Interview

Mit Grips ins Zeitalter der digitalen Vernetzung

Der Einstieg in Crailsheim ist dem Betriebswirt Marcel Kiessling dem Anschein nach leicht gefallen: Ausgeglichen, freundlich und als sprudelnder Quell von Informationen sitzt mir an diesem Morgen im Hohenlohischen der neue Schubert-Geschäftsführer gegenüber. Die ersten Tage verbrachte er im Ausland auf Messen. Chicago und Paris standen auf dem Programm. Und auch den Schubert-Auslandsgesellschaften machte Kiessling eine erste Aufwartung. Nur kurz blickt er auf seine Vergangenheit beim Druckmaschinen-Giganten Heidelberg zurück. „Bei den Druckmaschinen wächst der Gesamtmarkt nicht", sagt er kurz und knapp. Im Verpackungsmaschinenbau ist das anders. Mit Kiessling baut Deutschlands großer Verpackungsmaschinenbauer auf einen international erfahrenen, leitenden Mitarbeiter, der das Unternehmen bei der weiteren  Expansion unterstützen soll. Es ist besonders seine große Managementexpertise, auf die Schubert setzt.

„Wir bauen einfache Maschinen, die sehr gut sind, intelligent und noch dazu kostengünstig. Mit unseren Toploading-Maschinen können wir sehr flexibel verpacken.“ Marcel Kiessling,
Geschäftsführer Vertrieb, Service und Marketing
bei der Gerhard Schubert GmbH (Foto: Schubert)
„Wir bauen einfache Maschinen, die sehr gut sind, intelligent und noch dazu kostengünstig. Mit unseren Toploading-Maschinen können wir sehr flexibel verpacken.“ Marcel Kiessling, Geschäftsführer Vertrieb, Service und Marketing bei der Gerhard Schubert GmbH (Foto: Schubert)

Ende 2014 musste Kiessling nach 25 Jahren bei der Heidelberger Druckmaschinen GmbH gehen, obwohl sein Bereich im Vergleich zum restlichen Konzern gute Zahlen schrieb, meldete damals das Manager Magazin. Kiessling, ein Mann der klaren Worte, war dem damaligen Heidelberg-Chef Gerold Linzbach zu stark geworden, hieß es. Kiessling hatte die Servicesparte des Druckmaschinen-bauers in neue Sphären gehoben und seinen Bereich deutlich in schwarze Zahlen geführt.

Neustart in der Verpackungsbranche

Bei Schubert setzt der Druckmaschinenexperte seine Managerkarriere in einer neuen Branche fort. Und irgendwie wirkt es so, als könnte es keinen besseren Zeitpunkt dafür geben. Denn auch die Verpackungsindustrie ist einem Wandel unterworfen und muss sich neuen digitalen Geschäftsmodellen widmen. Hier kennt sich Kiessling aus, in diesem Bereich hat er in Heidelberg bereits Entwicklungen entscheidend vorangebracht. Verpackungsmaschinen sind wie Druckmaschinen sehr komplexe Gebilde und stellen eine Kombination unterschiedlicher Technologien dar. Kiessling weiß, was Service heute bedeutet – gerade für einen Mittelständler wie Schubert, der weiterhin stark wächst. „Wir müssen zuhören, die Anforderungen der Kunden begreifen und deren Probleme lösen", betont er im Wissen, dass Remote-Service bald nicht mehr ausreichend die Bedürfnisse der Kunden spiegeln wird. In allen Schubert-Märkten soll es künftig eine lokale Servicepräsenz in Muttersprache geben. Doch bei der Gerhard Schubert GmbH geht der Blick schon längst noch weiter nach vorne und auch schon über das reine Condition Monitoring hinaus. In einer Montagehalle arbeiten Spezialisten bereits an Infraschallmessungen an einem F4-Roboterarm mit dem Ziel, künftig zu voraussagbaren, präzise planbaren Wartungsmaßnahmen – dem Predictive Maintenance – zu kommen. Die Vorteile liegen nach Aussagen Kiesslings auf der Hand: „Wir sprechen dann über eine höhere Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen, deutlich geringere Ausfallrisiken, höhere Betriebs- und Produktionssicherheit sowie deutlich niedrigere Instandhaltungskosten", hebt er hervor. Reagieren war gestern, heute steht Prävention im Fokus der Maschinenbauer. Denn die Abnehmer der Verpackungsindustrie sind auf Effizienz getrimmt und wissen genau, wie sie mit Technologien umzugehen haben, und wie sie eingesetzt werden müssen. Beim Gang durch die Montagehallen fällt auf, wie sehr der Neue bei Schubert in seiner kurzen Zeit in Crailsheim bereits den engen Kontakt zu den Mitarbeitern gefunden hat. Kiessling genießt die Nähe zu den Menschen, die kurzen Wege und das Miteinander. Der Geschäftsführer Vertrieb, Service und Marketing sieht Schubert mit den eigenen, selbstentwickelten Schlüsseltechnologien in der Robotik, Bildverarbeitung und dem Transmodul bestens aufgestellt. Auch Schubert-Maschinen würden in Zukunft noch produktiver. „Aber", unterbricht Kiessling kurz, „alles, was wir anbieten, muss einen Mehrwert für unsere Kunden darstellen!" Den Kundennutzen fest im Fokus sieht er eine stärkere Vernetzung von Kunden und Lieferanten kommen. Auf der interpack stellt die Gerhard Schubert GmbH eine neu entwickelte, webbasierte Plattform (Grips.world, siehe Kasten unten) vor, die einen nächsten Schritt hin zu Industrie 4.0 bedeutet. Die IT-Sicherheit sieht er durch Schubert-Technologie gewährleistet: Er sehe kein Problem darin, wenn eine Maschine Sensordaten über eine sichere Cloudlösung zur Betriebsoptimierung zur Verfügung stelle. Darüber hinaus werde die Integration von Prozessschritten immer wichtiger. Auch hier sei Schubert als Verpackungsmaschinenbauer an vorderster Stelle dabei.

Marcel Kiessling ist seit November bei der Gerhard Schubert GmbH beschäftigt. 
Nach 25 Jahren bei der Heidelberger Druckmaschinen GmbH verantwortet er nun in Crailsheim Vertrieb, Service und Marketing des Verpackungsmaschinenbauers. (Fotos: Schubert)
Marcel Kiessling ist seit November bei der Gerhard Schubert GmbH beschäftigt. Nach 25 Jahren bei der Heidelberger Druckmaschinen GmbH verantwortet er nun in Crailsheim Vertrieb, Service und Marketing des Verpackungsmaschinenbauers. (Fotos: Schubert)

Kiessling trägt bereits nach wenigen Monaten das Schubert-Gen in sich. So jedenfalls könnten seine Aussagen gedeutet werden. Selbstbewusst und offen vertritt er das Unternehmen aus Crailsheim, das immer wieder durch Pionierleistung im Verpackungsmaschinenbau glänzt. „Wir bauen übrigens auch einfache Maschinen, die sehr gut sind, intelligent und noch dazu kostengünstig. Mit unseren Toploading-Maschinen können wir sehr flexibel verpacken", hebt er abschließend hervor. Es sei eben nicht so, dass Schubert ausschließlich für komplexe Maschinen stehe.

Für Sie entscheidend

Digitalisierung im Blick
Schubert präsentiert in Düsseldorf seine neue Datenbox und mögliche Anwendungen der künftigen Plattform Grips.world. Diese webbasierte Plattform vereint unter einer einzigen Bedienoberfläche langfristig auch alle wichtigen Funktionen für die Überwachung und Dokumentation der Maschinendaten, teilt Marcel Kiessling im Gespräch mit der neue-verpackung-Redaktion mit. Auf Grips.world werden neben den Mitarbeitern der Schubert-Gruppe auch Kunden, Lieferanten und die TLM-Maschinen selbst zugreifen können. Eine Komponente ist die Datenbox, die wichtige Maschinendaten analysiert. Die Datenbox, die auch für andere Maschinenbauer verfügbar sein wird, stellt sowohl dem Maschinenhersteller als auch seinen Kunden ein Interface zur Verfügung, mit dem sich relevante Informationen zu verschiedenen Bereichen, wie Wartung, Steuerung und Maschinenleistung, abrufen lassen. Aus den Daten lässt sich künftig wertvolles Wissen ableiten, mit dem die Maschinenleistung und die Prozesse bei den Kunden verbessert werden. So ermöglicht die Datenbox, zum Beispiel langfristig durch vorbeugende Wartung und Überwachung der Maschinenfunktionen die Gesamtanlageneffizienz und Produktionsleistung über den gesamten Lebenszyklus auf einem hohen Niveau zu halten.

Foto: Schubert
Foto: Schubert

Ein zentrales Element wird der digitale Zwilling der Maschine sein. Dabei handelt es sich um ein dreidimensionales Abbild der TLM-Maschine, die sich mithilfe des Originalcodes der Verpackungsmaschinensteuerung VMS in Echtzeit bewegen lässt. Die Vorteile für die Kunden liegen in erheblich beschleunigten Konstruktionsabläufen und kürzeren Lieferzeiten. Gleichzeitig wird es zum Beispiel möglich sein, die komplette Validierung einer Pharmamaschine vorab digital durchzuführen. Ebenso können mit dem digitalen Zwilling Probeläufe mit neuen Produktformaten durchgeführt werden.

Schubert zielt bei seinen Neuentwicklungen auf integrierte Gesamtsysteme, die kompakter, flexibler und effizienter sind als herkömmliche Anlagen. Unterschiedlichste Verpackungsprozesse werden in einer einzigen TLM-Maschine abgebildet, sodass Schnittstellen zwischen den Prozessschritten vereinfacht werden oder wegfallen. Für TLM-Maschinen gibt es schaltschranklose, vollständig integrierte Thermoform-, Siegel-, Stanz- und Abfüllaggregate für die Primärverpackung von Produkten, zum Beispiel für Shampooflaschen oder Kaffeekapseln. Möglich wird dies unter anderem durch den von Schubert entwickelten Transportroboter Transmodul, mit dem sich die Schnittstelle zwischen Primär- und Sekundärverpackung überbrücken lässt.

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Autorenbild
Matthias Mahr

Über die Firma
Gerhard Schubert GmbH
Crailsheim
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