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Verpackungsmaschinen

„Wichtigster Impulsgeber ist die Auslandsnachfrage“

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neue verpackung: Wie steht der deutsche Verpackungsmaschinenbau im internationalen Vergleich im interpack-Jahr 2017 da?

Vera Fritsche: Der deutsche Verpackungsmaschinenbau ist nach wie vor die Nummer 1 weltweit, sowohl bei Produktion, als auch beim Export. Nach unseren Schätzungen stieg 2015 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – die weltweite Produktion von Verpackungsmaschinen auf 34 Mrd. Euro. Mit einem Anteil von 18 Prozent ist Deutschland das größte Herstellerland, gefolgt von Italien mit 16 Prozent, China mit 14 Prozent, den USA mit zwölf Prozent und Japan mit sechs Prozent.

Das letzte Jahr verlief für die deutschen Unternehmen gewohnt erfolgreich. Nach vorläufigen Schätzungen unseres Fachverbandes stellten die Unternehmen Maschinen und Anlagen im Wert von knapp 6,5 Mrd. Euro her, ein Plus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Knapp 20 Prozent der Produktion gingen 2016 in den heimischen Markt. Hier stieg die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent und erreichte einen Wert von 1,1 Mrd. Euro. Der Inlandsabsatz legte im Zeitraum 2010 bis 2016 um 32 Prozent zu.

Wichtigster Impulsgeber bleibt die Auslandsnachfrage. Im vergangenen Jahr (2016) exportierten die deutschen Hersteller Verpackungsmaschinen im Wert von knapp 5,4 Mrd. Euro, ein Plus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit überstiegen die Exporte, sechs Jahre nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, das hohe Niveau aus dem Jahr 2008, dem Jahr mit den bis dahin höchsten Auslieferungen.

Vera Fritsche, Referentin der Fachgruppe Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen beim VDMA, Frankfurt. (Foto: VDMA)
Vera Fritsche, Referentin der Fachgruppe Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen beim VDMA, Frankfurt. (Foto: VDMA)

neue verpackung: Wo sind die großen Wachstumsregionen? Gibt es Verschiebungen?

Vera Fritsche: Europa ist nach wie vor der größte Regionalmarkt im Verpackungsmaschinenbau: Maschinen und Anlagen im Wert von 2,5 Mrd. Euro lieferte Deutschland 2016 in europäische Länder, ein Plus von neun Prozent im Vorjahresvergleich. Der Anteil Europas an den deutschen Gesamtexporten ist in den letzten zehn Jahren jedoch gesunken: Vor zehn Jahren hatten die Auslieferungen nach Europa noch einen Anteil von 52 Prozent an den Gesamtexporten, heute liegt der Anteil bei 47 Prozent.

Wachstumsimpulse der deutschen Verpackungsmaschinenindustrie kommen zunehmend aus Schwellen- und Entwicklungsländern, deren Industrie auf-, ausgebaut oder modernisiert werden muss. Bevölkerungswachstum, eine wachsende Mittelschicht mit jungen, konsumfreudigen Menschen und steigenden Ansprüchen an Sicherheit und Qualität der Nahrungsmittel spiegeln sich in der Nachfrage nach modernen Verpackungsmaschinen wider.

Lassen Sie mich Asien als Beispiel nennen: In den letzten zehn Jahren haben sich die deutschen Verpackungsmaschinenexporte nach Asien verdoppelt und erreichten 2016 einen Wert von 1 Mrd. Euro. Asien ist nach Europa die zweitwichtigste Absatzregion für die deutschen Unternehmen, auch wenn im letzten Jahr die Lieferungen knapp sieben Prozent unter dem Vorjahreswert lagen. Hier wirkte sich die schwache Nachfrage aus China, dem größten Abnehmer von Verpackungsmaschinen „made in Germany“ in Asien, aus.

Das verlangsamte chinesische Wirtschaftswachstum und die weiter nachlassende Dynamik der chinesischen Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie spürten auch die deutschen Hersteller. Die Auslieferungen nach China sanken 2016 das zweite Jahr in Folge und erreichten einen Wert von 346 Mio. Euro. Das sind 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Doch Lebensmittelsicherheit ist und bleibt eines der wichtigsten Themen der chinesischen Nahrungsmittelindustrie und um die Anforderungen zu erfüllen, müssen die Unternehmen investieren. Das sorgt für eine steigende Nachfrage nach vollautomatisierten, maßgeschneiderten Verpackungssystemen, um eine hygienisch einwandfreie Verarbeitung und Verpackung zu gewährleisten, die Produktivität zu erhöhen sowie Personalkosten zu senken.

Zu den Wachstumsregionen zählen auch Afrika, Lateinamerika sowie der Nahe und Mittlere Osten. Diese Regionen vereinten 2016 zusammen 20 Prozent der deutschen Exporte auf sich.

neue verpackung: Wie wichtig sind die nord- und südamerikanischen Märkte. Behält die USA in politisch unsicheren Zeiten ihre Lokomotivfunktion?

Vera Fritsche: Um die Inlandsnachfrage zu decken, müssen die USA Verpackungsmaschinen importieren. So wurde 2015 die wertmäßige Inlandsnachfrage zu 35 Prozent mit Importmaschinen gedeckt. Nahezu 30 Prozent der Importe kamen aus deutscher Produktion, womit Deutschland der wichtigste Handelspartner der USA ist. Deutschland baute 2016 seinen Vorsprung auf dem Importmarkt aus, die Lieferungen legten um acht Prozent auf 683 Mio. Euro zu.

Für die deutschen Unternehmen im Verpackungsmaschinenbau sind die USA seit Jahren der größte Einzelabsatzmarkt. Und die amerikanische Nahrungsmittelindustrie ist weiter auf Expansionskurs. Eine wachsende Bevölkerung, der anhaltende Trend zu mehr Convenience und die Forderung nach mehr Lebensmittelsicherheit sorgen für einen anhaltenden Investitionsbedarf. Gefragt sind vor allem Automatisierungslösungen zur Steigerung der Effizienz, Reduzierung von Fehlern, Früherkennungssysteme zur Identifikation von Verunreinigungen sowie Konzepte für ein einfacheres Reinigen und Desinfizieren von Maschinen und Anlagen. Auch sind zunehmend Maschinen gefragt, die bei kurzen Umrüstzeiten eine Vielzahl von Packstilen verarbeiten können und schnelle Produkt-, Mengen sowie Formatwechsel ermöglichen. Hier können die deutschen Hersteller punkten. Inwieweit sich die aktuelle politische Lage auf die deutschen Lieferungen auswirkt, ist noch nicht abzusehen.

In Lateinamerika sind Mexiko und Brasilien die größten Absatzländer. Im vergangenen Jahr sanken die deutschen Exporte nach Lateinamerika um fünf Prozent auf 330 Mio. Euro, wozu insbesondere die gesunkene Nachfrage Brasiliens beitrug. Deutschland lieferte 2016 Verpackungsmaschinen im Wert von 80 Mio. Euro nach Brasilien, 34 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die um 25 Prozent gestiegenen Auslieferungen nach Mexiko (97 Mio. Euro) konnten die eingebrochenen Exporte nach Brasilien etwas auffangen. Die Nahrungsmittelindustrie ist Mexikos dynamischster Industriezweig. Sie wuchs in den vergangenen Jahren kontinuierlich und bietet auch in den nächsten Jahren gute Wachstumspotenziale. Unsicherheitsfaktor ist allerdings die aktuelle Situation in den USA, denn viele der in Mexiko hergestellten Nahrungsmittel, insbesondere Snacks, werden dorthin exportiert.

neue verpackung: Und was ist mit Osteuropa? Wie haben sich die politischen Krisen auf diesen wichtigen Absatzmarkt ausgewirkt?

Vera Fritsche: Gingen 2012 noch 15 Prozent der gesamten deutschen Verpackungsmaschinenexporte in osteuropäische Länder, sank der Anteil bis heute auf zwölf Prozent, wozu maßgeblich der Ukrainekonflikt und die Russlandsanktionen beigetragen haben.

Größter Absatzmarkt der deutschen Verpackungsmaschinenhersteller in Osteuropa war 2016 erneut Polen. Die Exporte legten um 17 Prozent auf 221 Mio. Euro zu. Unter den Top Ten Absatzmärkten belegt Polen damit Platz 5.

Nach einer längeren Durststrecke erholte sich 2016 die Nachfrage Russlands nach Verpackungsmaschinen aus deutscher Produktion wieder leicht. Die Exporte stiegen um sechs Prozent auf 181 Mio. Euro. Fehlende Auftragseingänge aus dem Vorjahr schlugen 2015 zu Buche und die deutschen Exporte brachen um 42 Prozent ein. Russland fiel damit im Ranking der wichtigsten Exportmärkte des deutschen Verpackungsmaschinenbau von Platz 3, den es seit 2010 hielt, auf Platz 7 zurück. Deutsche Verpackungsmaschinen sind nach wie vor in Russland gefragt und Deutschland ist Russlands wichtigster Handelspartner. Das Land investiert, um die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln zu steigern, und staatliche Subventionen befördern neue Projekte. Russische und internationale Unternehmen bauen lokale Produktionskapazitäten auf oder aus und investieren in entsprechend moderne Verpackungstechnik.

neue verpackung: Afrika rückte in den zurückliegenden Jahren stärker in den Fokus. Welche Potenziale sehen Sie auf diesem Kontinent für die deutschen Unternehmen aus dem Verpackungsmaschinenbau?

Vera Fritsche: Die afrikanischen Märkte gewinnen alleine schon aufgrund des Bevölkerungszuwachses und der steigenden Urbanisierung in den nächsten Jahren immer mehr an Bedeutung. Es gibt einen großen Nachholbedarf nach qualitativ hochwertigen und sicheren sowie modern verpackten Nahrungsmitteln. Diese Entwicklungen bieten auch deutschen Unternehmen in den kommenden Jahren entsprechende Lieferpotenziale, denn diese Länder wollen und müssen ihre Nahrungsmittelindustrie aus- und aufbauen.

In den letzten zehn Jahren nahmen die deutschen Exporte nach Afrika um insgesamt 55 Prozent zu und erreichten 2016 einen Wert von 331 Mio. Euro. „Made in Germany“ besitzt in den afrikanischen Ländern ein hohes Ansehen. Um in diesen Ländern erfolgreich unterwegs zu sein, ist jedoch eine starke Präsenz vor Ort unverzichtbar. Aufgrund äußerer Einflüsse, wie beispielsweise die Entwicklung des Ölpreises, von dem etliche afrikanische Länder abhängen, sowie innenpolitische Instabilitäten, ist das Afrikageschäft jedoch wenig planbar. Man braucht viel Geduld und Ausdauer.

neue verpackung: Zuletzt ist der Iran wieder in den Fokus gerückt. Welche Erwartungen hegen Sie in diesem Land für Ihren VDMA-Fachbereich?

Vera Fritsche: In der iranischen Nahrungsmittelindustrie ist aufgrund der Sanktionen der Maschinenpark vielfach veraltet und es besteht ein entsprechend großer Nachholbedarf. Im vergangenen Jahr konnte Deutschland seine Verpackungsmaschinenexporte in den Iran mehr als verdoppelten. Sie erreichten einen Wert von 75 Mio. Euro.

Ein großes Problem stellt auch ein Jahr nach Aufhebung der Sanktionen die Zahlungsabwicklung dar und behindert damit das Exportgeschäft. Obwohl es mittlerweile wieder Hermes-Bürgschaften für Exporte in den Iran gib, vergeben viele Banken keine Kredite für das Iran-Geschäft und wickeln keinen Zahlungsverkehr ab. Sie befürchten hohe Strafen in den USA, wo einige Sanktionen weiter in Kraft sind. Dies erschwert gerade den mittelständischen Unternehmen das Irangeschäft. Sie können größere Aufträge nicht alleine stemmen.

neue verpackung: Von Nachhaltigkeit über Industrie 4.0 hin zu Packaging 4.0: Hat dieser Marketing-Hype bisher die damit einhergehenden Erwartungen erfüllt, und was muss passieren, damit bei Packaging 4.0 endlich echte Vorteile für alle in der Wertschöpfungskette generiert werden können?

Vera Fritsche: Packaging 4.0 ist nichts Anderes als Industrie 4.0 in der Verpackungsindustrie. Und ich würde es auch nicht als Marketing-Hype bezeichnen. Die Digitalisierung ist sowohl bei den Unternehmen im Verpackungsmaschinenbau als auch bei den Packmittelproduzenten bereits gelebte Praxis und schreitet voran. Zahlreiche Anwendungen aus den Bereichen Produkt- und Prozessüberwachung, Kennzeichnungstechnik, Verpackung, Distribution und Logistik sowie Wartung und Instandhaltung zeigen schon heute, wohin die Reise geht. Dabei sind Software, Sensoren, Daten und Vernetzung die Hauptakteure und damit die Grundlage für Industrie-4.0-Lösungen.

Von der Vision der sich selbst steuernden Fabrik, in der die Produkte ihre eigene Herstellung steuern, sind wir noch weit entfernt. Vielleicht bleibt es auch eine Vision. Wichtig ist, dass die Verpackungsmaschinenhersteller Geschäftsmodelle entwickeln, die ihnen und ihren Kunden Vorteile bieten und dazu beitragen, Ressourcen, Energie und Kosten einzusparen, effizienter und flexibler zu produzieren...

neue verpackung: Was erwarten Sie von der interpack? Welche Neuheiten werden wir sehen?

Vera Fritsche: Industrie 4.0 ist das Schwerpunktthema: ob neue HMIs der Indus­trie-4.0-Generation, die als Schnittstelle für die Datenerfassung, -weitergabe und -visualisierung einzelner Maschinen oder Gesamtlinien dienen und den Bediener durch eine intuitiv geführte Bedienung per Multi-Touch-Technologie unterstützen. Großen Raum nehmen Lösungen im Bereich der voraussagenden Wartung oder der Fernüberwachung und Fernsteuerung von Maschinen und Anlagen ein. Darüber hinaus werden wir aber auch viele neue Entwicklungen zum Thema Nachhaltigkeit, zur Effizienzsteigerung sowie Flexibilität in Produktion und Verpackung sehen.

neue verpackung: Und was zeigt der VDMA zum Thema Verpackungsmaschinenbau in Düsseldorf?

Vera Fritsche: In Zusammenarbeit mit Partnern aus Industrie, Wissenschaft und Forschung präsentieren wir vom VDMA die Sonderschau der interpack zum Thema „Industrie 4.0“. Anhand von Exponaten zeigen wir Ideen und Lösungen für Maschinen von morgen. Zentrales Exponat ist der Industrie-4.0-Demonstrator „smart4i“. Anhand einer Powerbank, die sich die Besucher individuell beschriften lassen können, zeigen wir hier den jetzigen Stand der Technik umgesetzt in ein Industrie-4.0-Konzept. Die Präsentation eines intelligenten Bedienerassistenzsystems, das eine Grundvoraussetzung für effiziente und „smarte“ Produktionsabläufe ist sowie ein Exponat zum Thema Industrial Security runden Industrie 4.0 ab.

Weitere Exponate beschäftigen sich mit der ressourceneffizienten Herstellung thermogeformter Verpackungen, Einsparpotenzialen bei der Reinigung, Qualitätsprüfung und Anlagensteuerung aus dem europäischen Pick’n-Pack-Projekt sowie intelligenten Verpackungen.

Über die Firma
VDMA e.V. Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen
Frankfurt
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