistung. Ebenso haben wir im Vertriebsbereich unsere Prozesse digitalisiert – ich verweise hier auf unser Kundenportal und diverse E-Commerce-Plattformen. Bereits jetzt schon wickeln wir einen signifikanten Anteil unseres Ersatzteilgeschäfts durch unseren Webshop ab und können durch die direkte Anbindung unserer Kunden über EDI und OCI an unsere Shopsysteme erheblichen Mehrwert für unsere Kunden schaffen.

Über die Firma
Multivac Sepp Haggenmüller SE & Co.KG
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