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Packaging Valley

Packaging Valley ist die Heimat des Verpackungsmaschinenbaus

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Wo findet man das Tal der Verpackungstechnik auf der Landkarte? Im wesentlichen wird das Packaging Valley entlang der Flüsse Rems, Murr, Jagst und Kocher verortet. Das Remstal, ein Flusstal östlich von Stuttgart gelegen: Hier findet man neben geschichtsträchtigen Orten und Wirtschaftsstandorten ausgedehnte Weinberge, Streuobstwiesen, Felder und Wälder sowie auf weiten Strecken naturbelassenes Flusstal. Auch Hohenlohe ist ein idyllischer Landstrich, der durch die Flüsse Kocher und Jagst geprägt ist, die sich tief in die Region einschneiden.

Ausgedehnte Weinberge, Streuobstwiesen, Felder und Wälder sowie auf weiten Strecken naturbelassenes Flusstal bestimmen die Region zwischen Waiblingen, Schwäbisch Hall und Crailsheim. Gleichzeitig sind hier viele Weltmarktführer der Verpackungsindustrie zu Hause. (Bild: Manuel Schönfeld – Fotolia)

Eine Einschätzung der Eigenheiten der Hohenloher und Remstaler ist ein weiteres Indiz, dem Erfolgsgeheimnis der Unternehmer auf die Spur zu kommen: „Arbeitsam, fleißig, schaffig", werden die Menschen in diesem Landstrich gerne beschrieben. Hier ist auch heute noch die Hochachtung vor berühmten Schaffern und Tüftlern verankert, die den Grundstein für heute große Unternehmen gelegt haben. Der weltberühmte Gottlieb Daimler als „Vater des Automobils" wurde in Schorndorf geboren, und moderne Firmengründer wie Kärcher und Stihl kommen aus dem Remstal.

Einer, der in diese Reihe gehört, ist der Verpackungs-Branchenvater Friedrich Hesser. Mit einer Falzmaschine für Briefumschläge hat es vor gut 150 Jahren in Bad Cannstatt angefangen, und Hesser legte damit den Grundstein für das Cluster Verpackungs- und Automatisierungstechnik in der Region Stuttgart und Baden-Württemberg. Der Modellbauschreinermeister richtete mit seinem Schwager Karl Geiger 1861 eine mechanische Werkstätte ein. Schon im ersten Jahr nach der Gründung erweiterten beide ihre Fertigung und stellten sämtliche Teile für ihre Falzmaschinen selbst her. Die Expansion ging weiter. Auf dem Cannstatter Seelberg entstand eine kleine Fabrik, aus der später das Hesser-Werk Cannstatt hervorging – jene Fabrikationsstätte, die bis zum Umzug nach Waiblingen 1982 Verpackungsmaschinen produzieren wird. 1875 bekam die Firma den Auftrag, eine Maschine zum Falten und Kleben von runden Zichorienhülsen herzustellen. Dies war die richtige Herausforderung für den Sohn des Firmengründers, Otto Hesser, der als echter Tüftler bekannt war. Die Maschine legt ein Blatt Papier um einen runden Zylinder, verklebt die Längsnaht und faltet den Boden. Dann wird die fertige Packung vom Dorn abgezogen, von Hand befüllt und verschlossen. Das war der Beginn der automatischen Paketiermaschinen überhaupt. Die erste Verpackungsmaschine ist erfunden.

In der Nachkriegszeit 1945 ging aus der Hesser AG das Unternehmen Höfliger & Karg hervor. Die beiden Monteure Otto Höfliger und Rudolf Karg hatten bei Hesser eng zusammen gearbeitet, bevor sie sich entschlossen, sich selbständig zu machen. Auch das ist typisch für die Branche: So mancher Unternehmer machte auf seinem beruflichen Weg erst einmal Station bei anderen Unternehmen der Region, bevor er sich zur Selbständigkeit entschloss. Die Branche ist damit so eng personell verflochten, dass die großen Messen, wie die Interpack in Düsseldorf oder die Fachpack in Nürnberg, auch heute noch fast wie große Familientreffen anmuten.

In den 1960er-Jahren wuchs dann das einstige Zwei-Mann-Unternehmen Höfliger & Karg bis auf über 1.500 Mitarbeiter an und wurde seinerseits zur Keimzelle für zahlreiche Unternehmen in der Verpackungsbranche. 1970 – Höfliger & Karg hatte sich zunehmend auf den Bau von Pharma-Verpackungsmaschinen spezialisiert – erfolgte dann die Eingliederung des Unternehmens in die Bosch-Familie. Auch die Hesser AG wurde von 1969 bis 1977 schrittweise von Bosch erworben, sodass sich hier einstige Konkurrenten unter dem gemeinsamen Bosch-Dach wiederfanden.

Pietistische Wertvorstellungen

Ohne den Pietismus lässt sich die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Region nur schlecht erklären. Denn Pietismus und Schwabenland verbindet eine lange Geschichte. Schon früh fiel hier, im einst bitterarmen Südwesten, die in der Nachfolge des Genfer Reformators Calvin entstandene Variante der protestantischen Laienbewegung auf fruchtbaren Boden. Die pietistischen Wertvorstellungen passten gut zu den Anfängen der Industrialisierung: Betriebsamkeit, Fleiß und Sparsamkeit sind Gott gefällig, Faulheit und Müßiggang dagegen führen ins Verderben. Wer nach dieser Regel lebte, durfte bereits auf Erden Belohnung durch Gott erhoffen. Es gediehen tüftlerischer Ehrgeiz; die Hartnäckigkeit der Gründer sowie deren Unterordnung aller eigenen Bedürfnisse gelten als Hauptursache der Firmenentstehungen. Auch Firmengründer Friedrich Hesser wird als bedürfnislos und äußerst sparsam beschrieben. Er lebte für seinen Betrieb, arbeitete von frühmorgens bis spät in die Nacht hinein. Luxus war ein Fremdwort für ihn. Verschwendung war ihm zuwider. Er überwachte persönlich, dass die Petroleumlampen nicht zu lange oder gar unnötig brannten. Ein kleines Vergnügen gönnte er sich jedoch: Wein- und Mostkrug waren stets in Reichweite, denn auch die Pietisten schlotzen gerne ein Viertele und pflegen dann zu sagen: „Wenn der Wein nicht ein Geschenk Gottes wäre, könnten wir ihn noch viel besser verachten."

Vor allem in den Gründerjahren der Verpackungsmaschinenbranche hing das Wohl und Wehe der jungen Firmen wesentlich vom Können der Mitarbeiter ab. Ein Pfeiler der Erfolgsstrategien ist die hohe Mitarbeiterloyalität in den meist von der Landwirtschaft geprägten Regionen. Auch das im Pietismus verankerte soziale Engagement und ausgeprägte Verantwortungsbewusstsein sorgten für die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter. So hatte schon Branchenvater Hesser ein vorbildliches Sozialprogramm zu bieten. Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenrenten, Beihilfe in Krankheits- und besonderen Notfällen wurden dort in den 1950er-Jahren ebenso gewährt wie zinsverbilligte Darlehen für die Finanzierung des Eigenheimes.

Hochspezialisiert und kunden­orientiert

Die meist mittelständischen Unternehmen haben sich im Laufe der Zeit stark auf ihre Nische fokussiert. Genau darauf zu hören, was die Kunden brauchen, und dann hochspezialisierte, hochqualitative Maschinen zu bauen, die genau diesem Kundenwunsch entsprechen, ist eines der Erfolgsgeheimnisse dieser Branche. Selbstredend sind diese Maschinen auch so flexibel, dass sie auch bei veränderten oder neuen Anforderungen problemlos weiter ihren Dienst leisten. Die Packungsgröße ändert sich, der Kunde wünscht einen anderen Packungsstil? Modular aufgebaute Maschinen lösen auch diese Aufgabe. Vertrauen in die gelieferte Qualität ist ein weiterer Grundpfeiler dieser Arbeit made in Südwestdeutschland. Ein Leitsatz des Firmengründers Robert Bosch, der lautete „lieber Geld verlieren als Vertrauen" zeigt, wie tiefgreifend das Qualitätsverständnis in dieser Branche war und ist.

Wie weit Flexibilisierung und Individualisierung gehen kann, zeigt eine Meldung von der diesjährigen Hannover Messe. Eine ganz besondere „Kundin" bekam dort während des Messerundgangs ein individualisiertes Parfum mit der Aufschrift „Angela‘s Dream". Sie ahnen es, die Besucherin war Angela Merkel, und das Parfum wurde auf einer Optima-Maschine, ausgestattet mit einem außerordentlich flexiblen Multi-Carrier-Transportsystem, abgefüllt. Auch Optima ist im Packaging Valley zu Hause, der Firmengründer Otto Bühler präsentierte 1922 die ersten Maschinen zum Wiegen und Abfüllen von Lebensmitteln. Heute gehört das Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitern zu den großen der Branche. Geführt vom Enkel des Gründers, Hans Bühler, realisiert das Unternehmen weltweit erfolgreich Sondermaschinen für die Branchen Pharma, Life Science, Lebensmittel, Kosmetik, Chemie und Papierhygiene.

Die Vereine PEC und Packaging Valley

Heute sind rund 100 Unternehmen des Verpackungsmaschinenbaus und seine Zulieferer, darunter etliche mit Weltmarktführerstatus, in den Vereinen Packaging Valley Germany e.V. und Packaging Excellence Center (PEC) organisiert. Gemeinsam beschäftigen sie mehr als 15.000 Mitarbeiter.

Die Unternehmen liefern Maschinen zum Verpacken der unterschiedlichsten Produkte: Lebensmittel, Flüssiges, Festes, Pharmazeutika, Kosmetikprodukte oder Non-Food. Zu ihren Kunden gehören weltweit agierende Konzerne wie Mondelez, Nestlé, Kraft Foods, Procter & Gamble und die großen, namhaften Pharmaunternehmen. Ein Großteil der Hersteller von Verpackungstechnik ist nach wie vor in Familienhand. Längst auf den Weltmärkten zu Hause haben viele Hersteller von Verpackungsmaschinen und Komponenten einen Exportanteil von rund 80 Prozent.

Vom Packaging Valley in die Welt

Ein wichtiger Erfolgsfaktor der Unternehmen ist nämlich ihre globale Ausrichtung. So stammt weltweit jede dritte Verpackungsmaschine aus deutscher Produktion. Das Produktionsvolumen an Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen hat in Deutschland im Jahr 2016 einen Wert von rund 13 Milliaren Euro erreicht. Einen großen Teil davon lieferten die deutschen Unternehmen in mehr als 100 Länder. So erreichten die Exporte einen Wert von rund acht Milliarden Euro. Damit sind die rund 650, meist mittelständischen, deutschen Hersteller, in diesem Bereich mit einem Anteil am Weltmarkt von 22 Prozent vor Italien, den USA und China führend. Europa bleibt mit einem Anteil von 50 Prozent mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Verpackungsmaschinen.

Der Stand der Optima auf der ersten interpack 1958. (Bild: Optima)

Fast jede fünfte exportierte Maschine geht inzwischen aber nach Asien und dort vor allem nach China. Und auch aus Amerika hat die Nachfrage angezogen. Nordamerika belegt Platz 3 bei den Exporten aus Deutschland. Die Wachstumsimpulse für die Branche kommen aber auch zunehmend aus Schwellen- und Entwicklungsländern, deren Nahrungsmittelindustrie sich im Aufbau befindet.

So stiegen 2016 beispielsweise die Exporte in die Republik Südafrika, nach Nigeria, Iran, Indien und Mexiko deutlich zweistellig und erreichten Höchstwerte. Die weiteren Aussichten für die Zulieferer für die Getränke- und Lebensmittelindustrie schätzt der VDMA positiv ein: Die Weltbevölkerung wächst, die Ausgaben für Getränke und Lebensmittel steigen und besonders in den aufstrebenden Volkswirtschaften besteht ein Nachholbedarf im Konsum. So tragen die Firmen aus dem Packaging Valley maßgeblich dazu bei, dass der deutsche Verpackungsmaschinenbau weltweit gut dasteht.

 

Für Sie entscheidend

Firmen aus dem Packaging Valley
Eine beispielhafte Aufzählung von Unternehmen aus dem Bereich Verpackungstechnik im Packaging Valley: Bosch Packaging Technology, Breitner, Harro Höfliger, Herma, HPF Elektronik, Ishida, Optima, rommelag, Schubert Verpackungsmaschinen, Stambera Verpackungsmaschinen, Transnova Ruf, Uhlmann Pac-Systeme, VMS, R. Weiss.

Literaturtipp

Industriegeschichte gut verpackt

Anlässlich des 150. Jubiläums der ersten Unternehmensgründung von Friedrich Hesser ist ein Buch entstanden, das auf 300 Seiten die Erfolgsgeschichte dieser Branche nachzeichnet und dabei über 80 Unternehmen präsentiert. „Tüftler. Schaffer. Weltmarktführer. 150 Jahre Verpackungsmaschinenbau in Südwestdeutschland" ist gemeinsam von den beiden Vereinen Packaging Excellence Center, Waiblingen, und Packaging Valley Germany, Schwäbisch Hall, herausgegeben worden. Autoren sind Peter Tognotti und Rudolf Büchner von der Werbeagentur Karius & Partner. Das lesenswerte Buch kann über www.packaging-cluster.com bestellt werden.

 

Über den Autor
Autorenbild
Eva Middendorf

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